Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 5 (29.1.1909)
- Date
- 1909-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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akrcheit lt. »ldliuul», iUiül!: Wien. 11/, Nvv«rn§nsje -1 der Di -- 3531* *2 InaMngige Zeitschrift für Mische j (tfuiijIilQtli) ...» 14.— DuibifiDria! .St 7_ K. f. öftevr. Vostsparkajsa- Schetk-Konto Nr. ivu.9l8. Interessen- Fu» (iii(tii4(<t’uiiitf: Dir viermal geivaUeii- <4i,uuj;io»iti je m.- Noiivareüie-Nrile Sn Heller. Erscheint jeden Kr ei tag. — 7ib0mitmciite. u.;niiciiti>u»- File yiiiflniiD: 1 «MTHgr iinb m Wifn jnDinai .ilulUlilOUil . . M 'JMiatC .111 b (ltl||Oili. Molto : „Das lieget Wobt es lab Wulirfiwit!** t> Stllvel ade, Id äfc*. ilv. 5 Wie», 29 Jänner 1909. Inhalt: Ans der Woche. — Vor einem halben Jahrhunderte. — Die Weltreligionen. — Ueber den J,lbe,rriff des Guten und Bösen im alten und neuen Testamente. — Tempelverein im IX. Bezirke. — Horaz Krasnopolski. — Verschiedene Nachrichten. — Feuilleton: Eine gebildete Frau. — Austritte ans Dem Judentum. Ans der Woche. Die den Eingeweihten wohl bekannte, aber vor der breiten : Öffentlichkeit bisher sorgsam verhüllte Tatsache, daß die ans j dem österreichischen Gemeindetage in Wien im April des vorigen Jahres mit so allgemeinem Enthusiasmus und einhellig beschlvsserrene Gründling einer Gesanuorganisation der österreichischen Jndenschaft dnrch den Widerstand der galizischen Vertreter zn scheitern droht, ist nun offenbar worden, und den Berichten der jüdischen Presse ans Galizien kann man entnehmen, daß Neologe und Orthodoxe, die sich sonst in den Haaren zn liegen pflegen, mit seltener Einmütigkeit dem Schlagwvrte „Los von Wien" hnldigen. Fände die Organisationsidee Widersacher ans Seiten unserer Feinde, so wäre das wohl begreiflich, aber daß im eigenen Lager gegen die jüdische Repräsentativverfassnng, innerhalb welcher die Autonomie der Kltltilsgemeinden respektiert werden soll und jeder Zwang ans religiösem und rituellem Gebiete von vorneherein ausgeschlossen war, geschürt und gewühlt wird, erscheint uns als ein geradezu selbstmörderisches Beginnen, das vom Standpunkte der Wahrung der allgemeinen jüdischen Interessen nicht entschieden genug verurteilt werden kann. Und gerade die Inden Galiziens, deren Verhältnisse in politischer, sozialer und ökonomischer Beziehung viel trister als in den anderen österreichischen Kronländern sind, hätten am wenigsten Ursache, sich der anerkannten Vorteile und des Schutzes einer Gesamtorganisation der Inden in Oesterreich zn entschlagen. Mögen sie dnrch welche Motive immer hiezu bewogeit werden, ihr Widerstand wird und darf die westösterreichische Jndenschaft nicht hindern, das angestrebte Ziel mit aller Energie weiter zn verfolgen und sich ohne Galizien selbständig zu organisieren. Wenn Galizien iit offenbarer Selbstschädignng seine eigenen Wege gehen will, mm gut. Seine Separation von der Gesamtheit könnte höchstens zur Konsequenz haben, daß die west österreichischen Inden sich auch die Frage vorlegen, ob es nicht zweckdienlicher wäre, die großen Opfer, die bisher für die Verbeffernng der Lage der Inden in Galizien gebracht wurden, für Westösterreich ausznmenden und Galizien seinem Schicksale und seiner eigenen Fürsorge zu überlassen. Im Interesse Galiziens wäre dies nicht zn wünschen, und darum fordern wir alle maßgebenden jüdischen Faktoren in Galizien ans, sich von dem Wahne der Separation lvsznringen und gemeinschaftlich mit ihren westlichen Brüdern an die Sicherung und den Aufbau der Gesamtorgauisalion zu schreiten. Wie sehr die Verhältnisse in Galizien sich immer mehr zn Ungnnsten der Inden verschlechtern und der bisherige Assemilismns zum offenen Antisemitismus nmschlägt, dafür zeugt unter anderem auch folgende Mitteilung, die der „N. I. K." aus Lemberg gemeldet wird: Die polnischen Hausbesitzer Lembergs am! Maryacki- und Malickiplatz und in den umliegenden Gaffen haben beschlossen, jüdischen K a n s l e u t e n in diesem Viertel keine G e t cb ä s t s l o k a l i t ä t e n z n vermieten. Es verlautet, daß der Minister a. D. und Führer der christlich-; sozialen Partei Dr. Geß m a n n eine Reise nach der Hanpt-; sladt Galiziens zu nute! nehmen gedenkt. Wenn nicht alle Ani zeichen trügen — die Entstehung der polnischen chrifflichsozialen . Partei in Krakau, bas unverblümte Antisemiteln der Stapinskischen Volkspartei und des nengebildeten polnischen Volks-; bnndes, schließlich die „schärfere Tonart" der Natioualdemokraten! —. so wird dem antisemitischen Chef der Wiener Ralhansnud Reichspartei in Lemberg ein warmer Empfang sicher sein. *! Die in voriger Nummer unseres Blattes konstatierte Tatsache, daß bei der Katastrophe in Messina die Opferwilligkeil und werktätige Menschenliebe der jüdischen Kreise sich in anßeri ordentlichem Maße gezeigt hat. wird auch in einem reichsdeutschen Blatte vollauf bestätigt, das an die Frage, ans welchen; Kreisen vorzugsweise die Spenden für die Opser der süditalienischen Erdbebenkatastrophe fließen, folgende Bemerkungen i knüpft: > „Wenn mau die Nameit der Spender in den Blättern, die eine eigene Sammlung unter ihren Abonnenten veranstaltet haben, auch nur einer flüchtigen Durchsicht unterzieht, macht man alsbald die nicht gerade erhebende Wahrnehmung, daß i die Kreise, von denen das Wort gilt oder gellen sollte:! „n obiesse obligeu, sich einer ausfälligen Zurückhaltung befleißigen. Zunächst hat kein großes konservatives deutsches Blatt es überhaupt für nötig erachtet, eine solche; Sammlung unter seinen Lesern und Freunden zn veranstalten, wohl aus der nicht ungerechtseriigten Besorgnis heraus, daß der Appell an die Opfersrendigkeit agrarischer Kreise ein gar zu klägliches Resultat ergeben würde. Aber auch bei den öffentlichen Sammelstellen sind aus den Kreisen des preußischen Adels und der führenden Herren des Bnndes der Landwirte ver-; schwindend geringe Beiträge eingegangen. Der überwiegende! Teil der Spenden ist ans den Kreisen der Industrie und des > werktätigen Bürgertums, der akademischen Berufe usw. geflossen. > Allein fünf große liberale Blätter in Berlin. Frank-! snrt a. M., Köln und Haiinover haben bis jetzt schon nahezu