Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1909
- Issue
- Heft 2 (8.1.1909)
- Date
- 1909-01-08
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 2. Die Wahrheit Lieite 9 gemäßer Kultur- und KolonisationSanfgaben, sprechen. Mil Vorführung von Skioptikonbildern nach eigenen Aufnahmen. Eintrittskarten sind im Sekretariat des Vereines: II.. Nestroygasse 4. zu haben. Wien. (Vortragszyklus aus jüdischer Geschichte. Literatur und K u l r u r.) Donnerstag, den 14. Jänner 1909. präzise '/z8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenveremes, .1., Eschenbachgasse Nr. 9. ein Vortrag des Herrn Rabbiners Dr. Max © r li u id a l b statt. Thema: „Die Inden als Erfinder und Entdecker." Mit Vorführung von Lichtbildern. Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (Verein zur Hebung der Gewerbe in Wie n.) Am Sonntag, den 10. d. M., 7 Uhr abends, findet im Festsaale des niederösterr. Gewerbereines, I., Eschenbachgasse 11. eine P l e n a r - Versammlung mit folgender Tagesordnung statt: 1. Bericht des Präsidenten. 2. Vortrag des Schriftstellers Herrn Jacques I a e g e r über: „Städtebilder und Landschaften aus Oesterreich." (Epilog znm Kaiserjnbilänm.) Mit 70 Skioptikonbildern. Damen und Gäste willkommen. Wien. Sonntag, den 10. Jänner, */,3 Uhr nachmittags, findet im .Leopoldstädter Tempel die Trannng des Fränlelns Fanny Beckmann. Tochter des im II. Bezirke bekannten und beliebten Herrn Ignaz B e ckau a ii n, mit Herrn Nathan L ö iv i n g e r statt. Prefiburg. (I ü d i s ch - l i t e r a r i s ch e r A b e n d.) Am 20. Dez. 1908 veranstaltete der hiesige Zionverein im „Bellevue" eine imposante Makkabäerseier, die von der hiesigen Jndenschafl zahlreich besucht war. Punkt halb 9 Uhr eröffnete Vereinspräsident Herr Samu B e t t e l h e i m die Feier mit einer herzlichen Begrüßung der Anwesenden, brachte in begeisterten Worten den Dank namens des Vereines zum Ansdruck und betonte die hohe Genugtiinug, welche die überaus große und warme Beleiligung allen Denjenigeii gewähre, die. ungeachtet der sinnlosen und ungerechten Anfelndnilgen. unter welchen sie seitens der hiesigen offiziellen jüdischen Kreise zu leiden haben, dem Recht und der Wahrheit im Judentum eine Gasse bahnen wollen. Nach diesen eröffnenden Worten des Vereinspräsidenten folgten, gewissermaßen als Introduktion der Feier, zwei Gesangspieceli, welche vom Quartett des aus seiner erfolgreichen Wirksamkeit unter der hiesigen Direktion Raul bestens bekannten Tenoristen Don Fuchs im Vereine mit den Herren Zitomirsky, Schioker und Redlich in der prächtigsten Weise vorgelragen wurden. Es gelangten: .„Gott grüß' Dich". Musik von Fr. Mücke, „Bundeslied" von Arthur Wolf zur Anfführnng und eriireten den wohlverdienten Beifall. Hierauf folgte die Festrede, welche von Banrat Herrn Oskar M a r m o r e k, Vorsteher der israel. Kultilsgemeinde zu Wien, mit großer Wärme und eloquenter Beredsamkeit gehalten wurde. Rauschender Beifall folgte der fast dreiviertelstündigen eindrucksvollen Rede. Nach der Festrede betrat Don Fuchs wieder das Podium, um zwei Soli, und zwar von Rnbinsteint „Die Träne" und von Umberto Givrdono „Jmprovisio di Chenier" unter stürmischem Applaus vorzulragen. Doch die höchste Begeisternng erzielte er unstreitig durch Morris Rosenfeld's Gedicht „Der Thränemilllonär", zu dem Herr Arthur Wolf die Begleitung gab, und mir dessen Vortrag er die Zuhörer förmlich faszinierte. Einen wahren Knllstgennß bilderen indessen auch die Rezitationen der Herren Pros. S e b e st y 6 n, Sam. Strauß und des beliebten Komikers H e l t a i. Herr Prof. Sebestysn rüg das dramatische Gedicht „Der alte Job" von Josef Kiss voll packender Wirkung und mit geradezu künstlerischer Eleganz vor. Ebenso formvollendet waren die Vorträge des bekanilten Rezitators S t r a n ß, der unstreirig starkes dramatisches Talent besitzt, und dessen Darbietungen vom Publikum dankend quittiert wurden. Komiker H e l r a i sorgte für den gemütlicheu Teil des Abends und erzielte durch seinen unversiegbaren Humor wahre Lachsalven. — Eine Arie ans der „Jüdin", welche Herr Don Fuchs sang, schloß den genußreichen Abend, durch dessen gelungene Veranstaltung das rührige Komitee ungeteilte Anerkennung beim Pnbliknm gefunden hat. Dux. Wie in den meisten Gemeittden fand auch im hiesigen israel. Bethanse am 1. Dezember nm */,5 Uhr abends ein feierlicher Festgottesdienst statt, an welchom ein zahlreiches Pnbliknm. sowie die ganze israel. Schuljugend im Festgewande teilnahm. Nach Absingniig des Matowu und eines Jubilänmsfestliedes durch den Schillerchor, sprach die Bürgerschülerin Käthe Fischer einen Festprolog mit vieler Begeisterung, worauf Herr Religivnslehrer M. Mandl eine von patriotischem Geiste durchwehte Ansprache hielt. Nach Rezitation zweier Psalmen und eines innigen Kaisergebetes vor offener Bundeslade, fand die erhebende Feier mit dem Absingen der Volkshymne einen würdigen Abschluß. — Am 25. Dezember wurde die hier nunmehr zur Institution gewordene „Chanukafeier für die Schuljugend" in Verbindung mit dem Fceicagabendgottesdienste in sehr würdiger Weise abgehalten. Nach dem Minchagebete wurden die acht Flämmchen der „Menorah" unter Segenssprüchen angezündet. Hierauf erklärte Herr Religionslehrer Mandl der versammelten Schuljugend die hehre Bedeutung des erhabenen Freiheitsfesies in recht anschaulicher Weise. Hernach trugen je vier Knaben und Mädchen Festgedichte vor. die erhebend wirkten und allgemein Beifall fanden. Zum Schluffe sangen Schüler und Schülerinnen das „Moaus Zur", woran sich der feierliche Abendgvttesdienst schloß. - Zwei Tage später veranstaltete der hiesige jüdische Volksverein „Zion" eine Makkabäerfeier, welche Sonntag, 4 Uhr abends, ihren Anfang nahm und bis gegen 2 Uhr nachts dauerte. 'Nach Begrüßung der Festteilnehmer, sowie der Vertreter der beiden Prager Hochschulverbindungen „Bar Kochba" und „Barissa" durch den Obmann H. M. Freud, sprach Frl. H. Pol lack den Festprolog mit vielem Verständnis und Innigkeit. Die gediegene Festrede hielt Herr I. U. C. Herbert Birnbaum aus Teplitz. Weiters erfreuten die Versammelten Herr E. Salz m a n n aus Bodenbach durch schöne Lieder, Herr W. T a u s ch e r -aus Teplitz durch humoristische Vorträge und Herr M. Rudolf durch Pianopiecen. Die jungjüdischen Rezitationen von Beda durch H. Birnbaum wirkungsvoll zu Gehör gebracht, fanden ebenfalls beifällige Aufnahme. Den Schluß bildete ein flottes Tänzchen. Diese gelungene Veranstaltung gereicht diesem Vereine, der hier mit Widerwärtigkeiten zu kämpfen hat. zur Ehre, namentlich der rührige Bereinsobmann, Herr Tempelvorsteher Moriz Freu d. sowie das ihm wacker zur Seite stehende Vergnüguligskoiultee taten ihr bestes zum Gelingen dieser schönen Feier. Das Festkomitee bestand in diesem Jahre aus den Herren: Moritz Mandl. E r n st. Alfred Freud. Siegfried L ö w y, R. F e u e r st e i n. R. B loch. Dux und H. E l s n e r Bilin-Sanerbrunn. Möge es dem Vereine „Zion" auch fernerhin gegönnt sein, zur Hebung des jüdischen Volks- und Selbstbewußtseills in unserer Stadt eine segensreiche Tätigkeit entfalten zu können. Petersburg. Geheimrat Kryfchanowsky, der Gehilfe des russischell Ministers des Innern, har, wie „Slowo" mitteiit, einem Dnmaabgeordneten über das Schicksal der Judenvorlage in der Dnma Aufschluß gegeben. Der Ministergehilfe erklärte, daß die Regierung weder in der nächsten noch in der kommenden Session der Reichsdnma die Vorlage über die Jndensrage einbringen werde, weil sie die Ueberzengung habe, daß eine Erweiterung der Rechte der Inden unzeitgemäß sei. Die Regiernng wolle daher abwarten, bis die Dnma die Initiative in dieser Frage ergreisl, die rechtsstehenden Dnmaparleien würden der Anshebung der Wohnrechtsbeschränknngen der Inden znstimmen, wenn die Regiernng die Inden ans dem Staats- und Militärdienste völlig ausschließen lvollte. Der immer wachsende Einfluß der äilßersten Rechten in der Dnma hat in der letzten Zeit eine solche Erstarkung erfahren, daß selbst die Oktobristeu eine weitere Schwenkung nach rechts gemacht haben, um ihre Führeirolle nicht ganz einbnßen zu müssen. Die äußerste Dnmarechle, den Namen des Zaren mißbrauchend, der dem russischen Volksverband seine Hohe Protektion angedeihen läßt, mischt sich in die Verwaltung und schreibt allen hohen behördlichen Institutionen Verhaltnngsmaßnahmen vor. Ein krasser Fall solcher Einmischung beschäftigt gerade jetzt die öffentliche Meinung Rußlands nur das lebhafteste. Während des Kiewer Pogroms im November 1905 überfielen Hooligans das Hans des jüdischen Znckersabrikanten Brodskij und begannen dort zu plündern. Als man ihnen Widerstand leistete, schossen sie ans die Beamten des Hauses und töteten einige von ihnen. Da eilten zwei Söhne Brodskijs. ein Einjährig-Freiwilliger und ein Student, herbei und machten auch ihrerseits von den Waffen Gebrauch, nm die Mörder znm Rückzug zu zwingen. Das gelang ihnen auch, aber erst nachdem sie zwei Hooligans niedergeschossen halten. Die siegreiche Reaktion strengte nachher gegen die Brüder Brodskij einen Prozeß an. doch wurden sie einstimmig freigesprochen. Aber der Volksverband erwirkte die Annullierung dieses Freispruches, und vor einigen Wochen standen die Brüder Brodskij abermals vor den Geschwornen in Kiew, nachdem sie beinahe ein volles Jahr in Hast gehalten ivorden. Aber auch diesmal wurden sie einstimmig sreigeiprochen. Und nun har der Führer der äußersten Rechten in der Dnma. der bekannte Pnrischkiewitsch. eine Agitation gegen die Freisprechung der „Inden Brodskij" eröffnet, die selbst in der ..Nowoje Wremja". die alle destruktiven Tendenzen des Volksverbandes nnterstützl, eine scharfe Verurteilung erfuhr. Pnrischkiewitsch richtete Depeschen an den Volksverband in Kiew, in denen er sich richterliche Funktionen anmaßte und über den Freispruch Brodskijs ein die ganze russische Justiz tief verletzendes Urteil fällte. Und Stolypin. der bei der Unterdrückung der Revolution von links zu Standgerichten seine Zuflucht nahm, iah der revolutionären Aktion von rechts ruhig zu. Literatur. Goldene Klassiker. Zu den Klassikeiausgabsn, mit denen der Deutsche Buchhandel uns in den letzten Jahren verwöhnt hat, ist nmer dem Titel „GoldeneKlaisiker-Bibtiothek" (Deutsches Verlagshaus Bong & Co.. Berlin, Leipzig. Wien, Stuttgart) eine neue Sammlung getreten, die bereits mit einer stattlichen Anzahl von Bänden anfwarten kann. Obwohl es uns weder an billigen, noch an gut anSgeitatreren Editionen fehlt, müssen wir gestehen, daß es bis jetzt eine Veröffentlichung, die beide Qualitäten in so ausgezeichneter Weise wie die „Goldene Klassiker-Bibliothek" vereinigt. noch nicht gegeben hat. Bei einem Preise, wie er bisher nur für Ausgaben üblich war. die einen Bücherliebhaber nicht befriedigen konnten, werden hier Bände geboten, deren sich keine Bibliothek zu schämen braucht. Stattliches Format, gediegener Einband, gutes holzfreies Papier, großer,! klarer Druck, geradezu vorzügliche Bilder- und Facsimilebeigaben, empfehlen