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Die Wahrheit · 1909-01-29 · Heft 5 (29.1.1909) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 5 (29.1.1909)
Date
1909-01-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die WahrbeN ')lv. 5 liebevoll und tolerant spricht, von Jugend auf bleibt' — der Frevler, stets und immer — das Böse. Diese Idiosynkrasie, diese Animosität gegen Inden und Judentum, die leider in der Natur der christlichen Lehre liegt, hat uns Verdächtigungen und Verunglimpfungen zugezogen, unter denen wir schon mehr denn neunzehnhundert Jahre leiden und die wir mit Geduld ertragen und mit dem Bewußtsein, daß wir ungerecht leiden — doch besser Unrecht leiden, als Unrecht tun, oder wie der Talmud so schön sagt: „Die gekränkt werden, und nicht wieder kränken, die sich schmähen hören aber nicht wieder schmähen, die nur ans Liebe alles tun und in Leiden sich freuen, von diesen heißt es, die Freunde Gottes leuchten wie die Sonne, wenn sie anfgeht in ihrer Herrlichkeit." (Tract. Sabb. 88, 2). — In der Minorität ausharren, mit Geduld und Mut alle Leiden ertragen, unsere Kinder im Geiste dieses Mutes und dieser Leidensstärke zu erfüllen: Das also sei allein die Ausgabe n n s e r e r Gegenwart. är. I. Tempelvercitt im IX. Kcprlre. Die Generalversammlung des israel. Bethans-Vereines „Chewrah-Beth-Hatfitah" im IX. Bezirke, die Samstag, den 23. Jänner. 7 Uhr abends im Zeremoniensaale des Tempels, IX.. Mnllnergasse 21, stattfand, bot, wie immer, ein erfreuliches Bild schönster Harmonie zwischen der Leitung des Vereines und dessen Mitgliedern, die es dankbar anerkennen, baß sie in der Person des Herrn Gotrlieb B e t t e l h e i m einen mit seltener Opfersreudigkeit für das Wohl des Vereines rastlos wirkenden Präsidenten und im Vorstande ausgezeichnete Männer besitzen, die den Verein auf der Bahn fortschreitender Entwicklung erhallen. Der Vorsitzende Präsident konstatierte die Beschlußfähigkeit der Generalversammlung, begrüßte hieraus die erschienenen Ehrengäste und Mitglieder, in erster Reihe den Delegierten des Knltnsvorstandes, Professor Dr. Joses P o l l a k, die Schristsührerin des Vereines „Frauenhort", Frau Benedikt, den Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Herrn S. B r o d und brachte dann folgenden Rechenschaftsbericht zur Verlesung. „Hochgeehrte Versammlung! Das abgelansene Vereinsjahr, das 42. seit dem Bestände unserer Körperschaft, hat sich, insoweit es sich um die ökonomische Gebahrung handelt, nur wenig von den vorangegangenen unterschieden. Auch in diesem Jahr konnten wir den stets steigenden Bedarf aus den eigenen Einnahmen decken, ja wir konnten dem Pensionssonde unserer Beamten nebst den ihm gebührenden Einnahmen per K 2989.— noch aus dem Vereinsvermögen X 2000.— znführen. Außerdem konnten wir Dank der großherzigen Widmung der Erben nach der seeligen Frau Fanni Kann znr besseren Bewachung des Tempels und zur Entlastung des Gehaltskonto eine Portierswohnung bauen, sowie einige Renovierungen vornehmen. Vergleichen wir aber einzelne Posten mit denen vergangener Jahre, so können wir an der Abnahme der Zahl der Mitglieder (308 gegen 316 im Jahre 1907) und der Verminderung der Mitgliedsdeiträge um X 126.—, sowie dem Rückgänge der Anzahl der in unserem Tempel vorgenommenen Trauungen und der Einnahmen aus diesem Titel um X 910.— nicht gleichgiltig vorübergehen. Geringere Bedeutung schreiben wir der Tatsache zu, daß auch die Anzahl der Konfirmationen sich wesentlich verminderte. Es ist dies durch die Einführung des Gottesdienstes für Mittelschüler und der Mädchenkonfirmarionen in den Tempeln des VIII., XVIII. und XIX. Bezirkes begründet. Mit großer Befriedigung blicken wir ans die Dienste zurück, welche anläßlich der diesjährigen Wahlen in den Kultusvorstand die Tempel- und Bethausvereine unter der Führung unseres Vereines unserer Gemeinde und durch sie dem Ansehen m\b der Würde unserer Religion leisten konnten. Wir möchten nur wünschen, daß auch die fruchtbaren, hoffnungsvollen Keime, welche aus Anlaß der Kultuswahlen in beiden gegnerischen Lagern zu Tage traten, von allen berufenen Faktoren mit aller Liebe gepflegt und gezogen werden. Der tiefwurzelnden Liebe und unwandelbaren Treue zu zu unserem gütigen Herrscher haben wir dankbaren Herzens, sowohl am 18. August, als auch am 2. Dezember, dem Jubilänmstage, durch besonders feierliche Begehung dieser Gedenktage und Enthüllung einer Erinnerungstafel sichtbaren Ausdruck verliehen. Im Berichtsjahre hatten wir mehrere großmütige Zuwendungen zu verzeichnen: Die selige Frau Johanna Kohn hat ihre Anhänglichkeit an das durch uns verwaltete Gotteshaus durch Testierung einer Seelenstiftnng im Betrage von X 1000.— bekundet, Frau Berta Donreich hat dem Vereine X 600.—, Herr Julius Paul X 500.— und Frau Johanna Honig X 200.— gewidmet. Herr Salo Fuchs gab uns ein neues Zeichen seiner Hochherzigkeit, indem er unserem Gotteshanse eine Thorarolle mit zwei Mäntelchen und einem Zeiger und eine Megillo spendete, wofür wir auch an dieser Stelle tinseren wärmsten Dank abstatteu. Auch in diesem Jahre haben wir durch den Tod schmerzliche Verluste erlitten. Wir bedauern tief das Ableben unserer ältesten und treuesten Mitglieder, der seeligen Herren Em. Banmgarten, Marcus Eisenstein und AI Leitersdorfer, ferner der Herren Louis Bab, Mark. Grünbaum, k. k. Finanzrat Jg. Schnepp, kais. Rat Alex. Fritsch, Moritz Weiß und Frau Emma Hahn, deren Andenken der Verein treu bewahren wird. Wir sind uns der Pflicht bewußt, alle jene Mittel ergreifen zu müssen, welche uns anznwenden möglich sind, um die Stellung und den Ruf unseres Gotteshauses ansrecht zu halten und bitten Sie, hochgeehrte Mitglieder, uns in diesem Streben zu unterstützen." Der Kassaverwalter, Herr Jnlins K o p p st e i n, bringt hierauf den Gebahrungs-Answeis und das Bilanz-Konto znr Verlesung und nach einer von dem Vorsitzenden gegebenen Anfklärnng über einzelne Posten wird der Rechenschaftsbericht sowie der Kassa-Answeis einstimmig geitehmigt. Zum 2. Punkte der Tagesordnung „Wahlen" ergreift der Obmann-Stellvertreter, Herr Dr. M. Schnepp, das Wort und verweist daraus, daß der Verein trotz der verhältnismäßig, geringen Anzahl voit 308 Mitgliedern und der gegenwärtig allgemein fühlbaren finanziellen Abkühlung für jüdische Interessen auch in dem abgelanfenen Jahre die im Gebahrungs-Ausweise altsgewiesenen ansehnlichen Summell für die Pstege des Kitltus im IX. Bezirke ausgebracht hat. Diese erfreulichen Resultate konnten nur dadlirch erzielt werden, daß die bisherige Leitung die Verwaltung des Vereines scharf im Auge behielt und sich mit hingebungsvollem Eifer den kultuellen Zwecken desselben widmete. Besonders anerkennenswert sei auch der hervorragende Anteil, den der Präsident des Vereines an den diesjährigen Knltuswahlen genommen hat, wodurch das Ansehen des Vereines in der Kultusgemeinde gehoben wurde. Redner gibt die Versicherung, daß der Vorstand auch weiterhin bestrebt sein werde, zum Wohle des Vereines und zur Entfaltung des Judentnmes zu wirken und empfiehlt die ausgeschiedenen Vorstandsmitglieder znr Wiederwahl. Der Vorsitzende designiert die Herren Siebenscheiir und W a i z n e r jun. zu Skrutatoren lind bei der hierauf durchgeführten Wahl werden in den Vorstand die Herrelt Emil F n r t h, Adolf Moser und Josef Q u i t t n e r, und in den Ausschuß die Herren Salo Fuchs, Dr. Alfred G l o g a u, Leop. Hendl, Gerson K o r a l e k, Wilhelm Pappen hei m, Josef Steiner, Dr. Adolf Steiner und Isidor T r e b i t s ch wiedergewählt. Der Delegierte des Knltnsvorstandes, Herr Professor Dr. Joses P o l l ä k, erklärt, daß es ihn: zu besonderem Vergnügen gereiche, im Namen des Kultusvorstandes dem Vereine zu seinem Vorstande, insbesondere zu seinem ausgezeichneten -Vorsitzenden zu gratulieren und ihm für sein hervorragendes Wirken ans dem Gebiete des Kultus zu danken. Die Synagoge war von jeher bei den Inden der Diaspora der Mittelpunkt des jüdischen Lebens und auch heute noch schlagen bei dem einigenden Rufe: „Sch’ma Jisroel" aller Herzen höher. Hier im IX. Bezirke

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