Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 40 (9.10.1908)
- Date
- 1908-10-09
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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'teile 8. Die Wührden Nr. 40 Fügen wir diesen Ausführungen Sieinthals noch hinzu, daß es im Gebete für die Vorbeter im pifijos) von diesen heißt: „Sie führen dein Volk an dir. o Gott, vorüber, und sie schreiten vermittelnd zwischen dir n 11 b i h m, die Angen deines Volkes hängen an ihnen und ihre Augen schauen harrend zu dir ... , und dein Volk birgt sich hinter ihnen wie Himer einer Mauer," so gelangen wir zu folgenden Schlüffen: 1. Die Kantoren können sich iw Bewußtsein dieser ihrer eminenten Bedeutung unmöglich zu jener Null degradieren lassen, die mancher kleine Rabbiner aus ihnen machen will. 2. Die Herren Rabbinen sind als Lehrer der jüdischen Wissenschaft verpflichtet, die Beschlüsse des Wiener Jubilänms- Kautorentages wärmstens zu unterstützen, unbekümmert darum, ob die Kantoren es verstanden haben, ihre Ansprüche mit Glacehandschuhen zur Geltung zu bringen oder nicht. Recht muß eben Recht bleiben. 3. Die Knltnsgemeinden müssen aus den zitierten Lehrsätzen ersehen, daß der jüdische Kantor derjenige war und ist, der bislang die Hierarchie im Judentnme und dadurch den Masseuanstritt ans demselben verhinderte. Die Knltnsgemeinden sind daher verpflichtet, die Stellung, des Kantors zu einer höchst ehrenvollen zu gestalten, damit sich intelligente, würdige, gebildete jüdische Sänger, zum Heile des Judentums, dem Kantorenstande widmen. Verschiedene Nachrichten. Wiener-Neustadt. Am Jom-Kippur ist hier Frau Dr. Olga S t r a u ß, die Gemahlin des Gemeindearztes Dr. W. S t r a u ß in Höflein, die bei ihren Eltern zu Besuch weilte, Plötzlich gestorben. Die Trauerbotschaft wirkte aus alle Betenden sehr deprimierend. Die außerordentliche Beliebtheit, deren sich die Eltern der Verstorbenen, Herr und Frau S o n n e n s e l d, hier ersrenen. kam auch bei dem Leichenbegängnis am 7. d. M., zum Ausdruck, wo Herr Oberkantor Landau, erst von einer schweren Krankheit genesen, ergreisend die Trauerpsalmen vorrrng. A. Z. Berlin. (Konferenz jüdischer N o t a b e l n. 19. bis 21. September 1906). Zweiter Bericht. Der Konferenz war Sonnabend, den 19. September ein Begrüßnngsabend im Restaurant S. Breslauer vorangegangcn, der bereits die Mehrzahl der Konferenzteilnehmer vereinigte. Viele der Anwesenden waren in Begleitung ihrer Gatrinen oder Töchter erschienen. In einer Begrüßungsansprache feierte Just:zrar Dr. M. H o r w i tz-Beriin die Idee der Enugung, die so zahlreiche Glaubensbrüder aus verschiedenen Ländern hierhergeführr habe. Bei der Tafel sprachen dann noch die Herren Baurat S t i a ß n y- Wien, Prof. S t e i n-Bern, Prof. M a n d e l st a m m-Kiew, Dr. A. K l e e- Berlin, Dir. A. Schwär z-Mähr.-Ostrau, Dr. F. Oppenheimer- Berlin teils über den Zusammenschluß der Inden, teils über die Bedeutung des jüdischen Kololiisanonswerkes. Die Vormittagssitzung,der Konferenz am 20. September war der Frage des Zusammenschlusses, der jüdischen Organisationen gewidmet. Nachdem Justizrat Dr. Maximilian H o r w i tz die Anwesenden begrüßt, hob er mir Wärme hervor, daß, wenn die gegenwärtige Konferenz zustande gekommen sei und die geplante Aktion auf Erfolg hoffen könne, dies in erster Linie der unermüdlichen organisatorischen Arbeit ihres Initiators Dr. Alfred N o s f i g zu verdanken sei. Es wurde hierauf ein Bureau gewählt, bestehend ans den Herren Justizrat Dr. M. Horwitz als Vorsitzenden, k. k. Baurat Stiaßny- Wien als zweitem Vorsitzenden. Hermann L a n d a u-London, Prof. Dr. M a n d e l st a m m-Kiew, Prof. Dr. Ludwig S t e i n-Bern, M. A. S p i e lm a n n-London. Nach dem Referat von Dr. Alfred N o s s i g über den „Zusammenschluß der Organisationen," dessen Hauptteile in einem folgenden Bericht veröffentlicht werden sollen, wurde auf Antrag von Dr. Paul Nathan zunächst darüber beraten, ob eine Gesamtorganisation zweckmäßig sei, hierauf über die Frage, welche Aufgaben der Gesamtorganisation zuzuweisen seien. Der Standpunkt des Redners kommt in der von ihm vorgeschlagenen, ans dem vorangehenden Bericht bekannten Resolution zum Ausdruck. Pros. Dr. Stein-Bern: „Auf dem Boden des Vorschlages der „Jca" läßt sich ein Ausgleich der Meinungen noch nicht erzielen. Erforderlich ist ein permanenter Äreopag der Jndenheit, der mindestens zweimal jährlich zur Besprechung aller notwendigen Fragen, vor allem zur Abwehr drohender Gefahren, zufammentritt und in dem sämtliche Organisationen gemäß ihrer Stärke vertreten sind." Prof. Dr. P h i l i p p s o n - Berlin: „Die Tätigkeit der Gesamtorganisation soll sich nicht lediglich auf Abwehr erstrecken, sondern vor allem in positiver, schöpferischer Wirksamkeit gipfeln, der Hebung der wirtschaftlichen und kulturellen Lage unserer Glaubensgenoffen im Osten gewidmet sein." Dr. Paul Nathan-Berlin: „Der Zusammenschluß der Orgaiijsationen darf nicht so gedacht sein, daß sie alle in der neuen Keiamtorganisation aufgehen. Die Arbeitsgebiete der einzelnen Organ Nationen müssen abgegrenzt und ihre Selbständigkeit gesichert sein. Es genn.'.r eine weitgehende Interessengemeinschaft. In dem Ausschuß muß auch r.iu- Vertretung aller derer angestrebt werden, denen geholfen werden ü'ü, der Russen, Rumänen u. s. w. Aber auch die Vertretung der Lünder ohne große Organisationen ist erforderlich. Auf eine proportionale Birurumg der Organisationen kommt es nicht an, da eine Majorisierung r.nsgcschlossen ist. Hauptsache ist die Vertretung aller." An der weiteren Diskussion beteiligten sich die Herren Dr. B e ndiene r-Prag, Baurat O. Marmore k-Wien, Dr. P a s m a » ck-Genf, Geh. Rat P i nn e r - Berlin, Landtags-Abg. Dr. Cohn-Dessin. Dr. F. Oppenheimer-Berlin, R.-A. Dr. Klee-Berlin, Komm.-z^nrat Benj. H i r s ch-Halberstadt u. A. In der Nachmittagssitzung wurden zunächst Maßregeln zur Durchführung der einstimmig angenommenen, von Dr. F. Nathan e,ngebrachten und von Pros. Philippson amendierren Resolution ln raten und vertrauliche darauf bezügliche Beschlüsse gefaßt. Hierauf trat man in den zweiten Teil der Tagesordnung „Kolonisatorische Wirksamkeit der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organ muoit" ein. Nach den Referaten von Dr. Alfred N o s s i g „Leitende Jde u und Arbeitsplan der A. I. K. O." und Dr. G. H e y m a u n - Berlin ,i:: Vertretung des Herrn Oskar Wassermann-Berlin) „Indischer Indunrie- Kreditfonds", die in weiteren Berichten auszugsweise veröffentlicht w.rden sollen, entspann sich eine längere Debatte, an der sich hauptsächlich nachstehende Herren beteiligten: Dr. H. Hildesheimer-Berlin, Konsul A. F r i e d e m a n n-Berlin, Dr. Edmund K o h n-Wien, Prof. Mandelst a m m-Kiew, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. A r o n-Berlin. Hermann L a n - d a n-London. Dr. H i r s ch-H i l d e s h e i ni e r-Berlin spricht seine Freude darüber ans, daß das jüdische Kolonisationswerk im Orient, dem i r nun seit über einem Viertcljahrhundert seine Kräfte gewidmet, gegenwärtig das Verständnis und die tatkräftige Förderung der maßgebenden jüdischen Kreise gewonnen habe. Pros. Mandelstamm-Kiew begrüßt nur Genugtuung den Umschwung in der Türkei, dem es zu danken sei, daß zunächst die Palästina-Kolonisation erhebliche Fortschritte machen könne. Diese genüge jedoch nicht zur Lösung des östlichen Ghettoproblems. Dazu sei die Erschließung eines viel größeren Gebietes, etwa Mesopotamiens, für die Juden erforderlich. Redner hofft, daß sämtliche Organisationen im Verein dieses Werk unternehmen werden. Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. Aron-Brlin: „Wenn ein so gewaltiges Werk wie die Besiedelung eines Gebietes durch Juden in Angriff genommen wird, so muß es auch eine neue Evoche inaugurieren. Die jüdische Kolonisation muß auf geiiossenschaftlicher Grundlage sich aufbauen." Hermann Lauda n-London: „Ich kenne genau den armen jüdischen Mann und weiß, was ihm Not tut. Ich kenne auch die beiden jüdischen Kolonisarionsgebiete, Amerika und den Orient. In Am-rika werden die Emigranten bei der Landung in empörender Weise behandelt. Argentinien ist ein moralisch versumpftes Land. Ich habe politische Pläne der Zionisten stets bekämpft. Aber ich halte den Orient für ein vorzügliches Ansiedlungsgebiet für die Juden, besonders jetzt, wo die Türkei eine Verfassung und eine moderne Regierung erhält. Wir müssen eine Kolonisations-Organisation gründen, aber eine wirklich leistungsfähige, eine Weltorganisation. Die Vermögenden werden größere Beträge spenden: aber auch die minder Bemittelten müssen dabei sein und ich bin überzeugt, daß selbst die Aermsten gerne 5 Shilling pro Kopf entrichten werden, und sei es gegen wöchentliche Abzahlungen. Die hervorragendsten Glaubensgenoffen werden sich an die Spitze der neuen Kolonisations-Aktion stellen, aber wir dürfen nicht mit leeren Händen vor sie hintreten, sondern mit einer gut vorbereiteten Organisation." Nach Annahme der bereits veröffentlichten Resolution, die die Kolonisations-Angelegenheit dem permanenten vorbereitenden Komitee zur weiteren Beranlaffnng überweift, wurde die Frage der Beschaffung eines Betriebsfonds für die unternommene Aktion besprochen. Ans Antrag von Dr. Alfred Nossig wurde eine Finanzkommission mit dem Rechte der Kooptation zunächst ans folgenden Herren gewählt: Jules Dreifus- Brodsky - Basel, Hermann L an d a n - London, Kommerzienrat A. L ö w e n b e r g - Berlin, Kommerzienrat A. S t e r n b e r g - Breslau, Bankier M. A. Straus- Karlsruhe. Am Abend fand ein vom „Jüdischen Kunstverein". Berlin, zu Ehren der Konferenzteilnehmer im Architektenhause veranstalteter Jüdischer Knnstabend statt, der sehr anregend verlies. Montag, den 21. September 10 Uhr vormittags, trat die Finanzkommission zusammen, die eine Reihe von Beschlüssen zwecks Beschaffung der erforderlichen Mittel faßte. Um die Durchführung der Beschlüsse hat sich Kommerzienrat A. Sternber g-Breslau besonders verdient gemacht. Namhaftere Beiträge für den Betriebsfonds zeichneten bis jetzt: I. D r e y f u s-B r o d s k y-Basel, H. Lauda n-London, Kommerzien-Rat A. S tern b erg-Breslau, M. A. Straus-Karlsruhe, I. H. Chischin- Moskau, Kommerzien-Rat M. H a l p e r n-Kiew, I. H e r z-Lvdz, kais. Rat L. S a ch s-Wien, D. W i s s o tz k y-Moskau, R. Go tz-Moskau, M. A. Spielmann-London, Dr. Schafs-Lemberg, Gustav Tu ch-Hamburg, Dr. S o n n e n s ch e i n-Troppan, Geh. Reg.-Rat Prof. Dr. A r o n - Berlin, S. Berge l-Berlin, k. k. Baurat W. S t i a ß n Y-Wien, Professor Dr. O. W a r b.u r g-Berlin, Dr. Paul N a r h a n-Berlin, k. k. Baurat O. Marmore k-Wien, Pros. Dr. S i m v n s e n-Kopenhagen. Um 12 Uhr fand eine Sitzung des permanenten Komitees statt, das über die Durchführung der Beschlüsse der Konferenz beriet. Den Abschluß der Konferenz bildete ani Nachmittag ein Ausflug nach Potsdam, wo der