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Die Wahrheit · 1908-09-11 · Heft 36 (11.9.1908) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 36 (11.9.1908)
Date
1908-09-11
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Lantoml-Zeitung. Rabbiner nnd Kantor. In der letzten Nummer der „Oesterr. Wochenschrift" veröffentlicht ein Landrabbiner, einleitend zn einem Zitate ans dem „ Schul clian - Aruch“ über die Qualifikationen eines Kantors einige von Derbheit nnd Geschmacklosigkeit strotzende Bemerkungen über den Kantorenstand. Dem „ehrwürdigen" Herrn, der zur Sorte jener zu gehören scheint, die den Wert ihrer eigenen Persönlichkeit nnr durch Herabsetzung anderer zu heben vermögen, ergeht es aber wie Bileam, denn die zitierten Paragraphe können nur als Beleg dafür gelten, wie hoch das Amt und die Person des „Scheliach Zibbur“ von wahrhaft frommen Rabbinen bewertet wurde, und wenn der Herr Landrabbiner trotzdem in wegwerfendem Tone sich über den Kantor ausläßt, so beweist er damit nur, daß er sich zu -der sittlichen Höhe des „Schulchan-Aruch“ nicht anfznschwmgen vermag. Gegen derlei unter dem Deckmantel der Anonymität unternommene Angriffe zn polemisieren, können wir uns füglich enthoben glauben, jedoch müssen wir entschieden dagegen Stellung nehmen, wenn behauptet wird, daß unser Blatt sich dazu hergibt. Angriffe nnd Ausfälle gegen den Rabbinenstand zu veröffentlichen. Wir haben niemals die hohe Bedeutung desselben im Jndentume unterschützt, dabei allerdings auch die Würde des Kantorenstandes nicht herabsetzen lassen, und in der gegenwärtigen Polemik muß daran erinnert werden, daß dieselbe nicht von kantoraler sondern von rabbinischer Seite eröffnet wurde, und daß wir lediglich einige von Rabbinen herrührende Anssprüche registrierten, aus welche natürlich die gebührende Antwort von kantoraler Seite nicht ansbleiben konnte. Wie man in den Wald hineinritst so hallt es wider, nnd haben, bei aller Zurückhaltung, die wir uns ans Achtung vor dem Stande, dem die Herren Angreifer angehören, auserlegten, diese letzteren für den Ton der Polemik die Verantwortung zn tragen. Wenn das harmonische Verhältnis, das in der Gemeinde zwischen Rabbiner und Kantor herrschen soll, gestört mürbe, so lag die Ursache zumeist darin, daß der elftere den Kantor nicht als gottesdienstlichen Funktionär neben sich, sondern als einen ihm untergeordneten Diener behandeln wollte, und das wird kein Kantor ruhig hinnehmen, der neben der Würde seines Berufes auch seine eigene Ehre hochhält. Zum Schlüsse wollen wir noch unserer Verwunderung darüber Ausdruck leihen, daß die Redaktion der „Oesterr. Wochenschrift" die gistgalligen Auslassungen des Herrn Landrabbiners über die österreichischen Kantoren ohne jede Glosse veröffentlichte. Dafür werden wohl jene Kantoren, welche zu den Abonnenten und Mitarbeitern dieses Blattes zählen, den ent- , sprechenden Dank abzustatten wissen. Indische Kunst im Fnestenschloste. In Teplitz wurde der in hohem Ansehen stehende Badearzt Geheimrat Dr. Hirsch zu Grabe getragen und unter den Nobilitüten, die am Leichenbegängnisse teilnahmen, befand sich auch Se. Durchlaucht Fürst C l a r y. Die traditionelle Art der jüdischen Gesänge, die er bei dieser Gelegenheit vernahm, erweckten so sehr sein mnsikhistorisches Interesse, daß er sich an den Herrn Kultusvorsteher Dr. med. Stein mit dem Ersuchen wandte, den Oberkantor der Teplitzer Gemeinde, Herrn Engen D a w i s o n, zu einem Besuche im Schlosse zu veranlassen, um Ihre Durchlaucht die Fürstin mit den Klängen altjüdischer.Gesänge bekannt zn machen. Zu einem fast zweistündigen Vortrage wurde Oberkantor Dawison im großen Musiksaale des Schlosses von dem Fürsten, der Fürstin und der Prinzessin Radziwill empfangen. Vor den mitanwesenden Universitätsprofessoren und iiu;«fT -kJ* Prälaten entwickelte er zunächst die grundlegende Art der Jnrervallenfolge, die zur Steigertheorie von W e i n tr a n b, D eu t s ch und Singer führte. Im Anschlüsse daran trug er die Melodie des Wajchullu vor und setzte nach den bewundernden Ausdrücken das Recitativ fort bis zum mögen owoss inbegriffen. Vor jedem neu besprochenen jüdischen Tousystrm ließen sich die Herrschaften als Ergänzung die entsprechende Stelle aus dem Gebetbuche vortragen. So sang Oberkautvr Dawison als Beleg für den 0rchodo8ch-Steiger den B-moll w’schomru von Kirschner, wo namentlich die Uebereinstimmung des chasonischen Styles zwischen der Begleitung und der Solostimme höchstes Interesse erregte. Aber nicht bloß den Vorträgen von Kol nidrei, b’rosch haschono, horem ma jomru erkannte die kunstsinnige Fürstin das Prädikat „wunderbar" zn. auch als Oberkautor Dawison von den Neginoth zu der Vortragsart der „Echos" kam. erfuhr er für die Singweise der Klagelieder dieselbe Beurteilung. Und als man die auffalleilde Aehnlichkeit verschiedener Responsorien am hoschano rabbo und andern Tagen mit Benediktionen aus dem Brevier verglich, da pflichteten auch die Professoren der katholischen Liturgie dem jüdischen Kantor bei. daß beide Riten ans denselben Quellen schöpfen. Zn diesem Falle gelang es dem jüdischen Kantor den Knnstwert der jüdischen Gesänge zu demonstrieren und damit diente er der jüdischen Sache. Selbst im konservativsten jüdischen Ritus läßt sich ein geregelter. auch auf Kuustgeietze bedachter, musikalischer Gottesdienst durchführen, denn im Vergleiche mit dem vorliegenden Falle vergesse man nicht, daß Richard Wagner mit von den verstimmenden Eindrücken, die er von einem wilden Durcheinander bei einem jüdischen Gottesdienste empfing, stark beeinflußt wurde für das absprechende Urteil in der Broschüre „Das Judentum in der Musik". G-egfX'-ä.in.cLe'C 1S31. Kürschnermeister . —/&- 1 N *'2/***'*— 11. 2. Stefaniestrasse 7. Emptiehlt sich zur Anfertigung aller Gattungen öriuit- Kappen für Habbiner. Kantoren und Chorpersonale zu den billigsten Preisen. *tnn ts* Eine Sammlung von Tempelgesängen für Kantor, Solo und Chor, in zeitgemässem, modernem Styl, auch beim Gottesdienst in altjüdischer Form verwendbar. Heft 1: Heft 2 : spin rara! rb *rcr -ny rorn smia n^iyrt va hy -pSo riym a^iv mn am Diese Dichtungen, von tiefformiger jüdischer Kunst umhaucht, in modernem Gewände, erwarben sich die grösste Anerkennung der vornehmsten Kantoren und Musiker des In- und Auslandes. Jedes Fielt, auch einzeln, zum Preise von K 2■— gegen Nachnahme oder vorheriger Einsendung des Betrages zu beziehen vom Verfasser Josef Kijewski, Cantor, Pozsony, Szilägyi-Dezsö Gasse 30, 1. Stock. J'-'7^.-- _ - V-;..J*'1*'*> w ..TSMM

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