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Die Wahrheit · 1908-09-18 · Heft 37 (18.9.1908) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 37 (18.9.1908)
Date
1908-09-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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9te, 37. Dle Watuben Seite 7. als Vertreter der . Prager Kultusgemeinderepräsentanz Herr Dr. K o h n e r, das hochverdiente Mitglied des k. k. Landesschulrates Herr Dr. Ludwig Bendiener, der Obmann des Verbandes der Israel. Mittelschulreligionslehrer Herr Rabbiner S. Knöpfelmacher, der Obmann des „Afike Jehuda" Herr Rabbiner Dr. Deutsch, die Herren Pros. Dr. I. Hirsch, Prof. Dr. A. Kisch an. Dem temperamentvollen Tätigkeitsberichte des Schriftführers und Schriftleiters Rabbiner Freund- Bodenbach folgte lauter Beifall, desgleichen wurde dessen Bericht über das Vereinsorgan „Mitteilungen" debattelos unter allgemeiner Zustimmung' zur Kenntnis genommen. Freudigst begrüßt unter allgemeiner Zustimmung wurde der warme Appell des Obmannstellvertreters Rabbiner A b e l e s - Zizfoö an den Vertreter der Prager Kultusgemeinde um Förderung des vom Vereine erstrebten Ausbaues des seit 35 Jahren bestehenden, Sr. Majestät Allerhöchsten Namen tragenden Pensionsfondes. Hoffnungsvoll erfüllte die überaus herzliche Antwort des Herrn Dr. K o h n e r, der seine Kräfte einzusetzen versprach, die berechtigten Wünsche der israel. Lehrerschaft zur Kenntnis der Knltusrepräsentanz Prag zu bringen. Er spricht die Hoffnung aits, daß noch im Jubeljahre eine größere Aktion zur Ausgestaltung des Pensionsfondes im Vereine mit sämtlichen Kultnsgemeinden werde unternommen werden. Der Bericht des Kassiers. Herrn Religionslehrers D. L ö w y - Prag, wird mit Beifall zur Kenntnis genommen. Der in der Versammlung erschienene Gast, Herr Dr. Ludwig B e n d i e n e r, wird aufs herzlichste vom Vorsitzenden A b e l e s begrüßt und ihm für seine segensreiche Tätigkeit, die er seit Jahren sowohl für den Verein als für jedes einzelne Mitglied entwickelt, der wärmste Dank mit dem Wunsche ausgesprochen, es möge ihm gegönnt sein, auch in der nächsten Verwaltnngsperiode als Vertreter im Landesschulrate zu sitzen. Herr Dr. B e n d i e n e r dankte für das ihm ausgesprochene Vertrauen und versprach, auch fernerhin für die Interessen der Lehrerschaft warm einzutreten. Eine lange, interessante Debatte entwickelte sich über die in letzter Zeit vorgekommenen Gesetzesübertretungen, soweit sie die Interessen und die Rechte der Mitglieder tangierten; es wurde beschlossen, mit allen gesetzlichen Mitteln denselben entgegenzutreten. Ein wohl motivierter Antrag des Rabbiners K n ö p f e l m a ch e r jun., den Verband der israel. Mittelschulreligionslehrer um Stabilisierung der Kurse anzusuchen, wird einstimmig angenommen. Ferner wurde beschlossen, anläßlich des Regiernngsjnbilünms alljährlich in Zukunft einen zweiten Stipendinmsbeitrag für Lehrerstöchter ausznzahlen. Bei der Wahl des Vorstandes wurde dem bisherigen Vorstande der Dank und das Vertrauen und derselbe einstimmig wieder gewählt. In der nach der Generalversammlung stattgefnudenen konstituierenden Sitzung wurde Oberlehrer S P r i n g e r- Prag zum Obmann, Rabbiner Ab eles-Zizkov zum Stellvertreter , Rabbiner Freund- Bodenbach zum Schriftleiter, Religionslehrer L ö w y - Prag zum Kassier, Direktor Schwager- Weinberge zum Rechnungsführer, Rabbiner G o l d st e i n- Nimburg und Stein- Radnic zu Ausschüssen gewühlt, zu Ersatzmännern die Herren Adolf T r a u b - Prag und K. Fr e u d- Kralup a. M., zu Revisoren die Herren Karl Munk und Leopold Richter in Prag. ßmgesendet. Wohllöbliche Redaktion! Die auch in Ihrem geschätzen Blatte besprochene Kantorenversammlung, welche im Sommer d. I. hier abgehalten wurde, findet in einem Wiener Blatte ein höhnisches Echo. Ans die Verhöhnungen des Herrn Autors— eines Rabbiners in Slavvnien — hätte ich gewiß nicht reagiert. Da aber der in Rede stehende Bericht Unrichtigkeiten enthält, übersandte ich bej: Redaktion des Wiener Blattes ein berichtigendes Schreiben, und ersuche hiemit höflichst, dasselbe durch die „Wahrheit" auch' Ihren geschätzten Lesern zur Kenntnis zu bringen. Es lautet: Sehr geehrter Herr Redakteur! Von einer längeren Urlaubsreise dieser Tage heimgekehrt, als ich erst jetzt den Artikel „Reisenvtizen" in Nr. 33 Ihres geschätzten Blattes, in welchem sich der anonyme Autor mit dem Kantor einer jüdischen Gemeinde in einer südslavischen Stadt abgibt. Da diese Stadt Agram heißt und dieser Kantor meine Wenigkeit ist, beehre ich mich, um die gütige Aufnahme der folgenden Berichtigung höflichst zu bitten: Es ist unrichtig, daß an der Kantorenversammlung in Agram nur acht Bernfsgenossen teilgenommen hatten. Es ist unrichtig, daß bei dieser Versammlung die Rabbinen mit einem blauen Auge davon kamen. Es fiel gegeil die Herren Rabbinen kein verletzendes Wort. Es ist unrichtig, daß „der Vorsitzende" — nämlich ich — „eine neue Offenbarung verkünde: hat, daß nämlich nach dem Talmud ein ,Prediger an s i cksi nicht würdig sei, vorzubeten". Der Herr Anonymus schöpft das aus dem Berichte des Agramer jüdisch-nationalen Blattes „2idovska smotra“, bietet aber aus dem Zusammenhänge reißend, eine veränderte Auflage. Die Redewendung „Prediger an sich" stammt nicht von mir, sondern von dem Herrn Berichterstatter, der offenbar den „Prediger als solchen" meinte, und dem. als Philosophen und Dichter, zweifelsohne das Kanlsche „Ding an sich" vorschwebte. Der Sachverhalt ist folgender: Um die Wichtigkeit des st i in mbegabten Scholiach Zibbur zu beleuchten, über dessen Bedeutung im jüdischen Gottesdienste die hohe königl. Landesregierung in Kroatien-Slavonien absolut nicht informiert ist, weshalb diese den Kultnsgemeinden dieser Länder ein Muster- Statut, in welchem der jüdische Kantor als minderwertiger, nebensächlicher Beamter erscheint, verlas und übersetzte ich in der erwähnten Versammlung den Abschnitt 579 des alten Schnlchan Arnch. Orach Chajjim. Dieser Abschnitt enthält die folgenden Stellen: „Es fungiere (als Redner bei den Fastengottesdiensten um Regen) ein alter Weiser stehend, während die Anderen sitzen; ist ein solcher nicht anwesend, so sei es ein (nicht alter) Weiser; ist auch ein solcher nicht dort, dann sei es ein Mann von imposanter Erscheinung. Dieser rede zu ihnen Worte, die das Herz erobern und erschüttern . . . Nachdem derselbe seine Rede beendet, stehe man aus, um zu beten. Es trete ein Scholiach Zibbur hin, der würdig ist, bei solchen Fastengottesdiensten vorznbeten. Wenn derjenige, der die z u m H e r z e n gehende Rede gehalten, würdig i st, v o r z u b e t e n, so bete er vor, w emt aber n i ch t, dann trete ein anderer hin. Wer ist aber würdig, bei solchen Fastengottesdiensten vorzubeten? Ein Mann, der die Gebetordnung beherrscht (ein Praktikus) . .., der dem Publikum genehm ist. einen sympathischen Vortrag und eine wohlklingende Stimme hat. . ." Ans diesen, von mir ohne jede Glosse vorgerragenen Stellen folgerte der anwesende Berichterstatter des erwähnten Blattes — ein prächtiger, junger Mann, ein glühender Nationaljude und ein Verehrer der Herren Rabbinen — daß das Judentum Gottesdienste hat, bei denen vorznbeten, unser Religionsgesetzbuch selbst den Prediger als „nicht würdig" bezeichnet, wenn er nicht mit einer wohlklingenden Stimme u. s. w. begabt ist. Diese Schlußfolgerung des Herrn Berichterstatters ist ganz logisch und involviert, meines Erachtens, auch nach unserem Sprachgebrauche nicht die geringste Beleidigung. So ist ein stimmloser, sangeskundiger Universitätsprofessor, er sei in seinem Fache der größte Mann seiner Zeit und der hochachtbarste Charakter, nicht nur nicht fähig, sondern eben deswegen auch „nicht würdig", im Konzertsaale als Liedersänger zu wirken, weil sein..Gesang" eine Belästigung und Geringschätzung des Publikums wäre. Mit anderen Worten: Kein Mensch ist würdig für das, wofür er nicht fähig ist. Mit vorzüglicher Hochachtung Oberkantor Josef R e n d i. Agram, den 9. September 1908.

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