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Die Wahrheit · 1908-09-18 · Heft 37 (18.9.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 37 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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<&dle S. Die Wavrdeit Nr.' 37. Verschiedene Nachrichten.! ' iWiert. -XJ-sr. Hum anitäts verein zur Ausstattung h e-ixa ts f ä h i g e r Mäd ch en.) Am 6. d,- M. gelangten in der. Pjepeiuskanzlei..!!.. Schme^gaffe 9, an -25MereinKmitglie^.eine.Hyjratsausstcpftung im Gejämtberräge von L.29220 zur. 'Auszählung. — Der Vizepräsident'des Cremes.' Herr Bernhard' Gr-ü n fsl d. ^begrüßte ist Anwesenheit des Gesamtvorstandes die in den Bezug der VereiusbeneWest trettzrchenLWtzzglieder. und betonte in seiner-Ansprache,'unter welch schwierigen B^hälu^M'-d^neue Vereinsleitung die iPeschäftsführung übernahm.,,Es bedurfte oer gemeinsamen gewissenhaften Arbeit des Gesämtvorständes,' Heu Verein vor dem toralen Zusammenbruche zu bewahren und lassen die bescheidenen Resulrate der bisherigen kurzen Tätigkeit der neuen Vereinsleimng erwarten, daß bei fortgesetzter gewisienhaftcr Arbeit, es derselben mit Unterstützung der Vereiusmitglieder gelingen wird, den Verein auf jene Höhe zu bringen, der ihm vermöge seiner sich gestellten edlen und humanen Aufgabe zukommt. Zum Schlüsse seiner Ausführungen gedachte der Vizepräsident jener Männer, die den Verein ins Leben gerufen haben. — Es muß bei gerechter Einsicht zugegeben werden, daß für die gering eingezahlren Berräge, welche die in Bezug der Bereiusbenefizien getretenen Mitglieder geleistet haben, die Prämienauszahlung eine immerhin nennenswerte ist und daß durch den Verein so manchem Ehepaare der Grundstein zu seinem ehelichen Leben gelegt wurde. Wien. (P r i v a t- Tur nsch u l e.) Die Einschreibungen ander vom hohen k. k. Landesschulrate konzessionierten Privat-Turnschule für Knaben und Mädchen im II. Bezirke, Malzgasse 16, des städt. Lehrers Leopold Richter, finden im Mouare September in dessen Wohnung, II., Leopoldsgasse 6—8, statt. Es wird um rechtzeitige Anmeldung wegen Bestellung geeigneter Turnlehrer gebeten, da zu je 10—12 Kindern eine Turnkrasr nötig ist. Gleichzeitig iverden auch Anmeldungen zu den Dameurlegeu entgegengenomiuen. Der Turnunterricht beginnt Mittwoch, den 7. Oktober 1908, um 5 Uhr abends. Das Turnhonorar beträgt 4 X monatlich. Wien. (A d a s s J i s r o e 1 $ r i ö a t - 3t e I i g i o ii » f d) it I e.) Der Vorstand beehrt sich bekanntzugeben, daß der Unterricht — für Knaben und Mädchen von 6—14 Jahren — begonnen hat und die Einschreibung jeden Sonntag von 8—12 Uhr vormittags, Mittwoch von 2—5 Uhr nachmittags starrfindet. Das 'Schullokal befindet sich im Gebäude der Talmnd- Thora-Schule, II., Malzgasse 16. Wie». In Baden bei Wien verschied nach kurzem schweren Leiden, Donnerstag, den 10. d. M., der weit über seine Wiener Berufskreise sehr geachtete Kaufmann Julius S r i a ß n y im 47. Lebensjahre. Seinem Wunsche entsvrechend wurde der Verblichene aus den Zentralfriedhof überführt und daselbst Sonntag, den 13. d. M., unter überaus großer Beteiligung seiner Angehörigen und Freunde sowie zahlreicher Vertreter des Humanitären Vereines „Zwanglos", dessen langjähriges Vorstandsmitglied er war, bestattet. Nachdem Oberkantor G u t t m a n n in ergreifender Weise das Hazur tomim rezitiert harte, würdigte I. Vorstand Dr. Winternitz riefgerührt die Verdienste des Dahingeschiedenen, der in edler selbstloser Weise sein Leben in den Dienst seiner Mitmenschen gestellt und dessen Hinscheiden nun im Vereine eine große Lücke bilden werde. Am offenen Grabe sprach das Ehrenmitglied Herr Ehrlich tiefbewegte Worte des Abschieds. Seinem Andenken werde stets in Verehrung gedacht werden. — Der Verblichene hinterläßt eine trauernde Witwe und drei minderjährige Kinder. 6-. Wiener - Neustadt. (Einbruch in der Synagoge.) Freitag abend, den 11. d. M. wurden die Opferstöcke des hiesigen Tempels ausgeraubt. Dies wiederholt sich seit kurzer Zeit iiun zum zweitenmal. Die Synagoge steht in einem kleiuen Gärtchen, das von einem hohen Gitter abgeschloffen ist. Der Einbrecher kroch über dasselbe, zerbrach ein Glasmalereifenster und kam so ins Innere des Gotteshauses, von wo er dann durch die Tür des Winterbethauses entkam. Der Verdacht fällt auf einen vazierenden Handwerksburschen, der Freilag im Tempel gesehen wurde. Die Gemeinden werden zur Vorsicht gemahnt. Wiener-Neustadt. Da die beliebte, rührige Präsidentin des hiesigen Fraueuwohltätigkeits-Vereiues Frau Irma Hacker nach Wien übersiedelte und die anderen Vorstaudsdamen ihre Stellen niederlegten, fand am 7. d. M. die Generalversammlung dieses Vereines statt, in der die Gemahlin unseres langjährigen, verdienstvollen Kultusrates und Kaffawartes Herrn Wilhelm Danzig, Frau Julie Danzig, einstimmig zur Präsidentin gewählt wurde. Wiedergewählt wurden die Damen Sophie Stern, Ruska Schischa, Rosa Mayer, ueugewählt die Damen Minna Gold, Marianne Stern und R. Weißkops. Olmütz. (Gut geantwortet!) Bekanntlich hat der deutschradikale Reichsratsabgeorduete v. S t r a n s k y in einer Versammlung in A s ch, als er von einem Teilnehmer an der Versammlung interpelliert wurde, warum die Röhren zur Wafferleitung in Deutschland bestellt wurden, erklärt, daß dies deshalb geschehen sei, um diese Röhren nicht bei einem Tschechen oder Juden zu bestellen. Die deutschradikalen Antisemiten jubelten. Nun erhielt ein h'iesiger jüdischer Geschäftsmauu von einem antisemitischen Fabrikanten aus Aich ein Offert über eine Ware. Die Antwort darauf lautete dahin, daß die Ascher ihre Ware dorthin liefern sollen, wo sie d i e R ö h r e n z u i h r e r W a s s e r l e i t u n g best e l l t haben. Wenn alle jüdischen Geschäftsleute die antisemitischen Gegner bekämpfen würden, kämen diese bald zur Einsicht, daß ihnen der deutschradikale Antisemitismus ein bischen zu teuer zu stehen kommt. Czernowitz Sonntag, den '30. August, wurde hier im großep Musikvereittssaal die sogenannte „Konferenz für 'die jüdische Spracht ^eröffnet, zu der etwa 70 Schriftsteller erschienen sind! Außerdem hät'sich > ein sehr zahlreiches Publikum. eiugefuuden,daß an' den Bexatuftgeu:stehpfiftps Interesse nahm, Die Eröfflmngßredp. hielt der (um ,hie/ Popilsarisiermtg ,dsl jüdisch-deuts.cheil Sprache in Westdüropq, und iim-V&i'e' NebertraaüligiMinget wertvoller Werke' aus . dem jüdischen Dialekt Ins Deutsche, feyr 'verdieiite Wiener Schriftsteller Dr. Nathan Birnbaum. Er känrpft (seit -Jähreu für^ die'Gleichberechtigung cher^,jüdijchen ,Sprachest--di^isMgn zWKrechterweise.mft dem Schimpfnamen ^Jaxgstchf/ belegt.habp. Und doch,.sei -es,. h.^ft Mxache,'.'.'Iü. "der die jüdischen Maffeii(i>urlth.'lm^e Hrhrhunoerfe tyr'Hech und ihren'Humor,'ihre Freude und ihre' Trauer'ausgedrückt hfiltbu.' Der Abscheu vor dem „Jargon" sei nur der Ausdruck des Abscheues gewesen, den die Juden vor sich selbst hatten. Der Redner verwies mit Emphase auf den großen Aufschwung, den die jüdische Sprache in den letzten Jahren genommen habe, und der der beste Beweis für ihre Lebenskraft sei. Nach Dr. Birnbaum sprach der bekannte Warschauer Schriftsteller I. L. Perez, dessen prächtige Erzählungen auch in verschiedene moderne Weltsprachen übersetzt sind. Perez sagte, diese Konferenz sei .nicht zu Demonstrationszweckeu einberufen worden, sondern um ein besseres gegenseitiges Kennen und Verstehen der jüdischen Schriftsteller zu fördern und um die Grenzen zu verwischen, die zwischen den in jüdischer Sprache schreibenden Autoren der verschiedenen Länder entstanden seien. Eine weitere wichtige Aufgabe der Konferenz sei es, die in jüdischer Sprache geschaffenen Ku l tu r w e r k e den anderen Völkern zu vermitteln. Zu diesem Zwecke schlägt Perez vor, alle in jüdischer Sprache geschriebenen wertvollen Werke in lateinischer T r a n s s k r i p t i o u herauszugeben. (Bekanntlich wird der jüdisch-deutsche Dialekt, für den hier der Name einer Sprache verlangt wird, mit hebräischen Lettern geschrieben.) Das Präsidium wurde zusammengesetzt aus : Dr. B i r n b a u m (Wien), I. L. Perez (Warschau), Dr. S ch i t l o w s k y (New-Iork), Taubes (Czernowitz), N o m b e r g (Warschau), Dr. S o t t e k (Braila), Singer (Wien), Weiß mann (Czernowitz), Kleinmanu (Lemberg) n. a. In einer großen V o l k s v e r s a m m l u u g, die am Nachmittag stattfand, sprachen über die Bedeutung der jüdischen Sprachkonferenz Taubes, Dr. S ch i t l o w s k y, Perez u. a. Besonderen Beifall fand die Rede Dr. Schitlowskys, der auch nachdrücklich betonte, daß die Konferenz durchaus keine Tendenz gegen die hebräische Sprache haben solle. Abends fand im Czernowitzer Stadttheater eine jüdisch - literarische Soiree statt, bei der die jüdischen Schriftsteller Reisen, Asch, No mb e r g und Perez Stücke aus ihren neuesten Dichtungen vorlasen. Sofia. Es ist gelungen, hier einen Geheimbund zu entdecken, dessen Zweck es ist, Propaganda dafür zu machen, daß die Juden aus Bulgarien vertrieben, ihr Vermögen konfisziert und unter die Mitglieder des Bundes aufgeteilt werde. Es wird versichert, daß dem Bunde, dessen Mitglieder sich aus der Hefe der Gesellschaft rekrutieren, gelungen ist, unter den breiten Schichten der unwissenden Bevölkerung Wurzel zu fassen. Das Zentrum der Organisation ist in der Stadt Rustschuk und von da aus durchziehen die Agenten des Bundes ganz Bulgarien, um für ihre Zwecke und Ideen Propaganda zu machen. Wie es heißt, soll der Bund mit einer in .Rumänien bestehenden ähnlichen Organisation in Verbindung stehen, um es zu verhindern, daß die aus dem einen Lande ausgewiesenen Juden in 'dem anderen Lande ausgenommen werden, lieber die Art und Weise, in welcher die Polizei auf die Spur des Geheimbundes kam, wird folgendes gemeldet: „Einige der Mitglieder des Bundes versuchten es, einen der Minister, von dem sie glaubten, daß er antisemitische Ideen habe, auf ihre Seite zu ziehen. Der Minister verständigte seinen Kollegen vom Ministerium des Innern, der die Polizei mit der Einleitung der Nachforschungen betraute, und jo gelang es, die Spur der gesamten Organisation zu finden. Die bulgarische Polizei hat sich bis jetzt nicht veranlaßt gesehen,, irgendwelche Haussuchungen oder Verhaftungen vorzunehmeu." Konstantinopel. (Mitteilung des D e uts ch e n B ur e aus der Alliance I s r a s l i t e Universelle.) Die in Deutschland verbreitete Mitteilung, daß die gegenwärtigen Rabbiner von Jerusaleni, Damaskus und Saida auf Betreiben des Chacham Baschi Nahoum abgesetzt worden seien, ist unwahr. Die Absetzung war von dem Justizminister in Vorschlag gebracht worden, aber der Käimakam Chacham Baschi Nahoum hat sich dem widersetzt und eine vorherige genaue Untersuchung verlangt. Feuilleton. Khaim'L Aziendoöry. Ein Kulturbild aus dem Osten von Oberkantor M. A. Landau, Wr.-Neustadt (Fortsetzung.) Jetzt legte der Fragende seine Rechte auf meinen Kopf und spt'ach die Worte: So m ö g e ft Du denn z u Nutz und Frommen Deines armen, v e r f o l g t e n S t a m m e s, zur Freude Deiner Eltern und zum Stolz der Schule so rein und unbescholten Dein g a n z e s Leben bleiben.

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