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Die Wahrheit · 1909-02-26 · Heft 9 (26.2.1909) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 9 (26.2.1909)
Date
1909-02-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 5 Ui. 9 verbessert, ba er strenge darauf sieht, nur gute, überall gangbare Ware zu erhalten. Diese Seite der Tätigkeit unseres Unternehmers dürste für die galizische Haarnetzproduktion überhaupt von großem Vorteil sein, indem sie den Rus der galizischen Ware aus dem Weltmärkte zu heben vermag. Wir können diesen Gegenstand nicht verlassen, ohne daraus hinzuweisen, daß der Aufschwung in der Haarnetzerei ans das beste dartut, daß eine in einem Laude einmal eiugeführte Heimindustrie, mag sie auch infolge besonderer Verhältnisse zeitweilig einen Rückgang erfahren haben, durch geeignete Mittel und unter günstigen Umständen leicht 51t neuer Entfaltung gebracht werden kann. Die im Berichte des Jahres 1907 betreffs der Spitze nhäkelei geäußerten Befürchtungen, daß sich die Bestellungen von Häkelspitzen im Jahre 1908 in hohe m Maße verringern werden, sind erfreulicherweise nicht eiugetroffen. Allerdings waren sie kleiner als im Jahre 1907; die Lohuziffer, von der wir gesagt hatten, daß sie im Jahre 1908 die des Vorjahres „auch nicht annähernd erreichen wird", betrug jedoch im Berichtsjahre noch immer K 88.452-68, hat also nur umK 81.818-03, also rund um 260/y abgenommen, was unsere Erwartungen bedeutend übertrifft. Erfreulich dabei ist noch, daß gerade gegen Ende des Jahres 1908 die k. k. Anstalt für Frauen-Hansindnstrie (k. k. Zentral-Spitzenknrs), von der unsere Arbeiterinnen in Galizien beschäftigt werden, so bedeutende Bestellungen aus Häkelspitzen erhielt, daß für das Jahr 1909 eine bedeutende Steigerung d e s G e s a m t l 0 b n b e t r a g e s 11t der Spitzen Häkelei v 0 rauszusetze n i st. Die genannte Anstalt befindet sich nämlich in der Lage, die galizischen Arbeiterinnen das ganze Jahr 1909 hindurch voll zu beschäftigen. Da das Gros dieser neuen Bestellungen ein besonderes Genre der Häkelei betrifft, in dem unsere Arbeiterinnen noch nicht tätig waren, so haben wir im Laufe des Monates Jänner 1909 eine Lehrerin nach Galizien e n t s e n d e t, die au jedem Häkelorte einige Tage verweilen wird, um den Aebeiterinnen die erforderliche Anweisung zu geben und Aufträge zu hinterlassen. Es scheint also, daß sich die Häkelspitze, die früher als eine Modespitze betrachtet wurde, gu einem Bedarfsartikel entwickelt, der nur in der Art der Ausführung dem Wechsel der Mode unterworfen ist. Dadurch, daß in den letzten Monaten des Jahres 1907 die Aufträge in der Spitzenhäkelei, die nach Galizien gingen, geringfügig waren (vergl. den Tätigkeitsbericht pro 1907, S. 2), waren wir genötigt, die Zulassung neuer Arbeitskräfte zur Häkelei zu untersagen. Aber auch die alten Arbeitskräfte waren im Laufe des Jahres 1908 nicht voll beschäftigt. Dies hatte neben der durch Heirat, Auswanderung rc. stattfindenden Abnahme zur Folge, daß sich die Gesamtzahl der Häklerinnen bedeutend verringerte. Gegen Schluß des Jahres 1908 waren nach einer von uns vorgenommenen Zählung in sämtlichen 18 Hükelst a t i 0 n e n 1021 Häklerinnen vorhanden, die, wenn Aufträge Vorlagen, Beschäftigung erhielten. Es gab aber a 11 diesen Orten noch ungefähr 400 b i s 5 00 Frauen und M ä d ch e n, welche die Spitzenhäkelei mehr oder weniger verstanden und bereit waren, falls sie Aufträge erhielten, sie zu übernehmen. Mit Rücksicht darauf, daß nunmehr außerordentlich große Bestellungen vorliegen, werden auch diese letztbezeichneteu Arbeiterinnen zur Spitzeuhükelei zugelassen werden können. Für 1907 hatten wir die Gesamtzahl der Arbeiterinnen auf 2000 geschätzt. Uni 311 erheben, wieviel eine Arbeiterin in der Spitzenhäkelei verdienen kann, haben wir jüngst an jene sechs Orte, von wo im laufenden Jahre die größten Warenmengen an die k. k. Anstalt für Frauen-Hansindnstrie gelangten, die Anfrage gerichtet, wieviel , eine Häkelarbeiterin gegenwärtig, wenn sie voll beschäftigt und fleißig ist — ohne Rücksicht auf ihre Geschicklichkeit — täglich im Durchschnitte verdienen kann, und die hierauf erteilten Antworten haben ergeben, daß eineSpitzeuh ä k l e r i n e i n e n s e h r s ch ö n e n V e r d i e n st, durchschnittlich K 1-50 bis L 2-—, täglich erzielen kan n. (Schluß folgt.) Einige Bemerkungen über Kleider im Talmud und Midrasch. Schon in den biblischen Schriften wird öfter von Kleidern gesprochen; manche Gebote und Verbote der Thora und manche prophetische Rede bezieht sich auf das, was dem Menschen zur Bedeckltng seiner Blöße und zum Schutze gegen Kälte und Hitze dient. Kein Wunder daher, wenn auch die talmndischen Weisen über Kleider sprachen und ein Urteil abgaben. Schon an die Mitteilung, daß Gott Adam und Eva nach der Sünde Röcke aus Fell gemacht habe, werden diesbezügliche Bemerkungen geknüpft. Nach R. Mair, in dessen Thora man statt mp Fell tik Licht geschrieben, oder was wahrscheinlicher ist. dazu angemerkt fand, waren die ersten Kleider ans einem hellglänzenden, leuchtenden Stoffe. Auch noch verschiedene andere Lehrer sprachen sich über die Beschaffenheit der Kleider des ersten Menschenpaares aus (Bereschith-Rabbah zur Stelle). Nach R. Simon b. Lekisch haben die Erstgeborenen, solange sie den Priesterdienst hatten, in dem von Gott gefertigten Kleide Adams die priesterlichen Funktionen verrichtet. Erst als nach der Errichtung der Stistshütte Gott Ahrvn und seinen Nachkommen, statt der Erstgeborenen. welche beim goldenen Kalbe sich vergangen Hallen, das Priestertum verlieh, gebot auch Gort dem Ahrvn, heilige Kleider „zur Ehre und zur Zierde" zu machen (Exod. 28,2). Aber nicht bloß die heiligen Kleider der Priester brachten diesen Ehre und Auszeichnung, sondern auch die gewöhnlichen Kleider verschafften, falls sie schön, rein und kostbar waren. Ehre und Auszeichnung ihrem Träger, auch wenn er kein Priester, sondern nur ein gewöhnlicher Sterblicher, insbesondere aber, wenn er ein Gelehrter war. Letzerer sagte man, setze die Ehre und Würde des ganzen Standes herab, wenn er in unschönen, geflickten Kleidern und Schuhen eiuhergehe und mache sich des Todes schnld'g, wenn ein Fettfleck ans seinem Oberkleide zu sehen ist (Sabbath 114 a). Selbst bei Lebensgefahr sollen die Gelehrten ihre Würde nicht außeracht lassen nild die ihrem Stande geziemende Kleidung tragen, das haben Chananja Mischael und Asarja uns gezeigt, als sie in ihren vornehmsten Gewändern znm Fenerofen schritten (Synhedrin 92 b). R. Inda b. Jlai wusch sich jedesmal vor Sabbacheingang und legte ein mit Schansäden versehenes, weißes Gewand an, so daß er das ehrwürdige Aussehen „eines Engels des Gottes Zebaot" hatte (Sabbath 25 b). In Babylon trugen die Gelehrten überhaupt reine weiße Talare, darum heißt es von allen, daß sie „den Engeln Gottes gleichen" (Kiduschin 72 a). Allerdings meinte ein etwas sarkastischer Lehrer Palästinas, daß die babylonischen Gelehrten sich darum durch ihre Kleidung ein ehrwürdiges Arrssehen geben, weil ihre geringere Gelehrsamkeit nicht genügt, ihnen Ehre und Anszeichnnng zu verschaffen (Sabbath 145 b). R Jochanan, in dessen Gegenwart diese sarkastische Bemerkung (sie würde vielleicht heutzutage ans so manchen Rabbiner besser passen) gefallen ist, gab dem Spötter einen Verweis und meinte, daß die Gelehrten in Babylon darum ans ihre Kleider solches Gewicht legen, um auch äußerlich ehrwürdig zu erscheinen, weil sie zumeist als Fremde in das Land kamen und in den Städten, in welchen sie sich niederlassen, unbekannt sind, denn ein Sprichwort sagt schon: In der Heimatstadt gilt mein Namen (Wesen und Charakter), außerhalb derselben mein Gewand (ibid.). Und doch war es gerade R. Jochanan, der ans das Gewand, das er trug, am meisten sah und seine Kleider, wie der Talmud an mehreren Stellen berichtet. vm-rn (meine Ehreverichaffer) nannte. R. Jochanan tat aber dies nicht bloß in Bezug auf dieSabbathkleider, sondern in Bezug auf feine Kleiber überhaup t. Ja. er versteht sogar manchmal unter dem Worte -res die Kleidung. Wer da mit Bezug auf die Talmndstelle (Sabbath 113 a) meint, daß R. Jochanan nur seine Sabbathkleider so genannt und bezeichnet habe, muß seinen Irrtum und seine unrichtige Auffassung sofort erkennen, wenn er dasselbe Blatt im Talmud umschlägt und am Ende von Seite b sieht, wie dort der ^Ausspruch R. Jochanans mit einer Sache in Ber-

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