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Die Wahrheit · 1909-01-15 · Heft 3 (15.1.1909) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 3 (15.1.1909)
Date
1909-01-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Nr. 3. Die Wahrheil Seite 3. Wir begreifen also nicht, durch welche kabbalistische Wunder Jtzig zu seinem Glaubensgenossen gelangen konnte. Es ist.mehr als unwahrscheinlich, haß die Türken ein besseres Gewehr als die Russen haben sollten, und. hundert feindliche Gewehre zu' ergattern, ist wahrlich nicht leicht, noch weniger dieselben durch einen einzigen Jtzig zu transportieren. Das Ganze ist also ein schlechter Börsenwitz. Nächstens werden wahrscheinlich unsere Antisemiten auch das Geschwätz alter Weiber als. historische Dokumente gegen die Inden ins Feld führen. Es muß wirklich sehr traurig um die innere Berechtigung einer Sache bestellt sein, wenn man mit solchen Mitteln arbeitet. Der Psychologe kann hier wieder am besten studieren, wie unfruchtbar dieser ganze Antisemitismus ist und wie unfähig er sich zeigt, neue Ideen zu erzeugen oder alte große Gedanken zu beleben. Es gibt in der ganzen Kulturgeschichte der jüngsten Zeit keine einzige geistige Bewegung, die nicht nur sittlich so verfehlt, sondern auch geistig so arm ist, wie dieser Klassen- und Rassenhaß. Er verwirrt die Köpfe, lenkt den Blick vom wahren Quell des Uebels ab und führt die Menschen falsche Bahnen, auf denen man zu keinem vernünftigen Resultate gelangen kann. Trübe ist der Ursprung des Antisemitismus, dunkel die Bahn seiner Entwicklung und jämmerlich das Ziel, dem er entgegenstenert. Die Inden in Sizilien nnd Caladrie». Die furchtbare, grauenhafte, durch Größe nnd Umfang des Verderbens bisher unerreichte Katastrophe, die in den letzten Tagen des eben abgelaufenen Jahres die Bewohner Siziliens und Kalabriens heimgesucht mib in wenigen Momenten weite Strecken herrlicher Knltnren nnd hnnderttansende blühender Menschenleben vernichtet hat, hat wohl das Mitgefühl aller Völker nnd Nationen mächtig angeregt, und was nur Menschenautlitz und Menscheugefühl besitzt, wurde angesichts des gräßlichen Masseunuglücks tief erschüttert. Nachdem aber die erste Betäubung überwunden war, regte sich überall das Sonderinteresse an Heimats- und Volksgenossen, inwieweit diese vom Unglück und Schaden betroffen wurden, und so mag auch manchem unserer Stammesgenosseu die Frage auf den Lippen geschwebt sein, ob und in welchem Umfange auch Juden bei dieser Katastrophe heimgesucht worden sind. Groß ist ihr Anteil keineswegs, denn seit dem denkwürdigen Jahre 1492. da Ferdinand der Katholische die Inden aus Sizilien, gleichwie aus den spanischen Ländern, vertrieb, gab es dort mehr keine jüdischen Gemeinden. Religiöser Haß und Fanatismus hatten es zustande gebracht, ein Volk, das an dem Aufblühen von Handel und Gewerbe und an der Entwicklung der geistigen Kultur hervorrageiiden Anteil genommen nnd mit seinen Mitbürgern im besten Einvernehmen lebte, zu vertreiben, und gleich den jetzt von elementarem Unglück Betroffenen irrten damals viele tausende von Inden, die auf Befehl des Königs ihre Heimat in Messina, Palermo, Syrakus, Katania, Reggio und anderen blühenden jüdischen Gemeinwesen verlassen mußten, hilf- und planlos umher. Wie jedoch die Bevölkerung selbst über diese Grausamkeit urteilte, darüber äußert sich ein Historiker der damaligen Zeit in folgender Weise: „Es war ein ganzes Volk, das in die Verbannung hinanszog; ein anderes Volk, mit welchem jenes durch Jahrhunderte gemeinsam gelebt hatte, stand stumm, bestürzt, weinend am Ufer, auf den Stadtmauern, den Galerien und Dächern der benachbarten Gebäude, um den letzten Gruß zu geben nnd zu empfangen. Die Inden verließen Sizilien, das so viele Geschlechter ihrer Vorfahren einander folgen gesehen hatte, deren Asche es umschloß, das für sie die teuersten Gewohnheiten, Neigungen und Erinnerungen in sich faßte, das Vaterland derer, die nun verdammt waren, anderwärts seufzend von diesem Himmel, diesem Meere, diesen geliebten Stätten, von den zurückgebliebenen Mitbürgern zu träumen. Der Despot, der Unschuldige bestrafte, und vertrieb, konnte die unendliche Bitterkeit einer solchen Trennung nicht ermessen. Die Katastrophe bleibt unauslöschlich eingeschrieben. unter die schlimmsten Erinnerungen, welche die Herrschaft des Königs von Spanien auf der Insel znrückgeiassen hat." .Unwillkürlich drängt sich einem bei der Lektüre der jetzigen grauenhaften Berichte : aus Sizilien die Erinnerung an die jüdischerseits bereits überwundene Katastrophe mit dem altehrwürdigen Aussprüche ' naio*? n hi ditf. Das göttliche Verhängnis, das über die Häupterunserer Vorfahren anläßlich ihrer Vertreibung aus Sizilien schwebte, war auch zum Guten. Sa gh er-Innsbruck. Ans der Wiener Knltnsgemeinde. Aus der Plenarsitzung des Kultnsvorstandes vom 6. Jänner 1909, unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern. Im Einlaufe befinden sich an Spenden: Regine L a n d e i s anläßlich des Ablebens ihres Garten des Herrn Leopold Landeis für den Ausspeisnngsoerein der Bezirke XII—XV X 5000. Kais. Rat Leopold Sachs zum Andenken an seine Eltern Jakob und Anna Sachs s. A. und seine Schwester Sophie Prager s. A. für die isr. Bersorgungsanstalt K 2000. L. Brettauer zur Verteilung an besonders Bedürftige. X 500. Salo Cohn als Ausstattungsbeitrag für I. K. X 200. Salo Cohn noe. des Herrn Pros. L i v p m a n n anläßlich seines 70. Geburtstages für die Armenanstalt K 75, für die Chewra Kadischa K 75, zusammen K 150. Kais. Rat Leopold Sachs für die Zöglinge des L. D. Königsbergschen Institutes anläßlich der diesjährigen Chanukafeier X 100. M. Thorsch Söhne noe. der Frau Philippine S a m s o n für isr. Arme X 100. D. Held zur Berteililng an bedürftige Arme X 30. Anonynlns für das Jeiteles-Pfründnerhans X 20. Irene L ö w y - Hotzenplotz für eine jüdische Mensa X 8. Josef Z n l e g e r für einen armen Juden X 6. Für die Brigitte nauer Schulküche: Dr. Alfred Berger als Ergebnis einer Sammelspende, u. zw. von: Virginie Obersteiner X 10, Berta Badis X 5, H. Siege X 3, Adolf Prager-Budapest X 10, S. B.-Wien X 10, Jsabella Heschky-Lundenburg X 10.50, Anton Kürt X 4, R. Zerganp-Matzen X 4, Vera Kalmar X 4, Glaser-Znaim X 10, W. Neumann X 2, Dt. Nodwitz X 5, S. Blum X 4, Michael Glogan X 5, Dr. F. Geiringer X 4, aus der Sparkasse der Kinder Appel X 3, Sammlung des Herrn W. Löwy X 15, zusammen X 108.50. Dr. S. L a mp l-Jnzersdors X 12. K. G. W. und I. G. W. X 10. Rosa Pollak durch Herrn Dr. Alfred Berger X 10. F. A. X 5. C. König X 5. B. N. X 2. Carl S ch a n z e r - Znaim X 2. (Den Spendern wird der Dank votiert.) Weiters ein Dankschreiben der Frau Eleonore Friedm a u n für die Teilnahme des Kultnsvorstandes, anläßlich des Ablebens ihres sel. Gatten des Lektor Mayer Fried mann. Dankschreiben der Frau Anna B r u n n e r für die Teilnahme des Kultusvorstandes, anläßlich des Ablebens ihres sel. Gatten Direktor Moriz B r u n n e r. Dankschreiben des Herrn Maximilian Paul Schiff für die Kondolenz des Kultnsvorstandes. anläßlich des Hinscheidens seiner Mutter. Der Präsident begrüßt die ueugewählten Vorstandsmitglieder, kais. Rat Wilhelm Pollak, Dr. Isidor Samuel y, Karl S e l i g m a n n und Direktor Alois W e i s h n t, nnd gibt der Ueberzenguug Ausdruck, daß sich diese Herren mit voller Hingebung den vielfachen Ausgaben der Gemeinde widmen werden. Er gedenkt bei diesem Anlasse der ausgezeichneten Wirksamkeit des mit Ablauf des Jahres 1908 ansgeschiedenen Herrn Dr. Adolf Stein, welcher dieser Körperschaft seit mehr als 30 Jahren als eines der hervorragendsten Mitglieder angehört hat. Die Gemeinde schuldet Herrn Dr. Stein für die Bereitwilligkeit, mit der er jederzeit seine hervorragenden juristischen Kenntnisse in den Dienst der Gemeinde gestellt hat, außerordentlichen Dank. Noch in den letzten Tagen hat Dr. Stein eine Beschwerde der Kultusgemeiude vor dem Verwaltungs- Gerichtshöfe vertreten und einen Erfolg von großer, prinzipieller Bedeutung erzielt. Ebenso gebührt herzlicher Dank den gleichfalls aus dem Vorstände ausgeschiedenen Herrn Dr. Hermann L ö w i, welcher während seiner Tätigkeit im Vorstande mit lebhaftestem Interesse sich allen Agenden der Gemeinde, insbesondere auf ärztlichem ' Gebiet, zugewendet hat. Der Präsident teilt mit, daß der Antrag gestellt werden rvird, Herrn Dr. Löwi in alle jene Kommissionen, denen er bisher angehörte, wieder zu berufen, soweit dem nicht statutarische Gründe entgegenstehen. Der Präsident bemerkt, daß er beiden vorgenannten Herren den Dank des Vorstandes schriftlich ausgesprochen habe nnd

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