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Die Wahrheit · 1908-12-18 · Heft 49 (18.12.1908) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 49 (18.12.1908)
Date
1908-12-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 49. Die Wahrheu sei, den der Jude der Muße widmen könne. Daß sich die Herren je für die Sabbatruhe interessiert härten, ist uns nicht bekannt. Im Nachstehenden der Bericht. Nachrufe. Präsident Dr. Alfred Stern: Bevor wir in die Tagesordnung eingehen, obliegt mir die tranrige Pflicht, des Hinscheidens des Lekrors Mayer Friedm a n n zu gedenken. Sein direktes Verhältnis zu unserer Gemeinde bestand darin, daß er lange Jahre als ihr Gefangenhansseelsorger fungierte. Die zartsinnige, feinfühlige Art, in welcher er dieses Amt versah, wie er die Herzen der Unglücklichen, die zu trösten er kam. in Dankbarkeit an sich kettete, charakterisiert so recht den Mann, der im persönlichen Verkehre von bestrickender Anziehungskraft für alle war, die ihm nur einmal näher traten. Auch seines segensreichen Wirkens an unserer höheren Bibelschule wollen wir gedenken, an der er nicht nur seine Schüler ans dem reichen Born seines Wissens schöpfen ließ, sondern auch in ihre Herzen Lust und Freude zu ihrem Studium pflanzte. Was aber Lektor Friedmann der jüdischen Wissenschaft bedeutete, das gebührend zu würdigen, müssen wir Berufeneren überlasseit. Unsere Gemeinde, deren Mitglied er war und in deren Mitte er durch Jahrzehnte als Forscher und Lehrer tätig war, erfüllt sein Verlust mit tiefer Trauer, aber wir empfinden auch berechtigten Stolz auf die Größe seines Namens. Wo immer Lektor Friedmann sein segensreiches Wirken entfaltete, sei es als Lehrer der Jugend am theologischen Seminare, sei es als Lektor am Bethamidrasch, wo jung und alt mit Begeisterung seinen Worten lauschte, überall zog er durch den Glanz seines Vortrages, durch, die künstlerische Art, wie er für Laien und Gelehrte den Weg von der trockenen Gedankenarbeit des Forschers tief in die Herzen seiner Hörer fand, alles in Liebe und Begeisterung an sich und dadurch an den großen Gedanken, der sein Leben ausfüllte, an die Liebe zum Judentume und seine Lehre heran. Isoll 80ll.0l3.rrrn, der Mann, der auf den Flügeln seines Geistes der ganzen Welt den Ruf der jüdischen Wissenschaft in Wien verkündete, ebenso erhaben als Mensch, wie als Gelehrter ist heimgegangen. Er selbst aber hat seinen Namen durch sein Leben und seinen Inhalt ein Denkmal gesetzt, dauernder als Erz und Marmor, unvergänglich in der Geschichte unserer Gemeinde und ihrer großen Forscher. Wie die Herren wissen dürsten, wird Herr Oberrabbiner Dr. Güdemann heute abend im Bethamidrasch über den Verstorbenen einen Hesped halten. Noch einer, dessen wir in Trauer gedenken wollen, ist von uns gegangen. Herr kaiserlicher Rat Moriz Brunner ist Donnerstag, den 3. Dezember d. I. verschieden. Als Direktor des israelitischen Tanbstummeu-Jnstilutes hat er lange Jahre segensreich für die Aermsteu der Armen gewirkt und sein Institut auf eine Höhe gebracht, daß es weit über die Grenzen unseres Reiches hinaus als glänzendes Vorbild für viele Schwester-Institute gilt. So oft wir ihn riefen, stand er uns mit seinem bewährten Rate als Schulmann, mit dem reichen Schatze seiner Erfahrungen zur Seite und betätigte sich in uneigennützigster Weise als Mitglied unserer Prüfungskommission für Religionslehrer. Auch außerhalb seines Institutes schuf er sich auf fachschriftstellerischem Gebiete einen voll anerkannten Namen, dessen wir in Trauer stets ehrend gedenken wollen. « Einlauf. Im Einlaufe befinden sich: Die Mitteilung über die Errichtung einer Jnbilüumsstiftnng des Herrn Oskar Strauß aus Anlaß der Barmizwa seines Sohnes für einen Mittelschüler mit einem Bedeckungskapitale von K 1500. Eine Mitteilung des Herrn Baurat S t i a ß n y, daß bezüglich des anläßlich des Regierungsjubiläums vom Waisenvereine unter namhafter Subventionierung der Knltusgemeinde und Heranziehung verschiedener Stiftungen und Legate zu errichtenden Knabenwaisenhauses die Baukommissionen stattgefnnden Seite 5 haben, daß von Seite der Kommisfioitsmitglieder weder in technischer noch in sanitärer Hinsicht Einwendungen erhoben und auch von den Vertretern des Sanitätsdepartements der k. k. n. ö. Statthalterei, des Bezirksschulrates, des Onsschnlrates und des Bezirksrates den vorgelegten Plänen die Genehmigung erteilt wurde. Z tzEin Dankschreiben des akad. Malers Isidor Kaufmann für die Gratulation des Knltnsvorstandes anläßlich seiner silbernen Hochzeit. Ein Dankschreiben des jüdischen Vereines „Einheit" für die bewilligte Subvention. Agnosziernng der Wahlen. I. Sekretär kaiserl. Rat Dr. Lieben referiert die Ergebnisse der aus der allgemeinen Kurie, sowie aus der Kurie der Höherbesteuerteu Heuer durchgeführten Wahlen, die nach Feststellung der Tatsache, daß hiebei alle Anforderungen des Statutes erfüllt tvurden, vom Plenum einstimmig agnosziert wurden. Hierauf erstattet der Präsident Dr. Alfred Stern folgenden Bericht: Im Anschlüsse an den soeben erstatteten Bericht und an die erfolgte Agnosziernng der statlgehablen Wahlen obliegt es mir, Ihnen über die Leitung der gesamten Wahlhandlung Bericht zu erstatten. Ich fcnnt mich dabei umso kürzer fassen, weil gegen die Giltigkeit dieser Wahlen dermalen keine Reklamationen vorliegen. Im § 9 der Wahlordnung wird festgesetzt, daß mir der Leitung der gesamten Wahlhandlung der Präsident der Kultusgemeinde betraut ist. Nichtsdestoweniger habe ich fast über jede einzelne Frage, welche im Laufe der Wahlhandlung aufgelaucht ist, die Entscheidung des Vertreterkolleginms eventuell auch des Plenums eingeholt. Im Laufe der Wahlvorbereitungen sind von verschiedenen Seiten etwa zehn Beschwerden an den Magistrat und an die Stalthalterei gerichtet worden. Alle diese Beschwerden wurden bisher von den Behörden als unbegründet abgewiesen. Eine Beschwerde richtete sich gegen die Ausscheidung jener Kultussteuerträger aus der Wählerliste, welche bis zum Ablaufe des Reklamationstermines mit der Kultussteuer des laufenden Jahres im Rückstände waren. Diese Verfügung gründet sich ans § 2 der Wahlordnung, in welcher es ausdrücklich heißt, daß vom aktiven Wahlrechte diejenigen ausgeschlossen sind, welche am Tage des Ablaufes des kundgemachten Wahlreklamationstermines, diesen Tag mitgerechnet, für das lausende Jahr die Knltnssteuer nicht bezahlt haben. Es wird Sache des Vorstandes sein, darüber zu entscheiden, ob für die Zukunft diese Bestimmung beibehalten, oder ob sie abgeändert werden soll. Gewiß ist, daß mit der Beibehaltung derselben eine Härte verbunden ist, andererseits aber darf nicht unerwähnt bleiben, daß ihre Eliminierung der Gemeinde namhafte materielle Opfer auserlegen dürste, die ich mit mehreren zehntauseuden Kronen jährlich beziffern möchte. In einer anderen Beschwerde wurde verlangt, daß für die Wähler der Brigittenau eine Wahlkommission in der Brigittenau bestellt werde und daß sowohl die linksseitig wie auch die rechtsseitig von der Taborstraße wohnhaften Wähler der Leopoldstadt separate Wahlkreise bilden sollen, im Gegensatz zu der bisherigen Einrichtung, wonach die Wähler nach dem Anfangsbuchstaben ihres Namens verschiedenen Wahllokalen im Bezirke zugeteilt wurden. Zu dieser Beschwerde sei bemerkt, daß ich angeorduet habe, die Wühler der Brigittenau dem nächst gelegenen Wahllokale in.der Malzgasse znzuweisen; dem Wunsche nach Teilung der Levpoldstadt in zwei territorial gesonderte Wahlkreise konnte aber schon aus dem Grunde nicht entsprochen werden, weil für jeden dieser beiden Wahlkreise zumindestens zwei Wahlkommissionen erforderlich sind, für den Wahlkreis rechts der Taborstraße es aber unmöglich war, außer dem Zeremoniensaal in der Tempelgasse ein zweites geeignetes Wahllokale zu finden. Es wurde diesbezüglich angeregt, z. B. das in der Praterstraße gelegene jüdische Museum als Wahllokale zu benützen, eine Anregung, der «ns naheliegenden Gründen nicht entsprochen werden konme. Die Wahl in einem gemieteten Lokale, etwa in einem Gasthause abzuhalten, erachte ich als itnpassend und so mußte es bei der früheren Einteilung verbleiben. Nebenbei-will ich noch bemerken, daß ich eine unter anderen niedergelegte Anschauung nicht teile, daß der Sonntag, auf den ja die Wahl stets fällt, gerade für

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