Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 50 (25.12.1908)
- Date
- 1908-12-25
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8 Die Wahrheit Nr. 50. In Worten der Trauer gedachte der Vorsitzende der in j abgelaufenem Vereinsjahre dahingeschiedenen Vereinsmitglieder, deren Andenken von den Anwesenden durch Erheben von . den Sitzen, sowie durch den Beschluß, diese Trauerkuudgebnug in das Protokoll auszunehmen, geehrt wurde.! Zum ersten Punkte der Tagesordnung übergehend, erstattet I der Obmann den Bericht über die Ergebnisse des abgelausenen Vereinsjahres und konstatiert, daß sich die Einnahmen des Vereines erhöht, wenn es auch leider infolge der Steigerung der Allsgaben auch dieses Jahr nicht , möglich war, die Vereinsgebahrnng ganz ohne Inanspruchnahme der Mittel der Mnttergemeinde zu führen. Insbesondere bebt der Obmanil das Wirken der ans den Herren Heinrich Weiner, Jakob Goldner, Jakob Kohn, Joses Kohn und ihm selbst bestehenden Schnlkomitees hervor, ivelches sich durch zielbewußle Leitung der im Jahre 1906 begründeten Bibelschule ein besonderes Verdienst und den Anspruch auf die Dankbarkeit des Vereines erworben habe. Für die vorzügliche Leitung dieser Schule und für den Umstand, daß die Errichtung derselben einem tiefgefühlten Bedürfnisse der Bevölkerung entsprang, spreche wohl die Tatsache genügend, daß die Schülerzahl gegenwärtig fast zweihundert betrage. Inniger Dank gebühre auch dem Kultnsvorstande, welcher die Schule für das laufende Jahr mit einem Betrage voll X 2000.— subventionierte, doch müsse an die Opferwilligkeit der Milglieder appelliert werden, da der Verein nicht in der Lage, den steigenden Ansprüchen für diese Institution 511 entsprechen. Der Wiutertempel im Vereinsgebäude, welcher infolge Bodenfeuchtigkeit dringend einer Adaptierung bedurfte, wurde in zweckmäßiger Wxise durch Jfolierullg der Wände geschützt und würdig seiner Bestimmung ansgestattet. Der Gottesdienst daselbst werde in einer den strengsten Anforderungen der konservativen Richtung entsprechenden Form abgehalten, so daß auch den Anhängern dieser Richtung im Bezirke Rechnung getragen erscheine, daher für private oder sonstige Betveranstaltnngen im Bezirke absolut kein Bedürfnis bestehe; die gegen den Vereinsvorstand erhobenen Anwürfe, daß er die Abhaltung von Gottesdiensten an den Feiertagen verhindert habe, sei vollständig unberechtigt, da er durch Errichtung zweier Filialen, mit geregelten, von tüchtigen Funktionären geführten Gottesdienste, für die Bedürfnisse des Bezirkes Vorsorge getroffen habe; wurden doch in diesen Filialen mehr als 300 Sitze Unbemittelten zngewiesen und ein großer Teil der Karten um einen Preis von K 2.— per Sitz abgegeben. Waren nun die Verhältnisse im Berichtsjahre, wie bereits erwähnt, zufriedenstellende, so war es leider doch nicht möglich, mit der bewilligten Subvention das Auslangen zu finden; dieselbe betrug nominell K 5000.—, da hievon jedoch Kapitalsrückzahlungen und Zinsen für Hypothekardarlehen der Kultusgemeinde und deren bekannten, überaus wohltätigen Vorstandsmitgliedes, Herrn Salo E 0 h n, zu bedecken seien (insgesamt K 3000.—), so verbleibt eigentlich nur ein Betrag von K 2000.—, welcher den tatsächlichen Bedürfnissen nicht entspreche. Da nun die feit Jahren dem Knltusvorstande als unumgänglich erforderlich dargelegten baulichen Renovierungen des Tempelgebändes einen weiteren Aufschub nur auf Kosten der Baufestigkeit ertragen würden, d. h. daß der Bau einem Verfalle entgegengeführt würde, so gebe sich der Vereinsvorstand der gegründeten Hoffnung hin, für das künftige Vereinsjahr eine größere, den Anforderungen entsprechendere Subvention zu erhalten, umsomehr, als er glaube, ein Recht auf die Förderung der Vereinstütigkeit durch die Gemeinde zu besitzen, da der Verein Agenden der Kultusgemeinde unter opferwilliger Beitragsleistnng der Vereinsmitglieder führe. Indem der Vorsitzende an den Delegierten des Kultusvorstandes die Bitte richtet, die Wünsche des Vereines in seiner Korporation unterstützen und vertreten zu wollen, schließt er seine, durch Beifall und Zustimmung der Versammlung vielfach unterbrochenen Ausführungen. Herr Kultnsvorsteher Schra m e k dankt in warmen Worten für den freundlichen Empfang seitens des Obmannes und der Versammlung und erklärt, daß der Kultusvorstand, der sich der Bedeutung der Tempelvereine und insbesondere des Vereines für den XX. Bezirk voll bewußt sei, für den letzteren gewiß in opferwilliger Weise sorge, vielleicht mehr als für jeden anderen. Es geschehe dies wohl deshalb, weil der Knltusvorstaud die vorzügliche Leitung dieses Vereines kenne. Er gibt weiters die Erklärung ab, daß er sehr gerne bereit sei, über die ersprießliche Tätigkeit des Vereinsvorstannes im abgelaufenen Vereinsjahre zu berichten und daß er bemüht sein werde, die vorgebrachten Wünsche nach jeder Richtung hin im Kultnsvorstande zu unterstützen. Herr Bernhard P 0 llak beantragt, dem Vorstande das Absolurorium und den Dank der Versammlung ausznsprechen, welcher Antrag einhellig angenommen wird. Herr Michael Engel gibt der Meinung Ausdruck, daß die Knltusgemeinde ihrer Aufgabe nicht Nachkomme, wenn sie einen Beitrag zur Errichtung eines Tempels in der Form eines verzinslichen Darlehens gebe, vielmehr wäre es Pflicht, einen solchen Beitrag ä fonds perdu zu leisten. Herr Kultusrat S ch r a m e k, sowie Herr Josef Kohn geben hierüber entsprechende Aufklärungen. Herr Dr. Bloch erbittet sich als Gast das Wort und spricht dem Vorstande, zu dessen Leistungen er den Verein lebhaftest beglückwünscht, die besondere Genugtuung aus, daß es demselben gelungen sei. einen schönen, geregelten und nach den alten Traditionen entsprechenden Gottesdienst, unterstützt von vorzüglichen Funktionären zn schaffen. Zugleich aber wolle er an den Vorstand, wie an die Vorstände der anderen Vereine das Mahnwort richten, den Knltusvorstaud kräftiger als bisher in seinen Bestrebungen zu unterstützen und denselben nicht für Aktionen, die auf Wunsch der Tempelvereine und 511 deren Nutzen eiugeleitet wurden, ohne Deckung die Verantwortung allein tragen zn lassen. Herr Josef Kohn dankt dem Herrn Vorredner für seine Worte der Anerkennung und fordert die Anwesenden auf, ihre Sympathie für die Bibelschnle durch Taten auch weiter zn bekunden. Der Vorsitzende tritt sohin den Vorsitz an den Obmannstellvertreter Herrn Dr. E. R 0 s e n t a l ab, welcher die Wahlhandlung einleitet. Das Ergebnis derselben ist die einstimmige Wiederwahl des Obmannes Herrn Hermann E l t b 0 g e n und der übrigen ansscheidenden Vorstandsmitglieder, und zwar der Herren Michael Reiter, Dr. Ernst R 0 s e n t h a l, Dr. Max W e i ß e n st e i n und Joses W ü n s ch. Als Vertrauensmänner für den verstärkten Vorstand wurden gewühlt die Herren: Back Josef, Bauer Jakob. D u b S., F i g d 0 r Jonas, Fischer Leopold, Kaiser Berthold, Körner Ignaz, Preßburger Leopold- Schreiber D. Heinrich, S p i r a Heinrich, Süß Josef, Weiß Philipp. Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag-Abend, den 25. Dezember, Predigt im Stadttempel. Wien. Samstag, den 26. d. M., Uhr vormittags, findet im Tempel des Brigittenaner Tempelvereines eine Predigt statt. Wien. Sonntag, den 27. Dezember, 10 Uhr vormittags, findet im Sitzungssaale der israel. Knltusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, eine öffentliche Plenarsitzung des Vorstandes der israel. Kultusgemeinde Wien statt. Gegenstand: Fortsetzung der Voranschläge der Einnahmen und Ausgaben der israel. Kulmsgemeinde Wien, sowie sämtlicher unter der Verwaltung der Kultusgemeinde stehender Fonde und Anstalten für das Jahr 1909. Wien. (Vorträge im B e t h - H a m i d r a s ch „Talmud- T 0 r a h". HL, Malzgasse 16.) Freitag, den 25. Dezember, */,8 Uhr abends, Vortrag des Herrn Pros. Dr. M. A n t s ch e r l. Thema : „Helden in der jüdischen Geschichte." — Sonntag, den 27. Dezember, */,6 Uhr abends, Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Feuchtwang. Thema: „Die Kunst . des Erzählens in der heiligen Schrift." — Freitag, den 1. Jänner 1909, ^,8 Uhr abends, Vortrug des Herrn Rabbiner Leopold Gold stein. Thema: „Raschis Werke, dessen Leben und Wirken." — Gäste willkommen. Wien. (W 0 ch e n p r 0 g r a m m der jüdischen Toynbeehalle, Wien, XX., Othmargasse 46, für die Zeit vom 26. D e z e m b e r bis 1. I ä n n e r 1909.) Samstag, 26., Konzert. Arrangement: Herr Oberkantor Basier. Sonntag, 27., „Literarischer Abend", Frl. Sachs. Montag, 28., „Wandlungen im Rechte". Dr. Josef Jerusalem. Dienstag. 29., „Elternabend", Oberlehrer Grünspann. M i t t w 0 ch, 30., „lieber Hygiene". Dr.' I. Samnely. Donnerstag, 31., „Ein Rückblick". Sekretär Guido Fuchsgelb. Freitag, 1. Jänner. „Bibelvortrag". Wien. (Vortrag.) Der israel. Religionslehrerverein „Esra" veranstaltet Samstag, den 26. d. M., 6 Uhr abends, in der Religionsschule der israel. Kultusgemeinde einen Vortragsabend, an welchem Herr