Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 11 (12.3.1909)
- Date
- 1909-03-12
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheit Nr. 11. Neuerung der jüdischen Geschichte zur höchsten Aufgabe gestellt hat, nicht außer acht lassen. Eine Verschiebung der ursprünglichen Idee, durch Festnistung nationaler Gegenwartsfragen im Golns darf nicht staltfinden. Die große nationale Kardinalausgabe duldet keine, wenn auch noch so verlockende, ihr aber schnurstracks entgegenlansende Konkurrenz. Der schwer sich überzeugen lassenden Indenschaft wird hiedurch der Anschluß verwehrt und die große Palästina-Idee durch Ueberbürdnng mit Golusballast unterdrückt. Macht jüdische Geschichte! Dies ist das Echo ans Palästina. Hört ans wülensschwach zu sein und lasset euch nicht uns dem Rahmen des eigentlichen Zionismus reißen und von einer Theorie zur anderen hinwegzerren. Rüstet ab, fort mit zionsfeindlichen Verlockungen! Die autizionistischen, aber nicht palästinafeindlichen jüdischen Machthaber, die nie opferfeindlich sind, werden gewiß dem großen Momente Gerechtigkeit willfahren lassen. Trachtet sie zu gewinnen, aber nicht abznftoßen. Palästina kann nur durch ein geeinigtes Judentum jüdisch werden. 3. K. Ans der Wiener Knltnsgemeinde. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstandes vom 7. März 1909, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Begum 1/2X1 vorm. Im Einlauf befinden sich: An Spenden: I. P e t s ch e k - Aussig, anläßlich seiner silbernen Hochzeit: für das isr. Blmdeninstitur X 5000, für das Jubiläums-Seehospiz X 2000, für das Ferienheim X 1500, für das Kinderheim K 1000, für die isr. Kinderbewayranstalt X 1000, für den Handlnngskrankenveiein X 1000, für den isr. Waiseuverein X 1000, für den Franenverein im IV. und V. Bezirk X 1000, für den Studentenverein X 500, für sonstige jüdische Wohltätigkeirszwccke nach Ermessen des Kultnsvorstandes X 1000. zusammen EL 15.000. Moriz Bernfeld s. A. (Legat) für die Armen Wiens mosaischer Konfession X 4022’17. Ernst David Lömy für eine jüdische Mensa K 10. Leopold Petschek für das Siechenhaus EL 10. — Für d i e B r i g i t e n a u e r Schulküche. Durch Herrn Heinrich Weiner: Heini X 2, zwei wahre Christen in der Länderbank X 6, Therese Steiner X 4, Egon und Fritz Greiner X 10, L. L. X 5, Ernst und Hans in Banjaluka X 10, Dr. Wilhelm Hersch-Meran X 20, Erwin und H.lda Pollack X 5, M. Schiffres X 4, Salomon Schwarz-Mor X 10, W. Nieder X 5, F. S. X 5, Gustav Holzer X 10, Julius Gronns X 4, Chewra Kadischa Wr.-Neustadt X 40, Josef Halporn X 4, Regine Seinfeld X 2, Moriz Chlamtatsch X 2, durch Dr. Alfred Berger X 24 71, zusaminen X 172 71. Weiters durch Dr. Alfred Berger: Regine Heit X 10, Wilhelm Löwy X 3, Anonym X 20, Frau Baurat Stiaßny X 20, zusammen X 53. Rosa B u n z l X 3. A u o u y m u s 1 Paket Schnhe nnd - Strüinpfe. Weiters: Ein Dankschreiben der Knltnsgemeinde Eisenstadt für die Kondolenz des Kultnsvorstandes anläßlich des Ablebens des Rabbiners Kntnas. Eine Zuschrift des Professors Dr. Ludwig Geiger, Berlin, in welcher derselbe für die ihm zuteil gewordenen Ehrungen anläßlich seines Vortrages in Wien den Dank ansspricht. Ein Dankschreiben des Asyle» für mittellose kranke Israeliten in Meran für die Glückivünsche des Kultnsvorstandes anläßlich der Eröffnung des neuen Hauses. Eine Mitteilung des Wohltätigkeitsamtes, daß der Hietzinger isr. Franenwohltätigkeitsverein aus der Reihe der verlassenen Kinder 25 Kinder mit vollständiger Bekleidung nnd 48 Kinder mit Wäsche beteilt hat. Im Präsidialberichte teilt der P r ä s i d e n t mit, daß, wie ans den Tagesblättern bereits bekannt ist, am 8. Februar 1909 das Spital der israel. Knltnsgemeinde durch einen Besuch Sr. kais. und königl. Hoheit, des Herrn Erzherzogs Josef Ferdinand ausgezeichnet wurde. Der hohe Besuch war der Gemeinde wenige Stunden vorher in sehr überraschender Weise augekündigt worden und waren beim Empfange Sr. kais. nnd königl. Hoheit die Aerzte des Spitales, an deren Spitze der Spitalsdirektor Hofrat Oser, ferner die Pflegerinnen mit der Oberin Fräulein Emma Lewi nnd für den Vorstand der Präsident der Knltnsgemeiude und Baurat Stiaßny, welcher als Erbauer des Spitales telefonisch eingeladen war, anwesend. Der Präsident hatte die Ehre, Se. kais. Hoheit zu empfangen und Herrn Hofrat Oser. sowie die anderen Anwesenden vvrzustellen. Se. kais. Hoheit bemerkte gleich beim Empfange, daß ihm über die Behandlung der Kranken viel rühmliches mitgeteilt wurde und dies die Veranlassung seines Besuches sei. Se. kais. Hoheit unterzog sohin das Spital einer eingehenden Besichtigung, drückte über die Einrichtung seine vollste Anerkennung aus und sprach auch mehrere Kranke an. Einer derselben, ein Hauptmann, ist vor einigen Tagen gestorben nnd eine letzte Genugtuung mtb Freude waren für denselben die huldvollen Worte, welche Se. kais. Hoheit an ihn richtete. Die Tagesblätter, welche einen ausführlichen Bericht brachten, werden dem Protokolle der heutigen Sitzung angeschlvssen. In Bezug ans die Errichtung des vom israel. Waisenvereine in Gemeinschaft mit der Knltusgemeinde geplanten Knabenwaisenhanses teilt der Präsident namens des Vertreterkollegiums mit, daß der Beginn des Baues deshalb verzögert wurde, weil der bereits erteilte Bankonsens in mancherlei Beziehung derartige Bestimmungen enthalte, daß auf dieselben nicht eingegangen werden kann. Der Vorstand des .Waiseuvereines habe auch über Anregnng des Kultnsvorstandes gegen die betreffenden Bedingungen den Rekurs an den Landesschulrat erhoben, bis zu dessen Erledigung mit dem Baue nicht begonnen werben wird. Der Bericht wird zur Kenntnis genommen und werden die in dieser Angelegenheit getroffenen Verfügungen des Präsidiums und des Vertreterkollegums einhellig gutgeheißen. Am 4. Mürz 1909 wurde der Zyklus der vom Knltusvorstande veranstalteten Vorträge geschlossen. Die in dieser Saison abgehaltenen Vorträge waren folgende: Morris Rosenfeld: Rezitation eigener Dichtungen. — Rabbiner Dr. Max G r u n wald sechs Vortrüge und zwar : Oesterrreichs Inden unter Kaiser Franz Joseph I. — Ein jüdischer Künstler. — Das Kind in der jüdischen Geschichte und Volkskunde. — Inden als Erfinder nnd Entdecker. — Jüdische Maler. -7- Mark Antokolski. Ferner: Kustos Dr. S. Frankfurter: Das altjüdische Erziehnngsivesen im Lichte moderner Bestrebungen. Rabbiner Dr. L. Golds ch m i d t, Proßnitz: lieber jüdisches Fremdenrecht. Heinrich I 0 r k-S t e i n e r : Vorlesung eigener Dichtungen, Skizzen und Novellen. Königl. Geheim. Regiernngsrat Prof. Dr. Ludwig Geiger, Berlin: Johann Renchlin und sein Kampf um die Bücher der Inden. Rabbiner Dr. D. Feuchtwang: Der Rabbi von Rothenburg. Oberrabbiner Dr. M. G ü d e m a n n : Wie sollen wir die Bibel lesen? Mit vollem Fug und Recht muß ausgesprochen werden, daß diese Vorträge, wie deren Anführung zeigt, ein weites Gebiet des Wissens umfasse», durchwegs, sowohl im Inhalte als auch der Form nach ans der Höhe standen, bei den zahlreichen Anwesenden das lebhafteste Interesse, den vollsten Beifall fanden, sodaß der Wunsch nach Weiterentwicklung dieser vortrefflichen Einrichtung laut wurde. Allen Vortragenden, sowohl den hier wohnhaften, als auch den von auswärts gekommenen Herren gebühre der vollste, wärmste Dank. (Lebhafte Zustimmung). In der wirkungsvollsten Weise wurde die Reihe der Vorträge durch den geradezu glänzenden Vortrag unseres Herrn Oberrabbiners geschlossen nnd wenn wir uns gegenwärtig halten einerseits den hohen Wert dessen, was geboten, andererseits die Empfänglichkeit, mit der das Gebotene ausgenommen würde, so dürfen wir mit einer kleinen Einschaltung einen Vers der gestern verlesenen Megilla uns sagen : ..Bei den Inden war nnd ist Licht." Endlich berichtet der Präsident über jene Schritte, welche der Vorstand der Knltnsgemeinde gemeinsam mit dem Allgem. österr. isr. Bund in Angelegenheit der Vertretung der Juden in dem demnächst zu schaffenden Landtag für Bosnien nnd die Herzegowina unternommen haben. Dieser Bericht wird mit Befriedigung zur Kenntnis genommen. Zn Mitgliedern des Bethansvvrstandes für die Bezirke XII— XV werden die Herren Jonas K ö n 1 g st e i n, Sigmund O e st erreich e r nnd Alexander S i m 0 n berufen. Nach Erledigung von Personalien nnd Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung um 2 Uhr nachmittags geschlossen. Galstischer Hilfsverein. (Fortsetzung.) Der Fortbestand der Häkelei in größerem Umfange, als wir ihn Ende 1907 Voraussagen konnten, übte auf die Ent- ' Wicklung der Spitzen klöppele i den nachteiligen Einfluß,