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Die Wahrheit · 1908-11-13 · Heft 44 (13.11.1908) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 44 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44. Die Wahrheit. Sete 7. durch Ausdehnung dieses Prinzips der lokalen Autonomie der einzelnen Stämme zum Gleichgewicht und zur Blüte gelangen kann. Für die jüdische Kolonisation ergibt sich aus der Einführung moderner Nechtsznstände in der Türkei der Wegsall aller jenen administrativen Hindernisse, die sie dis jetzt erschwerten. Die Erwerbung von Immobilien wird nun für alle Kolonisten zugänglich, das Eigentum gesetzlich garantiert sein, die willkürliche, gerade die Landwirtschaft besonders bedrückende Verteilung der Steuern wird einem gerechten System Platz machen. Die jüdischen Ansiedler werden, wenn sie die türkische Staatsangehörigkeit annehmen, ihre Vertreter im Parlament haben und man kairn es heilte kaum beziveifeln, das; bei raschem Fortgang der jüdischen Kolonisation in absehbarer Zeit eine jüdische Bevölkerungsmajorität dieselben administrativen Freiheiten genießen würde, wie die Christen auf dem Libanon. (Fortsetzung folgt.) Das Keden and Wirken der Inden in Oesterreich in vormär;tichen Zeilen. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte. Bou Dr. M. H. Friedländer. (Fortsetzung.) Um 1 Uhr mittags verfügten sich der Rabbiner und die vornehmsten Gemeindenntglieder in die Synagoge znm Minchagebete, während die meisten Hochzeitsgäste nebst den jungen Leuten dem Minchagebete beim Bräutigam anwohnten. Zn dem Momente als der Bräutigam das „Al-Chet-Gebet" andachtsvoll verrichtete, trat der Schalksnarr vor ihn hin, legte ihm die Sterbekleider, „Kittel und Kittelhänbel", an, lat ihm Asche aufs Haupt, legte ihm einen mit Falten versehenen Mantel über den Kittel und sang dabei tiefernste Reime unter instrumentaler Begleitung. Nach abgehaltenem Minchagebete begab sich der Rabbiner in Begleitung der Vornehmsten der Gemeinde zum Bräutigam, um ihn feierlichst abznholen und in den Tempelhof, wo mittlerweile der Baldachin, die „Chnppa", anfgestellt wurde, zu begleiten. Ebenso wurde gleichzeitig die Braut von den Frauen abgeholt und zur „Chnppa" geführt. Sobald der Zug sich in Bewegung gesetzt hatte, ließen die Musikanten ernste Arien ertönen und hörten erst dann auf zn spielen, wenn jener im Synagogenhof angelangt war. Vor den Synagogenpforten, unter dem freien Himmel, stand der Baldachin, unter welchem der eigentliche Traunngsakt in folgender Weise vollzogen wurde*): Vor allem rief der Vorbeter: „Baruch liabo“, gesegnet, der da kommt. Dann wurde die Braut unter dem Baldachin von den beiden „Untersührerinnen" dreimal um den Bräutigam hernmgeführt. Nach diesem Umzüge stellte sich die Braut zur Rechten des Bräutigams, der Kantor sang das übliche „Mi adir“ und der Rabbiner trat sodann vor das Brautpaar hin und nahm den Traunngsakt vorschriftsmäßig in Gegenwart glaubwürdiger Zeugen vor, die ihm bestätigen mußten, daß der Ehering, den der Bräutigam seiner Braut auf den rechten Zeigefinger setzte, den Wert einer Pernta habe, und zugleich verpflichtet waren, das Vorlesen der Ketnba, die sie als Zeugen unterzeichnet hatten, anznhören. Der Hochzeitssegen, „Birchat Nissiiin“, und die sechs aitderen Segenssprüche, die man zusammen „sieben Benediktionen", „schewa Berochot“', nennt, bildeten den Schluß des Traunngsaktes. Nach Vollzug derselben, legte der Synagogendiener, „Schames“, dem Bräutigam ein in einem weißen Taschentnche eingewickeltes Glas zu Füßen, das er mit dem Fuße zertrümmern mußte, worauf die Anwesenden sich gegenseitig „Masal tob“, Glück auf! znriesen und das Brautpaar unter Musikbegleitung in das Hochzeitshans begleitet wurde. Dort angelangt, wurde ihnen, da sie doch, wenn nicht gerade Rausch Obodescb, oder Chanuka, oder sonst ein Tag, an welchem kein Dachriiiu gesagt wurde, war, fasten mußten, ein bischen Suppe und Huhn gereicht. Man nannte dies gewöhnlich *) Bei Gelegenheit müssen wir noch bemerken, daß es in sehr vielen Gemeinden in Ungarn sowohl, als in Mähren. Böhmen, Schlesien rc. Usus war, unter die zur Trauung erschienenen Gäste Wachskerzen zu verteilen, welche vor der Trauung angezündet wurden. „Hindelfoppen". Eine halbe Stunde später fand das eigentliche Hochzeitsmahl, an welchem sämtliche Hochzeitsgüste teilgenommeu, statt. Bei diesem Mahle ging es recht lebhaft zu. Der anwesende Rabbiner hielt eine dem Feste entsprechende Ansprache — denn Traunngsreden zu halten, war damals noch nicht gebräuchlich — wobei er die Tugenden und schönen Eigenschaften der Brautleute rühmend hervorznheben, nicht unterlassen hatte. Wenn der Bräutigam ein Talmndjünger, „Bachur“, war, so hielt er bei dieser Gelegenheit ebenfalls eine Rede, „Deraschah“, um entsprechende Proben und Belege seiner Kenntnisse zu liefern. Wahrscheinlich wurden deshalb die Hochzeitsge.schenke, die den Brautleuten von Verwandten und Bekannten überreicht wurden, „Derascha-Geschenk" genannt. Bezüglich der Speisen und Getränke. die bei Hochzeitsfesten den Gästen kredenzt wurden, haben die Armen mit den Wohlhabenden förmlich gelvetteifert. Es kam nickt selten vor. daß die Gäste beim Hvchzeitsmahle emes armen Bratltpaares gerade zu reichlich bewirtet wurden, als bei der Hochzeit reicher Leute. Besonders stark scheint dieser Unfug im 18. Jahrhundert in Prag überhandgenommen zu haben, was aus folgendem Aktenstücke, das Rabbi Ezechiel Landau, Oberrabbiner in Prag, im Vereine mit dem Gemeindevorstande bezüglich des Luxus rc. erlassen hat,> entnommen werden kann. Dasselbe lautet: „Es ist znr allgemeinen Kenntnis gebracht, daß in der Sitzung des Gemeindevorstandes bei Anwesenheit des Oberrabviners, des Rabbinatskollegiums und der meisten höchstbestenerten Gemeindemitglivder eine Kommission ernannt wurde, welche die Aufgabe har, ein Reglement zu entwerfen, um dem Unfug des übermäßigen unnötigen Aufwandes bei Familienfestlichkeiten. der mir gar zn oft die Kräfte des Festgebers übersteigt, zu steuern. Diese Kommission, bestehend ans folgenden Mitgliedern: Oberrabbiner Ezechiel Landau, beiden Rabbinatsassessoren Maier Fischet und Lob Cassowitz. dem Präses des Vorstandes Israel Frankel, den beiden Vorstehern Zsak Austerlitz und Hirsch Ellenbogen, den Gemenldemitgliedern Simon Nenstadtl, Jsak Borges und Samuel Lukka, hat nach reiflicher Ueberlegung mehrere Punkte festgestellt. (Fortsetzung folgt.) Nerjchiedcne Nachrichten. Wie». Freitag, den 13. November 1908, Predigt im Smdtrempel. Wien. (Jüdisches Musen m). SamSrag, 11. November 11 Uhr vormittags, wird das „Jüdische Museum" im neuen Lokale, II., Praterstraße 28, wieder eröffnet, und wird dasselbe von nun av sters Samstag und Sonntag von 11—1 Uhr für den allgemeinen Besuch offen gehalten werden. An Sonntagen ist ein Eintrittsgeld von 20 Heller zrl entrichten. — Gesellschaft für Sa m m lung u n d Conse: - v i r u n g von K il n st - und h i st o r i s ch e n T e n k m ä l e r u d e S I u d e u t u in S. Der nächste (45.) Bortrag in der Gesellschaft findet Donnerstag, den 19. November 1908, Vj2 Uhr abends, vräziie im Festsaale deS ö ft e r r. Ingenieur- und A r ch i t s k r e u v s xeine s. I., Eicheubachgaffe 9 statt. Herr Rabbiner Dr. Ignaz Ziegler- Karlsbad spricht über das Thema: „D e r P r o p b e t H e s e k i e l". Die von der Gesellschaft ausgegebenen Mitteilungen gelten als Eintrittskarte, Wie». (B e r e i n z u r B e k l e i d u n g und Unterst ü tz u n g armer alrer Männer i f r a e l. Konfession.) Sonurag, den 15. November, 3 Uhr iiachmittagS, wird im Festiaale des Hotels Konrinental, II., Taborstraße 4, die diesjährige Bekleidungsfeier des Beremes abgehalten. welche sich in Anbetracht des 60jährigen RegiernngsjnbiläumS Sr. Majestät des Kaisers gleichzeitig zu einer Hnldigungsfeier gestalten wird. Herr Rabbiner Dr. David, Herr Oberkanror Bela G n t t m a n n. Herr Adolf W e i s s e. Direktor des Deutschen BolksrheaterS. und eine größere Anzahl der Mitglieder deS Wiener kaufmännischen GesangSverelneS haben mir Rücksicht ans den eminent human:rären Zweck des Vereines ihre Mitwirkung zugesagt. Im heurigen Jahre werden 150 Greise mit vollständiger Wnicerkleidung anSgestarrer. Wien. Samsrag. den 8. d. M.. faild im Temvel. VIII., Neudeggergaffe, die Trauung des Herrn Dr. Karl M o h r, Sekretär des rübmlichst bekannten Institutes Bane r. vormals S i m o u, mir Fräulen Selma D a w i d o w i c z statt. In dem festlich beleuchteten Temvel hatten sich die vielen Freunde und Bekannten des Branlpaares und der Braurelrern eingefuiiden. Unter anderen sah man die Herren Kulrnsvorsteher S. Steiner und Kommerzialrat S i in o n, ferner den Direktor der Schule (Bauer). Herrn Planer mir dem gesamten Lehrkörper und vielen Zöglingen der Anstalt. Frail Direktor Bauer rc. Die Tranungszeremonie wurde durch ein Präludium ans dem Harmonium mit Cellobegleitung, ausgeführt durch einen Schüler der Anstalt, eingeleiret. Den Trauungsakt vollzog Herr Rabbiner Dr. Bane r, den gesanglichen Teil Herr Oberkantor Q u a r t i n. .-.T-vp ■ -yr,; :■ '

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