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Die Wahrheit · 1908-11-20 · Heft 45 (20.11.1908) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 45 (20.11.1908)
Date
1908-11-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seile 12 Die Wahrheu Nr. 45. Sie, meine Herren, meiner Erklärung beistimmen werden. Für die Veröffentlichung derselben werde ich Vorsorge treffen. Allgemeine Zustimmung. Hierauf erklärt Herr Hofrat Nappaport: Ich habe gestern zum ersteumale gehört, daß meine Worte, die ich in der Komitee- Sitzung vom 12. November 1908 gejprochen habe, einer mißverständlichen Auffasfnng seitens der Beamtenschaft begegnet sind. Ich war in jener Sitzung nicht vorbereitet darauf, daß ich zu Worte kommen werde. Daß gerade seitens der Beamten meine Worte in einem ihnen feindlichen Sinne anfgefaßt wurden, bedauere ich sehr, zumal selbe den entgegengesetzten Zweck verfolgt haben. Ich habe meinem Bedauern über diese nußverstäudliche Auffassung heute schon gegenüber der Beamlendepntation Ausdruck gegeben. Ich bin überzeugt, daß wir einen ausgezeichneten Beamtenkörper haben und schließe mich nach dieser Richtung den Ausführungen des Herrn Präsidenten vollinhaltlich an. In Details einzngehen hat keinen Zweck, da nur die wenigsten Herren bei der Versammlung zugegen waren. Ich wiederhole, daß ich stets für alles, worauf die Beamten begründeten Anspruch haben, nicht nur im Sinne des Rechtes, sondern auch im Sinne des Wohlwollens eiutreten werde. Im Einlaufe befinden sich: Eine Entscheidung des Magistrates. mit welcher das Ansuchen der Dr. Alfred Lanzer und Konsorten an die!. k. n.-ö. Statthallerei und au das k. k. Ministerium für Kultus und Unterricht dem Vorstande der israel. Knltnsgemeinde Wien, die förmliche Ausschaltung des § 2 der Wahlordnung der israel. Knltusgemeinde behördlich aufzutragen, abgewieseu wird. (§ 2 der Wahlordnung besagt, daß diejenigen, welche am Tage des Ablaufes des knndgemachten Wahlreklamationstermines, diesen Tag mitgerechnet, für das laufende Jahr die Kultussteuer nicht bezahlt haben, vom aktiven Wahlrechte ausgeschlossen sind.) Anläßlich des Umstandes, daß ein Mitglied des Vorstandes des Vereines „A d a ß Iisroel" (Schiffsynagoge) sich einer oppositionellen Deputation anschloß, welche bei Sr. Exzellenz dem Herrn Unterrichtsminister erichien, ist eine Zuschrift des Vorstandes dieses Vereines hieher gelangt. In derselben wird unter Anerkennnng der hervorragenden Sachkenntnis, des Eifers für alle jüdische Angelegenheiten, der Prinzipientrene und der sonstigen hervorragenden Eigenschaften jenes Mitgliedes ansgeführt, ..daß dasselbe mit Bestimmtheit ausdrücklich erklärt habe, tiicht. im Namen der Schiffschnle der Deputation znm Minister sich anzuschließeu, daß auch für niemanden ein Anlaß vorlag, diese Audienz in irgend eine Beziehung zur Schiffschnle zu bringen, daß vielmehr der Vorstand Wert darauf lege, kein Mißverständnis zwischen sich und dem Vorstände der Wiener Knltusgemeinde aufkommen zu lassen und er bitte, diese loyale Erklärnng zur Kenntnis nehmen zu wollen." Dankschreiben der Frau Regine L a n d e i s für die Kondolenz des Vorstandes, anläßlich des Hinscheidens ihres Gatten, des Herrn Leopold Landeis s. A. Dankschreiben des Ehepaares Leopold und Marie Kühner für die Gratulation des Knltusvorstandes, anläßlich ihrer goldenen Hochzeit. Dankschreiben des Religionslehrers Samuel I. P o l l a k für die Beglückwünschung des Vorstandes zu seinem 70. Geburtstage. Im Präsidialberichte wird ein Erkenntnis des Verwaltungs- Gerichtshofes vom 31. Oktober 1908 mitgeteilt. Herr Ludwig M a n n a b e r g. welcher am 19. Jänner 1905 aus dem Jndentume ausgetreten ist, "hat Beschwerde dagegen geführt, daß ihm die Zahlung der Kultussteuer für das ganze Jahr 1905 anferlegt wurde, da er dieselbe feiner Meinung nach, nur für 18 Tage zu bezahlen hätte. Hierüber entschied der Verwaltungs- Gerichtshof. daß der Anspruch der Kultusgemeinde auf die ganzjährige Kultussteuer eines Verwaltungsjahres am 1. Jänner dieses Verwaltungsjahres existent wird, sohin die Verpflichtung zur Entrichtung der ganzjährigen Knltnssteuer durch den — wie in dem vorliegenden speziellen Falle — im Monate Jänner oder zu irgend einem anderen Zeitpunkte des Verwaltungsjahres erfolgten Austritt des Kontribuenten aus der israel. Religionsgenossenschaft nicht aufgehoben wird.' Herrn Kultusvorsteher Dr. Adolf Stein, der den Kultnsvorstand in der oberwähnten Angelegenheit vor dem Verwaltungs- Gerichtshofe vertreten hat, wird der wärmste Dank votiert. Weiters wird berichtet, daß in der Wiener Zeitung vom 31. Oktober 1908 die Konkursansschreibung für die Stelle eines Oberlehrers an einer Knaben-Volksschule in der Leopoldstadr verlantbart wird, in welcher von dem Bewerber die Befähigung zur Erteilung des mosaischen Religionsunterrichtes gefordert ist. Zur Verhandlung gelangt nun die Verlängerung der Maudatsdaner der Vorstandsmitglieder Emanuel Grünwald und Dr. Jakob König. Mit Rücksicht auf die Ordnung der Floridsdorser Verhältnisse, die sich infolge mannigsacher Schwierigkeiten sehr verwickelt gestalteten, und daher bis heute noch nicht geregelt werden konnten, beantragt der Präsident namens des Vertreterkollegiums, an die k. k. n. ö. Statthaltern mit dem Ersuchen heranzntreteu, die Zustimmung zur Verlängerung der Mandatsdauer der beiden genannten Herren, die durch ihre Kenntnis aller einschlägigen Fragen unentbehrliche Mitarbeiter bei den Agenden der Uebernahme geworden sind, auf weitere 2 Jahre, eventuell bis zur Genehmignug des zu ändernden Statutes zu erteilen. Der Antrag des Vertrelerkvlleginms wird bei Anwesenheit von 26 Mitgliedern einhellig zum Beschlüsse erhoben. Dem Vereine zur Verbreitung von Knnstgewerbe und Hausindustrie in Palästina und den Nachbarländern „Bezalel" wird ein Betrag von K 100.— pro 1908, dem jüdischen Vereine „Einheit" für dessen Volksküche pro 1908 eine Subvention von Iv 200.— bewilligt. Nach Erledigung einer Reihe von Schulangelegeuheiten und Personalien wird die Sikuna um 1L 2 Uhr nachmittags geschlossen. Ans dem deutschen Knrean der A. I. U. Der Präsident des Zentral-Komitees der Alliance Jsraslite Universelle, Herr Narcisse Leven, hatte am 16. Oktober durch Vermittlung des Herrn Josns Corcns, dem Vorsitzenden der israelitischen Gemeinde von Marrakesch, dem angesehensten Israeliten im Süden Marokkos, einen Brief an den Großwesir des Sultans Mulay Hafid gerichtet, um die Unterstützung dieses Würdenträgers bei der neuerlichen Eröffnung der Allianceschnlen in Marrakesch zu erlangen, die infolge der jüngsten Wirren hatten geschlossen werden müssen, und um ferner die Abschaffung von vexatorischen Verfügungen zu erreichen, die neuerdings gegen die israelitische Bevölkerung in Geltung gesetzt worden waren. Darauf ist an den Präsidenten Leven vom Großwesir nachstehende Antwort gelangt: „Marrakesch, 26. Oktober 1908. Ti Madani El Mezuar El Glaui, Großwesir Seiner Scherifischen Majestät Mulay Hafid, Sultans von Marokko, an Herrn Narcisse Leven, Präsidenten der Alliance Jsraslite Universelle in Paris. Ich habe die Ehre, den Empfang Ihres Schreibens vom 16. d. M. zu bestätigen, das Sie mir durch Vermittlung unseres treuen Freundes Herrn Josns Corcos geschickt haben. Ich habe von allem Kenntnis genommen, was Sie mir geschrieben haben, und mache mir ein großes Vergnügen daraus, Ihnen zu sagen, daß ich durchaus nicht der Fanatiker bin, als den die europäische Presse mich hinstellt. Ich bin im Gegenteil dafür, tatsächliche und gesetzliche Gleichberechtigung allen Wohlgesinnten zu gewähren, ohne Rücksicht ans Rasse und Bekenntnis. Sie haben ohne Zweifel mittlerweile erfahren, daß ich sofort nach meiner Rückkehr hierher alle notwendigen Maßnahmen getroffen habe, um die vexatorischen Verfügungen zn beseitigen, die in jüngster Zeit gegen die Israeliten verhängt worden waren. Das ist mir auch? Gott sei Dank, vollständig gelungen. Die Israeliten leben in vollkommener Ruhe und sind in der Medina (Araberviertel) ebenso sicher und wohlgelitten, wie im eigenen Mellah. Es ist ihnen nicht ferner verwehrt, im Araberviertel wie in Mellah ihre Babuschen (Schlappschuhe) zn tragen und zu Pferde zu steigen. Kurz, alles, was ihnen vordem verboten war, dürfen sie heute in voller Freiheit tun. Wir hoffen, daß sie immer zu-

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