Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 49 (18.12.1908)
- Date
- 1908-12-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ahrheit Slebaktion h. Slbmuiiftviuiou: Wien, 11/, Nvvaraqasse 27. Xtlfbbou bev »l'iufsret 15S1IS Unabhängige Aeikschrift für Mische j (»»aiijjüautj ...» 14.— tzoidiähria! . . fl 7 — fl. k. österr. Postsparkafsa- Scheck-floiito Nr. 100.918. ilnlcrati- Interessen»! Für Ettltiisbmiiiite: Die viermal gesvttileile Nonvareillr-Zeile ää Heller. Jlboiiiicmcuia. u. Nuie>llous- Erscheint jeden Kreit 09. i».iinj.iDtm . . fl >».- Für 'JIii£Iiimö : betrage jiub iu auien zahld.:: , ijiui.siabntt . . . s M>»»c und flflHÖlU. ‘Vlotto : „Das Siegel üoctes ist Wahrheit. ti »ilivel ober >» «(c*. Ar. 49. Wie«. 18. Dezember 1908 Inhalt: Aus der Woche. — Nus der Wiener Kultusgemenide. — Judenelend in Galizien. — Das konfessionelle Moment im amerikanischen Wahlkampf. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Feuilleton: Eine gebildete Frau. — Austritte ans dem Judentum. — Die Allerhöchste Auszeichnung des Oberkantors Joses Singer. Ans der e. Nmi haben es die deutschen Inden in Böhmen, die an Chauvinismus ihre arischen „Kampsgenossen" ost noch zu überbieten suchten, und dafür nur blutige Köpfe heimtrugen, klar und deutlich gehört, daß die Deutschen ihre nationale Arbeit auch ohne sie verrichten können, und diese Ablehnung verdient umsomehr Beachtung, als sie nicht von einem Vertreter des nationalen Radikalismus, sondern von dem Führer der Deutschfortschrittlichen in Böhmen, dem Abgeordneten Dr. Pergelt, ausging. Ueber seine diesbezügliche Aeußerung in der Budgetdebatte des österr. Abgeordnetenhauses vom 15. d. M. wird folgendes berichtet: In seiner heutigen Rede hat Abg. Dr. P e r g e l t nach dem Sitzungsberichte der „Reichsratskorr." auf einen Zwischenruf des Abg. Dr. H o r s k y, daß die Deutschen in Böhmen nur mit Hinzuzählung der jüdischen Bevölkerung eine starke Minderheit darstellen, folgendermaßen reagiert: „Seitdem die czechischnationale Politik sich mit Boykott und Gewalttätigkeit befreundet hat, sind so viele Inden in das andere nationale Lager übergegangen — fragen Sie nur die Herren ans Böhmen, wie viele Juden sie aus den böhmischen Landstädten heute auch in ihrem Lager haben!" Im Hause wurde alsbald bekannt, daß Abg. Dr. P e r g e l t außerdem noch hinzugefügt habe: „Wir sind auf die Juden nicht a n g e w i e s e n, w i r schenken euch die Jude n." Diese Aeußerung führte zu folgendem Zwischenfall: Hofrat K u raub a, der während dieses Teiles der Rede nicht im Saale anwesend war,, befand sich später unter jenen Abgeordneten, welche Dr. Pergelt beglückwünschten. Als Abgeordneter Knranda nachträglich von dem erwähnten Aussprache des Dr. Pergelt erfuhr, begab er sich in das Buffet und stellle dort den Abg. Dr. Pergelt mit folgenden Worten zur Rede: „Ich habe Dir gratuliert, in Unkenntnis der Worte, die Du über die Juden gebraucht hast. Ich nehme selbstverständlich diese Gratulation nicht nur zurück, sondern muß Dir folgendes sagen: Wenn Herr v. S t r a n s k y die schärfsten Angriffe gegen die Juden richtet, so lassen sie mich ebenso gleickigiltig, als wenn ein Mitglied einer Partei, welche den Judenpnnkt im Programme hat, die Juden als Mitstreiter im nationalen Kampfe von sich weist, aber das hätte ich nicht erwartet, daß in einem fast soleimen Moment der G e n e r a l r e d n e r der Deutsche n u n d gerade der D e u t s ch b ö h m e n, ein Mitglied der d e n t s ch e n F o r t s ch rit t s p ar te i und ein so h o ch a n g e s e h e n e r Mann wie Du in so wegw e r f e n d e r Weise die j a h r z e h n t e l a n g e M i tst r e i t e r s ch a f t der d e ll t s ch b ö h m i s ch e n Jude nschüft v e r l e u g n e t und auf ihre M i t h i l f e zu verzichten erklärt, in einer Rede, welche mit dem Appell au alle nichtczechischen Mitglieder des Hauses geschloffen hat, die Deutschen in Böhmen in ihrem Kampfe zu unterstützen. Wenn Du die Namen ans den herabgerissenen Firmatafeln in Königinhof und in Laibach liest, so wirst Du darauf fast keinen anderen Namen finden als jüdische. Herabgerissen wurden diese Tafeln wegen des deutschen Bekenntnisses. Für dasDeutscht um zu leiden ist uns erlaubt, der Rechtsschutz der für die Deutschen gefordert w i r d. wird aber für das Deutschtum leidenden Juden ■ n i cf) t gewährt. Ich kann nur auf das tiefste bedauern, : daß gerade Du es warst, der diese Worte gesprochen hat." Dr. Per gelt erwiderte, es seien die Worte in der Erregung gefallen. Seine Aeußerung habe keine beleidigende Ab-! ficht gehabt, man könne ihn nicht einer antisemitischen Gesinnung; beschuldigen. Abg. Dr. P e r g e l t erklärt ferner dem Mitarbeiter einer I Zeitnngskorrespondenz: „Meine Anschauung über den Einwnrf des Abgeordneten j Dr. Horsky war schon aus meiner unmittelbaren Erwiderung: j „Es wundert mich, diese Worte ans dem Munde eines Priesters zu hören. Ihr Erzbischof war der Rasse nach ein Jude, und ich glaube, die christiana caritas sollte Ihnen eigentlich andere Worte in den Mund legen" zu ersehen. Ans diesen Worten geht schon an und für sich eine Verurteilung des in dem Zwischenrufe möglicherweise gelegenen verletzenden Gedankens hervor. Wenn ich dann weiters, wie mir mitgeteilt wird, gesagt habe: „Alle Inden, die sich in Böhmen zu den Deutschen bekennen, können wir Ihnen, wenn es sich um die Wahrung der politischen Macht und des politischen Ansehens der Deutschen in Böhmen handelt, schenken. Wir sind auch ohne diese Juden stark und mächtig genug, um zu erlangen, was wir anstreben", so wollte ich damit nur sagen, mag der Zwischenrnfer auf welchem Standpunkte immer stehen, mag er Antisemit oder Philosemir sein und mag er als Antisemit die Zurechnung der Juden zu den Deutschen in Böhmen bestreiten wollen, so stehe ich auf dem Standpunkte, daß die Deutschen in Böhmerl selbst ohne Zurechnung der Juden die von mir behauptete starke politische Machtstellung in Böhmen auch wirklich besitzen. Es war daher, wenn man den Grundgedanken und den Zusammenhang meiner Rede verfolgt, gar nicht möglich, in diesem letzten