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Die Wahrheit · 1909-03-26 · Heft 13 (26.3.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 12. Seite 7. Die Wahrheit. erquickendes Gemach verwandelt, aus dem alle Sorgen, Leiden und Widerwärtigkeiten wenigstens bis nach Sabbathansgang gebannt wurden, daher das jüdische Sprichwort: „Lamp' herunter, Sorg' hinauf". Ja, die Frauen,, die sich damals zumeist durch Sitteneeinheit, Keuschheit und Frömmigkeit anszeichneten, waren es, die sich redlich bemüht hatten, ihr Scherslein dazu beizutragen, daß der Sabbath wie die andern religiösen Feste in der Familie in erhebender und erbauender Weise gefeiert werden. Kein Opfer war ihnen zu groß, keine Arbeit zu schwer, so es galt, den Sabbath zu verherrlichen. Daher kam es auch, daß die reichen wie die armen Geschäftsleute stets alles ausboten, um nur ans „Schabbos" in die „Khille" Gemeinde zurückzukommen, weil es LN ihrer höchsten Lebensfreude gehörte, diesen im Familienkreise feiern zu können. Der Sabbath wurde als Familienfest in folgender Weise gefeiert: Während die wackere Hausfrau Freitag nachmittags mit der Zubereitung der Speisen ans Samstag, wie mit der Reinigung der Behausung vollauf beschäftigt war, suchte der fromme Gatte seinerseits zur Verherrlichung des herannahenden Sabbaths dadurch wesentlich beizutragen, indem er sich rasiert — natürlich mit „Anrnm" — gewaschen oder gebadet und sowohl frische Wäsche als die Sabbathskleider angelegt hatte. Sobald der Gemeindediener zu „Kabbolos Schabbos“ gerufen, verfügten sich sämtliche Gemeindemitglieder in die hell erleuchtete und festlich geschmückte Synagoge. Hier sang man mit dem Chasan „Lecho dodiu, jenen bekannten Gruß, wil welchem der Sabbath gleich einer würdigen, mit den schönsten weiblichen Tugenden geschmückten Braut empfangen wird. Dieser feierliche Abendgotlesdienft schloß mit der Zeremonie des Kiddusch, wie es noch jetzt in allen jüdischen Gotteshäusern üblich ist. Nach Beendigung des Abendgvttesdienstes rief der Eine dem Andern beim Nachhansegehen „gut Schabbos" zu, welchen Gruß jener mit „gut Jahr" erwiderte. Kanin betrat der Vater die Schwelle seiner festlich geschmückten Wohnung, als ihm schon die Kinder ehrfurchtsvoll entgegenlraten, mn sich von ihm den Segen erteilen zu lassen.*) Er legte die Hände auf das Haupt eines jeden einzelnen Kindes und segnete es. Zu jedem seiner Knaben sprach er: „Gott lasse dich werden wie Ephraim und Menasche," und zu jedem der Mädchen: „Gott lasse dich werden wie Sarah, Riwka, Rachel und Leah". Dann begrüßte er die Engelschareu, ..die hohen Diener Gottes". „Schalom alechem Malache haschores“ und sang das bekannte, von Salomo verfaßte, die hohen Tugenden des biederen, wackeren Weibes besingende und preisende Lied: „Lsches chajil mijimzo“. Mit dem „Kiddusch" wurde die Tafel eröffnet. Man speiste Fische, Suppe, Fleisch und gebackene Mehlspeise, letztere wurde gewöhnlich „Semirotbobe" genannt, weil man vor und nach derselben die üblichen Tischlieder „Semiroth" frohen Mutes gesungen. Die beliebtesten dieser Lieder waren: „Ma jedidus menuchosch“ und „Zur mi schelau ochaluu“. Beide Lieder Hat vor Dezennien (1866) der sel. Professor M. Stößel ins Deutsche übersetzt und im ..Abendland" veröffentlicht. (Fortsetzung folgt.) Uerdand jin* Unterstützung armer israel. Wöchnerinnen. Ausweis über die Hilfstätigkeit des Verbandes in der Zeit vom 1. I ü n n e r b i s 31. D e z e m b e r 1908. Allsuchen wurden eingebracht von 647 Petentinlien, hievon wurdelr zur Unterstützung bewilligt 601 Petentinnen und abgewiesen 46 Petentinnen. Die bewilligten Unterstütznllgeil verteilen sich im Jahre 1908 auf die einzelnen Monate wie folgt: Jänner 59, Februar 49, März 56, April 47, Mai 48, Juni 48, Jlili 60, August 41, September 43, Oktober 34, November 52. Dezember 64 Petentinnen. *) Die größeren Knaben, die ebenfalls mit dem Vater dem Abendgottesdienste in .der Synagoge beiwohnten, erhielten den väterlichen Segen gleich nach dem Olenugebet in der Synagoge: Die bewilligten Unterftütznngsfälle verteilen sich auf die einzelnen Bezirke, bezw. Verbands-Vereine wie folgt: 1. Bez. (Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein) 2 Petentinnen, 2. Bez. (Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein für Hausarme) 70, 2. Bez. (Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein „Zustucht") 130, 3. lind 10. Bez. (Frauen-Wohltätigkeits-Verein „Providentia") 31, 4. und 5. Bez. (Israel. Fralien-Wohlätigkeits-Verein für die Bezirke 4 und 5) 9, 6. und 7. Bez. (Israel. Frauen-Wohlätigkeits-Verein für die Bezirke 6 und 7) 13, 8. Bez, (Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein „Josefstadt") 3, 9. lind 19. Bez. (Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein „Frauenhort") 22, 11. Bez. (Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein „Simmering") 2, 12. bis 15. Bez. (Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein im Bezirk Sechshaus) 32, 16. und 17. Bez. (Israel. Frauen- Wohltätigkeits-Verein für die Bezirke 16. und 17) 26. 18. Bez. (Israel. Franen-Wohltätigksits-Verein für den 18. Bezirk) 1, 20. Bez. (I. Brig. israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein) 255, 21. Bez. (Israel. Frauen-Wohltätigkeits-Verein Floridsdorf) 5 Petentinnen. Von den verschiedenen Arten von Hilseleistnug wurden bewilligt: Geldunlerstütznngen an 556, Bettwäsche an 8, Leibwäsche an 11, Kindwäsche an 348, Geburtshilfliche Utensilien an 322, Honorierung von Hebammen an 434, Honorierung von Aerzten an 155, Honorierung von Pflegerinnen an 70 Petentinnen. Kosten der Hilfstätigkeit des Verbandes im Jahre 1908 K 22.381.29. An die v o m B e r b a n d e nute r st ü tz t e n W ö chnerinnen wurde nebst den Gaben aus Verbandsmitteln überdies gewährt: 1. G e l d u n t e r st n tz n u g e n seitens der israel. K u l t u s g e m e i n d e ans den in der Verwaltung derselben befindlichen Stiftungen und Widmungen für Wöchnerinnen an: 14 Petentinnen mit dem Betrage von K 730.—. 2. Kindermilch seitens der israel. Armenanstalt an 84 Petentinnen im Ausmaße von 4740 Liter mit dem Kostenbeträge von K 1280.—. S tatistis ch es: Im Jahre 1908 sind im Gebnrtsbuche der israel. Knlcusgemeinde Wien 2670 im Gemeindegebiete der Stadt Wien erfolgte Geburten israelitischer Kinder eingetragen. Es beträgt somit die Zahl jener Gebnrtsfälle, rücksichtlich welcher seitens des Verbandes Unterstützungen bewilligt worden sind (unter Annahme von 601 Wöchnerinnen) rund 22*5°/o sämtlicher Geburten im Jahre 1908. lieber Anweisung der n.-ö. Landes-Gebär-Anstalt wurden im Jahre 1908 131 israelitische Wöchnerinnen, welche in dieser Anstalt entbunden haben, mit dem Betrage von X 2620.— von der israelitischen Kultnsgemeinde unterstützt. Der Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen ist eine Vereinigung der Wiener israel. Frauen-Wohltätigkeils-Vereine zu gemeinsamer, planmäßig geregelter Pflege armer jüdischer Wöchnerinnen in einer den Anforderungen der Hygiene entsprechenden Weise. Hilfsbedürftige Wöchnerinnen erhalten Geldunterstützungen, Wäsche, Utensilien, Beistellung der Hebamme, erforderlichenfalls auch ärztliche Hilfe und Wartung durch eine Pflegeperson. Jüdische Frauen und Mütter! Gedenket Eurer armen Glanbensschwestern zur Zeit ihrer schweren Stunde! Helfet den Armen in dem Momente, da sie hilflos in bedrängter Lage fremden Beistandes bedürfen! Geldspenden und für die Wöchnerinnenpflege geeignete Naturalien — außer Verwendung gesetzte Bett-, Leib- und Kindwäsche in hygienisch unbedenklichem gebrauchsfähigen Zustande — werden erbeten an den Verband zur Unterstützung armer israelitischer Wöchnerinnen. I., Seitenstettengasse Nr. 2. Diese Gaben wollen mit Namensnennung oder anonym gewidmet werden. Naturalien werden über Wunsch auch abgeholt. Verschiedene Nachrichten. Wien. (Wiener Bet-ha Midrasch-Verein, II.. Ferdinandsftraße 23.) Montag, den 29. März 1909. */> 8 Uhr abends, Vortrag Seiner Ehrw. des Herrn Rabbiner Dr. D. Feuchtwan g, über: „Der Midrasch zu 8chirath ha Jam". Eintritt frei.

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