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Die Wahrheit · 1908-11-13 · Heft 44 (13.11.1908) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 44 (13.11.1908)
Date
1908-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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akrchsit Reduktion n. Jlbmuiiltiutiou: itfieu, 11/. Siinmraqnfie 27. _ "trlrDbiMi bei D> nckri -I JoHHS Unabhängige Aeitschrift für jüöische (VuitjtflOvirt . . tt 14 .— fculbinbria! . 1k 7 - K. k. ösierr. Postsparkassa- Scheck-Konto Nr. 100.918. llllitUV.tL- Dir viermal (jfijjnlteue 31oiU)nvfiUr*iJ«ile 25 Heiler. JlDoiniemciita. n. Rillet Ilona- Interessen. Mn l^iiltiivbriiiiite: Erscheint jeden Kr ei tag. 5k >» ^ih NiiSNnid: betraue sind tu iHMen jitolbu; «Uitll|||llt)vli| . 8 'JJtillf und fluubiu. Motto : „Das Siegel Glottes ist Wahrheit,!“ K iltiiDel oder Ur. 44. Wien. 18. November HM>8. Inhalt: Audienz der bosnischen Spaniolen beim Kaiser. — Aus der Woche. — Zn den Wiener Kultnswahlen. — Gustav Karpeles. — Leitende Ideen der allgemeinen jüdischen Kolonisations-Organisation. — Leben und Wirken der Inden in Oesterreich in vormärzlichen Zeiten. — verschiedene Nachrichten. — Die Zukunsr des Kantorenftandes. — Auslritre ans dem Jndentum. Andien; der bosnischen Spaniolen beim Kaiser. Mittwoch, den 11. d. M.. 11 Uhr vormittags, wurde die in Wien erschienene 31gliedrige Hnldignngsdepntation der sephardischen Inden in Bosnien und der Herzegowina von Sr. Majestät dem Kaiser in besonderer Audienz empfangen. Führer der Deputation war der 78jährige Präsident der sephardischen Knltnsgemeinde von Sarajewo, Gemeinderat Satomon Efendi S a l o m, der nebst einem zweiten jüdischen Deputierten auch zwei Tage vorher au der Audienz des Gemeinderares von Sarajewo teilgenvmmen hatte, und als Sprecher fungierte der Bankier Josna D. S a l o m. Bei dem Empfang waren sämtliche sephardische Knltusgemeinden von Bosnien und der Herzegowina vertreten. Die Mitglieder der Deputation lvaren teils in Salonrock und mit Fes, teils in den bosnischen Nationalkostümen, und traten vor den Kaiser bedeckten Hauptes. Als der Kaiser erschien, brachten die Anwesenden ein Zivio! ans den Monarchen ans. Hieraus hielt Herr Josna D. S a l o m eine Ansprache, in der er den Kaiser der Ergebenheit und Verehrung seiner spaniolischen Untertanen versicherte, die stets ruhige und friedliche Bürger gewesen seien, immer in bestem Einvernehmen mit den übrigen Nationalitäten und Konfessionen gelebt und nach Kräften für die Kultur und den Fortschritt des Landes gearbeitet haben. Auf die Ansprache des Führers der Deputation erwiderte der Kaiser: „Ihr Erscheinen und der Ansdruck Ihrer loyalen Gesinnungen gewährt mir ansrichtige Befriedigung, da es Mir wohl bekannt ist, daß I h r e G l a u b e n s g e n o s s e n stets ein E l e m e n t der Ordnung im Ihrer Heimat g ew e s e n s i n d. Durch die fortgesetzte Betätigung der bürgerlichen Tugenden in brüderlicher Eintracht mit dem gesamten Volke Bosniens und der Herzegowina werden Sie auch in Hinkunft ein wertvoller Faktor des kulturellen und wirtschaftlichen öffentlichen Lebens bleiben. Meines landesväterlichen Wohlwollens mögen Sie bei Ihren patriotischen Bestrebungen versichert sein." Die Ansprache wurde stellenweise mit begeisterten Zivio- Rufen ausgenommen. Sektionschef Baron L a z z a r i n i wiederholte dann die Antwort des Kaisers in serbischer und in kroatischer Sprache. Hierauf ließ sich der Kaiser sämtliche Mitglieder der Deputation vorstellen und sprach mil jedem einzelnen in deutscher und italienischer Sprache. Besonders mil dem Gemeinderat Salomon Efendi S a l o m, der lange Jahre unter türkischer Oberherrschaft verlebt und dem e r st e n t ü r k i s ch e n P a r l a ment auf Grund der Verfassung vom Jahre 1876 als bosnischer Abgeordneter angehört hat, unterhielt sich der Kaiser längere Zeit in lebhafter Weise. „Ich erinnere mich, Sie schon einige Male gesehen zu haben," äußerte sich der Kaiser. „Ich habe bereits viermal das Glück gehabt, Eurer Majestät in Audienz vorgestellt zu werden," antwortete Salomon Esendi, „darunter einmal nach der Okkupation von Bosnien, einmal nach der Hochzeit des Kronprinzen Rudolf und das letzte Mal vorgestern mir dem Gemeinderat von Serajewv." Den Großkaufmanu A l k a l a y fragte der Kaiser, der die Konversation meist Italienisch führte, ob er auch Italienisch verstehe. „Gewiß. Majestät/' antwortete dieser, „aber ich spreche lieber Deutsch." — „Das freut mich um so mehr," bemerkte der Kaiser. Bei dem Mitgliede des Rabbinatskolleginms der Knltnsgemeinde Sarajewo, Herrn S a l o m. erkundigte sich der Kaiser über die Anzahl der Synagogen in der bosnischen Hauptstadt; Rabbinatskandidat Dr. L ö w y, der das Wiener Rabbinerseminar absolviert hat und gegenwärtig in Sarajewo angestellt ist, wurde vom Monarchen über seinen Studiengang befragt; den Advokaten Dr. A l k a l a y in Sarajewo, der durch seine stramme militärische Haltung ausfiel, fragte der Kaiser ob er in Wien oder Bosnien gedient, worauf Dr. Alkalay erwiderte, daß er als Einjährig-Freiwilliger beim 3. bosnischen Bataillon in Sarajewo feinen Militärdienst abgelegt habe. Und so richtete der Kaiser an sämtliche 31 Mitglieder der Deputation huldvolle Fragen. Nach etwa halbstündiger Dauer der Audienz zog sich der Monarch zurück, von dreimaligem, begeistertem Zivw begrüßt. Die Deputation fuhr dann in die Stadt zurück, und sieben Delegierte begaben sich zum gemeinsamen Finanzminister Freiherrn v. B u r i a n. um ihm ein Memorandum betreffend die Wahlen in den künftigen bosnisch-herzegowinischen Landtag vorznlegen. Auf die Ausführungen des Sprechers der Deputation, der darauf hinwies, daß die Juden Bosniens während der türkischen Herrschaft und auch während der Okkupationszeit die vollste Gleichberechtigung mit den übrigen Konfessionen genossen haben, der Minister jedoch bei seinen Mitteilungen vor der Delegation in Budapest betreffs der

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