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Die Wahrheit · 1909-01-01 · Heft 1 (1.1.1909) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1909
Issue
Heft 1 (1.1.1909)
Date
1909-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 1. Die Wadrden Darlehens-Rückzahlungen: Einnahinen..X 1.087 46 Ausgaben.. „ 20.195 63 Zuschuß.. „ 19.108 17 Gesa m t e r g e b n i s. Einnahinen.... K 2,954.062-79 Ausgaben. „ 3,035.236 12 Zuschuß ... „ . 81.173 33 Bericht des Referenten. Budgetreserent Herr Max Frank: Sehr geehrte Herren! Ich beehre mich, Ihnen hiermit den Voranschlag der Finanzgedahrnng unserer Gemeinde für das Jahr 1909 zu unterbreiten, wonach sich die Ausgaben mit X 3,035.236.12, die Einnahmen mit X 2,954.062.79 stellen, so daß sich ein rechnungsmäßiger Fehlbetrag von X 81.173.33 ergibt. Bevor ich ans die so naheliegende Vergleichnug mit dem letzten Budget nnd die Aussichten des kommenden Finanzjahres eingehe, - will ich die einzelnen Abschnitte, wenn auch ohne allzusehr ins Detail zu gehen, hier erörtern. Abschnitt A, Bethänser, Kultus und rituelle Angelegenheiten weist eine Erhöhung der Ausgaben von zirka X 20.000.— gegen das letzte Budget ans, welche durch die Einbeziehung von Floridsdors nnd die daraus unserer Gemeinde neu erwachsenden, : fast X 20.000.— betragenden Kosten, begründet ist. Die anderen! Posten zeigen teilweise Erhöhungen infolge Regulierung der Gehalte, welche durch mehrfache Ersparnisse in den Auslagen gedeckt erscheinen. Abschnitt B, Unterrichtsangelegenheiten, hat ein Mehrerfordernis von zirka X 7000.—, welches hauptsächlich durch die im Vorjahre ans der Reserve entnommenen nnd Heuer neu eingestellten X 8000.— Teuerungszulage an Religivnslehrer, Seite 43, Post 54, erwachsen ist. Im Detail wäre zu erwähnen, daß Kapitel 13 infolge natürlicher Avancements, neuerlichen Klassenteilungen und Neneinführnng der fakultativen Unterrichtsstunden, außer den oben erwähnten X 8000.—, bei den Posten 2, 3 und 39 ein weiteres Mehrerfordernis von X 7000.—, Kapitel 14 von K 800.—, Kapitel 16 dagegen infolge Entfallens der Post 48, Beitrag an Talmud-Thoraschule, ein Mindererfordernis von X 11.500.—, Kapitel 17 endlich infolge von Gehaltserhöhungen ein Plus der Ausgaben von X 2000.— anfweist. Uebrigens ist gerade der eben referierte Abschnitt B einer ( derjenigen, welcher uns rmsere tiächstliegenden dringenden Ver-! pstichtungen klar vor Augen führt, und ich werde im Laufe! meiner Ausführungen darauf noch znrnckznkommen haben.; Abschnitt 0, Friedhofsnnd Beerdigungsangelegenheiten, j weist eine Mehreinnahme von X 75.000.— gegen das letzte; Budget ans, nnd zwar sind bei Kapitel 18, Beerdignngswesen,! im Hinblicke auf das nenumonatliche Ergebnis dieses Jahres,! bei den Posten 1 und 2 Mehreinnahmen von X 30.000.— j angenommen worden, denen bei den Posten 1, 29, 36, 37, 55 i bis 59 Mehrausgaben von X 16.600.— gegenübel stehen, also j hier ein Gesamtplns der Einnahmen von X 13.400.—. Aus j gleichen Gründen wie oben haben wir bei Kapitel 19, Zentral- | friedhos, die Einnahmen, besonders Post 1, Grabstellen, um J X 46.000. — höher, die Ansgaben infolge der im vorjährigen Budget für Renovierung des Administrationsgebändes angesetzten > und Heuer elltfallenden X 15.000.— um X 14.000.— niedriger veranschlagt, so daß hier ein Gesamtplns der Einnahmen von; X 59.700.— entsteht. Bei Kapitel 20 ist für den Floridsdorfer Friedhof anstatt der im letzten Budget als Ueberichnß ange- , nommenen X 800.— ein Zuschuß von X 300.— eingestellt; und bei Kapitel 21, Alte Friedhöfe, ein Mindererfordernis von! X 3300.— angenommen worden. Abschnitt I), Israelitisches Spital, hat einen Minderbedarf j von X 8600.— gegen den letzten Voranschlag, weil die Ein-! nahmen aus den Verpflegsgebühren, Seite 78, Posten 60 bis 62, i unter Zugrundelegung des Ergebnisses im Jahre 1907 nnd des; neunmonatlichen Ergebnisses in diesem Jahre nm X 5000.— höher angenommen sind. In den Ausgaben sind teilweise wieder Serie 5 Erhöhungen eingetreten, hauptsächlich bei Post 1 nnd 2, Gehalte, um X 3000.—, dies infolge der im Juli beschlossenen Erhöhung des Einkommens der Wärterinnen, ferner bei Post 29, Reparaturen, X 1000.— , bei Post 38, Medikamente, X 1000.- bei Post 58, Reserve. X 1800.— lind bei verschiedenen klein - Posten X 1700.—, dagegen entfallen Heuer bei den anße ordentlichen Ausgaben die im letzten Budget bei Post 62, 63, t! veranschlagten und teilweise auch bezahlten X 11.000.—. A I der neuerlichen Steigerung der ordentlichen Ausgaben nm zir; X 8000.— ergibt sich, daß wir mit den Auslagen für uns > Spital bereits an der äußersten Grenze angelangt sind. Di«! Grenze zu überschreiten ist ausgeschlossen, nnd ich zweifle hu einen Moment daran, daß unsere pflichtgetrene, ansgezeichm > Spitalsverwaltung unsere nur unter dem Drucke der Berhültni an sie gerichtete Mahnung zur äußersten Sparsamkeit, natürli ohne daß unsere Kranken darunter leiden, im vollen Ilmfan beherzigen wird. Abschnitt E, Versorgnngsanstalt nnd Siechenhans, hat e Mehrersordernis von X 2000.— infolge der Gehaltsregnlierui Post 1 nnd 3. Der durch die bedeutende Erweiterung der A: statt entstandene Mehrverbrauch an Beleuchtung, Beheiznn Medikamente, Verköstigung nnd Wäschereinignng Posten 1 bis 17, 31 bis 34. 37 nnd 39 ist durch die Einnahmen ai der neu eingestellten Stiftung von X 608.060.—, Seite 8« Post 37 nnd den mit X 2000.— höher veranschlagten Be pflegsgebühren, Seite 88, Post 62, gedeckt. Ich kann nicht umhin, bei Besprechung dieses Kapitels mit hoher Genugtuung darauf hiuzuweisen, daß wir nunmehr,! Dank der eben erwähnten hochherzigen großen Stiftung in der i Lage sind, für unsere unglücklichen Siechen in ausgiebiger Weise j zu sorgen. Bei den so erhöhten Aufgaben, sowie überhaupt bei! der Verwaltung der Anstalt ist uns wie stets unser rühriges nnd umsichtiges Dameukomitee in hingebungsvoller Weise zur! Seite gestanden, nnd ich benütze gerne diese Gelegenheit, um allen den Damen und insbesondere der Präsidentin des Komitees, Frau Jda Diamant, unseren herzlichsten Dank abznstatlen. Durch die oben erwähnte Stiftung der Frau Ernestine Thorsch ist - ganz abgesehen von der reinen Wohltat, die dadurch geschaffen! wurde, auch ein leuchtendes Beispiel edlen Gemeinsinnes gegeben ' worden, eine herrliche Aufs a s s n n g von de n Pflichten d e s B e s i tz e s, eine Auffassung, die leider i n O e ft e r r e i ch noch s e h r v e r e i n z e l t i st. Es genügt wohl der einfache Hinweis daraus, daß wir im Jahre 1908 fast gar keine Stiftungen, Widmungen oder Schenkungen von der Wiener Jndenschaft bekamen, und daß mein vorjähriger Appell, unseres zu gründenden Kinderspitals zu gedenken, vollständig nngehörl verhallr ist. Abschnitt E, Armennnd Wohltätigkeitsangelegenheiten. Hier ist ein Mehrerfordernis von zirka X 25.000.— angenommen. und zwar ist es hauptsächlich Kapitel 25, Unterstützungen, bei welchem die Ausgaben nm X 21.500.— gestiegen sind, vornehmlich bei den Posten 1, 2. 7. 9 nnd 16. — Kapitel 26. Subventionen, erfordert ein Plus der Ausgaben von zirka X 1000.—, Kapitel 27, Rituelle Verköstigung, hat durch Erhöhung von Post 7 nnd der Reserve, Post 15, einen Mehrbedarf von X 4300, Kapitel 28, Pflegerinneninstirut, dagegen ein Mindererfordernis von X 1000.—. Die wirtschaftliche Notlage, unter der in allererster Linie wir Juden am meisten milzuleiden haben, kann keine bessere Illustration sinden. als eben in der alljährlichen Steigerung dieses Kapitels, und trotzdem bin ich der Ansicht, daß unter allen Umstünden gerade dieser Abschnitt noch in ausgiebiger Weise wird ausgestaltet werden müssen. Denn ich kann ohne jede Einleitung nnd Begründung wohl die bedauerliche Tatsache feststellen, daß die Armenpflege bei uns sehr im Argen liegt, und daß eine moderne Reform derselben zweifellos nicht gut mehr aufgeschobeu werden darf. Wir verausgaben jährlich eine viertel Million Kronen für dieses Kapitel nnd weitere 40.000 Kronen als Subvention an solche Vereine, die sich mit Armenpflege befassen, zusammen 300.000 Kronen, also ein immerhin beachtenswerter Betrag. Welch ungeheuerer Fortschritt wäre es, wenn man diese große Summe, anstatt wie bisher ungeregelt.

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