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Die Wahrheit · 1909-01-15 · Heft 3 (15.1.1909) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 3 über Gymnastik und Turnübungen enthält. Die Pflege eines jungen, kräjtigen und stolzen Muskeljudentums hat in Galizien, wo es am meisten Not tut, also nach vielen Kämpfen doch festen Boden gewonnen. Hamburg. Wie bereits gemeldet, feierte am 1. Jänner d. I., der Oberkantor der hiesigen Hauptgemeinde, Herr Joachim Dreiblatt, sein 25 jähriges Amtsjubiläum. Der Jubilar, welcher Oesterreicher vvii Geburt ist, ist in feinem Wirkungskreis sehr beliebt. Das bewiesen die vielen ihm dargebrachten Ehrungen. Am Vormittag erschien der Gesamtvorstand und au der Spitze desselben Herr Oberrabbiner M. Hirsch. Im Namen des Vorstandes hob Herr H. G u m p e rz ui einer Ansprache hervor, wie sehr sich Herr Dreidlatr durch seinen schönen Gesang und seine musikalische Begabung um die Würde des Gottesdienstes verdient gemacht habe. Als Zeichen der Anerkennung erlaubre sich der Vorstand, ihm ein Portefeuille mit wertvollem Inhalt zu überreichen. Hierauf sang der Männerchor, deren Dirigent der Jubilar ist, ein eigenes zu diesem Zweck von seinem Amtskollegeu Herrn Oberkantor Rosenblatt kompomertnu N'N' NNN. Außerdem sang der Chor noch mehrere sehr schön gelungene Piezen. Im Namen der ganzen Gemeinde hielr Herr S r r a n ß eine längere Anrede und überreichte Herrn Dreiblatt eine kunstvoll ausgeführte Adresse nebst einer von über 400 Mitglieder» gezeichneten größeren Geldsumme. Der Jubilar erhielr auch sonst noch viele Aufmerksamkeiten. Die 4 Gabboim schenkten ein wertvolles Speiseservice, der Mäunerchor ein wertvolles Silbergeschenk, der Knabencbor einen Spazierstock mit Silberkrücke, und zum Schluß überreichte Herr Rosenblatr im Nanren der Kollegen, indem er ein Hoch auf Herrn Dreiblatt ansbrachte, einen silbernen Pokal. Biele Hnndert Mitglieder erschienen zur persönlichen Gratulation. ßine gebildete Krau. Bon Babette Fried. (Fortsetzung.) Die Lehrerin schrieb einige Zeilen aus ihre Visitkarte, worin sie den vorläufigen Entschluß aussprach, die verwaiste Elise Schilling bei sich zu behalten. Mit dieser Karte schickte sie Lieiel aufs Bürgermeisteramt und trug ihr auf, bald nach Hause zu kommen. Wie wohltätig berührte die kleine Waise das Wort: „Nach Hause," sie, die seit gestern heimatlos war! — Viertes Kapitel. Die beiden Frauen blieben allein. Gundel streckte der Freundin beide Hände entgegen: „Nimm meinen Dank dafür, daß Du an mich gedacht und in mein bisher ödes Heim Licht und Sonne gebracht hast, mib vergib mir die harten Worte, die ich Dir vorhin gegeben." „Ich habe Dir nichts zu vergeben, denn Du hast es gut gemeint. Wenn Du aber die näheren Umstände kennen lvirst, unter denen meine Ehe geschlossen worden, wirst Du so manches, Dir bisher auffallend Erscheinende in meinem Vorgehen begreifen und vielleicht auch entschuldigen. Gestatte deshalb, daß ich Dir Einiges aus meinem Leben erzähle, das ich bis jetzt vor jedem Menschen, und auch vor Dir, meiner besten Freundin, geheim gehalten habe. Wie Du weißt, bin ich gleich dem armen Liesel schon als Kind eine varer- und mutterlose Waise geworden. Doch wurde es mir nicht so gut wie dieser. Keine treuen Arme öffneten sich mir, um mich ans Herz zu schließen, wie Du es eben Liesel getan — nein, ich wurde dem Waisenhanse in unserer Landeshauptstadt übergeben. Eigentlich fehlte es mir dort an nichts. Ich hatte gute Kost, eine warme Wohnung, machte täglich mit meinen Kolleginnen und den Lehrerinnen der Anstalt einen Spaziergang, im Sommer sogar längere Ausflüge, aber Liebe — Liebe fand ich keine und mein nach Liebe lechzendes Herz verlangte nach nichts, als nach liebevollem Entgegenkommen, es blieb daher nach allem äußeren Behagen unbefriedigt. Unter meinen Gefährtinnen fand ich keine, an die ich mich besonders anschließen mochte; der Grund lag vielleicht in mir selber, und doch war es so. Sonst auch litt ich furchtbar unter den Zuständen, die an der Anstalt herrschten. Keine lauten Zwistigkeiten kamen da vor, aber geheime Angebereien, welche von den Lehrerinnen angeregt und unterstützt wurden, verbitterten uns Allen das Leben. Ich hoffe. Gundel. daß Du mich nicht für putzsüchtig halten wirst, wenn ich Dir gestehe, daß auch meine Kleidung bei mir Widerwillen erregte. Nicht das schlichte graue Kattnnkleid und der schmucklose braune Strohhut im Sommer, sowie der formlose, aus grobem Stoffe angefertigte Paletot und die wattierte Haube im Winter waren es, die mich verbitterte, sondern der Umstand, daß diese raffinierte Einfachheit in Form und Farbe unserer Kleidung so vollkommen gleichmäßig war und wir in dieser Uniform bei den uns Begegnenden Aussehen erregten, von denen gar Viele stehen blieben und den Waisen-- kindern mitleidig oder auch nur neugierig nachblickten." Hier machte Rösl, wie in tiefem Nachdenken versunken, eine kurze Pause. „So oft es nur anging, suchte ich mich diesen Spaziergängen unter irgend einem Vorwände zu entziehen; und während die Anderen paarweise unter Aufsicht der Lehrerin vor das Tor gingen, um frische Lust zn schöpfen, schlich ich mich in das leere Bibliothekzimmer und las hier, las ohne Wahl, was mir unter die Hand geriet, nahm auch insgeheim ein oder das andere' Buch an mich, um in unbewachten Momenten dessen Inhalt zu verschlingen. Da habe ich den Grund zu dieser unseligen Belesenheit gelegt, welche mir seither wie ein Fluch anhaftet, mich so oft dem Spott und Hohn der Menschen anssctzte, nnd meinem Charakter die Richtüug gegeben, welche mich der ganzen Welt, und sogar meiner eigenen Familie entfremdet hat. Denn eigentliches Wissen ist es ja nicht, das ich mir auf diesem Wege erworben, trotzdem in mir ein Wissensdurst lebte, wie er heftiger von keinem reifen Manne empfunden werden konnte. Und zur tiefen unendlichen Qual wurde mir dieser Wissensdurst, weil er nicht befriedigt, sondern von den Leitern der Anstalt mit Güte und Strenge unterdrückt wurde, ohne daß dieselben vielleicht eine Ahnung davon hatten, wie tief mein Kindergemüt unter dieser Einschränkung litt. Es gab damals keinen anderen Berns, der einem studierten Mädchen offen stand, als der einer Privatlehrerin, Gouvernante. Zn diesem Beritfe wurde mir jede Fähigkeit von unserem erfahrenen Pädagogen abgesprocheu. „Dienen ist des Weibes Los auf Erden; der hier gedienet, ist dort oben groß!" Diese künftige Größe wurde mir von meinem gütigen Vormunde zugedacht. Nach Absolvierung der vier Volksschulklassen wurde icki in den Dienst gegeben. Ich wurde Dienerin, später so eine Art Gesellschafterin, gleichzeitig das, was man jetzt Stütze der Hausfrau nennt, bei einem sehr vermögenden, kinderlosen Ehepaar. Man behandelte mich sehr gilt, lvar überaus freundlich gegen mich, wenn die alte Frau eben nicht durch ihre Nervosität zu leiden hatte. Man mutete mir weder viele, noch schwere Arbeit zu, und ich durfte nach Herzenslust lesen, soviel und was ich wollte. Das war die einzige Zeit in meinem Leben, wo ich vollkommen zufrieden lebte. Dieser angenehme Zustand währte so lange, bis ein Neffe nnd gleichzeitig Adoptivsohn meiner Herrschaft, der nach Beendigung seiner Studien, die er an einer ausländischen Universität vollelldete, ins Haus seiner Adoptiveltern gekommen war, lind mir bald eine größere Aufmerksamkeit znznwenden begann, als es sich für eine Person in meiner Stellung paßte. (Fortsetzung folgt.) Austritte ans dem Judentum.' Hauser Adele, ledig, geb. 7. April 1886 in Wien, XIII., Linzerstraße 400. Lukäcs Paula geb. Fehl, verwitwet, Private, geb. 21. März. 1876 in Wien, IX., Servitengasse 5. K o h n Emma, ledig. Private, geb. 30. November 1877 in Olmütz, VII., Neubaugasse 48. Rakovszky Franziska, ledig, Modistin, geb. 10. Mai 1878 in Wien, II., Große Mohrengasse 20. C z i t r o in Adolf, ledig. Manipulant, geb. 11. Dezember 1844 in Wien, V., Grüngasse 31. Wassermann Beer v. B e n c y j o u, ledig, Kommis, geb. 2. Juni 1888 in Kalusz (Galizien), II., Große Stadtgutgasse 17. Rotstadt Sofie, ledig, Lehrerin, geb. 1. Oktober 1880 in Warschau (Rußland), II., Klanggasse 7. Kranz Cäcilia, ledig, Private, geb. 21. August 1881 iu Niebylec, Bez. Rzeszow (Galizien), XVI., Brunnengasse 40. Weiß Sigmund, Ingenieur, geb. 12. November 1684 in Wien, Graz, Rettenbachergasse 30, lt. Zuschrift des Rabbinates Graz, ddo. 7. Jänner 1909, Z. 24. Freund Elvira, ledig, geb. 27. Juli 1886 in Wien, lt. Zuschrift des Jnt.-Rallb. Gablonz ddo. 6. Jänner 1909, Z. 99. B e n e s ch Emma, ledig, Dienstmädchen, geb. 30. September 1886 in. Pravvnim, XIV., Huglgasse 7. Waldberg Freifrau von, geb. Platsche! Violett a, verheiratet, geb. 16. Oktober 1877 iu Berlin, 1., Hotel Kranz. Winkler Arnold, verheiratet, Fabrikant, geb. 22. Mai 1869 in Wieu, XHL, Auhofstraße 166. Winkler Jda geb. T e l a t k o, Fabrikantensgattin, geb. 4. Mai 1879 in Saaz, XIII., Auhofstraße 166.

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