Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1909-03-26 · Heft 13 (26.3.1909) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 13 (26.3.1909)
Date
1909-03-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/3062972-3063469-3063482--05987-3072953
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

aßr^eit Wcbnfliou ii. Jtbiuiiiillrniiou: Wien. II/, ÜMoimvagafie -7 Tclftiboii bet Dttickrr-: 15SHÜ K. k. öllerr. Vostsparkaffa- Scheck-Konto Nr. ivn.918. InivrkliL Die viermal gejvnll-uc NonpareiNe-Zeile So Heller.?ibomumciii®* u. Zi,je>riourbftragr fuib tu ÜlMeu zadida: ,uib fhirtbat. nakhängige Heitschnfi für jnöische Interessent Erscheint jeden Is r e i t a g. Motto: ,.I)»S Ölegel Gottes ist Walirheit!“! >l»uil JlllDl 14 II 14 ' fc.ilttiäOri«: . . 1k 7 i^iir (iultiiSbeuinte: 'i'.uMMDHit 5k Ul. lHl> '?(!!■?tllllö : '»'uilililöllt) ... 8 UWiirt rt HltlDtl obrr >8 Jfc*. 1U. 13 Wien, 26 Mar; Inhalt: Dokumente zur gatizifchen Judeufrage. — Die jüdische Wissenschaft außerhalb des Judentums. — Das Kadischgebet. — Materialistische Nachzügler in der Tagesliteratur und das Judentum. — Das Leben und Wirken der Juden in Oesterreich in vormärzlichen Zeiten. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Eine gebildete Frau. — Aufruf. — Polnisch-Singen in der modernen Synagoge. — Verband zur Unterstützug armer israelitischer Wöchnerinnen. Abonnements - Einladung. Die geehrten Kerren Abonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das am 1. April 1909 beginnende 2. Kuartal ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalöjährig Kr. 7.—, Uierteljährig Kr. 3.50. K. k. Poftfparkassen-Konto 100.918. Probenummern gratis zur Verfügung. - Dokument zur galizische» Indenfrage. Bon M. Mandl, Dux. Eine ungehaltene Rede nannte Herr Dr. Sinnreich seine trefflichen Ausführungen in der vorletzten Nummer dieses Blattes. Mit diesem „Dokument" hat der Verfasser die richtige Saite angeschlagen und den Finger zweifellos auf die wnndesteStelle des galizischen Judentums gelegt. Und diese „Rede" hätte den Ton der Ueberzengnng und den guten und ehrlichen Willen, zn raten und zu helfen, a n ch gesprochen nicht lvirksamer zum Ausdruck bringen können. Doch soll es gestattet sein, daß dieser Rede sich auch Wechselrede anschließe, wenn schon der „Mantel des Schweigens" gelüftet und die kritische Lage „von unserem Gesichtspunkte aus" öffentlich untersucht wird. Bevor wir jedoch von Galizien sprechen, müssen wir auch unsere westlichen Verhältnisse berühren. Seitdem die assimilatorisch-liberalen Juden — sei es aus Mißverständnis, oder mit hinterhältiger Absicht — ihren zionistischen Brüdern Klerikalismus vorwerfen, sind die Begriffe von jüdischpolitischem Nationalismus in vielen Kreisen nur noch verworrener. Abgesehen davon, daß es einen jüdischen Klerikalismus gar nicht gibt, begnügt man sich in zionistischen Kreisen nicht, dies einfach f e st z u st e l l e n, vielmehr wird im Gegensätze zu früher — wo ja auch das Religionsgesetz nicht zum Programm des Zionismus gehörte und dies als ausgemacht vorausgesetzt wurde^ — bei jeder gegebenen Gelegenheit die Religion und deren Satzungen feierlichst abgelehnt, so daß der wirklich ans Ueberzengnng zum gesetzesirenen Judentume sich Bekennende — sich vors Gesicht geschlagen sieht und seinen nicht minder ehrlichen Zionismus mit seinem Judentume in gar keinen Einklang bringen kann. Wenn jüdischer Nationalismus ohne Religion auch bestehen kann, so darf Religiosität nicht als Klerikalismns bezeichnet — und ein Rabbiner, der seiner Ausgabe gemäß die Religion in seiner Gemeinde nickt negiert wissen will — nicht verdammt werden, wenn ersieh zn dieser Art Zionismus nickt bekennen mag. Gewiß hat auch der jüdische gleich jedem andern Nationalismus mit der Religion nichts zn tun und es ist Pflicht jedes Inden, sich in erster Reihe zur jüdischen Nation zn bekennen, doch muß die Nation endlich auch zur Religion oder deren Träger Stellung nehmen, und ebenso wie ein deutscher Pastor ein glanbenstreuer und eifriger Diener der Kirche, dabei ein guter Deutscher sein kann, soll der jüdische Nationalismus gleichfalls die Gesetzestreue nicht ansschließen. Nicht vom „hohen Sockel", um mit den Worten Dr. Sinnreichs zn sprechen, sollen unsere zionistischen Wortführer abfällig von Klerikalismus und Religionsübungen in einem Atemzuge sprechen, denn das hieße die Bewegung znrückschrauben, dem Zionismus hindernd im Wege stehen. Die breiten Massen mißverstehen den leitenden Gedanken, sie sind Phrasen und zweideutigen Redensarten leicht zugänglich und man macht — ich betone es — ohne z u wollen in Nationalismus ans Kosten der Religion, man nimmt ihnen das Gute um des Guten willen! Doch, ob dies nicht zn teuer erkauft ist? Entheiligen nicht die Mittel den Zweck? Denn wenn wir davon absehen wollten, daß der Zionismus auf d i e s e r Basis bei unserem Volke niemals ohne großen Rest anfgehen kann, ist der mit raffinierter Absicht in den Zionismus hineingetragene Sprengstoff „K l e r i k a l i s m u s" imstande, ersteren aus falsche Abwehrbahneu zn lenken. Offen gestanden, machte jüngsthin die „gesprochene" Rede eines ganz bedeutenden österreichischen Zionisten auf mich den Eindruck, daß der Zionismus, um dem Einwurs des Klerikalismus von gegnerischer Seite zu begegnen, die Religion nicht nur außer Programm gestellt wissen — sondern ihre Satzungen geradezu als Ballast, als Hemmschuh in der modernen, freien jüdisch-politischen Entwicklung ausgefaßt wissen will. Glaubt man also wirklich, daß unsere, noch nicht allseits unbestrittene jüdische Nation ans Kosten der tief im Volke wurzelnden Religion erstarken könne? (Fortsetzung folgt.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.