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Die Wahrheit · 1908-10-30 · Heft 42 (30.10.1908) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 42 (30.10.1908)
Date
1908-10-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 42. Die Wahrheit. Sete 7. er, einfach den von Lagarde edierten Text, sagen wir: unter Berücksichtigung der Arbeiten Kampfs, abdrncken zu können, und er dachte gar nicht an „Kollationen im British Museum"; erst als die größere Hälfte des Buches gedruckt war. ging ihm ein Licht aus und erst da kam er zur Erkenntnis der Notwendigkeit, die Handschriften selbst zu befragen. Jetzt konnte der Verlag „Achiasaf" natürlich, aus ganz anderen als bloß .äußerlichen Gründen", nichts anderes tun, als sich mit Endnoten begnügen, wenn er sich nicht entschließen wollte, alles Gedruckte einfach einstampfen zu lassen. Dr. K. selbst hebt (S. 470) die Geduld hervor, mit der der Verlag trotz der großen Ausgaben und des bedeutenden Schadens, der durch die Verzögerung des Druckes entstanden ist, auf seine „Kollationen" gewartet und so Rechnung getragen hat dem Sprüchwort: „Was lange währt, wird gut" — und nun erklärt derselbe Dr. K.: „Niemand hat mehr als ich die U n g e d n l d des Verlegers beklagt, der auf meine Kollationen . . nicht warten wollte und inzwischen den Text nach der S t e r n s ch e n Ausgabe . . . druckte" l Wer will die Rätsel alle lösen? Man suche sich die verschiedenen Aeußernngen des Dr. K. iin Zusammenhänge klar zu machen: Nach Dr. Kaminka in der Einleitung zum Tachkemoni bietet die vorliegende Edition einen nach zwei Handschriften korrigierten Text; nach Dr. Kaminka im Tachkemoni S. 467 ist es der Text L a g a r d e s, den er selbst seiner Ausgabe in unbegreisticher Vertrauensseligkeit zu Grunde gelegt hat; nach Dr. Kaminkain der „Monatsschrift" gibt es noch einen „Tachkemoni ed. Kaminka" und er nimmt den ..Al-Charisi 1899" durch die Worte „meine Edition" für sich in Anspruch; nach Dr. Kaminka in der „Wahrheit" aber hat der Verlag „Achiasaf" den Sternschen Tachkemoni uachgedruckt. während er selbst. Dr. K., der ganzen Drucklegung fernstand und für den Text nicht verantwortlich gemacht werden darf! Welchem Dr. Kaminka sollen wir glauben und welchen Angaben sollen wir folgen, wenn wir bei der Beurteilung des Buches, nicht von „unrichtigen Voraussetzungen" ansgehen wollen? Aus diesem Wirrsal gibt es mir einen Ausweg. Dr. K. niöge mit Mannesmut bekennen: „to p nuno aa'aab 'mastj anm; ich habe vor vielen Jahren geirrt, was ich heute, als reifer, ruhiger Erwägung und Ueberlegnng zugänglicher Mann, bedauere." Das kann und wird seinen heutigen wissenschaftlichen Bestrebungen durchaus nicht schaden. Die Hauptsache ist und bleibt, daß man den wissenschaftlichen Ernst und die unerschütterliche und unbestechliche Wahrheitsliebe, die jede literarische Forschung, sie mag welches Gebiet immer betreffen, unbedingt erfordert, nicht vermissen lasse. Ein Ausfluß beider ist der Mnt, begangene Fehler unumwunden einzugestehen. Prag, den 25. Oktober 1908. Dr. H. B r o d y. * * * Wir haben obigen Artikel Herrn Dr. Kaminka zur Einsichtnahme gegeben. Er bemerkt dazu Folgendes: Mir fehlen Mnße und Lust zu literarischem Gezänke und unverständlich sind mir sowohl die Empfindlichkeit des Einsenders (eine Eigenschaft, die er bei anderen doch so wenig voraussetzt), als auch die^ Breitspurigkeit, wo eine Anfrage von wenigen Zeilen dasselbe getan hätte. Daher kurz: 1. Ich habe Herrn Dr. B. absolut nichts vorgehalten; ich polemisiere nicht gegen ihn, ich sprach nur die Vermutung aus: „Er wußte wahrscheinlich nicht"... daß es sich nm eine billige Volksausgabe handelte. Wenn er dies ja mußte und gerade deshalb den Text scharf kritisierte, so war das ein ehrenvoller Eifer. 2. Den Aust r a g bezüglich des Textes zu v o l l s ü h r e n, kam ich garnicht in die Lage, nachdem „Achiasaf" ben Text ohne meine Zustimmung so druckte, wie er es für opportun hielt. 3. Wenn ich von ..meinem" Tachkemoni in Anführungszeichen spreche, so zitiere ich dabei allerdings auch mich selbst, da ich im angeführten Artikel in der „Monatsschrift" v. I. I960 kurz von „meiner Edition" spreche,, d. h. von einer Edition, die mich leider viel Mühe und Geld (u. A. die Reise nach England) gekostet hatte und in der viele Beiträge von mir enthalten sind. Es ist aber sehr schade, daß sie nicht so ausgefallen ist, wie ich selbst gewünscht hatte. Wer mir am Zeuge flicken will, hat die formelle Möglichkeit mir den Text ganz anzuhängen; wer gerecht ist, wird mrsr spb p sein. Im Artikel in der „Wahrheit" kam es lediglich darauf an. die Insinuation zurückznweiseu, ich hätte 1899 in einem Buche absichtlich schlechte Lesarten stehen gelassen, um sie in nachträglichen Noten zu korrigieren. Herr Dr. Brody selbst behauptet nun das nicht. Damit ist der Gegenstand erledigt. Die sachlichen Anmerkungen des Herrn Dr. Brody zum Texte waren mir damals vielfach sehr lehrreich und ich wäre für sie besonders dankbar gewesen, wenn sie in einer weniger unfreundlichen Form geboten worden wären. Rabbiner Dr. £. Dobschntz f. A. Der erste Rabbiner der Gemeinde Skotschau in Schlesien, Herr Doktor L. Do b schütz, ist nach schwerem Leiden am 27. d. M. in Wien im 43. Lebensjahre sanft verschieden. Dr. Dobschütz, der seine Studien stets mit Auszeichnung absolviert hatte, besuchte das Breslauer Seminar und war ein Schüler des berühmten Historikers Dr. Grütz. Fünfzehn Jahre war er ein treuer Hirte seiner Gemeinde, wo er sich emer großen Beliebtheit erfreute. Der unerbittliche Tod entriß ihm seiner blühenden jungen Gattin und zweien süßen Mädchen, die durch diesen herben Schicksalsschlag aufs empfindlichste getroffen sind. Möge der Allmächtige, der ein Vater der Witwen und Waisen ist, diese Schwergeprüften trösten und dem armen Toten die Erde leicht sein lassen! n'a'L'I'a A. H. L. Verschiedene Nachrichten. Wien Freitag, den 30. Oktober 1908, abends, Predigt im Stadttempel. Wien. Sonntag, den 25. d. SJt.r fand im XIII. Bezirke, Lainzerstraße 172. die Eröffnnng des unter dein Präsidium der Frau Amalie Beck stehenden Rekonvalefzenrenheimes „Philanthcopia" für arme israel. Frauen und Kinder statt. Zu der erhebenden Feier Hanen sich unter anderen eingefnuden: In Vertretung des Wiener Kultnsvorstandes Herr Dr. Alfred Berger, für den k. k. Polizeipräsidenten Polizeirat I e n i s ch, der gesamte Borstand des Rekvnvaleszcnrenheims und des Frauenvereines im YIII. Bezirke mit den Bizepräsidenrinnen Josefine Adle r »nd Berta R o s e n b a u in, Frau Hofrat G o m p e r z, Frau Banrat Zifferer und Frau K o p p st e i n für den Verein „Frauenhort", Herr Karl Seligm a n n, Herr Dr. Göza Winter in Vertretung des Hütteldorfer Rekoilvaleszeuteuheims, Herr kais. Rat Dr. Krüge r, Med.-Dr. E r n y für die Aerztekaminer, die Rabbinen Tr. F e u ch t w a n g und Dr. Bauer mit Gemahlinnen und Deputationen verschiedener humanitärer Vereine. Nach Begrüßung der Festgüste durch Präsidentin Frau Amalie Beck und der Eröffnungsansprache des Herrn Rabbiners Dr. Bauer hielt Herr Regierungsrat Dr. Schlag eine lebhafte akklamierte Festrede, die in ein Hoch auf Seine Majestät den Kaiser ausklaug. Nach Vortrag des „Hallelujah" und der Volkshymne durch Herrn Oberkantor Quartiu samt Chor vom; YIII. Bezirke wurde der Rundgang unter Führung des Herril Architekten! M o d e r n angetreten. Die Pläne znnl Umbau wurden vom Herrn Architekten , Modern entworfen, die Arbeiten von Herrn Stadtbanmeister B a r b e r I ausgeführt. Der Verein „Rekdnvaleszentenheim" wurde vor zirka zehn i Jahren ins Leben gerufen und durch das emsige und rührige Wirken seines ' Vorstandes kam er in die Lage, aus Anlaß des 60jährigen Regie-! rungs-Jnbiläums unseres Kaisers sein schönes Heim er- ' öffnen zu können. Das „Heim" ist ein einstöckiges, villenarrig gebautes! Hans, welches aus zwei Trakten besteht. Im ersten Trakt befinden sich! Schlafcänme, Speisesäle, Tagränme, Bäder, Waschzimmer. Bureaux, Wohnung der Verwaltung, im zweiten Trakt die Küche niid Nebenrüuine; für das Hanspersonal. Die Villa liegt inmitten euies großeii, schattigen! Gartens, in dessen Hintergrund sich ein neuerrichteter Jsolierpavillon befindet. Die schöne Feier war um 10 Uhr beendet und die zahlreichen Gäste; verließen hvchbesriedigt das neue Heim. Wien. > I a h r ui a r k t f e st für groß ü n d 4 l e i n.) Ueberaus - reges Treiben herrschte am Sonntag in dem Räumen des Hotel Komineutal,! die in geschmackvoller Ausstattung den Rahmen des Jahrmarkcfestes bildeten, welches nun seit einer Reihe von Jahren vom Mädchenkomitee „Die Jugend für die Jugend" zugunsten armer, skrofulöser Kinder veranstaltet wird. Nebst Ringelspiel und Wurstel und einer Reihe von Buden, in welchen allerlei Näschereien feilgebyren^wnrden, gab es für die großen und kleiiien Besucher auch künstlerische Darbietungen, die den lebhaftesten Beifall fanden. Die kleinen Schwestern S t e i n l e i n von der Balletschule der Hofoper entzückten durch die Grazie und den Schick ihrer Tänze. Große Heiterkeit fanden die gelungenen Kopien unserer beliebtesten Soubretten, welche von den Geschwistern Finkler, gleichfalls einem Kinderpaare, höchst gelungen ausgeführt wurden. Schnellzeichner R o b i n s entledigte sich unter vielem Beifall humorvoll seiner Aufgabe. In einem improvisierten Kaffeehaus, einer Konditorei und einer Bodega, walteten eifrigst die Damen des Komitees in geschmackvollen Kostümen ihres Amtes und eine mit reichen Gewinsten dotierte Tombola fand zahlreichen Zuspruch. Die Ausschmückung der Räume und Buden, welche von den Herren Oberinspizient Fried und Schikaneder der k. k. Hofoper besorgt wurde.

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