Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1909-04-02 · Heft 14 (2.4.1909) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3063469-3063483--06005-3072972
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 8. Die Wahrheu Ar. 14. Ans der Wiener Knltusgemeinde. Aus den Plenarsitzung des Knltusvorstaudes vom 21., 24. und 28. März 1909, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Vor Eingang in die Tagesordttung hält der Vorsitzende dem plötzlich verstorbenen Vorstandsmitgliede Karl Seligm a n n s. A. einen warmen Nachruf. Er hebt die ausgezeichneten Eigenschaften des Verewigten hervor, schildert die außerordentlichen Verdienste, die sich der Verstorbene um das Judentum überhaupt, um die Hebung uud Erhaltung des religiösen Lebens im 10. Wiener Gemeindebezirk im besonderen erworben hat. Die Entstehung de§ Tempels in diesem Bezirke ist zum großen Teile der unermüdlichen Hingabe des Verewigten zu danken und seine unausgesetzte Sorge galt der Entwicklung und dem Aufblühen dieses Gotteshauses. Dem Kultusvorstande war es leider nur wenige Wochen gegönnt, den Verstorbenen in seiner Mitte wirken zu sehen, dessen Hinscheiden die Kollegen im Vorstände, ivelche dem liebenswürdigen, überaus bescheideneit Manne die herzlichsten Sympalhieu enrgegenbrachten, mit tiefer Trauer erfüllt. Sein Andenken wird im Kulttisvorstande, wie in allen Kreisen, die ihn und sein Wirken kannten, ein gesegnetes bleiben. Der Präsident verfügt imter Zustimmung der Versammlung, die sich zum Zeichen der Trauer von den Sitzen erhoben bat, die Einverleibung dieser Kundgebung in das Protokoll. Jin Einlauf befinden sich: ein Dankschreiben des Vereines der Sabbalhfrennde (Schomre Schabbos) für das Eintreten des Präsidenten gegen die öffentliche ostentative Entweihung des Sabbaths seitetts einer indischen Studentenverbindung; ein Dankschreiben der Kultnsgemeinde Brünn für die Kondolenzkundgebnng des Wiener Knllusvorstandes anläßlich des Ablebens des Ehrenpräsidenten der Brünner Knltusgemeinde, Julius Ritter von G o m p e r z; ein Dankschreiben des Ehepaares Adam und Rosalie Kraus für die Glückwünsche des Vorstandes anläßlich ihrer, goldenen Hochzeit. Ferner besindet sich im Einlauf eine Zuschrift des Vorstandsmitgliedes Bernhard P v l l a ck, Edler v. P a r u a u, in welcher er milteilt, daß er mit Rücksicht auf seinen geschwächten Gesundheitszustand sich verarrlaßt sehe, sein Mandatals Kultus- Vorstand niederznlegen. Das Vertreterkolleginm hat diese Zuschrift mit dem Ansdrucke des lebhaftesten Bedauerns über das Ausscheiden eines Mannes zur Kenntnis genommen, welcher sich während seiner leider nur kurzen Tätigkeit im Kultusvorstande sowohl als Mitglied des Vertreterkolleginms als auch als Fluanzrefereut der Gemeinde .in der hingebungsvollsten Weise betätigt hat. Das Plenum nimmt die Entschließung des Herrn kais. Rat Bernhard P o l l a ck Edler v. P a r n a u mit dem Ausdrucke des lebhaften Bedauerns und des wärmsten Dankes für seine ersprießliche Tätigkeit zur Kenntnis. Bon der Ansschreibung einer Ersatzwahl ist derzeit Abstand zu itehmen. Vertreter Max F r a n k referiert über die Unterbringung von sogenannten verlassenen Kindern in gemeinsaiiler Pflege. Die Kultusgemeinde leistet für eine große Anzahl verlassener Kinder zu den Verpflegsbeiträgen der Kommune oder anderer Körperschaften einen entsprechenden Zuschuß, um die betreffenden Kiitder bei jüdischen oder überhaupt bei besseren Pflegeparteieit nuterbringeu zu können. Wenit durch diese Maßnahmen auch gegenüber den früheren Zuständen eine wesentliche Besserung eingetreten ist, so könne doch nicht geleugnet werden, daß die Unterbringung solcher Kinder in einem gemeinsamen Heime unter Aufsicht einer pädagogisch gebildeten Person der Einzelunterbringung in der Regel vorzuziehen ist. Die besteheuden Waisenhäuser können hiebei nicht in Betracht kommen, weil es sich hauptsächlich um nicht verwaiste Kinder handelt. Nach dem vom Vertreterkolleginm gefaßten Beschlüsse sollen nunmehr za. 30 Kinder in entsprechenden Räumlichkeiten des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für die Bezirke XII-^XV unter* gebracht werden und übernimmt dieser Verein auch die Ausspeisnng dieser Kinder gegen ein entsprechendes mäßiges Entgelt seitens der Kultnsgemeinde. Die Ueberwachnng des Heimes soll durch den Verein zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder erfolgen. Die Mehrkosten, welche diese gemeinsame Unterbringung erfordert, sollen durch Heranziehung der Erträgnisse ans dem Prediger-Mannheimer-Kinderasylfoude uud der Gottlieb uud Regine Bettelheim-Widmung für ein Kuabeuasyl bestritten werden. Zur Leitung des Heimes wird aus der Mitte des Vereines zur Errichtung und Erhaltung von Horten für schulpflichtige Kinder ein Kuratorium eingesetzt, in welches von seiten des Knllusvorstandes die Vertreter Max' Frank und Dr. Maximilian Steiner delegiert werden. Ueber das Ansuchen des Tempelvereines für Wieden unb Margarethen wird in teilweiser Abänderung früher gefaßter Beschlüsse dem Vereine die Genehmigung zur Aufnahme eines Darlehens bis zum Höchstbetrage von K 60.000 erteilt. Die Bewilligung zum Banbeginne wird seitens des Knltusvorstandes erteilt werden, sobald der Verein nachiveist, daß er zuzüglich der aufzunehmenden Hypothek im Besitze des gesamten, für den Bau und die innere Einrichtung des Tempels erforderlichen Betrages sich befindet. Da ein wesentlicher Teil dieses Betrages durch Spenden bereits aufgebracht ist, steht zu erwarten, daß die weiter vorzunehmenden Sammlungen unb Veranstaltungen in Bälde das gewünschte Ergebnis zeitigen werden. Dem Tempelverein im XIX. Bezirk tvird zur Bestreitung außerordentlicher Ausgaben ein Darlehen gewährt. Ueber das Ansuchen der Chewra Kadischa in Floridsdorf wird ihr unter gewissen, mit der Ordnung des Friedhofwesens in Floridsdorf zusammenhängenden Voraussetzungen, wie Aenderung des Statutes rc. gestattet, daß die Namen verstorbener Mitglieder derselben anläßlich der Maskirandachten im Gemeindetempel in Floridsdorf zur Verlesung gelangen. Hiebei wird angenommen, daß die der Chewra Kadischa znfließeudeu Einkünfte beziehungsweise deren Erträgnis von ihr allgemeinen Wohltätigkeitszwecken zugewendet werden. Von dem Werke des Dr. Gustav K a r p e l e s „Geschichte der jüdischen Literatur" werden durch die Gemeinde eine größere Anzahl von Exemplaren angekauft. Zur Herausgabe eines von sachverständiger Seite in sehr günstigem Sinne begutachteten Werkes des Dr. Ignaz. Z o l l s ch a n „Ueber die theoretischen Grundlagen der jüdischen Rassenfrage" wird ein Beitrag votiert. Die Konimission für Unterrichtsangelegenheiten und das Vertreterkollegium stellen den Antrag, den Mädchen, welche in den Wiener Tempeln konfirmiert werden, außer einem Exemplar des M a n n h e i m e r Gebetbuches auch ein Exemplar von Dr. Max G r u n w a l d s „Bernria" in einer diesem Zwecke entsprechenden Umarbeitung als Geschenk der Kultusgemeinde zu überreichen. Der Antrag wird angenommen. Zu Mitgliedern des Bethausvorstandes für die Bezirke XVI—XVII werden die Herren Siegfried Stein und Salomon W e i tz m a n n berufen. Subventionen werden bewilligt: Dem Vereine zur Unterstützung armer kranker Israeliten, dem Asyl für mittellose kranke Israeliten in Meran, dem Humanitären Verein „Kiuderstütze", dem Leopoldstädter Kinderspital, dem israel. Franenwohltätigkeitsvereine „Providentia", dem Talmud-Thora-Vereine für die westlichen Bezirke Wiens, dem Tempelvereiue Brigittenau, verschiedenen jüdischen Studentenvereinen und Verbindungen, dem jüdischen Privatgymnasinm in Ung.-Brod, dem jüdischen Schul- , vereine im X. Bezirk, der Schülerlade der I. k. k. Staatsoberrealschule in Wien, H., dem Vereine Mekize Nirdamim in Frankfurt a. M. Verliehen werden: Die Dr. Sacks-Stiftung für Herz- und Aortakranke, 35 Plätze im Gesamtbeträge von K 8304.—, die Elisabeth Ungar-Stiftung für Rabbinatskandidaten, 5 Plätze per zusammen X 3000.—. In das Komitee der Dr. Moriz Rappaport Preisausschreibe-Stiftung. werden neuerlich für die Dauer von 3 Jahren die Herren Dr. Alfred Ster n, Dr. Gustav K o h n, Wilhelm S t i a ß n y, Dr. I. S. Bloch, Dr. Moriz G ü d e m a n n, Dr. Adam Politzer berufen. Schließlich wurde eine größere Anzahl von Personalien erledigt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.