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Die Wahrheit · 1908-11-06 · Heft 43 (6.11.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 43 (6.11.1908)
Date
1908-11-06
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrdett er dM Dahingeschiedenen als Menschen.' Gelehrten und Seelsorger schilderte pich das. Schicksalder armen, verlassenen Gattin sowie dex unmündigen, zarten Kinder der Fürsorge der Gemeinde Skotschau. empfahl. ' " Dann tratRäbbiner Dr. Gelbhaüs an Lie Bahre und schilderte die Gottergebcnheit des Dahingeschiedenen, die ihn die schweren Schmerzen ertragen ließ. Er litt furchtbar, aber.er klagte nicht, gleich Hiob ^ertrug er willig sein Geschick. — Nachdem der Sarg unter Absingen des von Sulzer ins Ehrengrab gesenkt worden .war, nahm Herr , Vorsteher Emanüel S pitzer ans Skotschau mit folgenden Worten im Namen der Gemeinde Abschied von'dem geliebten Seelsorger: ' ‘ ^Geliebter, ehrwürdiger Seelsorger! Mit wehmutsschwerem Herzen stehe ich hier .au Deinem Sarge und will versuchen, im Namen Deiner trauernden verwaisten Gemeinde, der Du ein halbes Menschenalter ein rteuer Hirt gewesen, Worte des Abschiedes, Worte des Dankes zu sprechen. Es ist uns leider nicht gegönnt gewesen, Dir auf heimatlichem Boden ein Ehreugrab zu errichten und Dich mit allen den verdienten Ehren unter Teilnahme nicht nur aller Dir anvertrauten Seelen, sondern aller, die Dich gekannt, geliebt und verehrt baden, zu Deiner letzten Ruhestätte begleiten zu dürfen. Im Namen aller dieser niuß ich Dir sagen, wie schwer uns die traurige Kunde getroffen, wie wehe uns die immer betrübenderen Nachrichten von Dir uns getan. Wie haben wir unsere Gebete vereint zu Gott gesendet und um Deine Gesundheit gefleht! Hofften wir doch alle bei bei unserem Abschiede, Dich anders zu begrüßen! Doch Gottes Wille, dem wir uus alle beugen müffen, war ein anderer. Hoffnungsvoll hast Du Genesung gesucht und Erlösung gesunden. Doch zurück bleibt Deine t r e u e, h i u g e b u u g s v o l l e, v o n uns allen so verehrte Gattin, Derne weinenden Kinder und Deine trauernde Gemeinde. Jedem einzelnen Mitgliede bist Du nahe gestanden, jedem warst Du ein rreuer Freund und Berater. Die Armen haben in Dir einen Fürsprecher gehabt, andere hast Du znm Wohltun angeleitet. Du hast es verstanden, trotz größter Schwierigkeiten, immer wieder die Eintracht und den Frieden in Deiner Gemeinde zu erhalten; Du hast Dir die Liebe und Verehrung aller Deiner Mitmeuschen jeder Konfession zu erwerben gewußt; die Jugend hat an Dir mit ganzen! Herzen gehangen und Du hast ihr von Deinem großen, reichen Wissen mit vollen Händen gegeben. Und wie hat sich Deine ganze Gemeinde, an Deinen glänzenden Kanzelreden erbaut! Dein ganzes Streben war darauf gerichtet, eine fromme, einige, friedliche Gemeinde zu haben. Dein letzter Gottesdienst war wohl ein trauriger, aber würdiger Abschluß Deines heil- und segensreichen Wirkens. Trotz schweren, schmerzvollen Leidens, trotz freundschaftlicher Warnung bist Du am 18. August auf die Kanzel gestiegen, um mit ü b erme nsch li ch e r Willenskraft Deine letzte Pflicht gegen Gott, Vaterland und Gemeinde zu erfüllen. Und nun sage ich Dir unseren innigsten Dank für all Deine Liebe und Güte; Dank der gesamten Kultusgemeinde für Dein fürsorgliches Walten; Dank des Vorstandes für Dein friedliebendes Wirken und für Deinen gerechten Sinn; Dank der Jugend für Deine guten Lehren und zuletzt auch meinen persönlichen Dank für Deine innige Freundschaft. Und so rufe ich Dir, unserem treuen Seelsorger, unser letztes Lebewohl zu! Friede sei mit Dir! Ruhe sanft!" Zuletzt nahm noch der alte Vater Abschied von seinem geliebten Sohne, den er seine Krone und seinen Stolz nannte. Unter herzzerbrechendem Schluchzen endete der Alte, und dann rollten die schweren Schollen hinab, um die enge Hülle auf immer zu verdecken, die einen edlen, herzensguten Menschen umschloß, einen Schöngeist und Schönredner, wie sie selten zu finden sind, der keinen Zorn und keine Feindschaft, sondern nur Liebe und Gottesfurcht kannte. Die trauernde Witwe und die Gemeinde erhielten zahllose Kondolenzen von nah und fern. A. H. L. Verschiedene Uachrichlen. Wien. Freitag, den 6. November 1908, abends, Predigt im Leopoldstädter Tempel. Wien. (Vorlesungen im Wiener Bet h a - M i d r a s ch, IL, Ferdinandsstraße 23, im Wintersemester 1908—1909.) Sonntag von 6—7 Uhr abends, Herr Lektor Friedmann: Die Könige und die zeitgenössischen Propheten. Montag von 6—7 Uhr abends, Herr Rabbiner Dr. S. Rubin: Talmud Sabbath. Dienstag von 6—7 Uhr abends, Herr Lektor F r i e d m a n n: Midrasch (Schmoth Raba); von 7—8 Uhr abends, Herr Rabbiner Dr. S. Rubin: Die Sprüche Salomos. M i t tw o ch von 6—7 Uhr abends, Herr Lektor Rabbiner Dr. G e l b h a n s: Die Psalmen, für Lehramtskandidaten für Volks- und Mittelschulen; von 7—8 Uhr abends, Herr Rabbiner Dr. Kamiuka: Religiousphilosophie, Maimonides More Nebuchim (Teil II). Donnerstag von 6—7 Uhr abends, Herr Rabbiner Dr. Kam inka: Traktat Sanhedrin, wissenschaftlich erläutert (Fortsetzung); von 7—8 Uhr abends, Herr Lektor Rabbiner Dr. S. Gelbhaus: Die Psalmen, für Lehramtskandidaten für Volks¬ und Mittelschulen. Samstag von 11—12 Uhr vormittags, Herr Lektor F r i e d m a n n: Die laufende Parascha. — Borträge des Herrn Rabbiners Dr. Rubin für Gymnasialschüler: Samstag von x/a5—‘/29 Uhr abends : Talmud; von Uhr abends: Talmud für Obergymnasiasten. Sonntag von ',9—^12 Uhr vormittags: Mischna. Dienstag von 1ko—1!*6 Uhr nachmittags: Talmud. Mittwoch von 7—9 Uhr abends : Talmud. >In der Bibelschule.) Donnerstag von 6—7 Uhr abends: Talmud. (In der Bibclschule.) — Außerdem wird täglich, Freitag und Samstag ausgenommen, abends nach dem Gottesdienst eine Lektion Mischna vorgetragen. Wien. Der Komponist Oskar Strauß hat sich. mit Fräulein Klara Singer, Tochter des Herrn Oberkantors Josef Singer, verlobt. Nr. ,4b. Wien. Fräulein Sarah Mo s e n b e r g, Tochter des Religionslehrers Herrn Ignaz R o s e n b e r g, hat sich Mit Herrn Josef. N e üm a n n aus .Jerusalem verlobt. Wien. (I s r a e l. . H u yr a n i t äts - V erein . zur ) A u sstattüng ' heiratsfähiger' Mädchen II., S ch m e l z g a s s e Nr. 9.) Am 3. di M. gelangten an 26 in den Genuß' der Vereinsbenefizien getretene -Mitglieder der Betrag-von Ei 36.400 — zur Auszahlung,)so. daß. jede Begünstigte eine, Heiratsausstattung von K 1400.— bar erhielt. Jede dieser Begünstigten hat seit ihrem Eintritte 'in-den Verein zirka.K 40 — einbezahlt und ist es dem Wirken des gegenwärtigen Vorstandes zuzuschreiben, daß die Heiratsäüsstättung eine solche Höhe erreicht hat. ' Am 11. d. M., 6 Uhr abends, findet im Hotel „zur Post" eine außerordentliche Generalversammlung statt. Wien. Eine wahrhafte 7>V nnatr war es, welche die Freunde des bestbekannten Literaten Herrn Sam. H o r n st e i n anläßlich der Bar Mizwah-Feier seines zweiten Sohnes M o r i tz, Schüler des Rainer- Gymnasiums, zu einem fröhlichen Feste vereinigte, bei welchem der Gesamtvorstand des Bethauses Talmud Thora in der Malzgasse, an dessen Spitze Herr S. B u ch w a l d, korporativ erschien, wo der Konfirmand am Vormittag sein Glaubensbekenntnis vor der Thora und der ganzen Gemeinde abgelegt wie auch die Haftora teilweise im altehrwürdigen Trop, teils in moderner, deklamatoiischer Weise verständnisvoll vorgetragen hatte. Ferner waren bei dem überaus gemütlichen Feste anwesend die Herren Oberkautoren Bauer, S ch o r r und Witt m a n u, Rabbiner Friedman n, Prof. A n t s ch e r l. Prediger G r ü n und Vereins- Rabbiner Schenk, welch' letztere, wie auch Herr Oberlehrer Kohn von der Talmud Thora-Schule, an den Bar Mizwah, der selbst eine inhaltsreiche Rede in vorzüglicher und zu Herzen gehender Weise an die Eltern und Festgäste richtete, höchst erhebende Ansprachen hielten. Während des Festmahles erfreute Herr Oberkantor W i t t m a n n die Anwesenden, indem er jüdische Gesangsweisen in exzellenter Form zu Gehör brachte. Nicht minder beifällige Aufnahme fand auch ein von der Festgeberin, der Schriftstellerin Frau Rosa Hornstein, rezitiertes Gedicht aus dem Ghetto-Leben und ein religiös gehaltener Gesang von Frl. Emma Fried. In später Abendstunde endete das überaus schöne Fest mit dem Maariw- Gebete. Budapest. (Jüdischer K u l t u r v e r e i n.) Der durch Dr. Simon Hevesi initiierte Verein begegnete in allen Kreisen der hiesigen Gemeinde und wie auch die Zustimmungszuschriften, die der Initiator von auswärts erhielt, bekunden, das lebhafteste Interesse. Es haben auch die angesehensten Männer mit Begeisterung ihren Beitritt und ihre tatkräftige Unterstützung zugesagt. Im Laufe der nächsten Tage wird sich der Verein konstituiren und mit der Beratung der einzelnen Paragraphe befaßen, die bereits von dem Gründer des Vereines abgefaßt sind. Der Verein verfolgt folgenden Zweck: 1. Anfklärende Vorträge und Kurse zu halten, welche eine richtige Beurteilung des Judentums vertreten und denselben durch Editionen zu kräftigen und fördern. 2. Den patriotischen Geist des Judenttlms zu pflegen. 3. Für die Knlturinteressen des Judentums zu wirken, insbesondere die Interessen der jüdischen Konfessionen zu wahren und 4. Alle diejenigen gesellschaftlichen Aufgaben des Judentums zu erfüllen, für ivelche das ungarische Judentum bis heute keinen öffentlichen Faktor besetzt. A. Lazarus. Budapest. Eine glänzende Tranung hat am 28. Oktober im hiesigen Tempel in der Doliäny-utcza stattgefunden. Der in ärztlichen Kreisen in großem Ansehen stehende Arzt, Dr. Geza Kövesi, langjährig gewesener I. -Assistent an der Prof. Korany'schen Abteilung der hiesigen Klinik, führte die Tochter des allgemein geschätzten Großkaufmannes Berthold Klein zum Traualtar. Dem feierlichen Akte wohnte ein auserlesenes Publikum bei, unter welchem sich auch der greise Professor Dr. Friedrich Korünyi befand. Rabbiner Dr. Hevesi und Oberkantor Lazarus besorgten die Funktion bei dieser Tranung. A. Lazarus. Arad Sonntag, den 15. d. M., 11 Uhr vormittags, findet im hiesigen Kultustempel die Tranung des Fräuleins Jenny K o h n, Tochter des Herrn Oberkantors David K o h n, mit Herrn Bela P u d l e r statt. Bagdad, 30. Oktober. (Mitteilung aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraslite Universelle.) Die reaktionäre Partei hat hier und in Hille eine lebhafte Agitation veranstaltet. Zwei Tage lang hat die Bevölkerung die Israeliten, die sich auf den Straßen sehen ließen, mißhandelt. Die Folge davon war eine große Panik. Erhebliche Schädigungen haben nicht stattgesnnden. Die Ruhe ist wieder hergestellt. Literatur. „Jubiläums-Punsch-Kalender 1909." Vierzig Jahre laug waltet der witzige, von C. Schönwald herausgegebene und im Verlage der Hofbnchhandlung M. Perles erschienene „Punsch-Kalender für d a^ Jahr 1909" seines heiteren Amtes. Stetig und unentwegt für den gediegenen Stoff Sorge tragend, bringt er auch diesmal Beiträge der beliebtesten Schriftsteller, wie: Julius Baue r, Julius Stettenheim, V. C h i a v a c c i, Alexander Engel, Heinr. Pen n, Ed. N a s ch e und Andere, und schart sich neben diesen Meistern eine Fülle des Witzes in Wort mit über 70 Illustrationen. Vierzig Jahre immer heiter, immer anregend, wohl eine Erscheinung, die aus einen großen Kreis von Freunden berechtigten Anspruch erheben darf. Der sehr hübsch ausgestattete Kalender, welcher durch alle Buchhandlungen ä 80 Heller zu beziehen ist, sei allen Freunden des Humors bestens zu empfehlen. W.

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