Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 9 (26.2.1909)
- Date
- 1909-02-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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L-eile 6. Die Wahrheit Nr. 9. bindung gebracht wird, die mit dem Sabbath gar nichts zu tun hat. R. Jochanan erklärt nämlich mir Bezug auf Iefaia (10, 16), daß die Leiber der assyrischen Krieger vor Jerusalem, wie von einem Feuer verbrannt, zu Asche wurden, aber nicht auch ihre Kleider, denn es heißt rraa nnm, das, was nute r Ten (den Kleidern) sich besand, die Leiber verbrannte, wie ein Feuerbrand. Dazu bemerkt nun der Talmud, bei dieser Erklärung des Propheleuwortes folgte R. Jochanan seinem Grundsätze, seine Kleider -m-Dra zu neunen (vide auch Raschi zur Stelle Sabbath 113 b). Die Soldaten Sancheribs trugen aber keineswegs Sabbathkleider und dennoch werden letztere mit -raa bezeichnet. Höchstens könnte man nach der in unserer Zeit herrschenden Anschauung sagen, daß das Soldatenkleid überhaupt ein Ehrenkleid ist und darum werden die assyrischen Uniformen -1122 genannt; aber ich glaube nicht, daß auch schon der Talmud diese Anschauung von dem Soldatenrock hatte, und am allerwenigsten von dem assyrischen. Möglich trugen die Heere damals überhaupt keine Uniformen, sondern nur gewöhnliche Kleider. Uebrigens hat R. Jochanan nicht bloß jenen Kleidern, die er bei Lebzeiten trug, seine besondere Aufmerksamkeit zugewendet, sondern auch jenen, in welchen man ihn ins Grab gebettet hat. Vor seinem Tode ordnete er nämlich an, in was für Kleider man ihn bestatten soll. Dasselbe tat übrigens auch R. Janai (Sabbath 114 a). Fügen wir noch hinzu, daß im Talmud empfohlen wird, bei den Ausgaben fürs Essen zu sparen und mehr ans Kleidung und besonders schöne, gesunde Wohnung zu verwenden (B. Mezia 52 a und Midrasch Rabbazu Bereschit c 20). Kgl. Weinberge, Prag. Rabb. Star k. Verein Meki;e Uirdanrir«. Allen denjenigen, die vom Judentum und vom jüdischen Leben Kenntnis haben, ist es nicht unbekannt, welche außerordentliche Bedeutung die hebräische Literatur für die Jndenheit gehabt hat. Die Forscher wissen aber auch, daß viele literarische Schätze, besonders in den Jahrhunderten vor Erfindung der Buchdruckerkunst, verloren gegangen sind, und daß viele wertvolle Schriften aus allen Gebieten der jüdischen Literatur — religiöse, poetische, historische u. s. f. — nur in einer einzigen oder in ganz wenigen Handschriften erhalten sind, welche es voll verdienen, ans Licht gezogen und zeitgemäß herausgegeben zu werden, bevor sie, in Bibliotheken verschlossen, vermodern. Es ist deshalb eine heilige Psiicht aller, welche ein Herz für die jüdische Literatur haben, dazu beizutragen, daß diese wertvollen Schriften ans Tageslicht gefördert werden können. Kritische Ausgaben, nach den modernen Editionsprinzipen veranstaltet, sind nötig, damit sowohl die Männer der Wissenschaft — Juden und Nicht-Inden —, als auch das jüdische Publikum, das noch die hebräische Literatur mit berechtigter Liebe umfaßt, unsere Geistesschätze kennen lernen. Da nun bekanntlich auf jüdischem Gebiet sich keine Akademien finden, die, mit reichen Geldmitteln ausgestattet, solche Editionen veranstalten könnten, und da die jüdischen Institutionen, die etwa in Frage kämen, der Aufgabe sich nicht speziell widmen können, ist es nötig, daß ein besonderer Verein die Aufgabe zu lösen sucht. Schon im Jahre 1864 stiftete deshalb Dr. E. L. Silbermann s. A. den Verein „Mekize Nirdamim," und es gelang ihm in den 10 Jahren, in welchen er ihn leitete, eine Reihe wertvoller Werke zu veröffentlichen. Der ans verschiedenen Gründen aufgelöste Verein wurde von Professor Dr. A. Berliner im Jahr 1885 neu gegründet, und in 20 Jahren ist daun unter seiner Leitung eine sehr große Zahl von bedeutenden Werken aus den verschiedensten Gebieten der jüdischen Literatur erschienen, bis er vor 3 Jahren, seines vorgerückten Alters wegen, es wünschte, daß jüngere Hände die Leitung übernehmen sollten. In den verfiossenen 3 Jahren ist der Verein schmerzlich vermißt worden, und wir sind deshalb zusammengetreten, um zu versuchen, denselben wieder ins Leben zu rufen. Herr Professor Berliner hat uns seinen wertvollen Beistand zugesagt und hat uns die Güte erzeigt, das Ehrenpräsidium übernehmen zu wollen. Eine Anzahl kundiger Forscher haben schätzbare handschriftliche Werke teilweise oder ganz bearbeitet und sind gewillt, ihre Arbeiten unter der Aegide des Vereins erscheinen zu lassen. Es hängt jetzt von dem materiellen Beistand ab, den wir bei denjenigen finden, welche die hebräische Literatur schützen, ob es uns gelingen wird, unser Vorhaben giücklich durchzuführen. Als die Werke, die wir schon für das Jahr 1909 herauszugeben denken, nennen wir; 1) Die Commentare des Eliezer von Beaugency, Schüler des R. S. B. M., zu Ezekiel und den 12 kl. Propheten. 2) Erklärung des Talmudtraktates Mcffed Katon von Salomo b. Hajathom, einem der wenigen Vertreter der süditalienischen Schule. Nach einer einzigen jüngst bekannt gewordenen Handschrift. 3) Ma^aseh Hageouim, inhaltlich mit S. Hapardes verwandt. 4) Fortsetzung der Ausgabe vom Diwan des Jehuda Halevi. Wir fordern deshalb alle früheren Mitglieder des Vereines ..Mekize Nirdamim" und auch alle, die für unseren Plan Interesse hegen, dringlichst ans, in den Verein einzutreten. Jedes Mitglied, das den Jahresbeitrag zahlt — s. u. —, erhält die Jahresschriften des Vereins zugestellt. Wir bitten aber zugleich um größere Beiträge sowohl von Einzelpersonen — z. B. durch Erhöhung der Jahresbeiträge — als von Vereinen und Gemeinden. Es ist selbstverständlich, daß wir um so besser unsere Bestrebungen erfüllen können, je größere Geldmittel uns zur Verfügung gestellt werden. Von dem engeren Kreis der Männer der Wissenschaft ist unser Plan mit ungeteilter Sympathie ausgenommen worden. Wir hoffen, daß auch ein weiterer Kreis uns seinen unentbehrlichen Beistand nicht versagen wird. Jeder der Unterzeichneten nimmt mit Dank Meldungen entgegen. Das Komitee für den Verein „Mekize Nirdamim": D. S i m o n s e n-Kopenhagen, Vorsitzender, A. Frei m a n n- Frankfurt a. M., stellvertretender Vorsitzender, S. Poznanski- Warschau, Sekretär, W. Bacher-Budapest, A. Bilchler- London, M. B r a n n-Breslan, H. B r o d Y-Prag, A. Epst e i n-Wien, D. G ü n z b u r g-St. Petersburg, A. Harkavy- St. Petersburg. D. I e l l i n-Jerusalem, Jsr. Set) i-Paris, S. H. M a r g u l i e s-Florenz, S. S ch e ch t e r-New-Iort. Der Jahresbeitrag beträgt: 10 Rmk. 12 K (Oest.- Ungarn) 10 sh. 5 Rubel 1272 fr. 2A/2 Dollar 9 K (Skandinav.). Diejenigen, welche 200 Rmk. eiuzahlen (= 240 K rc.) werden als lebenslängliche Mitglieder gerechnet. Herr Leo Mainz, i. F. L. Mainz senior, Uhlandstr. 46, Frankfurt a/M., hat die Güte gehabt, die Kassengeschäfte des Vereins zu übernehmen, somit auch Meldungen und Einzahlungen in Empfang nehmen' zu wollen._, Verschiedene Nachrichten Wien (I s r a e l i t i s ch e K u l.t u s g e m e i u d e.) Donnerstag, den 25. Februar 1909, präzise y2S Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, der Schlußvortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max G r u n w a l d statt. Thema: „Mark Antokolski." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und Kultur.) Donnerstag, den 4. März 1909, präzise l/s8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architekten^ Vereines, I.. Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Oberrabbiners Dr. M. G ü d e in a n n statt. Thema: „Wie sollen wir die Bibel lesen?" Eintritt frei, ohne Karten. Wien. („B e t H a m i d r a s ch T a l m u d - T o r a h", II., Malzgasse 16.) An zwei Freitag-Abenden sprach Herr Dr. Max Bernstein in unserem Bet Hamidrasch sehr spannend über „Rabbi Jochanan den Sakkai", das Wirken dieses Geisteshelden an der Hand des Talmuds und Midrasch meisterhaft entrollend. Dank und rauschende Anerkennung wurde dem Redner am Schluffe der beiden Vorträge reichlich zuteil. Wien. (T e m p e l b a u v e v e i tt des VIII. B e z. der St a dt Wien, VIII., Neudeggergasse 12.) Die Generalversammlung dieses Vereines fand am 17. Feber d. I. in den Räumen des Tempelgebäudes. VIEL, Neudeggergasse 12, bei zahlreichem Besuche statt. Der Präsident des Vereines. Herr Hermann Beck, hielt die Eröffimugsausprache und begrüßte bei dieser Gelegenheit den Vertreter der Knltusgemeinde Herrn Kommerzialrat S i m o n, Herrn kais. Rat L i ch t e n st a d t, den Präses des Tempelvereines im IX. Bez., Herrn Gottlieb