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Die Wahrheit · 1909-03-05 · Heft 10 (5.3.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 10 (5.3.1909)
Date
1909-03-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10. Die Wahrheit. Seite 7. unb bet %ob fyat ihn von schwerem Leiden befreit. Seine Kinder, die aus Wien, Paris und London herbeigeeilt waren, umstanden sein Totenbett. Baron Günzburg wird nach Paris überführt werden, und dort wird -feine Leiche neben der seiner Gemahlin, einer geborenen Rosenberg, die ihm dreißig Jahre im Tod vorausgegangen war, in der Familiengruft cheigesetzt werden. Dir Zentralstelle für das jüdische Armenmesen. Selbst die ärgsten Feinde unseres Volkes weisen ueidvoll .auf das von den Inden gegebene Beispiel hin, wenn es gilt, ,zu brüderlicher Hilfeleistung anznspornen. Die Wiener Inden stehen ihren übrigen Glaubensgenossen keineswegs nach und so verfügt denn auch unsere Hauptstadt über eine imponierende .Zahl von Wohttätigkeitsvereinen, Stistungen und sonstigen jüdischen Humanitätsinstitutionen, die sich alle mit gleichem Eifer dem gleichen Ziele widmen, das Los notleidender Glaubensbrüder zu verbessern. Hunderte von braven Männern und hochherzigen Frauen stellen ihre Zeit, ihre Kraft und ihre Mittel selbstlos in den 'Dienst der Armenpflege und mühen sich jahraus, jahrein und Tag um Tag, Gesuche zu prüfen, d. h. zu erforschen, welchen von den leider allerorts scharenweise vorsprechenden Petenten der traurige Vorrang der größeren Bedürftigkeit gebührt, und vor allem, um zu eruieren, ob nicht unter der Larve rührender Bitten gewohnheitsmäßiger Bettel oder anderer bequemer Mißbrauch der Menschenliebe sich anschleicht, wie dies ja auch häufig genug vorkommt. Solche Recherchen absorbieren eine enorme Arbeitsleistung nnd viel kostbare Zeit, ohne deshalb immer zn voller Klarheit zu führen. Operieren doch die verschiedenen, oft von einem und demselben Petenten 311 gleicher Zeit augerusenen Wohltätigkeitsstellen ohne Verbindung unter einander, jede auf eigenem Wege, mit ihren eigenen Kräften. Die Mißstände, welche sich hieraus ergeben, liegen so sonnenklar zutage, daß der Gedanke, die Gestion der Wohltätigkeitsanstalten in irgend einer Form zu einer gemeinschaftlichen zu gestalten, seit langem in der Luft lag, der Ausführung stand aber eine scheinbar unüberwindliche Schwierigkeit gegenüber. An den zumeist genau bestimmten und umgrenzten speziellen Zielen der einzelnen Institute durfte nichts geändert, deren Autonomie in keiner Weise tangiert werden. Run ist in Anbetracht der immer dringender hervortretetenden Notwendigkeit, die Armenpflege ihrer Planlosigkeit zu entreißen und in eine den modernen Theorien entsprechende, rationelle Bahn zu lenken, eine Zentrallstelle für das jüdische Armenwesen in Wien geschaffen worden, welche bestimmt und auch geeignet ist, die gegenseitige Fühlungnahme unter den verschiedenen Wohltätigkeitsanstalten zu ermöglichen, ohne deren selbstst än d i g e n Wirkungskreis auch nur im e n if e r n t e st e n z u beeinträchtigen. Die größten und bedeutendsten Stiftungen u n b eine große Anzahl humanitärer Vereine Wiens haben ihren Beitritt zn dieser im Anslande bereits bestehenden und erprobten Institution angemeldet und ihre Vertreter in das mit der .Leitung betraute Kuratorium entsendet. Selbstverständlich kann eine solche Zentralstelle ihrer Aufgabe nur dann vollkommen gerecht werden, wenn alle oder wenigstens die meisten hier in Frage kommenden Interessenten sich dem gemeinnützigen Werke .anschließen und es zum gegenseitigen Vorteile tatkräftig unterstützen. Anmeldungen zum Beitritte werden in der Kanzlei der Zentralstelle für das jüdische Armenwesen, I., Seitenstettengasse 2, jederzeit gerne entgegengenommen und alle näheren Mitteilungen dort bereitwilligst abgegeben. Die nengeschaffene Zentralstelle soll übrigens nicht nur zur Information ihrer Mitglieder dienen, sondern sie will auch dem Bedürftigen mit der heilte überaus schwer zu erlangenden Weisung au die Hand gehen, bei welchen Hilfsstellen er sein Gesuch am geeignetsten vorznbringen vermag. Zllm Zwecke der Auskunftserteilung an die Mitglieder erfolgt die Anlage eines Zentralarmenkatasters, in welchem sämtliche von den .teilnehmenden Instituten bekanntzngebenden gewährten Unterstützungen registriert werden. Dieser Kataster wird gegenüber allen Nichtbeteiligten als Geheimbuch geführt, und sollen auch die jeweilig geschehenen Abweisungen, möglichst mit deren Begründung, in dem Kataster Aufnahme finden. Hiedurch wird den im Verbände stehenden Wohtlätigkeitsstellen ein großer Teil ihrer Arbeit erleichtert, zugleich aber auch der unstatthaften -Ausnützung mehrerer Institute zu gleicher Zeit ein Riegel vorgeschoben. Es ergibt sich von selbst, daß im Rahmen einer solchen Zentralstelle den Mitgliedern auch ein anregender Gedankenaustausch auf dem Gebiete des Armenwesens überhaupt geboten werden wird, um Erfahrungen nnd Verbesseruugsvorschläge auf dem raschesten nnd wirksamsten Wege für alle nutzbar zn machen. Wie in jedem Kampfe, so auch im Kampfe gegen Not und Elend dürfen sich die Kräfte nicht zersplittern. Auch hier hängt Erfolg und Sieg an der strategischen Parole: „Getrennt marschieren, aber vereint schlagen!" Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag, den 5. Marz 1909, abends, Predigt im Stadttempel. Wien. Am Abend des 7. Adar hielt Herr Rabbiner Fürst in der Schiffichul vor einem dichtgedrängten Auditorium einen Hesped nach seinem Schwiegervater, dem verewigten Gaon Rabbiner Salomon R n t n a- Eisenstadt. In erschütternden Worten, die die Hörer mächtig ergriffen, schilderte er das Leben dieses herrlichen Menschen, der. ein hervorragender Talmudlehrer, seine glänzende Beredsamkeit, seine tiefe Weisheit in den Dienst der Verteidigung der Interessen der Gesetzesrreue im Judentum stellte und, durch 60 Jahre als Rabbiner wirkend, stets in der vordersten Reihe der Kämpfer für Erhaltung der religiösen Richtung stand. Mit diesen Eigenschaften verband der Verblichene eine Milde und Herzensgüte, die ihn zum Vater der Witwen nnd Waisen, der Armen nnd Gedrückten machte. Die große Lücke, die das Hinscheiden dieses trefflichen Mannes zurückläßt, führte Redner an, sollte jeden von uns anspornen, ein Atom seines Wirkens zu ersetzen, und möge die Gründung des Vereines der „Schomre Schabbos" mächtig beitragen, das religiöse Leben in Oesterreich zn erhalten und zu kräftigen, wozu die Mitarbeit aller gerade genügen wird. Wien. (Verein zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer i s r. K o n s e s s i o n.) Samstag, den 13. März, 7 Uhr abends, findet im Sitzungssaals der isr. Knltusgemeinde, I., Seitensterrengaffe 4, die ordentliche Generalversammlung des Vereines statt. Tagesordnung: 1. Rechenschaftsbericht. 2. Kassabericht. 3. Bericht der Revisoren. 4. Referat über die Statistik der uns zugehörigen Schützlinge. 5. Wahl von drei Borstandsmitgiiedern mir dreijähriger Funktionsdauer und drei Revisoren mit einjähriger Funktiousdauer. 6. Anträge und Interpellationen. — Nach Erschöpfung der Tagesordnung: Vortrag Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. I. M. Bach. — Sollte die erste Generalversammlung nicht beschlußfähig sein, so findet am selben Tage eine halbe Stunde nach festgesetzter Zeit eine zweite statt, die laut § 16 des Statuts bei jeder Anzahl von Mitgliedern beschlußfähig ist. Wien. (Bet d a - M i d r a s ch, II., Ferdinandsstraße 23.) Montag, den 8. März 1909, 1;a8 Uhr abends. Bortrag des Herrn Prof. Dr. Samuel Krauß: „lieber den Siddur." Der Vorstand des Bet ha-Midrasch-Bereines hat zum Nachfolger des verstorbenen Lektors M. Friedmanu Herrn Rabbiner Dr. S. Rubi n berufen. Wien. Der bekannte Pädagog, Herr Moses P i ck, Verfasser der ersten hebräischen Fibel nach der Lautiermethode, die bereits im Jahre 1898 ihre 16. Auflage erlebt hat, und des Jugendschatzes zum sechzigsten Regierungsjubilänm unseres Kaisers, hält allsabbathlich nach dem Minchagebet im Tempel, Untere Viaduktgasse 13, Vorträge über den laufenden Wochenabschnitt, bei welchen die Zuhörer über die seltene Geistesfrische und Lebhaftigkeit des greisen 87jährigen Lehrers staunen müssen. Herr Pick hat jüngst vom Ministerpräsidenten, dem er eine Jubiläumöfchrift mit Beilage über die Mittel zur Herstellung des Friedens zwischen Deutschen und Tschechen überreichen ließ, ein Dankschreiben erhalten. Wien. (W o h l t ä t i g k e i t s b a l l.) Der erste Wiener Heiratsausstattnngsverein, II.. Große Sperlgasse 32—34, veranstaltet am Samstag. den 6. März d. I.. im Hotel Zentral, II., Taborstraße, seinen ersten Gründilngsball, dessen Reiuerrrägnis dem Fonde zur Ausstattung armer Waisenmädchen zufließt. Beginn 8 Uhr. Wien. In seinem 'Artikel: „Einige Bemerkungen über Kleider im Talmud und Midrasch" har Herr Rabbiner Stark interessante Notizen zur Geschichte der jüdischen Toilette geliefert. Ich gestatte mir nur noch zu bemerken, daß der Umstand, daß die hebräische Sprache für Kleider nicht weniger als sieben Ausdrücke hat — beged, simla, salma, lebuseh, malbuach, kesuth, keli — klar und deutlich beweist, daß im Judentum auf schöne Kleider ein Hauptgewicht gelegt wurde. So heißt es auch m Dereck erez suta, 10: „Die Würde Gottes sind die Menschen, die Würde der Menschen ist ihr Kleid." Ploni. Wien Das überaus rührige Daineu-Aknonskomitee für den Tempelbau im IV. nnd V. Bezirke, das mit seltenem Eifer die Förderung der heiligen Sache betreibt, sowie der seit Jahren ersprießlich wirkende Frauenwohltätigkeitsverein der beiden Bezirke veranstalten Mittwoch, den 10. März d. I., im Kursalon des Stadlparkes einen Tee-Abend. Anfang 4 Uhr nachmittags. Bon 4—8 Uhr Vorträge, dann Tanzkränzchen. Entree 1 K, an der Kassa 2 X. Karten sind bei den Komiteedamen und

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