Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 4 (22.1.1909)
- Date
- 1909-01-22
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 4. Die Wahrheit. Seite 7. Pflegen, um zu sehen, wie Israel seinen Gott verehrt. Wenn sie nun Augenzeugen der hier obwaltenden Unordnung und Anstandslosigleit sind, so machen sie sich lustig über Israels Gottesdienst nnd suchen unsere Sitten und Bräuche ins Lächerliche zu ziehen. Kann man sich einen größeren OttiUrrl haschem denken?' R. Jesaias Hnrwitz klagte in seinem Werke („Seltene Luchot" 214) über die Unordnung beim Gvllesdienste: „Den in einigen Gemeinden üblichen Brauch des lauten Schreiens während des Gebetes am Neujahrsfeste wie am Bersöhnnngstage finde ich als höchst abgeschmackt nnd absurd. Wer aber in stiller Andacht sein Gebet verrichtet, ist besonders lobenswert." Auch jene Chasanim (Vorbeter), welche sich nach fremden Melodien nmsahen. nm sie in der Synagoge vortragen zn können — was übrigens schon Alsaßi gegen Ende des elften Jahrhunderts mißbilligte (vergl. Rechtsgntachren Alfasi 281) — wurden von den genannten zwei rabbinischen Autoritäten sehr getadelt. Lenczycz schreibt in seinem Amnde-schesch" : „Ich kann es nicht unterlassen, das Borgehen jener Vorbeter, die beim Gesänge jedes Wort ohne jegliche Andacht lange dehnen, nm hiedurch die Gunst nnd den Beifall des Auditoriums erzielen zu können, schonungslos zn tadeln. Hnrwitz schreibt in seinem „Sehelah" 254: „Den Vorbetern nnd Sängern, die mit ihren Vorträgen nichts anderes beabsichtigen, als durch ihre schönen Stimmen die Bewunderung des Auditoriums zn erregen, rnse ich zn: Das Hauptgewicht legen sie bei ihren Vorträgen ans ihre Stimmen nnd darum sind sie verhaßt." Nicht bloß ans die Andacht, sondern auch auf die Vortragsweise der Gebeie, besonders des Schemagebetes haben unsere Weisen Hanptgeivicht gelegt. So heißt es „Midrasch •Chosid" : „Wenn Israel in seinen Gotteshäusern das Schema harmonisch/melodisch mit) würdevoll liest, rnst Gott ihnen zn: Die ihr wohnet in Gärten „liasosottswst bgannim", lasset eure ^Stimmen hören, so aber Israel mit zerstreutem Sinne es liest, so daß der eine früher als der atidere mit diesem Gebete fertig ist. ruft die göttliche Stimme: Israeli dodi, .Fliehe mein Freund". Schließlich müssen wir uocfi bemerken, daß selbst in vielen modernen Tempeln, wo sogar Orgel nnd Damenchvr eingesührt sind, noch sehr viel „geschmnßt" wird. Schreiber dieser Zeilen kennt sogar m o d e r u e czechische Gemeinden, in deren Tempeln czechisch gebetet, czechisch gepredigt nnd deutsch „geschmnßt" wurde. Ben Menachem. Verlchiedene Jhuijndjtcu. Wien. Freitag-Abend, den 22. d. M.. Prediqt im Stadttempel. Wien. (V o r t r a g s z p k l n s ans jüdischer Geschichte, Literatur nnd Kult n r.) Donnerstag, den 28. Jänner 190b. präzise 1/2S Uhr abends, sinder im Festsaaie des Ingenieur- und Archirektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, ein Vortrag des Herrn Heinrich U vrk-S reiner statt. Thema: „Vorlesung eigener Dichtungen, Skizzen und Novellen." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (W a r n n n g.) Ein 16jähriger Bursche, angeblich iiamen» Moriz (Moses) Landau, treibt sich gegenwärtig m Wien hernm und versucht unter der Vorspiegelung, das; seine Ettern beim Pogrom in Lischenew umgekommen, daß er als „K i s ch i n e m e r W a i s e n k i n d" in der Lämmelschule in Jerusalem erzogen worden sei und zur Reise nach Paris der nötigen Mittel entbehre, bei jüdischen Vereinen und Wohltätern Unterstützungsberräge heranszulocken. Bor diesem jugendlichen Schwindler, dessen Angaben völlig ersunden sind, wird hiemit öffentlich gewarnt. Wien. (Generalversammlung e n.) Die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Vereines zur Errichtung und -Erhaltung von Horten f ü r s ch u l v f l i ch t i g e Kinder findet Sonntag, den 31. Jänner d. I., um 10 Uhr vormittags, in den Räumen -des Vereines „Eintracht" Bnai Brith, IX., Nniversitätsstraße 4, statt. Am selben Tage und im gleichen Lokale wird um 11 Uhr vormittags die ordentliche Generalversammlung der jüdischen T o y n b e e - H a l l e abgehalten. Tagesordnung beider Versammlungen: 1. Tängkeits- und Kassabericht pro 1908. 2. Wahl der Funktionäre. 3. Eveinualia. Wien. (Israel. Bethausverein „Am Volkerr".) Der israel. Bethausverein „Am Volkert" beruft für Montag, am 25. Jänner 1909, präzise *,',8 Uhr abends, die 32. ordentliche Generalversammlung im Restaurationslokale, H., Mühlfeldgasse 1, mit der üblichen Tagesordnung ein. Wien. Die fünfte ordentliche Generalversammlung des Tempel- Vereines des XM. Bezirkes der Stadt Wien findet Mittwoch, den 27. Jänner, 8 Uhr abends, im „Weißen Engel", XIII., Hauptstraße 4, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Verlesung des Protokolles der vierten ordentlichen Generalversammlung. 2. Rechenschafts- und Kassenbericht. 3. Neuwahl von 13 Ansschußmitgliedern, drei Stellvertretern und drei Revisoren. 4. Eventualia. Wie». (I s r a e l i t i s ch e K u l t u s g e m e i n d e.) Donnerstag, den 21. Jänner 1909. präzise ^8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieurnnd Architektenvereines, I., Eschenbachgaffe 9. ein Borrrag des Herrn Rabbiners Dr. Leopold G o l d s ch m i d t aus Proßnitz statt. Thema: „Ueber jüdisches Fremdenrechc." Wien. lChewra-Beth-Harsilah! samstag, den 23. Jänner abends 7 Uhr findet im Zeremoniensaale des Tempels IX., Müllnergasfe 21 die ordentliche General-Versammlnng für das 42 Bereiusjahr des Israel. Bethausvereines „Chewra-Beth-Harsilah" im IX. Bezirke statt. Tagesordnung : 1. Rechenschaftsbericht. 2. Neuwahl von drei Mitgliedern in den Vorstand. 3. Neuwahl des Ausschusses. 4. Anträge nnd Interpellationen. Wie». (Jüdische T o y n b e e - H a l l e im XIV. Bezirke.) Jni VortragSsaale. XlV.. Herklotzgasse 21, wird Samstag, den 23. d. M., 7 Uhr abends, die diesjährige Sauon der Tovubee-Halle-Filiale für die Bezirke XII—XV ihre Tätigkeit aufnehmen. Die Eröffnungsrede hält Rabbiner Dr. M. G r u n w a l d. An diese schließt sich ein von Frau W o d n i a n s k y arrangiertes Orchesterkonzert. Wien. (Hilferuf der ungarische n H a n s i e r e r.) Der „Erste österr. Rechtsschutzverein für Hausierer" in Wien beruft für Dienstag, den 26. Jänner l. I., nm 6 Uhr abends, im Saale „znm goldenen Widder", IL, Taborstraße 36 eilte allgemeine HaufiererverinmmInng ein nnd ladet alle Hausierer ohne Unterschied der Nationalität und des Geschlechtes. sowie alle Kansleure und Fabrikanten, welche mir dem Hausierhandel in Verbindung stehen, zur Teilnahme an dieser Versammlung höflichst ein. T a g e s o r d n n n g : „Die Sltnacion der ungarischen Hausierer nnd deren Hnngersnot." Referenr: Herr S. A. Freund. Mehrere Herren Reichsratsabgeorbnete haben ihr Erscheinen zugeiagr. Znnimmnngsknndgebnngen übernimmr und Anskniisre orteile das Sekrerariar des obgenannten Vereines: W:en. II., Taborsiraße 66. Wien Mittwoch, den 13. d. M., fand die Beerdigung des Herrn Isidor M! n tz, Vorstaildsiuirglied des Jviesstädrer Tempelvereines, bei äußerst zahlreicher Beteiligung seitens der Mirglteder dieses Vereines start. Im Tranerhanie erschienen Bertrerer des Knltnsvorstandes und vieler Tempelverelne nnd versah Herr Oberkanlor O narrin die liturgische Funktion in erhebender Weise. Rabbiner Dr. B a u e r widmete dem Heimgegangenen. der ein seltener Hebräist war nnd sich auch im sozialen Leben sehr gemeinnützig bewährte, einen warmen, leine Verdienste würdigendeu dkachrnf. Er ruhe in Frieden! Prag. Vorige Woche feierte das hochverdiente Vorstandsmitglied der Prager Knlrnsgemeinde. Landesschulrat nnd Direktor des Nächstenllebevereines, Herr Dr. Ludwig B e n d i e n e r. sein vierzigjähriges Doktorinbilänm. Möge er :n Rüstigkeit iein snnszigjähriges feiern nnd noch ungezählte Jahre dem Jadentnme erhallen bleiben. Wir rufen ihm vom Herzen zn: jejaselier kochacho! Dr. L. H. Budapest. Der Kultusminister Graf Albert Apponyi hat augevrdner, daß ein Verzeichnis jener iiraelltlscheil Gemeinden Ungarns zusammengestellr werde, die >n Anbetracht ihrer prekären Verhältnisse vom Staate eine Subvention erhalten sollen. Budapest. Der beliebte Tberkantor des hiesigen Rombach-Tempels Israel T k a r s erschien am 8. d. M. im Bürgermersteramte und legre den Eid als nngariicher Staatsbürger in ungarischer Sprache ab. Vizebürgermeister Rözsnvölghi begrüßte den neuen Bürger mit herzlichen Worten nnd gab seiner Freude darüber Ansdruck, daß derselbe in verhältnismäßig kurzer Zeit >o gut ungarisch erlernt bat. Literarische Mitteilungen. In dem soeben erschienenen elften Bonde Des non A. Bettclheim herausgegebeuen „Biographischen Jahrbuches für 1906" äußert sich Ernst v. P lene r über den hervorragenden österreichischen Indnstriellen nnd Abgeordneten Rudolf A n s p i tz unter anderem: „Trotz seiner vielfachen geschäftlichen nnd öffentlichen Tätigkeit trieb er mit Eifer wissenschaftliche Studiener veröffentlichte, in Gemeinschaft mit R. Lieben, ein gelehrtes Buch über die Theorie des Preises (Leipzig 1889), welches die Anwendung der höheren Analyse ans nationalökonomische Lehrsätze unternahm. Der nationalökonomische Inhalt des Buches steht wesentlich ans der Grundlage der Lehren Ricardos, Hermanns nnd insbesondere Ievons', nnd stimmt vielfach mit der modernen österreichischen Werttheorie nnd Lehre vom Grenznutzen überein. Durch ein scharfsinniges System von Kurven nnd analytischen Formeln wird der Satz, daß der Preis sowohl der Nützlichkeit des letzten gekauften Teiles, als den Kosten des letzten verkauften Teilchens gleich ist. nach allen Richtungen nnd für verschiedene Einzelsülle iflintnert. Menge, Nachfrage, Kosten, Nützlichkeit, Lebensgenuß. Besteuerung werden in ein reichhaltiges Koordinatensystem gebracht. Die ganze Arbeit ist mit ungewöhnlichem Scharfsinn nnd großer Exaktheit dnrchgesi'chrt. Die mathematische Methode wendet sich an einem so kleinen Teil der National-