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Die Wahrheit · 1908-09-25 · Heft 38 (25.9.1908) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 38 (25.9.1908)
Date
1908-09-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Redaktion )i. Sldmiiiisti »uoi: Wien. 3 J/, 5kn)inni]n(}s *27. - Trlrl>D«ii t>r l ‘i'i lirfsrci InSüS K. k. österr. Vostsparkassa- Scheck-Künto^Nr. ^»».918. , -Illl'eVrliL Dir l'iermnl griv»ltrilr NonvarriNr-Zeile 2k> Heltrr. rldo»»cinc»lS'!>. ^»Iciri^»»- [ fcfttngr sind in -Wie» znblbur iiitb klagbar. tge Heitschrift für jnöische en. & r ((6 e i* n t jeden Areitn Motto: „Das Bieget (-»octe» ist Wahrheit!“! süH’DuunuitM*: j jj 'MitiMKUjrig jk 14. |! j H»idj,itzr!a >k " -![ ftiir <LnItnS9nn»tr: p 'i'.nniuDi i,t if >» j! iH>> 'Jliieluub : <Mnil^|iilHlg > UN», s 6!>I»vel aber >» Ncr Pr. 38. Wien. 23. September 1908. Inhalt: Aus der Woche. — Ein Buch des Jdealisinus. — Tempelspendeu für die Allianz. — Liberales Judentum. — Das Leben und Wirken der Juden in Oesterreich -in vormärzlicheu Zeiten. — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. — Austritte aus dem Jndentnm. - Liturgische Gesänge für Synagoge, Schule und Haus. — Feuilleton: Chaim'l Dziendobry. Aie geehrten Kerren Abonnenten werden um | umgehende Erneuerung des Abonnements für das j amt. Oktober beginnende 4. Ouartat' ersucht, damit! die regelmäßige Expedition des Blattes keinej Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalbjährig Kr. 7.—, Uierteljährig Kr. 3.50. aber er beißt Niemanden." Mau wird zugeben müssen, daß diese Motivierung weder für Dr. Liteger, noch für seine jüdischen Verehrer ehrend ist. Aber beschämend, unsäglich beschämend ist es, daß Freiherr v. Hock, ohne Widerspruch zu finden, mit Recht schließen, durste: „Kann es nun aber wirklich auch nur einen Juden geben, der vergißt, was Dr. Lileger seinem Volke, der gesamten Judenschaft getan hat mit seinen Beschimpfungen, mit seiner Erweckung des Hasses, mit seiner Verspottung der Gesamtheit der Judenschast ilnd jedes Einzelnen? Gibt es einen Inden, der so charakterlos wäre, das zu vergessen?" 4- 4- K. k. Postsparkassen-Korrto 100.918. Den geschätzten Lesern, Mitarbeitern und! Freunden unseres Blattes entbieten wir. zum j Jahreswechsel die herzlichsten Glückwünsche. l roiiD nk'nni roTD Die Redaktion. Ans der Worhe. Der Herr Bürgermeister Dr. Lueger neimt sich noch > heute, wie ehedem, mit Stolz den eifrigsten Agitator seiner Partei,! der antisemitischen Partei. Er ist es allch. Sollte man es nun! möglich halten, daß es Juden gibt, die nicht nur die Ver-! gangenheit, sondern auch die gegenwärtige politische Haltung j dieses Mannes ignorierend, sympathisch über ihn sich äußern, j weil er von Zeit zu Zeit, wenn es ihm paßt, auch einen anderen! als den antisemitischen Jargon spricht? Dr. Lueger mag ja wohl | den Antisemitismus nur als Schemel betrachtet haben, der ihm! dazil biente, zur Höhe emporzusteigen. Aendert das etwas an! der Wertung seines politischen Charakters? Darf das einen! charaktervollen Menschen, sei er Jude oder Christ, an der moralischen Beurteilung dieses Antisemitenchefs hindern? Oft haben wir dies an dieser Stelle betont, und es ist ein trauriges Zeichen der Zeit, daß jetzt schon von christlicher Seite dies den | — Juden gesagt werden muß. Freiherr v. H o ck sagte in seiner! jüngsten Wahlversammluugsrede: „Die Leopoldstadt hat ja allerj dings zum Kampfe gegen dieses Regime noch einen besonderen! Grund. Man heißt sie immer die Jndenstadt und sicher äst 'ein! großer Teil ihrer freiheitlichen Wähler israelitisch. Ist es nun j n i ch t unglaublich, daß es heute s ch o n I ii b e ix | g i b t, die offen u u d insgeheim, direkt oder indirekt f ü r D r. L u e g e r e i n t r e t e n? Sie motivieren dies," fuhr der Redner fort, „mit dem Sprichwort: Er bellt, Der Redner konnte keinen Widerspruch finden, denn er hatte nur die Wahrheit gesprochen. Aber ein Zwischenruf wurde hörbar, der besondere Beachtung verdient. Es wurde nämlich der Ruf laut, daß selbst ein Gemeinderat jüdischer Konfession sich für die Kandidatur Luegers einsetze. Der Name dieses Gemeinderates wurde nicht genannt. Vielleicht liegt also ein Irrtum, ein Scherz, oder eine Verleumdung vor. Sollte aber der Zwischenrufer die Wahrheit gesagt haben, dann wäre es wohl die Pflicht nicht nur der jüdischen, sondern auch der srelsinnigen Wähler, dafür zu sorgen, daß dieser luegersrenndliche jüdische Gemeinderat, wenn er auch Jude und Lnegerfreund bleiben will, doch aufhöre — Gemeinderal zu sein. 4- 4- * Trotzdem wir die vom Freiherrn von Hock angeführte Tatsache auf das tiefste bedauern und es jederzeit aufs schärfste mißbilligen werden, wenn Juden mit Antisemiten politische Geschäfte machen, können wir doch nicht die Frage unterdrücken, wie es denn überhaupt kommen konnte, daß unter den jüdischen Wählern der Leopoldstadt, die sich doch immer als verläßliche Truppe im Wahlkampfe gegen den Antisemitismus bewährt haben, bei der gegenwärtigen Landtagswahl eine luegerfrenndliche Stimmung zu Tage tritt. Die Antwort ist nicht schwer zu finden und sie bestätigt nur unsere Ausführungen in der letzten Nummer dieses Blattes betreffs der Wahlvorgänge in der Leopoldstadt. Durch solche bedauerliche Symptome wird es offenbar, daß die von den Freiheitlich-Sozialen aufgestellten Kandidaten -bei den jüdischen und fortschrittlichen Wählern nicht allgemeinen Anklang finden und daß die Herren vom Wahlkomitee mehr auf ihre Partei, als auf die Stimmung der Wählerschaft im Bezirke Rücksicht genommen haben. Solche Fehler können sich am Wahltage bitter rächen. 4- 4- Herr Georg Schönerer, einer der Väter des Antisemitismus in Oesterreich, hat kläglich seine politische Rolle aus-

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