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Die Wahrheit · 1909-02-12 · Heft 7 (12.2.1909) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 7 (12.2.1909)
Date
1909-02-12
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 7. Seite 7. Die Wahrheit. Magenta vom Kaiser selbst ausgezeichnet wurde und zwei Juden in W i e n die Ernennung zu Beisitzern beim Landesgerichte erhielten. Es ist dies der erste Fall, daß Bekenner der mosaischen Religion zu diesem Ehrenamte gewählt wurden. Im englischen Parlamente saßen bereits damals vier Juden. Was Frau kreich anlangt, so gehörte die Ernennung von Inden zur Bekleidung verschiedener Ehren- und Staatsämter zu den gewöhnlichen Erscheinungen. Um diese Zeit wurde in Straßburg, wie wir aus einem Berichte vom März 1859 erfahren, I. W e i l, Eapitaine Adjutant-Major im 66. Linien-Regimente, Ritter der Ehrenlegion, zum Range eines Bataillonschefs erhoben. Im deutschen Heere gibt es auch heute noch keinen jüdischen Offizier. Erfreulich zu hören ist es auch, daß die prächtige Synagoge in Pest im Jänner 1859 ihrer Vollendung entgegenging und im Mai desselben Jahres ihre Weihe erhielt. Mächtig erbrausten die Orgeltöne in den vom Gaslichte — damals noch eine seltene Einrichtung — erhellten Räumen. Am 11. August hielt der Oberrabbi Dr. M e i s e l3) daselbst seine Antrittsrede. Und nun wenden wir nns zur Erwähnung einer uns näherlicgetiden Tatsache. Am S a b b a t h e, 12. Februar 1859, wurde vom Ministerium den Juden Brünns die Kolizession (!) zur Bildung einer K u l t u s g e m e i u d e erteilt, und zwar lmter denselben Verhältnissen, wie in jeder anderen Kultusgemeinde. Von nun an galt mich für sie, wie für jede andere Kultusgemeinde Mährens, die im Jahre 1850 erlassene provisorische Knltnsordnnng inbezng auf die Ausbringung der Hultussteuer.Z Demnach war Brünn wieder eine Kehillah geworden, nachdem im Jahre 1454, d. i. fast 400 Jahre vor 1859, die Juden voll Ladislalis Posthumus aus dieser Stadt vertrieben wurden, in dem Jahrtmnderte, in welchem hier Israel aus B r u u a gewirkt, der gelehrte mib unglückliche Schüler des Israel I s s e r l e i n, des berühmten Verfassers der Gnlachtensammlung „Terumath Hadeschen". So kann die Brünner Gemeinde in diesen Tagen ihr I o b e l j a h r feiern. (Schluß folgt.) Ans der Wiener Knllnsgemeinde. Aus der Plenarsitzung des Kultusvorstaudes vom 7. Februar 1909, unter dem Borsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Beginn 10 vormittags. Im Einlaufe befinden sich eine Zuschrift des ehemaligen Vorstandsmitgliedes Dr. Ad. Stein, in welcher derselbe dem Vorstande für die ihm anläßlich seines Ausscheidens aus dem Kultusvorstande knndgegebeneu Sympathien feinen Dank ausspricht und versichert, stets bereit zu sein, für die Gemeinde oder das Judentum überhaupt ttach Kräften einzutreten. Eine Zuschrift des Herrn Rabbiners Dr. Leopold Golds cb m i d, Proßnitz, in welcher derselbe für das Interesse den Dank ausspricht, das der Vorstand anläßlich seiner Berufung zur Abhaltung eines Vortrages in Wien bekundet hat. Ein Dankschreiben des Doktor Josef Straffer für die Teilnahme des Kultusvorstaudes anläßlich des Ablebens seines Vaters, des sel. Herrn Dr. Ludwig Straffer. Ein Dankschreiben des Herrn O. L. S t i e r für die Glückwünsche des Kultusvorstaudes anläßlich seiner goldenen Hochzeit. Die Zuschrift eines Gemeindemitgliedes, in welcher dasselbe anregt, daß die Kultusgemeinde für eine größere Publizität des Umstandes Sorge tragen solle, daß das Gesetz über die Gebührensreiheit der anläßlich des Kaiserjnbilänms errichteten Stiftungen voraussichtlich in der allernächsten Zeit eine Verlängerung seiner Giltigkeit erfahreit dürste. Das erwähnte Gemeindemitglied ist der Anschauung, daß sich hiedurch einzelne Personen bewogen fühlen werden, noch jetzt größere wohltätige Stiftungen zu errichten. Eine Note des magistratischen Bezirksamtes für den XIX. Bezirk, mittels welcher die Banbewilligung für das von der israelitischen Kultusgemeinde in Ge- 3) Er ist der Uebersetzer der Dichtung des Abraham ben Samuel ibn Chisdai „Beu Hamelech we ha Nasir". „Prinz und Derwisch". ^,Barlaam und Josaphat" des Rudolf v. Ems.) 0 Aus der Nummer 19 des „Freitagabend", vom 13. Mai 1859. In der „Brünner Zeitung" fand ich darüber nichrs. (!) meiuschaft mit dem Vereine zur Unterstützung und Versorgung hilfsbedürftiger Waisen in Wien zu errichtende Kaiserjubiläums- Knabenwaiseuhaus erteilt wird. Ueber Vorschlag des Vertreterkolleginms werden an 66 Parteien G n a d e u g a b e n im Gesamtbeträge von X 34.600'67, ferner periodische Unterstützungen im Gesamtbeträge von X 64.238 au 486 Parteien für das Jahr 1909 bewilligt. Ueber die V e r s o r g u n g s a u st a l t der israelitischen Kultusgemeinde Wien wird nachstehender Bericht zur Kenntnis gebracht : Am 1. Januar 1908 lagen 185 Gesuche um Aufnahme in die Bersorguugsaustalt vor; im Laufe des Jahres 1908 kamen weitere 182 Gesuche hinzu. Von diesen Gesuchen fanden durch Einberufung der Pereuceu 168 ihre Erledigung, von welchen 142 in die Beriorgungsanftall eintraten u. zw.: 54 in das Verso: gungshaus und 68 m die Siechenabteilung. Bon den im Jahre 1908 in die Versorgungsanstalt eingelrelenen 142 Personen waren: 1. Ihrem Geburtslande nach ans Wien 4. Niederösterreich 2, Galizreu 30, Böhmen 16. Mähren 30, Schlesien 1, Ungarn 54, Deutschland 2, England 1. Rußland 2. 2. Ihrem Heimatslande nach: Aus Wien 32, Böhmen 11, Mähren 17. Galizien 29, Bosnien 2. Ungarn 47, Deutschland 2, Rußland 2. Am 31. Dezember 1908 befanden sich im Versorgungshanse 79 Männer und 105 Frauen, im Siechenhanse 45 Männer und 63 Frauen. Das Zinsenerträgnis desHaynm S. G o ld i ch m i d loschen Legates pro 1908 im Betrage von X 48.100.— wird entsprechend dem Vorschläge des Vertreterkolleginms an 17 Vereine bezw. Institutionen anfgeteilt. Ferner werden folgende Stiftungen verliehen: Die M. L. B i e d e r m a n nst'che Waifenftifrung und die Moriz Goldberger Rabbiuatskaudidatenstiftung. Weiters wird das Regulativ der Ludwig P o l l a kstchen Widmung für zehn Wohltätigkeitsvereine in Wien genehmigt und das Regulativ der Elisabeth U n g a rsichen Stiftung für Talmndisten. welche sich zit Rabbinern heranbilden, zur neuerlichen Beratung au das Vertreter kollegium zurückgeleitet. In das Ehrendamenkomitee für die israelitische Versorgnngsanstalt wird Frau Engenie F r a u k berufen. Znm Mitgliede der Prüsnngskommission für das Religionslehramt an Volks-, Bürger- und Mittelschrrlen in Wien wird der Direktor des israelitischen Blindeniustitutes Herr S. Heller berufen. Behufs Gewährung von Teuerungszulagen an die definitiven Religiouslehrer. sowie weiters au Schächter und Maschgichim wird gleichwie in den Vorjahren ein Betrag bis X 15.000.— bewilligt. Ferner werden genehmigt: Normale (systemgemäße) Vorrückungen von definitiven Beamten mit einem Jahreserfordernisse von X 5740.—. Beförderungen, außertourliche Vorrückungen von definitiven Beamten, Gehaltserhöhungen provisorischer Beamter rc. mir einem Erfordernis von X 4720.—. Normale (systemgemäße) Vorrückungen von Dienern mit einem Erfordernisse von X4300.—. Beförderungen definitiver Diener. Gehaltserhöhungen provisorischer Diener mit einem Erfordernis von X 1340.—. Endlich Remunerationen an Beamte nud Diener im Gesamtbeträge von X 3720.—. Ueber Antrag des Vertreterkollegiums wird eine aus drei Vorstandsmitgliedern bestehende Verwaltungskommission eingesetzt, welche sich mit den Agenden des gesamten administrativen Dienstes der Gemeinde und ihrer Anstalten zu befasseil hat. — Die Kommission ist berechtigt, zu ihren Beratungen von Fall zu Fall Experten sowohl ans dem Vorstande, als auch aus der Mitte der Gemeinde beizuziehen. Nach Erledigung von Steuer-Angelegenheiten wird die Sitzung um 7-2- Üfir nachmittags geschlossen. Don den Wiener Terrilorialiften. Samstag, den 6. d. M. fand im Salon des Cafs „City" die diesjährige Generalversammlung des „Wiener Zemral-Bereines der jüdischen territorialistischen Organisation „Jto" statt, über deren Verlauf wir im Nachstehenden berichten.

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