Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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■Jii. 5. Die Wahrheit Seite 9. iksiN der jüdische Kultus eine weiheuud würdevolle Stätte -grsuudeu uud Redner hofft, daß das ausgezeichnete Einvernehmen, Das bisher zwischen dem Vereine und der Kultusgemeinde herrschte, auch weiterhin obwalten wird. Herr Lederer dankt namens der Vereinsmitglieder dem Vorstande für seine Mühewaltung bei der Führung der Geschäfte. Herr K r a u s gibt einige Anregungen zur Hebung der Einnahmen, auf welche der Vorsitzende mit ansklärenden Bern 'rknngen reflektiert. Herr Dr. S. B l o ch beantragt als Mrtglied des Vereines und als Bewohner des IX. Bezirkes, dem Präsidenten für seine hervorragende Anteilnahme an den letzten Knltnswahlen den besonderen Dank der Generalversammlung ansznsprechen. Der Antrag wird einstimmig angenommen und nachdem der Vorsitzende für diese Kundgebung gedankt, schließt er die Versammlung. Hor>r; Krasnopolski In dem soeben erschienenen vierten Hefte des achten Jahrganges der „Deutschen Arbeit" entwirft Prof. Dr. U l b r i ch ein sympathisches Lebensbild des am 29.>Angust 1908 in Gmunden 'verstorbenen ordentlichen Professors des österreichischen Privatrechtes an der deutschen Karl Ferdinands-Universität in Prag, Hofrat Dr. Horaz Krasnopolski, dem wir folgende Worte entnehmen : „Gemeinsinn und Psiichttrene waren die beibeu hervorragenden Charaktereigenschaften des Mannes, dessen Andenken aneine Worte gelten. Sein Gemeinsinn führte ihn zur Verwaltung verschiedener gemeinnützer Einrichtungen; er war Mitglied des Kuratoriums der böhmischen Sparkasse, hochgeschätzt wegen seiner Gründlichkeit und wegen feiner Treue, mit der er dieses verantwortungsvolle Ehrenamt besorgte; er war Mitglied des Kuratoriums des deutschen Mädchenlyzenms, einer Anstalt, welche die deutsche Bevölkerung Prags ans eigener Kraft geschaffen hat. Mnstergiltig war seine Pflichttreue in Ausübung des Lehrberufes. Er war ein begeisterter Lehrer, bestrebt, seilten Schülern nur festbegründete wissenschaftliche Resultate zu überliefern und das Beste zu bieten. Die Ausarbeitung nnd Ergänzung seiner Vorlesehefte nach dem neuesten Stand der Literatur und Rechtssprechung nahm ihn täglich viele Stunden in Anspruch. Keine Minute seiner Vorlesestnnden versäumte er, nnd au seine Hörer die höchsten Anforderungen der Aufmerksamkeit nnd geistigen Mitarbeit stellend, bot er einen Lehrstoff, nicht bloß brauchbar für Schule uud Prüfung, sondern auch für den künftigen praktischen Berns. Es fügte sich überhaupt glücklich bei ihm, daß er durch seinen richterlichen Vorbereitungsdienst nnd durch eine mehrjährige Beschäftigung in der angesehenen Advokatenkanzlei des Dr. Kornelius Schäffner in Prag die Praxis gründlich kennen gelernt hatte und daß er daher auch als akademischer Lehrer ein offenes Auge behielt für ihre Bedürfnisse. Oft wurde er von Rechtsanwälten in schwierigen Rechtsfragen um seine Meinung befragt, nnd zahlreich sind die umfassenden und gründlichen Rechtsgntachten, die er erstattet hat. Hatte Unger die Brücke geschlagen zwischen dem gemeinen Recht und unserem allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuche, so erachtete es Krasnopolski mit Recht als eine weitere ^Aufgabe, auch den Zusammenhang des allgemeinen bürgerlichen Gesetzbuches mit dem Partiknlarrechte der einzelnen Länder seines Geltungsgebietes zu untersuchen nnd aufzuhellen. In intensiver Weise beschäftigte er sich mit dem böhmischen Rechte, insbesondere mit der Geschichte der böhmischen Landtafel, nach deren Muster unter Maria Theresia auch in anderen Ländern Landtaseln errichtet wurden; er hatte ans dem Archive des Justizministeriums wertvolle Materialien für eine Geschichte des Grundbuchsrechtes in Oesterreich gesammelt, die sich in seinem Nachlasse vorfinden. Zahlreich sind die Arbeiten, die Krasnopolski bei Lebzeiten über einzelne Fragen des Privalrechtes veröffentlicht hat. Alle wissenschaftlichen Werke Krasnopolskis behandeln in scharfsinniger Weise das gestellte Thema erschöpfend und gründlich. Das Physische des Sterblichen unterliegt unabwendbaren Naturgesetzen, die die Spanne unseres Erdenwallens bald länger ausdehnen, bald unerwartet verkürzen; auf ein metaphysisches Leben nach dem Tode verweisen und vertrösten uns Religion nnd Philosophie; aber den einzelnen Menschen ist noch ein drittes Dasein befchieden. ich meine ein psychisches Dasein in der Seele derjenigen, die mit ihm beisammen waren. Allerdings wie unsere Erde nur ein Stäubchen ist im Weltall, ebenso ist der Einzelne, wie bedentend er auch immerhin gewesen sein mag. nur ein Atom in der menschlichen Gesellschaft nnd in der Kette der sich ab lösen den Generationen. Aber wer seine Plicht getreulich erfüllt hat, wer den Besten seiner Zeit genug getan, jdem ist ein dauerndes Gedenken gesichert, auch wenn er nicht mehr lebt, auch wenn Amt und Würden abgelegt sind. Und so wird gewiß der Name Krasnopolski in der Geschichte der Rechtswissenschaft, in der Geschichte unserer Fakultät nnd Universität stets ehrenvoll genannt werden." Verschiedene Nachrichten. Wien. Anläßlich des Sterbetages des unvergeßlichen iveil. Kronprinzen Rndotf hat der Vorstand des I. Wiener lir. humanitären Heirats-AusftattungS-Verelnes ruBHDaan Wien II., Große Sperlgasse 32 - 34 beschlossen. Sonntag, den 31. Jänner d. I. zwei Waisenmädchen ans Kosten des Vereines ausznsteuern. Die Trauung dreier Waisenmädche» findet Sonnlag, den 31. Jänner 1909 nn isr. Tempel. Wien, II.. Tempelgasse, um 3/44 Uhr nachm. starr, wohin die Gönner uud Mitglieder elirgeladen werden. Wien. (Jüdischer Ko l o n i s a t i o n s v e r e i it.) „Bon Edom nach Moab. uralte Wege und Siedlungen im Lichte zeitgemäßer Kulturuud Kolouisatlonsausgaben." Dieses Thema besprach Herr Maler A. L. N i e l i ch - M i e l i ch h o i e r m der am 11. d. M. im Festiaale des Oesterreichischen Ingenieur- und Archirektenvereines srattgehabreli Blenarversammlung des Jüdischen Kolonisationsvereines. Der bekannte Künstler hatte vor einigen Jahren Gelegenheit, ans seiner Forschungsreise d:e alten Stätten tausendjähriger Kultur ans eigener Anschauung kennen zu lernen. Redner schilderte uns anschaulich und mit großer Begeisterung die Landstriche südlich und östlich vom toten Meere, die Landteile Edom und Moab, welche Moses mit dem Volke Israel durchstreifte, um das gelobte Land zu erobern. Warum, fragt Redner, ivählte Moses den weiteren uud beschwerlicheren Weg, wenn es ihm doch zweifellos gelungen wäre, in das Land Kanaan vom Westen aus einzudringen? Der größte Religiousstister aller Zeiten war sich der Größe der Ausgabe, welche seines Volkes harrte, wohl bewußt. Zur Lösung dieser Ausgabe brauchte er starke Menschen, ein Heldengeschlecht. Er selbst hatte sich iir der Wüste gestählt, in der Einsamkeit und Erhabenheit derselben hat er Kraft nnd Mut zu seinem Werke gesammelt. Desien eingedenk und der Wirkung wohl bewußt, die die Wüste aus den Menschen ausübr, führte er sein Volk dorthin, um es für seine schwere Aufgabe zn erzogen. Denn was der Aufenthalt in der Wüste für den Menschen bedeutet, für die Kräftigung von Körper und Seele, erhellt der Umstand, daß Europäer, wie Redner von sich erzählt, sich dort bei den größten Strapazen, ohne jede Bequemlichkeit, bei furchtbarem Wassermangel, außerordentlich wohl fühlen. Wüstenbewohuer waren es. die unter Mohammeds Leitung eine Welt eroberten. Die Erhabenheit der Wüste wirkt Wunder, neben ihrer Größe ist das Meer klein uud armselig, sie ist das Sanatorium der Zukunft. Redner empfiehlt mit Wärme, die an die Wüste angrenzenden Landstriche Edom und Moab zu erforschen, da dem Forscher nicht nur lohnender Erfolg, sondern höchster Rubin harrt. Jerie Stätceu tausendjähriger Kultur, wie überhaupt das Land östlich vom Jordan, das einst weit dichter bevölkert war als das Westjordanland, sind kostbare Forschungsgebiete und für die Kolonisation weit geeigneter als die Gegenden am westlichen Ufer des Flusses. Wenn wir in diesen Gegenden festen Fuß fasten und Schritt für Schritt den längeren, aber sicheren Weg in das gelobte Land ziehen, so versichert Redner, werden wir dauernde Werre schaffen, Werte, wie sie der menschliche Geist jetzt kaum ermessen kann. An einer großen Anzahl eigener Aufnahmen zeigte Herr Maler Nielich-Mielichhofer durch ein Skioptikon das oben Geschilderte. Der Bortrag mit seinen Illustrationen wurde mit Beifall ausgenommen. Der Vortrag wird mit den Bildern als Broschüre im Druck erscheinen und den Vereinsmitglieder zugestellr werden. Wien. «B e t h - H a m i d r a s ch T a l m u d - T h o r a, II.. Malzgasse 16). Am Freirag, den 29. d. M. um V2S Uhr abends findet daselbst ein Bortrag von Herrn Dr. Max Bernstein statt. Thema: „Rabbi Jochanan den Saccai." Am Freitag, den 5. Februar 1909 um 1j.,8 Uhr abends, findet ein Vortrag von Herrn Professor Moritz A n r s ch e r l statt. Tbema: „Das Land unserer Väter." Wien. (Jüdische Toynbeehall e,. In der Filiale XIV., Herklotzgasse 21 findet Samstag den 30. d. M. ein Vortrag des Professor Otto Simon „Ueber Erziehung" statt, an welchen sich ein Konzert schließt. Wien. Der „B r i g i r r e n a u e r i s r. F r a n e n-W ohltätigk e i r s - V e r e i n", desteu Veranstaltungen sich einer großen Beliebtheit ln der Gesellschaft erfreuen, veranstaltet Dienstag, den 2. Februar d. I. in den Sophiemülen eine Wohltätigkeits-Akademie nur nachfolgendem Tanzkränzchen zu Guusteu der Armen im XX. Bezirke. Mit Rücksicht auf den emineur wohltätigen Zweck haben in liebenswürdigster Weise ihre bestimmte Mitwirkung zugesagt die Damen: Frau Theo Drill- Orridge, Mitglied des Kaiser-Jublläums-Stadttheaters, Frau Grete Holm. Mitglied des k. k. pciv. Theaters a. d. Wien, Fräulein Irene Schwarz. Biolinvirruosin, die Herren : Richard P a h l e n, Klavier-