Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 11 (12.3.1909)
- Date
- 1909-03-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die -Wavrven tUr. 11 stand ernstester Erwägung bildet. Die seinerzeit veröffentlichten Bemerkungen ans Slndenlenkreisen in diesen Blättern beruhen auf mangelhafter Kenntnis der eigeurlicheu Sachlage. Wien. Die Chargenwahlen der jüdischen akademischen Verbindung „U u i t a s" für das lausende Studiensemester ergaben folgendes Resultat: J. Tj. C. Leo Fühienberg X; med. Emil Trainer XXf X; agr. Ernst Weist XXX- Wien. (Verein der S a b b a r h f r e u n d e.) Mehrere in der Generalversammlung gewählte Vorstandsmitglieder haben wegen Ueberbürdmig abgelehnr und wurden durch Kooprierung ersetzr. Das Bureau . besteht aus den Herren : Moriz Felsenburg, "VII., Marmhilferstraße 76, Obmann; Siegmund B o n d i. Jsidpr Louis, Stellvertreter; Max H o s b a n e r. Kassier; Moriz N a s ch, Leopold H i r s ch l e r, Schriftführer. Wien. „Die Frauen sind selbst im Tode nicht als gestorben anzusehen. denn sie leben sort in den guten Werken, die sie bei Lebzeiten stiften." An diese Worte unserer Weiicu wurden wir lebhaft gemahnt anläßlich des Jahrzeitrages der sel. Frau Rosa Hildesheimer, der allzufrüh den Ihren und den Armen entriffenen edlen Wohltäterin und Stifteriu der Brigittenauer Volksküche, m welcher vorigen Dienstag-Abend und Mirrwoch-Mitlag eine Ausspeisung der Armen in munifizeütester Weise starlfand. Es wurden ca. 1200 Portionen in Anwesenheit der Frau Rebekka verw. Prof. Ai a u r h n e r verabreicht. Letztere hat sich vor kurzem, am Jahriage ihres iel. ersten Mannes, ebenfalls m gleichem Sinne als Philunrhropui betätigt. Vom Bolksküchenverein war Herr Singer erschieuen, und erübrigt uns noch, die wohlwollende und fürsorgliche Teilnahme der Frau Rosenblatt gegen ihre ständigen Gäste, wie auch des Beanlleu Herrn Beck anerkennend zu vermerken. . Wien. Abermals hat die Rembrandt-Synagoge ein langjähriges, religiös gesinntes Mitglied verloren, es ist Herr Abraham L u st i g. gebürtig aus Waltzen, der im Alter von 67 Jahren von hinnen abberufen und vorigen Donnerstag unter größerer Bereiligung von Bekannten, Verwandten und Freunden ans der Brigiltcnan und anderen Bezirken zu Grabe getragen wurde. Vier würdige, in seinem Geiste lebende Söhne umstanden die Bahre dieses ivahrhafren Jehudi, bei dem es wahrlich keines besonderen Rachrufes bedurfte, um feine Frömmigkeit und Gottergebenheit zu rühmen, die er bei Lebzeiten vor aller Welt genügend zu bekunden und durch gute Werke zu betätigen Gelegenheit halte. Vermöge feines Berufes war es ihm wohl nicht möglich, gleich dem jüngst verstorbenen Herrn F a n t l, täglich das Gotteshaus zu besuchen, doch fein ganzes Leben bildere gleichsam einen fortgesetzten Wandel vor dem Ewigen, gleich Abraham. Möge ihm die ewige Seligkeit zuteil werden! Baden. Donnerstag, den 4. d. M. fand hier die Beerdigung des im Alter von 81 Jahren zu Meran verstorbenen Herrn Albert Landau bei äußerst zahlreicher Teilnahme seitens der angesehenen Familienglieder und vieler Berireter der vornehmen Gesellschaft, die mittelst Svnderzuges der Südbahn hier angelangr waren, starr. Es war der letzte Wille des Verblichenen, hier an der Seite seiner ihm vor vielen Jahren im Tode vorangegaugenen Gattin, Frau Fanny Landau, und seines Sohnes E m i l, bestattet zu werden, wie er überhaupt für die hiesige Kulrusgemeinde jederzeit ein warmes, lebhaftes Interesse bekundete, was Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Reich in feiner alle Herzen ergreifenden Trauerrede rühurend hervorhob, ebenso seine Aufopferung für feine nächsten und weiteren Angehörigen und sein echijüdisches Gefühl. Die liturgische Funktion versah Oberkantor Seifert in erhebender Weise und assistierte ihm der Wiener Tempelchor. Möge das Andenken dieses seltenen Mannes übers Grab hinaus segenbringend bei feinen Söhnen und Töchtern sich bewähren. Er ruhe rn Frieden! Zuaim. (K o n z e r t a k a d e m i e.) Ein in jeder Beziehung gelungener und genußreicher Abend war es, den der Znainier isr. Frauen- Wohlrätigkeitsverein gemeinsam mit dem Znaimer Turner-Klnb Samstag, den 7. d. M., in den Räumen des Bürgervereinshauses veranstaltete. Das Fest war nicht nur in mustergiltiger Weise arrangiert, sondern die Zahl der Festgäste übertraf auch alle Erwartungen und ermöglichte ein erfreulich hohes Reinerrräguis, das seiner wohltätigen Bestimmung zugeführt werden wird. Die Akademie zeichneten die Spitzen der staatlichen, militärischen und städtischen Behörden, sowie die vornehmsten Repräsentanten der hiesigen Gesellschaft durch ihre Anwesenheit aus. Die reichhaltige Vortragsordnnng wurde durch den von der städtischen Musikkapelle unter Leitung Herrn Direktor W e l i k s wirkungsvoll gebrachten Meyerbeerschen Krönungsniarsch eiugeleitet. Herr W e i n b e r g e r eröffnete die Akademie durch den mit Vollendung vorgetragenen und von ihm selbst verfaßten zündenden Prolog. In Frau Dr. K a h a n lernten wir eine feinfühlige, stimmbegabte Sängerin kennen, die es ruhig wagen konnte, mit ihrem Können vor die große Oeffeutlichkeit zu treten. Sie verstand es. sich mit ihrer weichen, sympathischen Summe in die Herzen der Zuhörer zu schmeicheln, und mußte über allgemeines stürmisches Verlangen manche Zugabe machen. Herr Dr. Löwens o h » offenbarte sich als ein Virtuos auf dem Klaviere, er trug mit vollendeter Technik drei schwierige Piecen frei vor/ von dem wir besonders das Rondo capriccioso von Mendelssohn hcvorhebeu wollen. Zwei tüchtige Kräfte hatte das Komitee in Herrn Maximilian Kriener und Fräulein Ellen Richter, Mitgliedern des Brünner Stadttheaters, gewonnen. Herr Kriener verfügt über einen Bariton von seltener Kraft und Schönheit, feinem Gesänge zu lauschen, war ein Genuß. Fräulein Richter ist ein von Uebermur und Humor übersprudelndes Persönchen, eine reizende kleine Plauderin voll Beweglichkeit und Anniut. Allgemeine Ueberraschuug bereitete das Auftreten des Herrn Hans N e u m a n n, eines jungen akademischen Malers aus Wien, der sich als perfekter Salouhumorist entpuppte. Mit der beißenden Satire, mit der er manche Vorgänge in der Oeffeutlichkeit bedachte, sicherte er sich von vornherein Erfolge die köstliche Ironie, die seinen Vorträgen Gehalt gab, endlich aber sein vorzügliches Darstellungsvermögen und seine treflliche Mimik trugen ihm rauschenden Beifall ein. Ein Örchestervortrag der städtischen Musikkapelle, die „Fledermaus"-Potpourri, schloß die Reihe der musikallscheu und deklamatorischen Vorträge. Mit verblüffender Schnelligkeit wurde nun der Saal geräumt und es marschierte eine Schar strammer junger Turner auf, die mehrere großartige Pyramiden stellten. Die zweite turnerische Vorführung, der Reigen der Damenriege, muß als eine der schönsten Piecen des Abends bezeichnet werden. Er wurde mit Grazie und Eleganz von folgenden jungen Damen ansgeführt: Hella und Olly G o l d st e i n, Paula Hermann, Josefine Kosak, Irma Rattiuger, Anna, Camilla, Gisela und Hermine S ch e u e r, Anna S ch i d l o f, Hilda Schön, Alice Spitz und Rosa W a l l i s ch. Herr Fachlehrer Läufer, der Turnlehrer des Klubs, hat durch das Arrangement dieser beiden Gruppen neuerlich schöne Proben seines Könnens gegeben. Nun ließ sich alles an Tischen in den Nebensälen nieder, während im großen Saale mit seltener Ausdauer dem Tanze gehuldigt wurde. In einer Ecke des großen Saales war ein Verkaufsstand errichte: worden, in dem die Frauen Dr. H e s k y, Dr. S ch e ch n e r, L ö w y, T e l t s ch e r, Fischer und Z w e i g e h t a I ihres Amtes, walteten und Blumen zugunsten des wohltätigen Zweckes der Veranstaltung verkauften. Dem gleichen Zwecke diente der Ertrag einer im linken Nebensaale errichteten Konditorei, in der die Damen B l u m, M e tzl, Wltschek, Weiß, Handgriff, W o tz i l k a. Fuchs und Weiner Süßigkeiten feilboten. Während der Tanzpausen wurden in den Nebensälen und im großen Saale deklamatorische und Gesangsvorträge gehalten, und zwar teilten sich hierin außer den bereits erwähnten und gewürdigten Künstlern, noch die Fräuleins Irma und Sofie Rattiuger und Alice Spitz und Herr stud. jur. Ludwig Bart h. Die Schwestern Rattiuger, die schon von früher her als gute Sängerinnen bekannt, machten auch diesmal ihrem guten Rufe alle Ehre. Zum erstenmale trat Frl. Alice Spitz, Schülerin der Frau Dr. K a h a n, vors große Publikum und bereitete mit ihrer schönen Stimme und ihrem Darstellungsvermögen allgemeine Ueberraschuug. Besonders mit ihrem Puppeuliedchen entzückte sie jedermann. Herr Bart h fand für seinen interessanten, mit geistreichem Humor gewürzten Vortrag dankbare Zuhörer. Znaim. Sonntag, den 28. Februar, fand im hiesigen isr. Tempel die Trauung des Fräuleins Hedwig Blum mit Herrn Max Läufer, Großkaufmann aus Brünn, statt. Herr Rabbiner Dr. K a h a n hielt au das Brautpaar eine ergreifend schöne Anrede, und der gemischte Chor, unter Leitung des Herrn Kantors Handgriff, trug in tadellosester Weise Gesänge von Sulzer vor. Ein Solo, von Frl. Rattiuger gesungen. war geradezu herrlich. In dem bis auf das letzte Plätzchen gefüllten Tempel bemerkten wir den Knlrnsvorsteher Herrn Rudolf W o tz i l k a, den Ausschuß des Frauen-Wohltätigkeitsvereines mit der Präsidentin Frau Louise B r ü l l, sowie viele Verwandte und Bekannte aus nah und fern. Das in der Restauration App elfe ld servierte Hochzejtsmahl fand allgemeines Lob. Tobitscha». In dem schwarz drapierten und hellbeleuchteten Gotteshause zu Tobitschan fand anläßlich des Trauerfalles, nämlich Hinscheidens des Philanthropen Sr. Exzellenz des kaiserlich-russichen wirklichen Staatsrates Baron Horaze Günzburg s. A.. Montag, den 8. d. M., um Uhr nachmittags eine Trauerandacht statt, welcher außer der Kultusvertretung und sämtlicher Gemeindemitglieder auch alle Beamten der David v. G n t m a n n s ch e u Herrschaft anwohnten. Nach dem Maariwgebete rezitierte Herr Kantor I. W e i ß die Trauergesänge und bei offener Bundeslade ein deutsches Sterbegebet und menucho nechauno für den tenern Verblichenen, worauf das Maariwgebet als Schluß der würdigen und erhebenden Trauerfeier folgte, die allgemeinen Beifall gefunden hat. Ungarisch-Hradisch. Donnerstag, den 4. März d. I. wurde in Ungarisch-Hradisch der dortige Kaufmann Hermann Braun, der nach kurzem Leiden verschieden ist, zu Grabe getragen. Der Verstorbene entstammte einer geachteten Familie in Ungarisch-Ostra, seine Mutter, eine feinsinnige, geistreiche Frau, stand mit dem berühmten Gelehrten Rabbiner Weisse bis zu ihrem Tode in regem Briefwechsel. Herr Hermann Braun war Mitbegründer und durch fünfundzwanzig Jahre Obmann der Chewra Kadischa in Ungarisch-Hradisch. Er erfreute sich infolge seiner Rechtschaffenheit. Geradheit und Aufrichtigkeit, sowie durch die stete Hilfsbereitschaft für den Einzelnen und das Gemeinwohl der Achtung nnd Beliebtheit in allen Kreisen. Diese Wertschätzung ward bekundet durch die überaus große Teilnahme an seinem Leichenbegängnisse, bei welchem der Vorstand der Kultnsgemeinde und der Chewra Kadischa, sowie Hunderte Einwohner von Ungarisch-Hradisch und Leidtragende aus der Umgebung anwesend waren. Die Chewra Kadischa hatte in dankbarer Anerkennung des ersprießlichen und selbstlosen Wirkens ihres ehemaligen Obmannes ein Ehrenbegräbnis angeordnet. Herr Rabbiner Dr. Zwack, der erst vor wenigen Tagen sein Amt angetreten hat, hielt einen gedankenreichen, tiefempfundenen Nachruf. Herr Kantor Lustig vollzog die kantorale Funktion in würdiger Weise. Netv-Nork. (Jüdische Einwanderung in New - Nork im Jänner 1909.) Im Monate Jänner sind 3310 jüdische Einwanderer in New-Aork, gegen 4689 im Jänner 1908, gelandet. Es kamen aus Rußland 2235, aus Oesterreich 581, ans Ungarn 299, aus Rumänien 133, aus Deutschland 12, aus England 25 rc. Bon den Neueingewanderten blieben 2417 in New-Iork, während 893 sich nach anderen Plätzen der Bereinigten Staaten begaben.