Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3. Die Wuvrven Seite 9 Arbeit" den hervorragendsten, verdienstvollsten Persönlichkeiten würdig an die Seite gestellt. Besonders hoch hält und stellt der Talmnd die Ehre und 'Würde der Arbeit. „Das Handwerk ist von großer Wichtigkeit, denn es ehrt nnd lobt den Meister" (Ned. 49); nur müsse derjenige, der sich demselben weiht nnd widmet, auch begeistert :und erwärmt für die Arbeit sein (Gittin 67). Schemaja. einer der berühmtesten Lehrer der talmudischen Zeit ries seinen Schülern .zu: „Liebet die Arbeit und meidet die Herrschaft." (Abot 1,10.) An einer anderen Stelle heißt es: „Groß ist die Arbeit, denn sie ehrt ihren Herrn (B. Batra. 110), stellt hoch ihren Besitzer (Jer. Schek. 14) nnd ernährt ihre Eigentümer (Abot d. R. Nathan 11). Wenn auch sieben Jahre Hungersnot ist. die Türe des Arbeiters nnd Handwerkers erreicht sie nicht." (Sanh. 29.) Daß die „Arbeit" in der talmudischen Zeit hochgeschätzt wurde, beweist zur Genüge der Umstand, daß die hervorragendsten und gefeiertesten Lehrer der damaligen Zeit neben ihrem Lehramte, das sie u n e n t g e l t l i ch bekleideten, auch das Handwerk betrieben, um sich erhalten zu können. Hillel I arbeitete als Taglöhner, als Holzhauer, der Märtyrer Rabbi Akiba trug in seiner Jugend täglich Holz in die Stadt, wo er es seilbot, R. Joina ben Chananja war ein Nagelschmied, Rabbi Jehnda b. Jllai ein Böttcher, R. Jos. b. Chat. ein Gerber, R. Jizchak Napoha ein Eisenschmied, R. Nechnnja Hakador ein Töpfer, R. Inda Chaita ein Schneider, R. Jochanan Hosaudler ein Schnhmacher, R. Jehnda Hanechtam ein Bäcker rc. In Jerusalem hatte es so viele Kupferschmiede gegeben, daß sie eine eigene Synagoge hatten. (Meg. 26.) Weit größer war die Zahl der jüdischen Handwerker in Alexandrien, so daß in der dortigen Synagoge die Meister nach verschiedenen Gewerben verteilt nnd gesondert saßen. (Sukka 5, 1.) (Fortsetzung folgt.) ebene Nachrichten. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte, Literatur und K u l t u r.) Donnerstag, den 14. Jänner 1909, präzise ,/2S Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieurnnd Architektenvereines, 1., Eschenbachgasse Nr. 9. ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Leopold G o l d s ch in i d t ans Proßnitz, statt. T h e m a : „Ueber jüdisches Fremdenrecht." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (B o r r r a g s - C p c l u s der „Oesterreichischen- Israelitischen U n i o»".) Donnerstag, den 21. Jänner, präzise J/28 Uhr abends, im Festsaale des „Niederösterreichischen Gewerbevereines", 1., Eschenbachgasse 11: „D i e palästinische I ü d i n a m P u tz r i s ch", Vortragender: Dr. Stephan D a r n a u, Mitglied des Wiener Bürgertheaters. Anfangs Februar, im großen Saale des „Hotel Post", I., Fleiichmarkt 16: „Die Taufbewegung". Vortragender: Reichsrarsabgeordneter Dr. Arthur Mahler. Hierauf Diskussion. Ende Februar, im großen Saale des „Hotel Post", I., Fleischmarkc 16 : „Die R e f o r in der A r in e n p s l e g e". Vortragender : Dr. Isidor Samuel y. Hierauf Diskussion. Der genaue Zeitpunkt der beiden letzten Vortrüge wird noch separat bekanntgegeben. Wien. In jüngster Zeit brachte das Tonkünstler-Orchester unter Direktion Oskar N e d b a l s im großen Mnsikvereinssaale die symphonische Legende für großes Orchester, Chor und Orgel, von dein in weitesten .Kreisen bekannten Koiupositeur Richard M a n d l mit nngeteiltem lebhaften Beifall zur Aufführung. Die Kritik der angesehensten Zeitungen bespricht Mandls neuestes Tvnwerk einstiinnlig mit Anerkennung seines hohen Könnens. Wien. Die 33. ordentliche General-Versammlung des israelitischen Tempelvereines für den X. Wiener Gemeindebezirk Favoriten findet Dienstag, den 19. Jänner 1909, präzise 8 Uhr abends, im Lehrsaale des jüdischen Schnlvereines, X., Hasengasse 7, statt. Wien. Die Channkafeier im L. D. Kömgsberg'schen Institute (Wien, H., Valeriestraße 21) nahm auch Heuer einen schönen und würdigen Verlauf. Nach dem Anzündeu der Chanukalichter hielt in Vertretung des leider erkrankten Obmannes des Kuratoriums, k. k. Baurar Theodor Ritter von G o l d s ch m i d t. und des gleichfalls durch Unwohlsein am Erscheinen verhinderten I. Vize-Präsidenten Dr. Gustav Ko h n, das Kuratorinmmitglied Knltusvorsteher Dr. Markus Spitzer die Festrede, die dem kindlichen Verständnisse der Jnstitntszöglinge ongepaßt, auch auf die anwesenden Herren nnd Damen des Kuratoriums und die zahlreichen Gäste einen erhebenden Eindruck machte. Die Zöglinge absolvierten ihr reichhaltiges Programm, das aus Gesangsvorcrägen - unter der Leitung des -Oberkantors Philipp Klüger — Klaviervorträgen und deutschen nnd französischen Rezitationen bestand, in tadelloser Weise nnd ernteten reichen Beifall. Der Direktrice des Institutes, Fräulein Henriette L i p s ch i tz, wurde der Dank für ihre Bemühungen ausgesprochen. Wien. (Verein zur unentgeltlichen B e r p f l e g n u g B r u st l e i d e n d e r auf dem Lande, I., Neuthorgasse 20.) A u fn a h m s b e d i n g u n g e n: Zur unentgeltlichen Verpflegung in RoLnau (Mähren) werden mittellose Brnsileidende anfgenommen, bei denen begründete Aussicht auf Heilung oder Besserung besteht. Kranke, welche das Bett nicht verlassen können, dauernd Fiebernde und Personen, die das 16. Lebensjahr noch nicht erreicht oder das 50. Lebensjahr überschritten haben, sind von der Aufnahme ausgeschlossen. Nach Wien Zuständige oder daselbst Wohnhafte iverden vornehmlich berücksichtigt (§ 1 der Bereinsstatnten). Gesuche uni Aufnahuie sind vom 15. F e b r u a r v i s l ü n g st e n s 15. April 1909 beim Vereine (I.. Neurhorgasse 20) einzubringen; dieselben müssen mit dem Mittellosigkeits- und einem ärztlichen Zeugnisse belegt sein. Verspätet e i n l a n g e n d e Gesuche w e r d e n nicht berücksichtigt. Geinchsformularien sind in der Kanzlei des Rothichildjpitals, XVIII., Gürtel 97, nnd im Bereinsdurean, I., Neuthorgasje 20, erhälrlich. Alle Aufnahmswerber, die ihre entsprechend belegten Gesuche rechtzeitig eingebracht haben, werden zu der im Laufe des Monats April stattfindenden vereinsärztlichen Untersuchung vorgeladen und erhalten nach dieser im Falle der Aufnahme dis längstens 20. Mai 1909 den Anfnahmsschein. Die Beremspfleglinge genießen freie Fahrt, sowie während der Dauer der Knrveriode freie Wohnung. Verköstigung, ärztliche Behandlung, Medikamente, Inhalationen, Bäder, Liegekuren und sonstige Knrmitrel. Die Kursaiiou ist in zwei Perioden eingeteilt: die erste währt von Anfang Juni bis Mitte Juli, die zweite von Mitle Juli bis Ende August. Wünsche um Zuerkennnng einer bestimmten Kurperiode werden tunlichst berücksichligl. Wien, im Jänner 1909. Die Vereinsleirung. Wien. (Damenturnen.) An der konzessionierten Privat-Tnrnschule für Knaben nnd Mädchen, die sich in dem Prachtturnsaale der neuerbanten Bereinsschule im II. Bezirk, Malzgasse 16. befindet, wurde auch das Damenturuen für Frauen und Mädchen emgeführr. das unter der Leitung eines bewährten, an Mittelschulen wirkenden Tnrnprofessors steht. Damen, die den hygienischen Wert des Turnens zu schützen wissen, werden zum Besuche einer Tnrnstnnde höflichst eingeladen. Kniderrurnen : Dienstag und Donnerstag von Damenturnen: Montag und Mittwoch von l/28—Vaö. Wien Letzten Samstag fand in Hirschbeins Restauration (II., Schiffamtsgasse 20) ein Geselligkeicsabend statt, der vom humanitären Vereine „Treue Brüder", welcher anläßlich des Regierungs-Jubiläums werktätig hervorgetreten war, veranstaltet wurde. Das Programm war glänzend. Herr W i e s e n t a l nnd Ad. Rohr erregten wahre Lachsalven. Frl. Olga K ü ry brillierte durch ihren Gesang. Außerdem raten sich hervor: Die Miniatur-Soubrette Tilda Stern von der Hofover, die kleine Tänzerin Gisa Golz. die Geschwister Frisch, Duetten,- der kleine Danny Gürtler, Gnsti F e r r o s und Rosa Wallach. Den Schluß bildete ein Tanzkränzchen, lim das Zustandekommen harren sich die Herren Strauß, Hausner, B i b e r, M o r i tz und S i in o n o v l t s ch besonders bemüht. Das segensreiche Wirken des Vereines, wie bei Delogierungen rc., spricht für die Notwendigkeit seines Bestandes. Wie». Am 6. Jänner fand die Trauung des Frl. Seraphine A s r i e l, Tochter des Großhändlers nnd Vorstandsmitgliedes der türkischen Gemeinde, mit Herrn Artur Marios aus Budapest, im prachtvoll erleuchteten türkischen Tempel statt. Zur Feier harren sich der Geiamtvorstand unter Führung des Präsidenten Lico A d u t r und ein zahlreiches distinguirces Publikum eingefnnden. Den Traunngsakr vollzogen Rabbiner P a p o nnd Oberkantor Bane r. Der Chor mit Orgelnnd Harfenbegleitung stand unter Leitung des Dirigenten Kantor L ö w i t. Wie». Montag, den 11. d. M.. fand unter zahlreicher Beteiligung das Leichenbegängnis der im hohen Alter von 101 Jahren verstorbenen Frau Regine C o h e n statt. Die Verblichene war infolge ihrer Frömmigkeit nnd ihres Wohlrätlgkeitssinnes in der ganzen türkischen Gemeinde hochverehrt und geachtet. An ihrer Bahre trauerten die ihr nahestehenden Verwandten, Herr Lico A d n t t und Herr Morenn A d n t t. sowie der Adoptivsohn, Herr Direktor Leon W teuer. Rabbiner Pavo hielt der dahingeschiedenen edlen Frau einen warmen Nachruf. Die kauioralen Funktionen versah Oberkanror Bauer, unter Assistenz des Kantors Löwir nnd des gesamten Chores. Wie». Montag, den 11. d. M.. ist unter überaus großer Teilnahme Frau Therese T o f f l e r, die Gattin des Vorstandsmitgliedes des Mariahilfer Tempelvereines, Herrn kais. Rat Josef T o f f l e r, zu Grabe getragen worden. Die Verblichene war eine treue Gattin und zärtliche Mutter, die ganz in ihrer Familie anfging, und umso schmerzlicher wurde ihr Heimgang von den Hinterbliebenen, denen sich die allgemeine Teilnahme zuwender, empfunden. An ihrer Bahre sprach Rabbiner Dr. T a gl i ch r. der die schönen Tugenden der Heimgegangenen rühmte, und die Tranergesänge exekutierte in erhebender Weise Oberkanror Dünmann unter Assistenz des Kancor Czuczka und des Chores. Klatta». Die hiesige israelitische Gemeinde har ihrem Oberkantor, Herrn N. G r ü n w a l d. tu Anerkennung seiner Leistungen und musterhaften Führung eine Gehaltserhöhung von 200 X jährlich zugeiprochen. Lemberg. In einer Generalversammlung des jüdischen Turnvereins in Lemberg legre der Vorsitzende emen ausführlichen Bericht vor, über die Zahl und die Tätigkeit der Turnvereine Galiziens. Der Kampf gegen die körperliche Verwahrlosung der jüdischen Jugend Galiziens hat im Jahre 1901 mit der Gründung von Turnvereinen eingesetzt. Diese Bestrebungen fanden anfangs bei der jüdischen Orffentlichkeit gar keme oder nur sehr geringe Unterstützung und noch gegenwärtig werden die Turnvereine vielfach angefeindet und als vollständig überflüssig hingestellr. Trotzdem ist es den unermüdlichen Bemühungen des Zenrralausichnsses gelungen, in verschiedenen Städten Galiziens Turnvereine zu begründen, die bereits eine ansehnliche Mitgliederzahl haben. Ter erste Turnverein entstand in Lemberg, nnd dann rasch hintereinander Vereine in Tarnopol, Stamslan und Krakau. Der Lemberger Verein zählt 202 männliche nnd 21 weibliche Mitglieder. Der Turnverein hat auch verschiedene Fußballklubs begründet, die ebenfalls sehr günstige und vielversprechende Resultate aufweiien. Auch haben die Turnvereine größtenteils eine ansehnliche Bibliothek, die wichtige Werke