Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 11 (12.3.1909)
- Date
- 1909-03-12
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 11. Die Wahrbeit. Seite 7. Daß sich diese Industrie in den Häkelorten nicht einbnrgern konnte. Da wir befürchtet hatten, daß die Spitzenhäketei im Jahre 1908 nur einer geringen Anzahl Arbeiterinnen Beschästignng bieten würde, beschlossen wir — wie wir bereits im Berichte pro 1907 ansgesührl haben — eine größere Anzahl Häklerinnen auch noch in d e r K l ö p p e l e i unterrichten ,z u l a s s e n. damit sie. wenn die Aufträge in der Häkelei sich verkleinern, aus andere Weise ihr Brod verdienen könnten. Es stellte sich aber nach und nach heraus, daß die Häklerinnen, einerseits weil sie insbesondere seil Juni 1908 mit der Herstellung von Häkelspitzen stärker beschäftigt waren, anderseits weil ihnen die Erlernung der Klöppelei zu langsam von statten zu gehen und daher der bei dieser Industrie zu erzielende Verdienst ein zu geringer zu sein schien, sich mit der Klöppelei nicht genügend intensiv beschäftigen konnten oder auch nicht mit jenem Eifer beschästiglen. der die Voranssetzung eines günstigen Erfolges ist. Es blieb daher nichts anderes übrig, als die K l ö pp e ll e h r i n u e n a n s den H ü k e l o r t e n zu versetzen, und zwar in solche Orte, wo bisher eine Industrie von uns nicht eingefnhrt war. Zur Bestreitnng der Kosten, welche die 'Entsendung der neuen Klöppellehrerinnen nns verursachte, hat ims ans unser Ansllchen die I s r a e l i t i s ch e Alli a n z z u W i e n p r v 1908 e i n e S u b v e n t i o ii i m B e t r a g e von K 5 000 gegeben, wofür wir auch an dieser Stelle unseren innigsten Dank aussprechen. Die Produktion in der Klöppelei konnte mit Rücksicht ans die früher erwähnten Umstände keine große sein. Der Gesamtlohn, der im Jahre 1908 ins Verdienen gebracht wurde, betrug K 568118. D e r Verdienst, den eine geübte, fleißige und g e s ch i ck t e A r b e i t e r i u erzielen kann, beträgt K1.— täglich und kann, wenn bessere Muster in Arbeit sind, auch noch eiwas höher steigen. Eine Krone ist aber, wie mir hier betonen müssen, nach den Lebensverhältnissen in Ostgalizieu ein vollständig ausreichender Verdienst. K l e i d e r k o n f e k t i o n. Die Werkftütte in Tarnow war im Berichtsjahre fortgesetzt im Betriebe. Während aber der Unternehmer im Jahre 1907 bloß in der Zeit vom 4. April bis 28. Juni 1908, also durch nicht ganz drei Monate, die vertragsmäßige Arbeiterzahl (80, darunter zwei Dritteile männliche) voll beschäftigte, war dies im Jahre 1908, v o m 10. Juni -a n g e f a n g e n, ununterbrochen, also fast sieben Monate der Fall. Die Depression in der Kleiderkonfektion, von der wir im früheren Berichte gesprochen hatten, äußerte sich eben auch noch in . den ersten Monaten des Berichtsjahres. Nichtsdestoweniger waren auch zu dieser Zeit nicht weniger als 49 Arbeitergleichzeitig in einer Woche beschäftigt; der Wochendnrchschnitl der Arbeiterzahl betrug jedoch im Jänner 52, im Februar und März je 55. im April 59, im Mai 70 und bis znm 10. Juni 1908 75; von d a a b ging sie unter 80 n i ch t h e ru n t e r, erhöhte sich aber auch in den einzelnen Wochen bis auf 82. Der durch den Unternehmer im Jahre 1908 an die Arbeiter ausbezahlte G e s a m t l o h n beträgt (nach Abzug der Krankeilkassenbeiträge) L 51.647-31, ist also um K 9720 04 höher a l s im Vorjahre. Aus einer Dnrchschnittsberechnung, die wir gelegentlich anstellten, ergab sich, daß der T a g e s v e r d i e n st eines m ä n n l i ch e u Arbeiters K 3 06 b i s K 3 65. einer Arbeiterin K 1-22 bis K 1-23 betrug. W e i ß st i ck e r e i. Wir erhalten derzeit für Weißstickerei zwei S ch n l e n, eine in I a w o r o w und eine i n Rzeszo w. Wie wir im Tätigkeitsberichte pro 1907 gemeldet hatten, mußte die am 1. Juni 1907 in Jaworow errichtete Schule bereits Ende August wegen Unregelmäßigkeiten, die sich die Lehrerin zuschulden kommen ließ, geschlossen werden. Sie wurde erst wieder am 26. Jänner 1908 eröffnet, nachdem uns die k. k. Anstalt für Franen-Hausinduftrie eine Lehrerin znr Versüguug gestellt und die Zusage gemacht hatte, die Schülerinnen und Arbeiterinnen fortgesetzt zu beschäftigen. Am 1. Juni 1908 wurde auch in Rzeszow eine solche Schule errichtet und dahin eine uns ebenfalls von der genannten Anstalt empfohlene Lehrerin entsendet. In Jaworow und Rzeszoiv werden hauptsächlich feinere Spezialarbeiten ausgeführt. Die Zahl der Arbeiterinnen betrug Ende des Jahres 1908 in Jaworow 34, in Rzeszow 16; der G e s a m l l o h n, der bis Ende desselben Jahres zur Auszahlung gelangte, betrug in Jaworow K 1142*68, in Rzeszow K 24180. Eine bereits ansgebildete, steißige Arbeiterin kann derzeit wöchentlich K 6.— verdienen. da die k. k. Anstalt für Franen-Hansinduftrie die Entlohnung für Stickerei auf dieser Grundlage veranschlagt. W ä s ch e k o n f e k t i o n. Es ist uns gelungen, einen Wieiler Unternehmer zu bewegen, in Stanislan Wäsche erzeugen zu lassen. Im Dezember 1908 ging eine Probesendung dorthin, die um die Jahreswende ansgeführt znrückgelangte. Obwohl die Probe nicht vollständig zur Ztlfriedenheit des llnternehmers ansfiel. gab er doch einen zweiten Auftrag in der Erwartung, daß! die gemachten Fehler vermieden werden. i F e z q n a st e n e r z e n g u n g. Diese kleine Industrie hat j schon zn Anfang 1908 zu bestehen anfgehörl, da der Unterj nehmer nicht mehr in der Lage war, in Galizien arbeiten zn lassen. Die folgende kleine Zusammenstellung gibt eine Uebersicht; über die in den von uns in Galizien eingeführten und zn Ende! des Jahres 1908 noch im Betriebe stehenden Jndllftrien be-! schäftigten Arbeitskräfte und deren Jahresverdienst während des; Berichtsjahres. Es waren beschäftigt-. Jüdische Arbeitskräfte! In der Haarnetzerei. 1900 „ „ Spitzenhükelei und Filelgnipnre-Technik. 1021 „ Spitzenklöppelei. 497 „ „ Kleiderkonfektion. 49—82 „ „ Weißstickerei.. . . ._50 3517—3550 (Schluß folgt). 1>erschirdr»e Pachrichtcu. Wien. (R e k o u ö a t e} g e u t e u l) e i m „P b i l a n t h r o v i a".)! Am 21. Februar d. I. fand die XII. ordentliche Generalversammlung! des Vereines Rekonvaleszeiiteilheim „Philanthropia" für arme isr. Frauen! und Kinder. XIII., Lauizerstraße 172. in den Räumen des Josefstädter; Tempels, VIII., Neudeggergasse 12, statt, zn der sich als Vertreter der Kultnsgemeinde Herr Dr. Isidor Samuel y. viele Mitglieder und Gäste i einfanden. Die Präsidentin. Frau Amalie B e ck, berichtete über die Vereins-! tätigten im abgelanfenen Jahre, insbejonders über die zur Erinnerung an! das 60jährige Regierungsjubiläum unseres Kaiiers am 25. Oktober v. I. ' erfolgte feierliche Eröffnung des neuen Rekonvaleszentenheimes — einer nach den vielen Anmeldungen Hilfsbedürftiger zn schließen — äußerst! segensreichen Institution, welche aber auch fernerhin die Förderung wohl-! tätiger Glaubensgenossen benötige. Der Schriftführer. Herr Architekt > Modern, gedachte dann der Allerhöchsten Anszeichnnng. welche der! Vereinspräsidentin Frau Beck durch die Verleihung des goldenen Berdienstj kreuzes mit der Krone zuteil wurde, ivomit der Verein selbst geehrt und seine ersprießliche Tätigkeit, wie dies auch aus einer vom Gemeinderare! der Stadl Wien gewährten Subvention hervorgehr, allseits gewürdigt! wurde. Nachdem der Revisor. Herr Bauunternehmer Alberr F r a n k l. die! ordnungsgemäße Gebarung konstatierte, ergreift Herr Dr. 2 a m n e l y das Wort, um dem Gesamtvorstande für die außergewöhnliche Mühe, die sich derselbe um die Erhaltung des so schönen humanilären Werkes gibt, im Namen der Knltusgemenide zu danken und zn versichern, daß er dort auf eine tatkräftige Unterstützung hinwirken werde. Schließlich dankt die Präsidentin dem Gesamtvorstande für feine unermüdliche Tätigkeit im Dienste der Humanität und schließt die Versammlung. Wien. Am Purim veranstaltete der Vorstand des Vereines „Einheit" für sein Stammpublikum zwei echre Pnrimmahlzeiten. Ohne Preisanfschlag und ohne die Bereinskassa zn belasten, wurden Fische, Backwerk, Obst und Wein dem gewöhnlichen Menu angefügt und herrichre bei musterhafter Ordnung eine frohe Purimstimmnng, die in den hergebrachten hebräischen Gesängen lebhaften Ansdruck fand. Der Gesamtvorstand mir seinen Damen war während des ganzen Festes anwesend, auch Herr Rabbiner F ü r st war so liebenswürdig, einer Einladung zu folgen. 300 Personell fanden io für wenig Geld (40 Heller) ein rechtes Purimvergnügen, und wird der Vorstand bestrebt sein, auch die Sederabende in gewohnt solenner Weise zu feiern. Bei dieser Gelegenheit möchten wir einen Irrtum, der in diesen geschätzten Blättern geäußert wurde, berichtigen. Wohl har Herr Dr. Krenberger seit Gründung der Restauration der „Einheit." die Errichtung einer separaten Abteilung für Hochichüler beantragt, was bis nun in unserem engen Rahmen nicht tunlich war. Gelegentlich der Schließung der Mensa ist man aus S r u d e n t e n kr e i s e n an die „Einheit" herangetreten, eine jüdische Mensa zu errichten, welche Frage im Vorstände vereint mit maßgebenden Vertretern studentischer Kreise Gegen- Mit einem Jahresverdienste von Kronen 150.000.— 88.452-68 5.681-13 51.647 34 1.384-48 297.165-60