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Die Wahrheit · 1908-11-13 · Heft 44 (13.11.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 44 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Leite 8. Die Watu'dett Nr. 44. - / - (y;; -i .1 I ¥ ■f ■ %;n; :.3 II .,.;j;i! Wie« (Bethaus-Verein am Volkert.) Wie bereits seit mehreren Jahren üblich, wurde auch im heurigen Jahre von dem Vereinsvorstande bei der am 10. September 1908 abgehaltenen Borstandssitzung der einstimmige Beschluß gefaßt, von der alten, in orthodoxen Bethänsern statrhabenden Gepflogenheil aus den Chasanim-Rollen eine Einnahmsquelle zu schaffen, abzusehen, sondern dieselben einerseits dem Vereinsrabbiner Herrn I. L. Abele s, andererseits den beiden Vereiusobmännern Herrn Adolf S ch r a m e k und Herrn Elkan Bauer in gerechter Würdigung ihrer besouderen Verdienste zu übertragen. Da bei dieser Vorstandssitzung auch mehrfach hervorgehobeu wurde, daß in Wien der eingebürgerte patriarchal:,che Brauch, die Chasanim in ihrem Heim zu besuchen, beschwerlich fällt, lud Herr Obmann Adolf Schrämet den Gesamtvorstand zu einem von ihm zu bestellenden Sunchas-Thora-Bankette ein. was allseitige Zustimmung fand. So fand sich nun am Simchas-Thora-Abend der Gesamtvorstand, zumeist begleite! von seinen Frauen, bei diesem Festbankette ein, bei welchen! ebenfalls nach alrhergebrachrer Sitte verschiedene in orthodoxem Geiste gehalrene. das ehrliche jüdische Leben befeuernde Ansprachen gehalten worden sind. Nachdem der Herr Vereinsrabbiner sowie der Tempelvorsteher Herr W. Bäudler au der Haud sinniger und zutreffender Zitate einerseits die schönen jüdischen Sitten veleuchret, andererseits das einmütige Zusammenwirken des Vorstandes rühmend hervorgehoben hatten, hoben sowohl Herr Bernhard Fischer als auch der Schriftführer Herr Dr. Moritz Kohn unter Heranziehung einer'paffenden Stelle aus den Sprüchen der Väter das sehr ersprießliche Wirken der beiden Vereinsobmänner hervor, worauf dieselben in sinniger und zutreffender Weise dankten. Erst nach mehrstündiger Unterhaltung, die durch die höchst beifällig aufgenommeneil Gesangsvorrräge des Oberkantors G i b l i ch m a n n auch einen künstlerischen Einschlag erhielt, fand dieses gelungene Fest sein Ende. Herr Oberkantor Giblichmann, der durch die schöne Eigenart seines Vortrages und durch seine hübsche Stimme sich allgemeiner Beliebtheit erfreut, wurde in Würdigung seines vollkommen zusrledenstellendeil Wirkens bei der am 29. Oktober 1908 abgehaltenen Sitzung des verstärkten Vorstandes für die Dauer von drei Jahren gewählt. Wie«. (Schalem A leechem-Abend). Anläßlich des 25. Schriststellerjnbiläunis des berühmten jüdischen Volksdichters Schaloni A l e i ch e m, veranstaltet der akad. Verein „Jüdische Kulwr" Samstag, den 14. d. M. im Saale des „Gold. Widder". (II., Taborstraße) einen großen Schalom Aleichem-Abeud mit folgenden Programmen: 1. Eröffnung, 2. Vortrag über Schalom Aleichems, von Dr. Abraham C o r a l n i k, 8. Vorlesung über Schalom Aleichem v. Herrn Josef Grob, 4. Rezitation von Gedichten Schalom Aleichem, 5. Vortrag von jüdischen Liedern durch Herrn Kontor Grob. Pause. 6. Vorlesungen aus den Werken Schalom Aleichem von Herrn Josef Gottlieb, 7. Vortrag jüdischer Lieder durch Herrn Kantor Grob, 8. Vorlesungen aus den Werken Schalom Aleichems. Beginn 7^2 Uhr abends. Entree frei. Gäste willkommen. Wie«. Samstag, den 7. d. M. feierte der verdienstvolle Chordirigent Herr I. P 0 r r h die Bar Mizwah seines Sohnes Heinrich. In Anwesenheit des ganzen Vorstandes des XVI. und XVII. Bezirkes wurde der Konfirmand zur Tora gerufen und rezitierte mir großem Verständnisse den Haftarah-Abschnitt. Nachdem I. Kantor Herr M a t j a s den Mi scbeberach in feierlicher Weise vortrug, hielt Rabbiner Dr. I. M. Bach an den Koilfirmandeu eine erhebende Ansprache, in welcher er die Verdienste und rühmenswerte Wirksamkeit des Vaters kennzeichuete, welchem der eben in den Bund Israels eingetretene Sohn nachstreben möge. Chordirigent Porth erhielt zahlreiche Kundgebungen von nah und fern. Wie«. Dienstag, den 10. d. M. ist hier Frau Amalie A l b a ch a r y. geb. Benveuisti, in ihrer Wohnung, 2. Bezirk, Zirknsgasse 27, im Alter von 74 Jahren gestorben. Die Verstorbene Mutter der Großhändler Joss und Jacques Albachary, war allgemein geschätzt und beliebt. An der Bahre der Dahingeschiedcnen trauern außer den beiden Söhnen die Töchter Frau Josesine Löwit. Gattin des Kantors und Chordirigenten der türk, israel. Gemeinde Herrn Isidor Somit, und Frau Jeannette Gutfeld. Wie«. In einer Landgemeinde Niederösterreichs entstanden zwischen dem Vorstände und mehreren Gemeindemitgliedern Streitigkeiten, die in der Form von zahlreichen Beschwerden die betreffende Bezirkshauptmauuschaft stark in Anspruch nahmeu. Da diese Differenzen immer mehr größere Dimensionen annahmeu, so wandte sich die Bezirkshauptmannschaft an den Wiener Rabbiner Herrn Dr. M. Rose n m a n n, und ersuchte ihn unter Berufung aus eine Bestimmung des Normalstatutes für die Provinzgemeindeu die Schlichtung des Streites zu übernehmen. Tatsächlich gelang es Herrn Rabbiner Dr. M. Rosenmann einen ganzen Wust von Beschwerden fortzuschaffen und den Streit beizulegen. Es dürfte dies wohl seit der Promulgiernng des Kultusgemeindegesetzes voin 21. März 1900 der erste Fall der Anrufung eines Rabbiners durch die politische Behörde zur Schlichtung von Streitigkeiten innerhalb einer Kultnsgemeinde sein und ist von weittragender prinzipieller Bedeutung. Bade«. Herr Sigmund R a u s u i tz, der hochverdiente Vizepräsident der israel. Kultusgemeinde und Vorsteher der Chewra-Kadischa Baden, hat einen schweren und nnersetzlicheu Verlust erlitten. Seine edle und wahrhaft fromme Gattin, Frau Jenny R a u s n i tz ist Montag, den 9. d. M. nach kurzem schweren Leiden gestorben. In der Verblichenen, welche die Tochter des bekannten und gelehrten Rabbiners Joses Landesmann s. A. war. verliert nicht nur der Gatte und die .nächsten Anverwandten die treueste Stütze und schönste Zierde des Hanfes, sondern auch die Armen ohne Unterschied der Konfession betrauern m ihr die humailste und edelgesinnteste Wohltäterin und Almosenspenderin. In ihrem Hotel hat kein Armer vergeblich um Speise gebeten und ist diese Bitte stets mit einer extra geheimen Geld-Gabe erfüllt worden. Ihr Leben war von geseguetem Wirken ausgefüllt und wird ihr Angedenken in der Gemeinde Baden unvergeßlich bleiben. Auf das Leichenbegängnis, welches Mittwoch, den 11. d. M. stattsand, werden wir in der nächsten Nummer zurückkonlinen. Prag. Am 2. November verschied hier die wegen ihrer fast sprichwörtlich gewordenen Wohltätigkeit hochgeschätzte Frau Charlotte Auge l, Witwe nach dem bekannten Meiiscbenfrennde, Herrn S. Angel. Sie war nickt nur durch eine Reihe von Jahren Vorsitzende des israel. Frauenvereines „Noschim Zidkonias". sondern auch teils Mitglied, teils Vorstandsmitglied der meisten hiesigen jüdischen Wohltätigkeitsvereine. Die Beliebtheit, deren sich die Verewigte in allen Kreisen erfreute, fand ihren Ausdruck in der großartigen Beteiligung bei der Doniterstag, am 5. d. M. stattgefnndenen Beerdigung. Nicht nur alle Rabbiner und Kantoren, sondern auch Vertreter der Gemeinde und der jüdischen Vereine und eine nach Tausenden zählende tief bewegte Meuschenmeuge begleiteten die edle Frau zu ihrer letzten Ruhestätte. Im Badhofe trug Kantor Herr Leo Mirsky unter Assistenz des Tempelchores die üblichen Trauerpsalineu vor, worauf der Rabbiner Herr Dr. Schwarz in ergreifender Rede ein Lebensbild der Entschlasenen entrollte. Auf dem Friedhofe hielt der Oberrabbiner Herr Dr. E h r e n s e l d, ferner Herr Dr. D u s ch e n e s namens des israel. Nächstenliebevereines und Herr David Lieben nabens der Beerdigungsbrüderschaft warmeinpfundene Nachrufe. Ehre ihrem Andenken! Dambokitz (Mähren). Der aus der hiesigen Gemeinde stammende Brünner Hausbesitzer, Herr Joachim I e l l i u e k, widmete, wie Brünner Blätter melden, ein Kapital von K 50.000 zu wohltätigen Zwecken für seine Heimatgemeinde, speziell für Altersversorgung unbemittelter Israeliten. Die Stiftung tritt erst nach dem Tode des Stifters in Kraft. Szenicz. Am 29. v. M. verschied in Wien der pensionierte Diener der Chewra-Kadischa zu Szenicz, Herr Jacob W a s s e r v 0 g e l. Derselbe hat bis zu seiner vor einem Jahre erfolgten Pensionierung durch 42 Jahre in streng traditioneller Weise Chewra-Dienste geleistet und wurde dieser Umstand bei seiner Peiisionierung anerkennend berücksichtigt. Zu seinem Leichenbegängnisse, welches am 1. d. M. vom Zentralsriedhofe in Wien stattfand, entsendete die Chewra-Kadischa ihren Sekretär Herrn Deutsch Mor. Eine zahlreiche Trauerfainilie gab dem Verblichenen das letzte Geleite. Berlin. (Allgemeine Jüdische Kolonisations- O r g a n i s a t i 0 n.) Das von der Konferenz jüdischer Notabeln am 20. September eingesetzte permanente vorbereitende Komitee hat im Laufe der letzten Wochen an eine Reihe hervorragender Glaubensgenossen ein Schreiben gerichtet, dem wir nachstehende Stellen entnehnlen: „In Ausführung der ihm von der Konferenz jüdischer Notablen am 20. September zu Berlin erteilten Aufträge hat das nnterzeichnete Komitee die beiden Hauptgegeustände der Konferenz: die Bildung eines st ä n d i fl e 11 A ussch u sses j ü d i s ch e r O r g a n i s a t i 0 n e n und die Gründung der A l l g e m e i u e u Jüdischen Kolonisations-Organisation einer eingehenden Erwägung nnterworfen. Es ist hierbei zu einem Ergebnisse gelangt, das sich wohl den meisten, wenn nicht allen Teilnehmern an den zwei Berliner Konferenzen anfgedrängt haben wird: daß nämlich der gedeihliche Fortgang der beiden erwühnteu Aktionen, denen unbedingt eine gleiche Wichtigkeit und Aktualität zuerkannt werden muß, in dem gegenwärtigen Stadium außerordentlich gefördert werden würde, wenn sie nicht mehr gelegentlich derselben Veranstaltungen zur Diskilssivn gestellt würden, wenn jede von ihnen gesondert behandelt und jeder der Fürsorge eines speziellen Komitees zuteil werden würde..— Das Komitee erachtet es daher als seine erste und dringendste Aufgabe, die erforderlichen organisatorischen Maßregeln zu treffen, damit beide Werke, so innig auch ihr ideeller Zusammenhang ist, formell zunächst getrenlit von einander weitergesührt werden können. Das permanente Komitee hat alle in Betracht kommenden Verhältniffe einer sorgfältigen Prüfung uilterworsen und ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß die Lage der jüdischen Bevölkerung im O st e n, die Schaffung der geplanten Organisation heute dringend verlange, daß in den f i u a n z i e l l leistungsfähigen Kreisen unserer Glaubensgenossen gegenwärtig außerordentlich viel Stirn m it 113 für das K 0 l 0 n i s a t i 0 n s w e r k vorhanden sei und daß die Lage in der Türkei nicht nur eine tatkräftige Förderung dieses Werkes im Orient begünstige, sondern seine baldige Eröffnung uns zur Pflicht mache. Am Dienstag, den 27. Oktober, fand nun die k 0 n st i t n i e r e n d e Versammlung der A. I. K. O. statt. Als Zweck der Organisation wurde festgesetzt: „Die A. I. K. O. erstrebt die Förderung der dauernden, geschlossenen Ans i e d lu n g, besonders im Orient, jener Suben, d i e durch die Verhältnisse in i h r e n H e i in a t l ä n d e r n z n r A u s w a n d e r n n g g e z w u n g e n s i u d. D i e A. I. K. O. v e r s 0 l g t l e d i g l i ch h u m a n i t ä r e Ziele." An der Spitze der A.J.K.O. wird ein Präsidium stehen, in dem die einzelnen Länder vertreten sein sollen. Zum g e s ch ä s tsführenden Präsidenten der A.J.K.O. und zum Vorsitzenden des Vorstandes wurde geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Aron gewählt. In den Vorstand Wurden gewählt: Jnstizrat Dr. Edmund Fried m a u n als Schriftführer, Prof. Dr. Ferdinand B l u m e n t h a l als stellvertretender Schriftführer, Eugen P a n 0 f s k y (i. Fa. Jacqnier & Secnrius) als Schatzmeister. Als Beisitzer: Siegmund Bergel, geh. Sanitätsrat Dr. Blumenthal, Siegfried Brünn, Kommerzienrat Heinrich Eisner, Dr. Isidor Ginsberg, Dr. Hirsch Hildesheimer, Berthold Israel, Alois Marcus (i. Fa. Veit, Selberg & Co.). C. L. Netter, Manuel Schwarz, Generaldirektor Konsul Segall. — Außerdem wurde ein ausführendes Komitee unter dem Vorsitze von Dr. Alfred N 0 ssig gewählt. — Die nächste Tätigkeit der A.J.K.O. ist auf die Beschaffung eines Betriebs- und Garantiefonds sowie auf den Ausbau der Organisation gerichtet.

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