Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 40 (9.10.1908)
- Date
- 1908-10-09
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40. Die Wahrheit. L-ete 9. Vorstand der Potsdamer jüdischen Gemeinde mit R.-A. Dr. F riedländer an der Spitze die Konferenzteilnehmer in der gastlichsten Weise empfing und bewirtete. Im Laufe der über sechsmonatlichen vorbereitenden Tätigkeit sind dem Komitee zahlreiche Sympathie-Kundgebungen zugegangen, von denen nachstehende im Auszug angeführt seien: Baron Albert v. Rothschild, Wien. Ans dem Schreiben des Herrn Emil Horner. Prokurist des Hauses S. M. v. Rothschild, Wien: „Herr Baron v. Rothschild steht dem zu unternehmenden Werke sympathisch gegenüber und wünscht demselben bestes Gedeihen im Interesse unserer bedrängten Glaubensgenossen." Herr Narcisse Leven, Präsident ber-J. C. A. und der „Alliance Isr. Un.“, Paris: „Je me permets d’esperer, qu’il en sortira de vos deliberations quelque resolution utile ä la cause commune. Veuillez rn’en faire part. et s’il me parait, que mon concours puisse vous servir, je vous le donnerai bien voiontiers.“ Herr Konsul Franz P h i l i p P s o n, Bizepräs. des I. C. A.. Brüssel: „Meine besten Wünsche begleiten Ihre Tätigkeit, die, wie ich hoffe, zum Segen unserer Glaubeusgenossen gedeihen wird." Dr. Alfred Stern, Präsident der Israel. Kultusgemeinde Wien: „Ihrem Plane auf Konstituierung einer zielbewußten Bereinigung der Kolonisationsunternehmungen stimme ich bei. Sollte eine nach dieser Richtung Erfolg versprechende Aktion unternommen werden können, so will ich mich sehr gerne daran beteiligen und mich bemühen, daß der Kultusvorstand und auch die Wiener Allianz hierbei mithin." Dr. Gustav K o h n, Bizepräs. der Israel. Knltnsgem., Wien: „Ich beeile mich, Ihnen mitzuteilen, daß ich in Allem und Jedem mit den in Ihrem Elaborat mitgeteilten Beschlüssen und Maßnahmen voll und ganz übereinstimme und soweit meine schwachen Kräfte reichen, mich Ihnen gerne zur Verfügung stelle." Jnstizrat Dr. Ofner, Präs, der Syuagogengemeinde, München: „Die Bestrebungen, welche die Gründung einer Allgem. Jüdischen Kolonisations-Organisation bezwecken, begrüße ich freudig. Ich bin gerne bereit, das zu unternehmende Werk zu fördern und mich an seinen Arbeiten zu beteiligen." Geh. Hofrat Josephthal, Präs, der Syuagogengemeinde, Nürnberg: „Den notifizierten Bestrebungen ist meine lebhafte Sympathie gewidmet." Alliance Jsraelite Universelle zu begrüßen. N a o u m Pascha bereitere der Abordnung freundlichsten Empfang und dankte ihr herzlich für die Bewillkommung. Er wisse die Dienste zu schätzen, die die Alliance Jsraelite Universelle der Türkei geleistet habe, indem sie dort Unterrichtsanstalten schuf und den Gedanken des Fortschrittes verbreite. Der Alliance Jsraelite Universelle sei es zuzuschceiben, daß die Israeliten der Türkei an der Eruenernng des Landes teilhaben können, die im ganzen ottomanischen Reich so große Begeisterung erweckt hat. — Der Präsident der Alliance, Herr Leven, erinnerte m seiner Erwiderung daran, daß die Türkei die Israeliten während eines schmerzlichen Abschnittes ihrer Geschichte mit herzlicher Teilnahme anfgenommen und ihnen seitdem zahlreiche Zeugnisse ihres Gerechtigkeitssinnes gegeben habe. In allen Schulen der Alliance lernen die Kinder ihr Vaterland lieben und ihm treu dienen. Jetzt, da sie zur Betätigung im öffentlichen Leben aufgefvrdert sind, werden sie ihre Bürgerpflicht zu erfüllen wissen. Dr. R o s e u b a ch e r. Präs, der Israel. Knltusgemeiiide. Prag: „Ich bitte sich überzeugt zu halten, daß id) alles in meinen Kräften Stehende zur Verwirklichung der Beschlüsse der Versammlung veranlassen werde." Dr. B. S t r a u ch e r, ReichsratSabg., Präs, der Israel. Knltnsgem., Czernowitz: „Ich begrüße diese Initiative auf das lebhafteste. . . . Ich bin gern bereit, gleich meinen politischen und nationalen Gesinnungsgenossen des „Jüdischen Clubs" im Oesterreichischen Abgeordnetenhause die Tendenzen der geplanten Organisation nach meinen bescheidenen Kräften zu fördern. Ich bitte daher . . . mich als den Ihren anzusehen, als mittätig und mitw'tlend an der schönen Aufgabe und der großen Arbeit für unser Volk und werde ich auch bestrebt sein, die allenfalls mir zugewieseneu Arbeiten zu besorgen." Baron David v. Günzbnrg, Petersburg : „Schon lange wartete ich aus die Gründung einer solchen Gesellschaft und ich begrüße mit Freude Ihren Entschluß. Ich hoffe, daß Ihre großherzige Unternehmung gedeihen wird. Der „Emigrant", der unter meiner Aufsicht erscheint, könnte ganz gut geeignet sein, den Ideen der Organisation Dienste zu leisten." Louis M a r s h a l l, New-Iork: „Es ist mein innigster Wunsch, daß die Konferenz einen bedeutenden Beitrag zur Lösung der Judenfrage liefere und daß es in aller Bälde geschehen möge, daß die Söhne Israels zu beiden Seiten des Ozeans sich vereinigen, die jetzigen Verhältnisse zu verbessern." Warme Sympathie-Kundgebungen übersandten ferner: David v. Gut m a n n, Präs, der „Israel. Allianz", Wien. Dr. H a m m e r s ch l a g, Präs. d. Oesterreich. Großloge des U. O. Bnai Brith, Prag. A. H. L e v y. Grand Rabbin du Consistoire Central de France, Paris. Chief-Rabbi Dr. Adler, London. Oberrabb. Dr. G ü d e m a n u, Wien. Rabb. Dr. Gronemann, Hannover. Rabb. Dr. Guttmann, Breslau. Rabbino Maggiore Dr. M a r g u l i e s, Florenz. Rabb. Immanuel L o e w, Szegedin. Landesrabb. Dr. M a n u h e i m e r, Oldenburg u. v. A. Bon Persönlichkeiten, die am Erscheinen verhindert waren, aber sich schriftlich in den Dienst der „A. I. K. O." stellten, seien angeführt: San.-R. Dr. Apfel, Köln. Dr. Bacher. Dir. d. Rabb.-Seminars, Budapest. B. B i r n b a u m, London. Dr. C z e s z e r, Vizepräses der Israel. Knltusgem., Lemberg. Univ.-Prof. Dr. Ehr m a n n, Wien. R. G u b b a y. Großindustrieller, Paris. Dr. Isidor G i n s b e r g, Großindustrieller, Berlin. Dr. Feld m a n n. Stuttgart. Kommerzienrat Heichelheim, Gießen. I. Her z, Lodz. E. Horner, Wien. I. K a n n, Bankier, Haag. Kommerzienrat Langenbach, Darmstadt. Justizrat Dr. L e v i n, Stettin. Levin- E p st e i n. New-Iork. R.-A. Dr. L o e b, Mainz. Oscar L o e w e n b e r g, Bankier, Berlin. Moritz N. Oppenheim, Frankfurt a. M. I. P r a g, Vorstandsmitglied der Anglo-Jew. Assoc., London. Geh. Kommerzienrat R. Sonnentha l, Dessau. Leon T e d e s c o, Paris. David W i s s o tz k y. Moskau. Iork-Steiner, Wien. Paris, 29. September. (Mitteilung aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraelite Universelle.) Gestern hat eine aus den Herren N. L e v e n, Salomon R e i n a ch, Eugene See und Jacques B i g a r t bestehende Abordnung sich zu N a o u m Pascha, dem neuen türkischen Gesandten in Paris, begeben, uni ihn im Namen London. (Oliver C r o m w e l l - F e i e r.) Am 3. September wurde in England der dreihundertste Geburtstag Oliver Cromwells gefeiert. Es gibt in England nur wenige Denkmäler Oliver Cromwells, dieses großen Freundes der Juden; eines befindet sich in Manchester. An diesem Denkmale ließ am Tage der Feier die jüdische Gemeinde von Manchester einen Kranz niederlegen mit einer Inschrift, die au die Gastfreundlichkeit erinnert, die Oliver Cromwell den ersten Juden gewährte. die im Jahre 1638 nach England kamen, um sich dort uiederzulassen. Die ganze Presse von Manchester nahm von diesem Akte der Dankbarkeit freundlich Notiz. Aus Petersburg. Es ist nicht weiter verwunderlich, daß in Rußland angesichts der unglaublichen Anzahl von Beschränkungen der Inden und deren einschneidender Wirkung auf alle Lebeusverhältnisse sich immer eine große Anzahl wenig charaktervoller Juden fanden, die den äußerlichen Üebertritt zur griechisch-orthodoxen Kirche dem dauernden Kamps vorzogen. Manchen ist das bisweilen sehr schwer geworden, aber es blieb Einzelnen oft keine andere Wahl. In neuerer Zeit beginnt aber die Tanfseuche vielfach auch solche zu erfassen, die nicht vor einer fast unerbittlichen Notwendigkeit stehen, sondern die den Üebertritt einfach aus Bequemlichkeit vollziehen. Nun kann man nicht einmal sagen, daß die ruffisckie Regierung die Taufe besonders erleichtert, wenn natürlich auch für den Getauften alle Beschränkungen, die für die Inden gelten, mit einem Schlage fallen. Eine kleine raffinierte Anordnung ist es, die auch den Getauften noch stigmatisiert und ihm das Leben oft recht unbehaglich macht. Es wird den Getauften nämlich in den Paß, den bekanntlich jeder haben muß, hinter der Angabe seines gegenwärtigeu Glaubens eingetragen „früher Jude". Trotz dieser und noch mancher anderen kleinen Schikanen beginnt die Tauferei in Rußland allmählich große Dimensionen anzunehmen, und es lassen sich jetzt gar viele laufen, nur um in eine Schule oder um in eine Universität anfgenommen zu werden, was früher immerhin selten voikam. Es wäre au der Zeit, daß die leitenden Kreise der jüdischen Organisationen in Rußland dieser Erscheinung ihre ernste Aufmerksamkeit zuwendete». Ist auch in vielen Fällen an dem Getauften für das Judentum wenig verloren, so bleibt doch jedenfalls die starke Zunahme der Taufen ein bedenkliches Zeichen der Erschlaffung. Austritte aus dem Judentum. Lemberger Frieda, ledig, geb. 7. Juli 1880 in Wien, VIII., Piaristengaffe 1. . Freisinger Leo. Privatbeamter, verheiratet, geb. 29. November 1877 in Pilsen, XII., Schönbrunnerstraße 140. Freist u ger Gertrud geb. Breslauer. Privatbeamtensgattin, geb. 29. Oktober 1878 in Lipine (Ob.-Schlesieu), XII., Schönbruunerstraße 140. Kapper Ilse, Komvtoiristin, ledig, geb. 7. August 1883 in Wien, XVII., Braungaffe 14. Straßer Karl, Fabrikant, ledig, geb. 4. März 1877 in Wien. XIV., Diefenbachgaffe 33. Schwarz Ludwig, abs. Jurist, ledig, geb. 3. April 1883 in Wien, 11., Taborstraße (Hotel Kontinental). H i r s ch f e l d Friedrich, Disponent, ledig, geb. 2. Juli 1882 in Linz tOberösterreich), XVI., Lercheufelderstraße 53. H o f m a u n Josef. Komptoirist, ledig, geb. 12. Dezember 1883 in Strakonitz (Böhmen). IV., Margarethenstraße 31. Pollak Artur, Fabrikant, verheiratet, geb. 5. Juni 1864 in Prag, 111., Gärtuergasfe 5. Pollak Franz G u st a v, Gymnasiast, geb. 27. September 1894 in Wien, III., Gärtnergaffe 5. Goldmann Mari e. Privat, ledig, geb. 8. Juli 1880 in Wien, XIII., Altgasse 21. Adel Emil, k. k. Postamts-Praktikant, ledig, geb. 11. August 1880 in Lhota, IV.. Weyringergasse 4. Blatt Elsa. Hofovernsängerin, ledig, geb. 15. April 1880 in Wien, 1., Opernring 7. Heller Amalie, Journalistenstochter, geb. 9. Juni 1881 in Wien, (laut Zuschrift des Stadtrates Brünn. Isr. Matrikelamt Brünn.) Die nächste Nummer erscheint des Sukkothfestes halber am 23. Oktober. W» fs.ixz&p-v'rv?,' v-- ---»iw*:' w. -.aarsi