Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 41 (23.10.1908)
- Date
- 1908-10-23
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 41. Die Wahrheit Leite 7. Sprache verfaßten Kommentare auch nur dem Namen nach den Wiener jüdischen Kaffeehausbesuchern, und selbst den des Hebräischlesens Unkundigen, bekannt werden würde, brachte es die „Oesterreichische Wochenschrift" fertig, das ans babylonischen Hochschulen stammende, über zwölf Jahrhunderte alte Buch für eine Woche wenigstens dem Titel nach populär zit machen — freilich nur um, nach Zenons berühmtem Trugschluß, das Halbe sei gleich dem Ganzen, durch einen bestenfalls als Halbwisser zu bezeichnenden Rezensenten die Summe der allein nn ersten Hefte niedergelegten Arbeit, so weit an ihm liegt, zn vernichten. Wenn sonst eine den allgemeinen jüdischen Angelegenheiten gewidmete Zeitschrift ein derartiges Spezialwerk aus seiner Weltabgeschiedenheit hervorholt, so geschieht es, um den Verfasser oder Herausgeber zu ermutigen und weitere Kreise zur Förderung des Unternehmens anfzurütteln; unser ganzes Gemeindeleben hat ja keinen Sinn, wenn nicht, bei der überhand nehmenden Unkenntnis unserer Religionsquellen, die Thora in der heiligen Lade und die wenigen Sonderlinge, die sich noch ihrer Erforschung widmen, bei den Freunden' des Judentums einige Achtung und Sympathie finden: „ween lonu. sckijur rak kataurok kasaus". Dem genannten, „den Interessen des Judentums" gewidmeten Blatte blieb es Vorbehalten, den Versuch zu machen, ein in der jüdischen Wissenschaft als Desiderinm ersten Ranges erkanntes Werk schon bei seiner Ankündigung, ja bevor noch selbst das erste Heft in den Buchhandel gekommen ist) in der jüdischen Oeffentlichkeit zu diskreditieren. Es wird nicht seine Schuld sein, wenn ihm das nicht gelingen wird. I. Meine ,.S ch e e l t o t h" in kompetenter Beurteilung. Seit dem Jahre 19QO mit dem Studium der in Europa vorhandenen Handschriften der„Scheeltorh" befaßt (der sel.Dr.Joel M ü l l e r hatte bereits nach Erscheinen meiner ersten Arbeit über die Geonim, 1692, meine Aufmerksamkeit auf dieses Forschungs- Gebiet gelenkt), konnte ich 1905, nachdem mir durch Intervention unseres k. n. k. Ministeriums des Aenßeren von der französischen Regierung die in der Bibliotkeque nationale in Paris aufbewahrten Codices nach Wien gesandt worden waren, an das schwierige Werk einer wissenschaftlichen Edition des für die talmudische Textkritik wie für die Kultur- und Religionsgeschichte des Judentums so wichtigen Werkes schreiten. Die ungeheuer mühselige und minutiöse Arbeit am Texte, von dem jedes Wort in sieben Handschriften verglichen werden mußte, wurde noch besonders durch Beifügung eines erläuternden Kommentars erschwert, und, trotz des Dräilgens der Gelehrtenkreise ans eine Beschlennigung der Herausgabe, ließ ich nur zögernd im Juni d. I. den elften Bogen als Probeheft erscheinen. Vor dem Drucke hatte ihn Prof. Dr. Wilh. Bache r gelesen; er beglückwünschte den Herausgeber zum Beginn der Drucklegung und machte zn Einzelheiten Bemerkungen, die bei der Korrektur Berücksichtigung fanden. Nach Erscheinen des Probeheftes schrieb mir Grand Kabbin Israel Levi, Herausgeber der „Eevue des Etudes Juives“, des vornehmsten Organes der jüdischen Wissenschaft: „J’ai recu le 1er fascicule de votre edition de m'nb'W et vous felicite tres sincerement de votre travail, concu selonles exigences dela Science.“ (Ich beglückwünsche Sie ganz aufrichtig zu Ihrer Arbeit, die vollkommen den Anforderungen der Wissenschaft entspricht.) Herr Oberrabbiner Dr. L ö w in Szegedin, einer der in jeder Beziehung kompetentesten Beurteiler, drückte nach Durchlesen des Heftes seine besondere Freude aus und erbot sich spontan, für die Beschaffung der Mittel zur Fortsetzung der Edition zn tvirken. Er schrieb auch (wie ich erst dieser Tage erfahre) ohne mein Zutun nach Amerika, um den dortigen Rabbiner-Verband für die Aufbringung der Geldmittel für meine so wichtige und zugleich kostspielige Edition zu interessieren. Es drückten mir ihre Zustimmung und Anerkennung aus die. Herren Rektor Prof. Dr. A. Schwarz und Prof. Dr. S. K r a ns von der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Wien; Prof. Dr. A. B ü ch l e r, Rektor des israel. Seminars in London („Ich freue mich aufrichtig, daß Ihre Arbeit soweit gediehen ist, daß Sie deren Druck beginnen konnten. Hoffentlich treten keinerlei Störungen ein die das regelmäßige Erscheinen der Veröffentlichung anfhalteu würden. Ihre Einzelbemerknngen zn sachlichen Schwierigkeiten sind sehr notwendig und nützlich"); A. Sowie y, Nachfolger des fel. Dr. Neubauer als Bibliothekar derBodleyana in Oxford, wo zwei der von mir benützten Handschriften liegen („Yery many tkanks for sending me tke beginning of your great edition of Rab Akai. It will be a most valuable wor ktt); die Rabbiner der jüdischen Gemeinde in Berlin, Dr. Jos. E s ch e l b a ch e r (der vom Probebogen schreibt, „d a ß e r e t w a s V o r r r e f f l i ch e s v e r h e i ß r und dieses i n t e r e s s a n t e W e r k z u r r e ch t e n Geltung zu bringen geeignet i st") und Prof. Dr. M a y b a n m (der es der Zunz-Stiftung dringend empfahl); Dr. El bogen, Dozent an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin; Oberrabbiner Dr. L e r n e r in Altona; Professor D. S i m o u s e n, vormals Oberrabbiner in Kopenhagen, der zugleich beifügt, daß er das Werk an die „G esellschaft z u r F ö r d e r u n g der Wissenschaft des Judent n m s" in Berlin aufs wärmste empfohlen habe. Inzwischen haben sowohl diese Gesellschaft, sowie die Z n n z-S l i s t u n g (ans Grund der über das Heft erstatteten Gutachten von Professor Dr. G o l d z i e h e r in Budapest und Dr. E. B a n e l h, Dozent für talmudische Literatur an der Lehranstalt in Berlin, für die Edition Subventionen bewilligt. Anch eine dritte wissenschaftliche jüdische Bereinigung hat sich, nach dem Studium meines Probeheftes, beeilt, ihre Fittige über meine Edition auszubreiten. Es wurde nämlich anläßlich des Orientalisten-Kongresfes im vorigen August in Kopenhagen in einer separaten Beratung' der versammelten jüdischen Gelehrten ans allen Ländern (anwesend waren n. A. anch die Herren: Dr. Braun aus Breslau, die Professoren Dr. L. G i uz b er g und Dr. Friedlände r vom Rabbinerseminar in New-Iork, Pros. Chayes von Florenz, Rabbiner Dr. P o z n a u s k y aus Warschau, Mr. Elkan Adle r, Bruder des Chief Rabbi, und Dr. S. D a i ch e s ans London, Mo'ise S ck w a b aus Paris, Dozent Dr. I a h u d a und Dr. Eugen Mittwoch öon Berlin, Oberrabbiner Dr. V e n e l i a n e r von Neupest) die vor einigen Jahren eingegangene Gesellschaft „Mekize Nirdamim“ zur Herausgabe wichtiger hebräischer Handschriften neu ins Leben gerufen und vom Komitee einstimmig beschlossen (ohne daß ich es beantragt hätte), als erstes Werk des ersten Jahrganges der Publikationen meine „Scheeltoth" aufzuuehmen. Unabhängig davon wurde in öffentlicher Sitzung der semitischen Sektion über Antrag des Herrn Pros. Simonien und des bekannten Orientalisten Prof. Dr. Kautzsch aus Halle vom Kongreß auf Grund meines Referates am 17. August eine Resolution gefaßt, wonach meitie Edition der wissenschaftlichen Welt besonders empfohlen wird. Ich kann also über den Wert derselben vollkommen beruhig: sein. II. Al-Charis i .1899." Der Rezensent stöbert in meiner wissenschaftlichen Vergangenheit, von der ihm nur „meine" Ausgabe von Al-Charifis „Tackkemoni“ und zu dieser wiederum nur die Kritik von Dr. Brody bekannt ist. Jenes Buch enthält: a) den ohne meitle Kontrolle vor 1895 gedruckten Text; b) Anmerkungen von mir, die der Verlag nachträglich ausgenommen hat (1895); c) eine vorangedruckte ausführliche Einleitung und Biographie Charisis, f ü r d i e a l l e i n ich die v o l l e Verantwortung übernahm. Dr. Brody, ein Sachkundiger speziell auf dem Gebiete der mittelalterlichen Prosodie, fritifterte nun den Text jener Ausgabe, der ihn allein interessierte, und für den er mich verantwortlich machte, während er die ausführliche Einleitung zum Buche und die darin enthaltene u mfassende Biographie Charisis, welche tatsächlich (nebst einer Anzahl wissenschaftlicher Erläuterungen im Anhang) als meine Leistungen zu betrachten sind, mit Stillschweigen überging. Er wußte wahrscheinlich nicht, und die „Oesterreichische Wochenschrift" weiß es noch heute nicht, daß das Buch nur der Teil einer billigen Volksausgabe mittelalterlicher Klassiker ist, die der Verlag „Achiasaf" in Warschau veran-