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Die Wahrheit · 1909-04-02 · Heft 14 (2.4.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 14 (2.4.1909)
Date
1909-04-02
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 14. Die Wahrheit. Seite 7. 'Talsachen die Spitze abbrechen sotten. Man wird uns nämlich j annwenden, daß es beispielsweise kein Leichtes sei, dem Gesamtfestgottesdienste an den Maskirtagen, der nahezu drei Stunden mährt, stehend anzuwohneu, falls man. infolge Verspätung, keinen Sitzplatz erobern konnte. Zugegeben, daß das schwache Nervensystem unserer Zeitgenossen, zumal zu gottesdienstlichen Zwecken, eine solche Kraftprobe nicht leicht bestehen könnte, ja, aber ist denn eine solche Prozedur überhaupt notwendig? Ist es doch stadtbekannt, daß die Wiener Knltnsgemeiude anläßlich der Maskirandachten, um dem Andrange Genüge zu leisten, eine Anzahl Privaträume zur Abhaltung des Festgottesdienstes adoptiert, die jedermann zugänglich sind und die in Bequemlichkeit das möglichste bieten; außerdem ist noch die Verfügung getroffen, daß in den Gemeindetempeln, Synagogen und Bel- Häusern an den Maskirtagen zweimal Gottesdienst abgehalten wird, was gleichfalls den Zweck hat, der Teilnahme an diesem Pietätsakte keine Schranken zu setzen, derselben vielmehr allen möglichen Vorschub zu leisten. Etwas mehr religiöses Empfinden in Sachen der Pietät; etwas mehr Begeisterung für den Gottesdienst und etwas mehr Ehrfurcht für die Stätte der Andacht, und man wird daselbst das bescheidene Plätzchen bald gefunden haben, von wo ans man an dem Gesamtgottesdienste in würdiger Weise teilnehmen und Gebete verrichten kann, die erheben und erbauen und in die weihevolle Stimmung versetzen, die in der Haskarah znm Ausdruck gelangen soll. Daniel Skutezky Religionslehrer. Die jüdische Wissenschaft anßerhaib des Indentnmes. Bon M. Stark. (Fortsetzung.) Sie hat die Größe und die Herrlichkeit des Judentums nicht nur wiederhergestellt, wie der Talmud sagt: mey WTnrry notröb sondern auch es so fest aufgebant, daß alle späteren Anstrengungen, es zu zerstören, vergeblich gewesen sind. Die Männer der großen Synode haben die Lehre in das Herz des Volkes gepflanzt und dieselbe hat dort solche feste Wurzeln gefaßt, daß ein Herausreißen derselben ohne die Zerstörung und Vernichtung dieses Herzens selbst nicht mehr möglich war. Das zeigte sich auch in den bald darauf folgenden Kämpfen der Makkabäer, wo die Edelsten und Besten ihr Herzblitt für diese Lehre verspritzten itnd ihr Leben für ihre Erhaltung opferten. Aber noch bevor den Heiden die erste Probe von der Unzerstörbarkeit des Judentums in seinem Mntterlande geliefert wurde, wurde ihnen auf einem andern Schauplätze Gelegenheit gegeben, den Inhalt der mit der Existenz des jüdischen Volkes unzertrennbar verknüpften Lehre kennen zu .lernen. Ueber Anregung des jüdischen Philosophen Aristobul, ließ der ägyptische König Philadelphos die Thora ins Griechische übersetzen, um dieselbe allen Gebildeten zugänglich zu machen. Seit Alexander war nämlich das Griechische auch in Vorderasien und Aegypten die Sprache aller Gebildeten geworden. Die Inden Alexandriens waren über dieses Ereignis so erfreut, daß sie den Tag der Ueberreichung der Uebersetzung an den König alljährlich als Festtag begingen. In der Tat waren sie dadurch in den Stand gesetzt, den mit ihrer Weisheit sich brüstenden' Griechen die Lehre Mosis entgegen zu halten, worin viel erhabenere und ältere Weisheit aufbewahrt ist, als in den Schriften ihrer Philosophen. Mit Gewißheit konnten sie darauf rechnen, daß die Heiden beim Lesen und Hören dieser Lehren und Gesetze, wie Mose vorausgesagt, aus rufen werden: „Ein weises und verständiges Volk ist diese große Nation." In Palästina hat allerdings das Ereignis der Thora-Uebersetzungen, wie dies an dieselbe geknüpfte Sagen beweisen, keine freudige Erregung, vielmehr Verstimmilug hervorgerufen; allein der Grund dieser Mißstimmung war nicht, weil etwa die Völker nunmehr im Stande waren, die jüdische Lehre zu erforschen und zu beurteilen, sondern weil man daselbst — und nicht ohne Grund — befürchtete, die griechische Uebersetzung werde mit der Zeit den hebräischen Urtext selbst unter den Juden verdrängen, wodurch Dielen Geboten und Verboten, die ans dem Satzgefüge, aus der Wortstellung, ans einzelnen Partikeln, Buchstaben und Zeichen abgeleitet sind, was aber bei der Uebertragung außer Acht gelassen worden ist, die Grundlage entzogen wurde. Znm Beweise ist die um etwa 300 Jahre jüngere, griechische Uebersetzung des Proselyten Akylos, in welcher auch auf die halachischeu Deutungen Rücksicht genommen wurde, auch vor den Strengfrommen, wie R. Elieser, R. Josna und R. Akiba mit Freuden begrüßt worden. Ja, es ist diesen Uebersetzungen, auf welche der Schriflvers: Gon har Jafer, d. i. den Griechen eine schöne Sprache gegeben und sie wird weiter in den Zellen Sems d. h. in Israels Gotteshäusern angewendet werden, eine gleiche Heiligkeit damit dem hebräischen Urtexte beigelegt werden. Es ist überhaupt kein Beispiel vorhanden, daß einer der alten Mischnahlehrer sich geweigert hätte, einen Heiden mit dem Inhalte der jüdischen Lehre bekannt zn machen, oder ihn von der Beschäftigung mit derselben abznbringen. Gerade das Gegenteil war der Fall. Denn ganz abgesehen von den Bemühungen der Alexandriniichen, jüdischen Schriftsteller, besonders des Philo, der durch einen philosophischen Kommentar zur Bibel den Griechen eine richtige Auffassung von der mosaischen Lehre beiznbringen suchte, zeigen viele Erzählungen im Talmud und Midrasch, daß die hervorragendsten Tanaim sich sehr oft mit Heiden über das jüdische Gesetz nuterhielten und daß viele Heiden mit dem Lehrinhalte des Judentums ganz vertrant waren. In jener Zeit, sind auch zahlreiche gelehrte Heiden znm Judentum übergetrelen. Römische Senatoren und hochgestellte Frauen faßten eine Vorliebe für das Judentum und unter den Proselyten gab es Viele, welche, wie der schon genannte Akylos, eine bedeutende Kenntnis des Gesetzes erlangten. R. Meier, der hellste Kopf und scharfsinnigste Denker seinerzeit, war von dieser Erscheinung so begeistert und versprach sich von der Verbreitung der Thorakenntnis unter den Heiden solch segensreiche Folgen für die ganze Menschheit, daß er den Ausspruch tat: „Ein Heide, der mit der Thora sich besaßt, ist dem Hohenpriester gleich zn achten, denn die Thora selbst sage: arc vn amtn vnx w "wx D er M e n s ch und nicht blos der Israelit oder Lewir oder Priester, der das Gesetz ausüben rvird, wird durch dasselbe leben, das ewige Leben erlangen. R. Maier war nämlich von der Erhabenheit und Vollkommenheit der Thora so dnechdrungeu, daß er überzeugt war. die Beschäftigung mit derselben muß ans jeden Menschen veredelnd llnd versittlichend einwirke». R. Meir stand in der Tat mit einem heidnischen Philosophen, mit den Neuplatoniker Enninos in frenndschaftlichem Verkehre und batte mit demselben philosophische Unterredungen. Enninos kannte und zitierte Bibel und Agadah und räumte dem Judentume soviel Autorität ein, daß er glaubte, Pythagoras und Platen hätten aus dieser Quelle ihre Weisheit geschöpft. Nicht lauge darauf finden wir ein gleiches Verhältnis zwischen einem römischen Kaiser, einem Anlvnins und dem Patriarchen R. Inda hanaßi. Der Kaiser zeigt sich ganz vertraut mit dem jüdischen Gesetze. Indes ist die Anschauung, daß ein mit der Lehre sich befassender Heide dem Hohenpriester gleich zn achten sei. nicht während der ganzen talmudischen Zeit die herrschende geblieben. Viele Amoraun, spätere Talmudlehrer, waren nänilich der entgegengesetzten Meinung. R. Jochanan verflieg sich sogar zu dem Ausspruche: ..Ein Nichljude, der die Thora studiert, mache sich dadurch des Todes schuldig." Was also nach R. Meir dem Heiden die Würdigkeit eines Hohenpriesters und das ewige Leben verschafft, wird ihm nach R. Jochanan als schwere Schuld angerechnet. Der Widerspruch, der hierin liegt, konnte selbstverständlich dem Talmud nicht entgehen und er sucht denselben in seiner Weise zn lösen, indem er den Ausspruch des R. Meir ans die sieben noachidischen Gebote bezieht, die alle Menschen zn halten verpflichtet sind, den Ansspruch des 3t. Jochanan hingegen auf die nur für Israel geltenden Gesetze der Thora. Diese feien der ausschließliche Erbe Israels zpy'nbrr;3 rramo uiib darum mache sich derjenige Nichljude. der diese erforscht und zn seinem Eigentume macht, eines Raubes an dem Erbe Israels schuldig. (Fortsetzung folgt.)

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