Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 3 (15.1.1909)
- Date
- 1909-01-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wabrben Nr. 3 Scltabbos“ hat unter den vielen Punkten, die sein Programm bilden und die näher zu beleuchten, hier nicht der Ort sein soll, sich znm Ziele gemacht, eine Zentralisierung der Stellenvermittlung für jene, die Samstag ihre Geschäste geschlossen halten, bezw. Samstag nicht arbeileii, zu schaffen. Solcherart wird es einerseits den Chefs von Samstag geschlossenen Geschäftshäusern möglich, ihr Personal jenen Leuten zn entnehmen, die Samstag nicht arbeiten, andererseits können wieder Stellnngsnehmer, die ans einen Samstagposten reflektieren, durch Vermittlung von Seiten des Vereines einen solchen erhallen. Wer von dem religiösen Zndentnm wird eine solche Organisation nicht mit Freuden begrüßen? Endlich soll daran gegangen werden, eine Institution zu schaffen, die jungen Leuten ans frommen jüdischen Häusern, ohne daß dieselben von den Gebräuchen, die sie im Elternhanse gesehen haben, abznweichen brauchen, mithilft, sich eine Existenz zu gründen. Jene Herren Chefs, die an Samstagen ihre Geschäfte und Bureaus geschlossen haben und die auch eminentes Interesse daran haben müssen, daß ihr Personal sich nur ans solchen Leuten rekrutiert, denen es wirklich daran gelegen ist, Samstag zu halten, sie werden sich nun in Hinkunft an eine Stellenvermittlung wenden können, die ihnen religiöses Personal zur Verfügung stellt. Am 27. Dezember v. I. hat das provisorische Komitee des Vereines der Sabbatsrennde Scliomre Sckabbos eine Versammlung abgehalten, die zahlreich .besucht war, und in welcher die dem Ministerium zu unterbreitenden Statuten eingehend besprochen wurden. Den Vorsitz führte ans allgemeines Verlangen der Proponent der Statuten, Herr Wolf Pappenh e i in, und entspann sich im Lause der Versammlung eine lebhafte Debatte, an die sich vornehmlich die Herren A r d e l, B i s ch o f w er d e r, H o f b a n e r, Klei n, Nasch, Schif f, Fuchs, F e l s e n b n r g, P o l l a k rc.. unter Stellung verschiedener Anträge lebhaft beteiligten. Die vorgelegten Statuten wurden mit kleinen Aenderniigen angenommen und deren Einreichung zwecks ministerieller Genehmigung beschlossen. Znm Schlösse der Versammlung wurde ans Antrag des Vorsitzenden beschlossen, der in Frankfurt tagenden Versammlung die- Sympathiekundgebung des neu zu konstitnirenden Schwestervereines ans telegraphischem Wege znm Ausdruck zn bringen, wofür bereits in einem Antworttelegramm frenndlichst gedankt wurde. Gesinnungsgenossen! Noch schwerer und mühseliger Arbeit wird es bedürfen, ehe wir unsere neu geschaffene Organisation auf jene Höhe bringen, daß sie den von uns im Auge gehabten Zweck auch voll und ganz erfüllen soll. Aber an euch liegt es an diesem Bane mitznhelsen, dessen Fundamente bereits in so sicherer Weise gelegt sind. Jeder trage sein Scherflein dazu bei, damit ein im Werden begriffenes Gebäude sich zn einem imposanten Machtwerk gestalte, das dem orthodoxen Jndentnme zur Freude und Ehre gereichen soll. Der Mitgliedsbeitrag beträgt mindestens X 6 jährlich, für Angestellte K 4, welche in mindestens vierteljährigen Raten zn bezahlen sind. Jeder orthodoxe Jude, der dem Vereine noch nicht beigetreten ist, beeile sich, seine Mitgliedschaft anznmelden und den Beitrag zn leisten. Geldsendungen sind an den provisorischen Kassier, Herrn Julius Steinfeld, Firma Kohn & Schiff. I., Nenthorgasse 5, zn richten. Im Sinne des Vereinsgesetzes haben nur jene zur Generalversammlung Zutritt, die ihren Mitgliedsbeitrag geleistet haben, und ist es mit Rücksicht ans die demnächst stattfindende konstituierende Generalversammlung angezeigt, wenn der Beitrag je früher geleistet wird. Das Leben nnd Wirke« der Inden in Oesterreich in »ormarstiche« Zeiten. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte. Von Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Als dem ersten Menschen das Eden als Schauplatz seiner Tätigkeit angewiesen wurde, erhielt er den göttlichen Auftrag, diesen prachtvollen, herrlichen Garten „zn bearbeiten und zu hüten", auf daß er die Früchte seiner Wirksamkeit und Tätigkeit in Ruhe nnd Frieden genießen und ein sorgenfreies und kummerloses Leben führen könne; jedoch vom Baume der Erkenntnisdarf er es nicht wagen, einen materiellen Vorteil zn ziehen, weil er sonst das Höhere, Ideale nnd Göttliche profanieren, herabwürdigen und entweihen würde.*) Nachdem aber der erste Mensch sich verlocken ließ, auch von dem Baume der Erkenntnis materielle Früchte zn erzielen und sie zn genießen, erging der göttliche Ruf an ihn: „Im Schweiße deines Angesichtes sollst du dein Brot essen," das heißt mit anderen Worten: deine erste Pflicht sei es, durch körperliche Anstrengung, durch deiner Hände Arbeit, dir die nötigsten materiellen Mittel zn verschaffen, um für deine physische Erhaltung Sorge tragen zu können. „Wenn du dich von denn Erwerb deiner Hände näbrst, heil dir und wohl dir" (Psalm. 128, 2), d. h. wie der Talmud erklärt, „heil dir hienieden und wohl dir im Jenseits" (Cnl. 44), weil du durch den Umstand, daß du das Höhere und Ideale zu materiellen Zwecken zu mißbrauchen durchaus nicht wagst, sowohl für dein irdisches nnd materielles, als für dein geistiges und ewiges Heil und Wohl Sorge trägst. Daß nach der Lehre des Jndentnms „die Arbeit" als eine der ersten nnd wichtigsten Pflichten des Menschen zn betrachten sei, erhellt ja klar nnd deutlich ans dem vierten der am Sinai verkündeten „zehn Gebote". „Sechs Tage so llst du arbeiteu nnd dich mit allen deinen Werken beschäftigen, aber der siebente Tag ist ein Ruhetag dem Ewigen, deinem Gotte." Welch eine erhabene Idee liegt diesem Gesetze zugrunde! Sechs Tage soll der Mensch arbeiten, soll er sich wacker regen nnd redlich bestreben, um des Hauses Gewinn zu mehren, irdische und zeitliche Güter zn erwerben, um am Sabbath, dieser schönsten,, erhabensten, beglnckendsten und beseligendsten Institution der Menschheit sich vergeistigen nnd für Förderung seiner nnd seiner Familie geistigen Interessen Sorge tragen zn können. Ebenso ist ans den Worten der heiligen Schrift: „Und der Mensch war noch nicht zur Bearbeitung der Erde da" (1. B. M., 2, 5), klar nnd deutlich zu entnehmen, daß er in. erster Linie berufen wurde, zu arbeiten, sich durch Fleiß, Emsigkeit und Tätigkeit ausznzeichnen. Nicht nur als des Menschen höchste Bestimmung, sondern auch als eine dem Menschen Ehre und Würde verleihende Tätigkeit wird die Arbeit nach der Lehre des Jndentnms betrachtet, was wohl ans dem Umstande entnommen werden kann, daß die Arbeiter, besonders jene, die sich in der arabischen Wüste bei dem prachtvollen Ban der Stiftshütte, zn dem man bekanntlich Zimmerlente, Tischler, Drechsler, Knnstweber, Sticker, Goldnnd Silberarbeiter, Tapezierer, Bildhauer rc. verwendete, anszeichneten, in der heiligen Schrift in höchst ehrenvoller Weise erwähnt nnd als gottbegnadete Menschen gepriesen werden. Von Bezalel b. Uri b. Chinr, der ein Arbeiter in des Wortes reinster' Bedeutung gewesen, heißt es: „Gott hat ihn erfüllt mit seinem. Geiste, mit Weisheit, Einsicht und Erkenntnis." Ferner heißt es: „Moses berief den Bezalel, den Oholiow nnd jeden Mann weisen Herzens, dem Gott die Weisheit ins Herz gelegt." (II. B. M. 35.) Auch die Namen der ersten Erfinder von Handwerken und Knnstarbeiten uns. zn nennen, hat die heilige Schrift nicht unterlassen, um sie dadurch gleichsam der Vergessenheit zn entreißen. Jabal war der Erste, der Hütten erbaute, Jnbal wird der Vater aller Zithernnd Harfenspieler genannt, Tnbal Kain wird als der Erfinder der Kunst, Eisen und Erz. zu schmieden nnd zu polieren, gepriesen, und Noach wurde der Trost der Menschheit genannt, weil er das Pflngeisen erfunden hatte. Während bei den heidnischen Völkern des Altertums die Arbeit, das Handwerk, als eine den Menschen erniedrigende Beschäftigung angesehen wurde, so daß man sie nur den Sklaven überließ, wurden in der heiligen Schrift die Männer „der *) Antigouus, der Soklite, rief seinen Schülern zu: Betreffs der Gottesverehruug gleichet nicht jenen Dienern, die ihrem Herrn um des materiellen Lohnes willen dienen, sondern benehmet euch wie Untertanen, die ihrem Herrn, ohne eine Belohnung zu erwarten, Dienste leisten, unddie Ehrfurcht vor Gott muß euch beseelen. (Abot 1, 3.)