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Die Wahrheit · 1909-01-01 · Heft 1 (1.1.1909) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Lette 10. Die Wahrbett Nr. 1 \',8 Uhr abends, findet im Festsaale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Escheubachgaffe 9, ein Vorrrag des Herrn Kustos Dr. S. Frankfurter statt. Thema: „Das altjüdische Erziehungswesen im Lichte moderner Bestrebungen." Eintritt frei, ohne Karten. Wien. (B e t h - H a m i d r a s ch, IL, Ferdinandstraße 23.) Samsrag. den 2. Jänner, um 11 Uhr vormittags, hält Herr Dr. Armand Ka Minka den Sabbath-Vortrag über Sidra Wajigasch. Wien. Samstag, den 26. Dezember, ^lO Uhr abends, Veranstalters der „W ieuer S y n a g o g e n s ä n g e r - V e r e i n" im Festfaale des „H o t e l P o st", I., Fleischmarkt, ein Kais e r - I u b i l ä u m s- Konzerr, das einen sehr starken Besuch ausmies und hoffentlich auch den humanitären Bestrebungen des Vereines ein reiches materielles Erträgnis brachte. Der künstlerische Erfolg des Abends stand hinter den früheren Veranstaltungen des Vereines zurück, einerseits durch verschiedene Absagen der uu Programm angekündigren Solisten — Oberkamor Bela Gullm ü n n mußte infolge Unwohlselns absagcn und die Herren Joses Schwarz und Juan Spivak von der k. k. Hofover hatten den Verein im Stiche gelassen — und anderseits weil die Akustik des Saales, viel zu wünschen übrig läßt und insbesondere die tief ans das' Podium herabhängende Galeriedccke die Klaiigwirknng eines Massenchores beeinträchtigte. Ausfallend war es auch, daß das Programm keine einzige der bei früheren Aufführungen so gern gehörten Synagogenchor-Piecen enthielt und der Verein, wahrscheinlich aus diesem Grunde, ans die Mittvirknng seiner berufenen Dirigenten. wie Professor S n l ä e r und der Chordirigenten H e i m a n n, L ö w i r, Z e l l n l! und P o r t h, diesmal verzichtet halte. Das Programm wurde mit einer Kaiser-Jnbiläums-Huldigung. durch Vortrag eines Festprologes - gesprochen von Herrn Ernst Wieland vom Josefstädter Theater, bei dem man allerdings nicht wußte, ob er ernst oder tomiich zu uehmen ist — und Absirigung der Bolkshhmne stimmniigsvoll -,'ingcleiter und dann folgten abwechselnd Solo- und Chorvorträge. Unter ersteren fanden der Baritonm Hecker vom Raimund-Thearer, der bereitwillig für seine ansgebliebenen Kollegen von der Hofoper eingetreten war, und Oberkanlor-Slellverirerer Herr Don Fuchs, der allerdings mit einer kleinen Indisposition zu kämpfen hatte, reichen Beifall. Bei den Chorausführungen, unter der diskreten Leitung des Herrn Leon E r d st e i n. kamen die gewissermassen zum eisernen Bestände des Vereines gehörigen Chöre „Landerkemuing" von Eduard Grieg und „Wiegenlied" von Brahms auch diesmal zu schöner Geltung, und mit dem Chore „Frühlingsnetz" von Karl Goldmark, mir Waldhorn-Qnartert und Klavierbegleitung, wurde eine Novität geboten, die wohl vielen Anklang fand aber bei befferer Akustik viel mächtiger gewirkt hätte. Das brillante Klavierspiel des 11jährigen Pianisten Felix H u p k a wurde stürmisch akklamiert. Nach Absolvierung des musikalischen Programmes beschloß ein Tanzkränzchen den animierten Abend. Wien. Mittwoch, den 30. Dezember, 7 Uhr abends, fand im Vereinslokale. VI., Schmalzyofgaffe 3. unter dem Vorsitze des Vereins- Präsidenten Dr. Jakob Engel, die 35. ordentliche Generalversammlung des Israel. Tempelvereines für die beiden Genieindebezirke Mariahilf und Neubau statt, über welche wir in nächster Nummer ausführlich berichten werden. Wien. Professor Dr. Salomon E h r m a n u, der Primarius der dermatologischen Abteilung am Krankenhause Wieden, übernimmt die Abteilung für Hautkrankheiten im allgemeinen Krankenhause, die durch den Rücktritt des Hofrates Lang frei geworden ist. Professor E h r m a n n stammt aus den Schulen v. Z e i ß l und v. N e n m a n n und zählt zu den hervorragendsten Dermatologen. Bekanntlich ist Professor Ehrmann auch Mitglied des Wiener Kulmsvorstaudes und trotz seiner anstrengenden beruflichen Tätigkeit gehört er zu den fleißigsten Mitgliedern des Vorstandskollegiums. Lundeuburg. In Knlikow bei Lemberg fand Sonntag, den 27. Dezember, die Trauung unseres Oberkantors, Herrn Ascher Goldenb e r g, mit Fräulein Charlotte M i s m e r statt. Jglau. (Fünfzigjähriges Doktorjubiläum und Ehrung.) Die Universität Halle hat dem Rabbiner der Jglaner israel. Kultusgemeinde, Herrn Dr. I. Jakob U n g e r, anläßlich der fünfzigsten Jahreswende seiner dort erfolgten Doktorpromotion unter Anerkennung seiner wiffenschaftlichen Arbeiten und seiner Meisterschafr im Bereiche der hebräischen Poesie das Doktordiplom erneuert. — m— Siska. Für die hiesige Knltusgemeinde ist Herr M. Kurzweil einstimmig als II. Kantor definitiv akzeptiert worden. Derselbe hat sich während seines Provisoriums durch seinen Pflichteifer und seine sonstige Befähigung sehr bewährt. Budapest. (S ch l u ß st e i n l e g u n g des Ignatz Wechselm a u n und Frau Sofie N e u s ch l o ß's ch e n B l i n d e n i n st i t u t s.) Sonntag, den 20. Dezember, fand die feierliche Schlußsteinlegung des von Ritter Ignatz v. Wechselmann und deffen Gattin Frau Sofie Neuschloß gestifteten Blindeninstituts statt. Im Turnsaale des Institutes versammelte sich aus diesem Aulaffe ein zahlreiches und vornehmes Publikum. Seitens der Hauptstadl war Bürgermeister Dr. Stefan Barczy, seitens des Vereines zur Unterstützung von Blinden, Präsident Dr. Koloman I in r 6 d y erschienen und die Pester israel. Religionsgemeinde war durch ihren Vorstand und dem I. Sekretär. Dr. Julius W e i ß b u r g, und ihre Rabbiner, die Bndapester israel. Gemeinde durch ihren Oberrabbiner. Dr. Arnold K i ß, vertreten. Es ivar auch die Witwe des hochherzigen Stifters. Frau Ritter Ignatz W e ch s e l m a n n anwesend, die bei ihrem Erscheinen mit stürmischen Eljenrufcn empfangen worden war. Die Feier wurde vom Tempelchor unrer der Leitung des Oberkanrors, Adolf Lazarus, mit dem Vortrage des XXL. Psalms (ungarischer Text) eingeleitet. Nach Absingung desselben, begrüßte der Präsident der Pester israel. Religionsgemeinde, Hofrat Dr. Philipp W e i n in a n n, königl. Notar, namens der Gemeindevorstehung die Erschienenen und führte in einer wohldurchdachten Rede die Bedeutung der heutigen Feier aus, indenr er zuerst einen geschichtlichen Rückblick auf die Entstehung der Blindeninstitute warf und im weiteren Verlaufe seiner Rede folgendes aussührte: Geehrte Gäste! Mit Befriedigung weist unser Gemeindevorstand darauf hin, daß der Mann, in dessen Herzen die Menschenliebe so hoch entwickelt war und in dessen Seele das Gebot: „Liebe Deinen Nächsten, wie Dich selbst", so lebendig wirkte, daß er außer dem mächtigen Kapital, von dessen Zinsen 360 Volksschnllehrer, ohne Unterschied der Konfession, bezw. deren Witwen, ein jährliches Stipendium von 200 Kronen genießen, noch dieses großartige Institut, durch seine Mnnifizenz ins Leben rief, — daß dieser Mann Mitglied unserer Gemeinde war. Mit Befriedigung weisen wir darauf hin, daß seine Menschenliebe auch in diesem Falle den Menschen als solchen umfaßte, durchbrechend die Schranken der Konsessionalität. — Das Gefühl der Pietät erfüllt meine Seele in dieser Stunde, indem ich Deiner gedenke, Stifter dieses Heims, und auf meine Lippen nehme Deinen Namen: Ritter Ignatz v. Wechselmann! Für das Glück, welches Du unglücklichen Kindern eröffnest, leuchtet in deren Augen wohl kein Strahl des Dankes ans, sind doch diese Augen lichrlos! Aber, wenn sie einst begreifen werden, was diese Anstalt ihnen, Edles, Schönes, Bildendes geboten, dann werden sie in andächtigen Momenten in einem Dankesseufzer Deiner gedenken und dieser Seufzer wird eine schönere Erinnerung Deiner Schöpfung bilden, als es die schönsten Worte vermögen. Segen Deinem Andenken! Die Palme des Preises überreiche ich auch der edlen Gattin des Verewigten, ihr, die wir glücklich sind in unserem Kreise verehren zu können. Ihr Name glänzt nicht nur in Marmor neben dem ihres Mannes, sondern wird auch in der Erinnerung später Geschlechter erstrahlen, als der Mithelferin in der Verwirklichung des großen Gedankens. Hierauf wandte sich Redner an den Bürgermeister, Dr. Barczy und empfahl den Ban der städtischen Obhut. Schließlich sprach er allen Anwesenden den Dank für ihr Erscheinen aus und schloß mit folgenden Worten: Nun lasset uns den letzten Stein ins Gebäude fügen. Es stehe dieser Bau bis in unabsehbare Zeiten zum Ruhme unseres Vaterlandes, unserer Residenz und unserer Religionsgemeinde; zum Andenken an den großen Menschenfreund und dessen hochherzigen Gattin, zum Tröste der unglücklichen Blinden. Gottes reicher Segen walte stets über diesem Hause. A. Lazarus. Budapest Am 21. Dezember ist hier nach längerem Leiden Herr Jakob B o s ch a n. der frühere verdienstvolle Präsident der Pester Chewra- Kadischa, verschieden. Der Dahingeschiedene war ein edler Menschenfreund und übte viele Wohltaten. Er wird von einer zahlreichen Verwandtschaft und einem großen Freundeskreise aufrichtig betrauert. Adolf Lazarus. Budapest. (Todesfall.) Der Privatier Herr Adolf Stux ist hier im Alter von 65 Jahren gestorben. Er war ob seines biederen Charakters von jedem, der ihn kannte, hochgeschätzt. Eine weitverzweigte Familie betrauert in dem Verblichenen ihr Oberhaupt. A. Lazarus. Für nationale Erzählungen im Umfange von 3000—6000 Wörtern schreibt die V e r l a g s a n st a l t „M o l d a v i a" in B u dw e i s drei Preise zu 100, 60 nnd 60 K aus. Die Erzählungen sind für die Kalender der Verlagsanstalt („Dorfboten-Kalender" — „Handwerker- Kalender" — „Soldaten-Kalender" — „Großer Volks-Kalender") bestimm- und sollen dem Volksleben entnommen, volkstümlich, doch nicht trivial geschrieben und moralisch einwandfrei sein. Nicht prämiierte, doch verwende bare Einsendungen werden über Wunsch zu dem gewöhnlichen Honorarsatz abgenommen. Einsendung vor 1. April 1909 bedingt. G inge send et. Der Schriftführer des kroatischen Kantoren-Verbandes, ersucht uns im Aufträge feines Verbandes um Aufnahme der nachstehenden Offenen Anfrage an Dr. Blochs „Oesterr. Wochenschrift". In allen Berichten über die Festgottesdienste, anläßlich des 60 jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. Majestät hal die „Oe st err. Wochen s chrif t" nur die Funktionen der betreffenden Rabbiner für erwähnenswert gehalten, während sie die kantoralen Funktionen, die den Gottesdiensten in vielen der erwähnten Gemeinden die eigentliche Weihe verliehen, ostentativ ignorierte. Wir erlauben lins nun die Anfrage an die Redaktion des genannten Blattes: Aus welchem Grunde ist diese direkte öffentliche B e l e i d i g u n n g unseres S t a n d e s erfolgt? Wenn wir keine befriedigende Antwort erhalten, werden die Kantoren Oesterreich-Ungarns die „Oesterr. W o ch e lisch r i f t" als ihren gefährlichsten Feind betrachten und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln gegen das Abonnement derselben in ihren Gemeinden agitieren. Hochachtungsvoll Viele Kantoren.

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