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Die Wahrheit · 1909-03-26 · Heft 13 (26.3.1909) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Di- Wahrheit Nr. 13. Die indische Wissenschaft außerhalb des Iudentmnes. Von M. Stark. Die schöne, herrliche Zeit, welche die Gottesmänner des alten Israel, die Propheten, die mit dem Auge ihres Geistes in die entfernteste Zukunft blickten, verkündigten, die Zeit, von welcher der hell- und weitseheude, die ganze Menschheit überblickende Jesaia sagt, daß in ihr die ganze Erde von der Erkenntnis Gottes so erfüllt sein werde, wie der Meeresgrund vom Wasser, oder wie Secharjah sich etwas mehr realistisch ausdrückt, die Zeit, wo jeder Tops in Jerusalem heilig sein werde — diese Zeit ist wohl noch nicht erschienen, denn weder ist die ganze Erde, d. h. alle Köpfe, von der Erkenntnis Gottes erfüllt, noch alle Töpfe heilig, d. h. so gehalten, daß sie nicht allein für den häuslichen Gebrauch, sondern sogar beim Opferkultus Verwendung finden könnten. Allein wenn auch diese Zeit noch nicht erschienen, so glauben wir doch schon einen schmalen Lichtstreifen am Himmel der Menschheit wahrzunehmen, der ihr Erscheinen anlündigt. wie das Morgenrot die ausgehende Sonne. Dieser Lichtstreifen ist unseres Erachtens das allseitige Interesse, welches jetzt, wenn auch aus den verschiedensten Gründen, der jüdischen Lehre und der jüdischen Wissenschaft zugewendet wird, die Worte: Torah, Talmud, Schulchau-Arnch, die früher nur in jüdischen Kreisen, und auch da nur in den gelehrten, gehört wurden, sind in unserer erleuchteten Zeit jedem Munde geläufig. Jeder Junge auf der Straße oder jeder Straßenjunge liest sie am frühen Morgen und hört sie am späten Abend. Gevatter Schneider und Handschuhmacher sprechen von ihnen wie von den allbekanntesten Dingen. Wohl ist in den meisten Fällen der Mund, aus dem diese Worte jetzt so oft ertönen, falsch und verlogen, von Bosheit und Gift erfüllt, sind die j Hände, welche diese Worte niederschrieben, nicht selten schmutzig, | von Unrecht und (Gewalt besteckt. Allein die Lüge, die Ani schwärzuug, die Verleumdung, die Schmähung und Besudelung, die der Lehre des Zudentums von der einen Seite widerfährt, bewirkt. daß nunmehr ans einer anderen Seite, auf welcher man bislang um das Judentum und seine Lehrett sich nicht gekümmert, weil man sie für etwas Antiquiertes oder gar Abgestorbenes ge-! halten, das Interesse für dieselben rege wird und darum mit! deren Inhalt sich bekannt zu machen sucht. Die Erforschung der j Wahrheit, die in immer weitere Kreise dringende Kenntnis des j Lehrinhalts des Judentums wird und muß die heilsamsten! Folgen für dasselbe haben. Die wissenschaftliche Forschung wird! die dichten Nebel, das schwarze Gewölk, mit welchen matt in j den finstern Jahrhunderten des Mittelalters das Judentum abj sichtlich umgeben und die der Antisenlitismus unserer Zeit durch! die von ihm ausströmenden mephilischen Dünste noch mehr zu j verdichten und zu verstärken sucht — dessen sind wir sicher — j zerstreuen, und gleich der Sonne am Hellen Mittagshimmel, j wird das Judentum vor den Angen aller Völker und Menschen j leuchten und strahlen. Die Wahrnehmung, daß man jetzt mehr denn zu irgend einer der früheren Zeiten auch außerhalb des Judentums mit der Lehre des Judentums sich beschäftigt und deren wahren Inhalt aus Grund geschichtlicher Forschungen zu erkennen sich bestrebt, muß uns daher mit Freude erfüllen und die Erscheinung, daß immer mehr und mehr nichtjüdische Gelehrte die jüdische Wissenschaft zum Felde ihrer geistigen Tätigkeit sich erwählen, muß von uns mit Freuden begrüßt werden. Dann erst, wenn die Gesamtlehre des Judentums aufhören wird, ein Buch mit sieben Siegeln für die gebildeten Völker zu sein, wird der wirkliche Wert des Judentums allseitig erkannt werden und dieses die ihm gebührende Anerkennung finden. Ein geschichtlicher Rückblick darauf, ob und in welchem Maße und zu welchem Zweck man sich bisher außerhalb des Judentums mit der jüdischen Wissenschaft beschäftigte, und in welchem Lichte das nichtjüdische Studium der Torah auf jüdischer Seite zu den verschiedenen Zeilen eingesehen wurde, dürfte wohl nach den vorausgeschickteu Worten nicht ganz des Interesses entbehren. In der erhabenen Studie, welche der Gottesmann Mosche kurz vor seinem Hinscheiden in der Ebene von Noab an Israel richtete, findet sich ein Passus, dessen überaus hohe Bedeutung auch der oberflächlichste Leser sofort erkennen muß. Es ist dies der Ausspruch : bz> nx iFvrv' ->L>x own wb nonrsi Dsnasn xv7 '2 nin ■'■un P221 nsn ny pn •höx*' nbxn D'pnn Alle Völker, welche diese Gesetze und Rechte hören werden, werden sprechen: „Wahrlich ein weises und verständiges Volk ist diese große Nation". (Deuter. 4—6.) Aus diesem Ausspruche ergibt sich nun zweierlei: erstens, daß wir unsere Lehren, Gesetze und Rechte vor den anderen Völkern nicht verheimlichen, nicht wie die ägyptischen Priester, welche ihre Lehren als Geheimnisse unter sich bewahrten, eine Geheimlehre aus derselben machen sollen, daß wir sie vielmehr den anderen Völkern mitteilen, damit sie dieselben hören und kennen lernen; zweitens, daß uns das Urteil der Völker über uns, unsere Legren und Gesetze nicht gleichgiltig sein soll und sein darf. Was nun den ersten Punkt betrifft, so hatten die Völker während des Bestandes des ersten israelitischen Staates nur wenig Gelegenheit, die Lehren und Gesetze Israels kennen zu lernen, und zwar ans dem einfachen Grunde, weil dieselben in Israel selbst nur wenig bekannt waren und noch weniger beobachtet wurden. Nach der Einwanderung in Kanaan machte sich das israelitische Volk mit den heidnischen Sitten und Satzungen bekannt und vergaß darüber die eigenen. Die Unkenntnis der mosaischen Lehre ging so weit, daß sie sich bis auf die Hohenpriester erstreckt, was die Auffindung des Buches der Lehre unter dem König Josia beweiset. Erst nach der Rückkehr ans dem babylonischen Exil wurde die Gesetzeskenntnis durch die unausgesetzten Bemühungen Esras unter dem Volke verbreitet. Nichts kennzeichnet besser die religiöse Unwissenheit, welche vor Esra im Volke herrschte, als der Ausspruch des Talmud: „Als die Thora in Israel ganz vergessen war, da kam Esra aus Babel herauf und begründete sie von neuem?" Esras Bemühungen und Verdienste um die Verbreitung der Gesetzeskenntnis fand auch die höchste Anerkennung. „Esra war würdig gewesen, daß die Thora durch ihn gegeben werde, wenn ihm hierin nicht schon Moses zuvorgekommen wäre." (Synhedrion 21 b). In den zweihundert Jahren, welche von der Wiederansiedlung in Palästina bis zur Eroberung des Landes durch Alexander den Großen vergingen, kamen die Juden mit den Anßenvölkern viel zu wenig in Berührung, als daß dieselben Anregung und Gelegenheit gefunden hätten, die jüdische Lehre kennen zu lernen. Diese Zeit, welche die dunkelste Periode in der jüdischen Geschichte bildet, wurde von den Männern der großen Synode, den Sosrim, dazu benützt, um Schutzmittel gegen ein abermaliges Vergessen der Lehre zu schaffen. Es wurden nämlich die Normen festgestelltnach welchen die mosaischen Lehren und Gesetze zur praktischen Ausübung gelangen sollen. Die lebendige Betätigung einer Lehre aber macht bereit Vergessen unmöglich. Vieles von dem, was in jener Zeit geschaffen wurde, hat sich bis zum heutigen Tage erhalten. Auch die biblischen Schriften wurden damals gesammelt, gesichtet, geordnet und znsammengestellt, zu denen später nichts mehr hinzngesügt wurde. Durch den Abschluß des Kanon. Fixierung der Normen für die praktische Ausübung der Gesetze und Schaffung der Institutionen, welche diese Ausübung ermöglichen sollten, hat die Synagoga magna das Judentum ans eine unerschütterliche Grundlage gestellt und dessen Bestand für alle Zeiten gesichert. (Fortsetzung folgt.) Das Kadijchgebet. Was mochte wohl unsere Weisen veranlaßt haben, anzuordnen, daß die Söhne nach dem Hinscheiden ihres Vaters oder ihrer Mutter im Trauerjahre das Kadischgebet verrichten? Die Frage hat R. Abraham Hurwitz, eine rabbinische Autorität ersten Ranges, in seinem Werke Jesch Nochlin in folgender Weise gelöst: „Man würde sich sehr täuschen, wenn man glauben möchte, daß der Sohn deshalb das Kadisch

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