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Die Wahrheit · 1908-10-30 · Heft 42 (30.10.1908) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 42 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wahrheit dir. 42. den falschen Ausstreuungen über die Tätigkeit des Knltusvvrstandes vorgebeugt werden. Der Präsident teilt noch mit, daß am gestrigen Tage in sämtlichen Gotteshäusern der Jugendgottesdienst unter großem Andrange eröffnet und sehr würdevoll abgehalten wurde, und hierauf wird die öffentliche Sitzung geschlossen. „Al-Charist 1899". In der Nummer 41 dieser geschätzten Zeitschrift ergreift Herr Dr. Kaminka die Gelegenheit, ausführlich auf die Besprechung zu reagieren, die ich der Ausgabe „Al-Charisi 1899" im IV. Jahrgang der „Zeitschrift für hebr. Bibliographie" (1900) gewidmet habe. Ich bedauere aufrichtig, daß das in einer Weise geschieht, die mich zwingt, auf eine Angelegenheit zurückzukommen, die ich seit nahezu einem Jahrzehnt für endgültig erledigt betrachtet habe. Herr Dr. K. behauptet und will beweisen, daß meine „Ausstellungen auf unrichtigen Voraussetzungen beruhten"; ich kann diese Behauptung nicht gelten lassen und werde alles, was Dr. K. zu ihrer Bekräftigung anführt, unter die Lupe nehmen — wir wollen sehen, was dabei herauskommt. Das erste, was mir Dr. K. vorhält, ist: ich hätte nicht gewußt, „daß das Buch nur der Teil einer billigen Volksausgabe mittelalterlicher Klassiker sei . . . welche überhaupt nicht für westeuropäische wissenschastliche Kreise bestimmt war". Das ist unrichtig, Herr Doktor! Ich halte es für überflüssig, aber ich verweise Sie dennoch auf die „Zeitschrift für hebr. Bibliogr." I, 1896, S. 76; dort werden Sie erfahren, daß ich das Wesen der vom Verlag „Achiasaf" veranstalteten Klassikerausgaben sehr genau gekannt und durchaus richtig zu bewerten gewußt habe. Gerade weil es sich beim „Tachkemoni" um eine Volksausgabe handelt, hat mich „der Text allein interessiert". Wenn für das Volk eine Klassikerausgabe veranstaltet wird, bildet natürlich der Text die Hauptsache — das ist eine Auffassung, die nicht der geringsten Meinungsverschiedenheit Raum läßt; das weiß ich und das weiß jedermann, das weiß auch der Verlag ..Achiasaf", der „in der vor dem ersten Bändchen, Jehuda Halevi, gedruckten Ankündigung" sagt: L'van —rP *3"icö riKT“ npvriPa-’an '--2O Pa« .-O'-F.-Il -rnon DTDJ? DK ,oniB3E? a*aar6 npmi .12 NNV-Q untre jnspaa V'8 ttr« anaiei B^pTnoB'KüDS'-Dn^nBwsrK^ was sich doch sicherlich auf die Texte und nicht etwa auf die Einleitungen bezieht. Aus diesem Grunde habe ich nicht die „Einleitung" kritisiert, über welche ich übrigens eine Ansicht habe, die von der „in der Sitzung der Pariser Akademie vom 9. November 1900" zu Tage getretenen sehr verschieden ist; aus diesem Grunde habe ich nicht mit einem Worte bemängelt, daß die Anzahl der verzeichnten Varianten zu gering ist; aus diesem Grunde habe . ich nur den Text genau geprüft und nachgewiesen, daß er auch dort bis zur Unverständlichkeit verstümmelt ist, wo er ohne Heranziehung der Handschriften, allein schon an der Hand der gewöhnlichen Druckausgaben hätte richtiggestellt werden können. Dr. K. fetzt dem entgegen, daß es ihm nicht möglich war, ' „aus Warschau auch nur eine einzige Korrektur eines einzigen Bogens zu erlangen". Dieser Einwand ist nichtssagend. Es handelt sich doch hikr nicht um D r u ck f e h l e r, die ich, wie ich in meiner Besprechung ausdrücklich betone, unberücksichtigt gelassen habe. Wesentlich ist, daß anstatt eines korrekten, nach Druckwerken und HMdschriften hergestellten Textes ein verballhornter Text geboten wird, und. die Frage ist einfach die, wer hiefür verantwortlich ist. Hat Dr. K. vom Verlag „Achiasaf" den Auftrag erhalten, den Text des Tachkemoni für die Drucklegung herzustellen und, wenn das der Fall ist, hat er diesen Auftrag gewissenhaft vollführt? Und nun kommt das schwere Geschütz! Dr. K. bemerkt in gesperrtem Druck, der „Al-Charisi 1899" enthalte einen „ohne seine Kontrolle vor 1895 gedruckten Text", wirft, mir vor,' daß ich ihn für diesen Text verantwortlich mache, und fügt dann hinzu: „Niemand hat mehr als ich die Ungeduld des Verlages beklagt, der auf meine Kollationen im British Museum in London nicht warten wollte ~ und inzwischen den Text nach der Stern scheu Ausgabe mit vereinzelnten Randbemerkungen von mir druckte, so daß nichts übrig blieb, als Noten anzuhängen". Also — den Tachkemoni hat gar nicht Dr. K., sondern der Verlag „Achiasaf" nach der Sternschen Ausgabe ediert. Es ist demnach ein Irrtum, wenn man von einem „Tachkemoni ed. K a m i n k a" spricht, da es nur eine e d. A ch i a s a f" gibt, und wenn Dr. K. selbst z. B. in der „Monatsschrift für Gesch. u. Wisfensch. des Indent." 1899/1900 S. 218 Anm. 2 sagt: „Tachkemoni e d. Kaminka p. 349. Die handschriftlichen Varianten ... zu meiner Edition rc.", so beruht diese Bemerkung auf „unrichtigen Voraussetzungen", wie er ja in der „Wahrheit" 1908 Nr. 41, S. 7, Sp. 2, Z. 10 von unten das Wort „meine" mit Anführungsstrichen versieht und dadurch als irrig bezeichnet. Indessen müssen wir diesen Versuch des Dr. K., sich aller Verantwortlichkeit zn entziehen und alle Schuld aus das Konto des Verlages zu setzen, einer nähern Prüfung unterziehen. Dabei wäre zunächst auf das Titelblatt des Tachkemoni zu verweisen, das den Vermerk trägt: ap rvnnntoi '«ria '"sy "px: »pröKp ,a ~i"i '"2 nnym bru Kiaa (Nach Handschriften und verschiedenen Ausgaben hergestellt, mit einer großen Einleitung und Anmerkungen, von Dr. A. Kaminka.) Älleitl Dr. K. meint: „Auch im hebräischeil Titel gehört mein Name nur zu dem u u m i t t e l b a r v 0 r h e r g e h e n d e n nnym Pn: an» ay“. Der Text des Titelblattes rührt demnach nicht, wie sonst üblich, vom Autor her, und der Verfasser desselben hat eine Unwahrheit gesagt, indem er vorgibt m:w nrrnnöi '“na 'zuy -p?:, denn in Wahrheit wurde ja einfach die St er ns che Ansgabe nachgedruckt. Wie sollen wir es uns aber erklären, wenn Dr. K. selbst in seiner Einleitung S. XI-IX den vorliegenden Tachkemoni-Text als einen „geläuterten und korrekten, nach zwei Handschriften des Britisch-Mnseum hergestellten" (aiana tanaa© “p n •« a n a p t» ^a by a' 3 a n ö np^nai nana anai:) preist und nur zn bemerken hat, daß wegen 'äußerlicher Gründe nicht alle Korrekturen und Verbesserungen gleich in den Text ausgenommen werden konnten nr:iS'nni2D ^aa oPik) (a^aa [t. a^iai s^ia trabapipnm mruin ip'aan vb? Aber eS kommt noch bester. Tachkemoni S. 467 studet sich eine für unsere Frage interestante, vielleicht entscheidende Mitteilung des Dr. K., die in fast wörtlicher, dem Sinne nach ganz genauer Uebersetznng lautet: „Als ich vor mehr denn zwei Jahren an die Arbeit herantrat, eine genaue und korrekte Ausgabe des Tachkemoni herzustellen, hielt ich diese Arbeit für sehr leicht, denn ich stützte mich im vorhinein OPK-iia ^naaa) auf das wissenschaftliche Material, welches die Forscher, die vor mir waren, vorbereitet hatten. Wohl waren alle vorhandenen Ausgaben als fehlerhaft bekannt, indessen habe ich geglaubt, daß wenigstens ein Gelehrter, wie Prof, de Lagarde in Göttingen . . . keine fehlerhafte' und wertlose Arbeit geliefert hat. So dachte ich zunächst daran, das Buch für den Verlag „Achiasaf" allein mit Zuhilfenahme der A u s g a b e L a g a r d e s und der dieses Gebiet betreffenden Arbeiten des Prof. I. S. Kämpf herz ustellen (d. h. ohne Rücksicht auf Handschriften und anderweitige Ausgaben). Allein im Laufe meiner Arbeit ist mir die Stütze der Lagardest'cheu Ausgabe zn einem geknickten Rohrstab geworden. ...Nachdem die g r ö ß e r e H ä l f t e der vorliegenden Edition gedruckt war (Dr. K. sagt aia-ta nany, was aber nur eine irreführende Umschreibung ist) habe ich mich überzeugt, daß ich, wenn ich sie von den vielen Fehlern reinigen will, die frühere Drucke aufweisen, selbst nach England reisen muß. um die alteu Handschriften in London und Oxford zu Rate zu ziehen". Wie liegt nun die Sache nach dieser tro§ aller Verschleierungsversuche und diplomatischen Redewendungen doch genug klaren und deutlichen Darstellung? Dr. K. s 0 l l t e für d e n V e r l a g „A ch i a s a f" eine n korrekten Text des Tachkemoni liefern und glaute mit dieser Aufgabe leicht fertig zu sein. Er war naiv genug anzunehmen, daß Paul de Lagarde, . der kaum jemals einem jüdischen Gelehrten gegenüber freundlich war, die Freundlichkeit hatte, für ihn zu arbeiten; so glaubte

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