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Die Wahrheit · 1908-09-25 · Heft 38 (25.9.1908) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 38 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 38. , Die Wahrheit Seite 7. Erörterung der Einzelheiten des mosaischen Ursprungs des Pentateuch, oder des RitUs.in der Synagoge, oder des Scheidungsgesetzes verliere. Das Leben ..unseres" Volkes — womit sie nicht das englische, sondern das jüdische meinen — ist gefährdet, und wir dürfen uns den Kops nicht mit Theorien und Zweifeln belasten. Sie müssen warten, oder nebenbei gelöst werden, da sie ja als religiöse Schwierigkeiten zurückstehen müssen. Das Heden und,Mir Ken der Inden in Oesterreich in vormiir;lichen Jetten. Ein Beitrag zur Kultur- und Sittengeschichte. Bon Dr. M.ZH. Friedländer. (Fortsetzung.) Der eigentliche Mt der Ehe aber wurde erst bei einer Jungfrau nach einem Jahre, bei einer Witwe aber nach einem Monate nach der stattgehabten Verlobung vollzogen. An diesem Tage wurden, nach der talmndischen Schilderung, folgende Zeremonien beobachtet: Die Braut wurde aus ihrem väterlichen Hause, verschleiert und mit aufgelöstem Haare, das über die Schultern herabwallte, in das Haus des Bräutigams gebracht, schejauzes behimime werauscho perue. (Ketub. 15.) Bei dieser Gelegenheit pflegten manche der Braut einen Kelch voll Weines von Teruma, als Symbol der Keuschheit und Sittlichkeit, zu überreichen. Die bedeutendsten Rabbinen pflegten sogar bei dieser in Rede stehenden Feierlichkeit zu tanzen und in herrlichen Worten die schönen Tugenden, die die Braut schmückten, zu schildern (ibid. 14) rc. Der Bräutigam selber mußte bei dieser Festlichkeit die heule noch in ganz Israel üblichen Beuediktionen „Bircbas Nisuin“, die im Talmud auch Birchas Chosanim genannt werden, sprechen. ' Dem Bräutigam wurde, nach Tal. Bab. batr. 50, Asche aufs Haupt gestreut, ein Trauerzeichen, das ihn an die Zerstörung Jerusalems erinnern sollte. Der Ursprung des Usus, die Braut vermittelst eines Ringes sich zur Gattin anzutrauen — int Talmud ist bloß von Geld oder Geldeswert die Rede — ist in Tosafot Kid. 9, zu finden. Dort heißt es ausdrücklich: Uifichock uchagu hoolam lekadesch betabaas etc. Im Mittelalter aber wurde der ganze Trauungsakt umgestaltet und modifiziert. In der Folge der grausamen Verfolgungen und Bedrückungen, denen die Juden während der langen Jahrhunderte des finsteren Mittelalters preisgegeben waren, sah man sich aus Furcht, der Tod könnte die Brautleute noch vor der eigentlichen Verbindung trennenveranlaßt, die Verlobung und die Verehelichung an eine in Tage vor sich gehen zu lassen, wobei der Bräutigam sowohl die Bircbas Erusin als „Birchas Nisuin“ sprechen mußte. (Vgl. Hagah. Maim. Jschot. 4.) Da es jedoch um jene Zeit, wahrscheinlich infolge der bitteren Verfolgungen wegen, oft vorkam, daß der Bräutigam des Hebräischen völlig unkundig war, so wurde die Rezitation beregter Benediktionen bei Hochzeitsfestlichkeiten einem Fachmann, wahrscheinlich dem Rabbiner der Gemeinde, übertragen (ibid). Dieser Modifikation zufolge mußte auch der Ehevertrag, die „Ketubbah“, bei dem erwähnten Trauungsakte verlesen werden. Die Geonim hingegen verordneten, daß die „Ketuba" bloß der Braut übergeben werde, ohne sie erst zu verlesen. Auch R. Jakob ha Lewi Molu, gewöhnlich „Maharil" genannt, der im 15. Jahrhundert in Mainz als Rabbiner fungierte, hatte es unterlassen, bei einer Trauung die Ketuba vorzuleseu. Welau hojo makpid likrau lau kaketuba welau Latenaim. (Maharil h. Nisuin.) Nicht nur die Benediktionen erlitten eine Veränderung, sondern auch bezüglich des Ortes, wo der Traunngsakt vollzogen werden sollte, wurde eine Veränderung vorgenommen. Während in der talmndischen Zeit die Trauung im Hause des Bräutigams vorgenommen wurde, fand im Mittelalter diese Feier in der Synagoge statt. So z. B. schreibt Maharil h. Nisuin: „Wenn in Mainz im Sommer eine Trauung stattgefunden hat, so pflegte man Donnerstag*') gegen 3 Uhr nachmittags das Minchag'ebet, bei dem das übliche ,Vajaumer David ‘ nicht rezitiert wurde, zu verrichten. Nach Beendigung desselben wurde das Hochzeitsmahl gehalten und dann erst das Abendgebet ,Tefiliat arbr verrichtet. Im Winter hingegen wurde das Hochzeitsmahl erst in der Nacht, nachdem man das Mincha- Und Arbitgebet ohne Zwischenpause nach einander verrichtet hatte, gehalten. Freitag wurde die ganze Gemeinde frühmorgens vom Syuagogendieuer zum Gottesdienste gerufen und zur Teilnahme an der Hochzeitsfeier geladen. Der Rabbiner führte den Bräutigam vor sich her und die ganze Gemeinde unter Vortragnng von Fackeln und Musikbegleitung folgte ihnen nach. Sobald sie im Synagogenhof angelangt sind, verfügten sich die Fackelträger und die Musikanten zur Braut, um sie ebenfalls zum Synagogenhofe zu begleiten. Dort angelangt, führten ihr der Rabbiner und die Honoratioren der Gemeinde den Bräutigam entgegen, der sie an der Hand faßte, während die Anwesenden das Brautpaar mit Weizeukörueru bestreuten, und ihnen dabei die Worte des Psalmisten zuriefen: .Er wahre den Frieden in deinem Gebiete und sättige dich mit dem Mark des Weizens? Hand in Hand gingen die Verlobten bis zur Synagogentür, wo sie sich niedersetzten und einige Augenblicke verweilten. Dann wurde die Braut nach Hause geführt, damit sie ihre Toilette vollende, während der Bräutigam im sabbathlicheu Anzüge in die Synagoge hiueingeführt wurde, wo er neben der heiligen Lade an der nordwestlichen Seite Platz genommen hatte, um dem Morgengottesdienste auzuwohnen. Nach Beendigung des Morgeugottesdieiistes ging nun die Trannngsfeiertickkeir in folgender Weise vor sich: Die Braut wurde unter Musikbegleitung bis zur Synagogenpforte geführt und während sie daselbst verweilte, führte der Rabbiner den Bräutigam zur Emporbühue ,Almemor‘ in die Mitte der Synagoge, und streute ihm, zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems, Asche aufs Haupt, und zwar au jener Stelle, wo die Philakterieu ,Tefillin‘ angelegt werden. Dann verfügte sich der Rabbiner in Begleitung der angesehensten Mitglieder der Gemeinde zur Synagogenpforte, um die Braut abzuholen. Der Rabbiner faßte sie beim Kleide und führte sie zum Bräutigam und stellte sie, nach Pi. 45, 10, zur Rechten desselben. Das Brautpaar stand so, daß das Angesicht nach Norden gewendet war. Die Mütter der Brautleute standen während des Trannngsaktes auf der Emporbühne jAlmemar1, oder es nahmen andere Verivandte diesen Platz ein. Mit dem ,Talit‘, Gebettnamel, oder mit dem Zipfel des Bräutigamsmantels wurde das Brautpaar eingehüllt und der Trauungsakt ging vor sich. Es wurden die üblichen Benediktionen gesprochen, ,Birchat Erusin‘, worauf der Rabbiner zwei Zeugen befragte, ob die Trauung den Wert einer Peruta habe, was jene bejahten. Nachdem dies geschehen war, steckte der Bräutigam den Trauring an den Zeigefinger der Braut und zwei Zeugen mußten die Echtheit der .Ketubabestätigen. Dann sprach der Rabbiner, ohne d i e K e t n b a v o r z u l e s e n, die zweiten Benediktionen, ,Birchat Nisuiir, gab den Brautleuten aus einem Kelch den Wein des Segens zu trinken, und der Bräutigam mußte zum Schlüsse ein Glas an die Wand schleudern" u. f. w. * * * In Nr. 34 haben sich zwei Druckfehler eingeschlichen, die nachstehend berichtig! werden mögen: Seite 6, zweite Spalte, soll es anstatt „holen zu kommen" richtig „holen zu können", und Seite 7 in der Anmerkung anstatt virr Srr richtiger D-isb irr heißen. Verschiedene Nachrichten. Wien. Sonntag, den 20. d. M.. 2 Uhr nachmittags fand im Stadttempel die Trauung des Fräulein Frieda K o h n. Tochter des 1. Vizepräsidenten der Wiener Kulrusgemeinde, Landesschulrat Dr. Gustav K o h u, mit Herrn Med. Dr. Leopold Knopf. Assistent an der allgemeinen Poliklinik statt. Der Vater der Braut ist nicht nur einer der populärsten und verdienstvollsten Männer der Kulrusgemeinde, sondern genießt auch in den weitesten politischen und gesellschaftlichen Wiener Kreisen allgemeine Wertschätzung, und dies manifestierte sich m der ungewöhnlich *) Bemerkt nmß werden, daß es damals in den größten deutschen Gemeinden Usus war, die Hochzeiten gewöhnlich am Freitag zu feiern, was jedoch nach Tal. Ketub. 5 unstatthaft sei.

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