Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 35 (4.9.1908)
- Date
- 1908-09-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 8. Die Wadrdett Nr. 35. Verschiedene Nachrichten. Wien (Talmud Thora-Bethaus.) Das Beihaus des Talmud Thora-Vereines, II., Malzgasse 16, dessen Um- und Neubau nunmehr Vollender ist, präsentiert sich als ein wahres Schmuckkästchen. Durch Rekonstruktion der Frauengallerie, Hebung der Oberlichten. Einleitung elektrischer Beleuchtung und strengste Rücksichtnahme aus alle modernen hygienischen Ansorderungeu, har das Gotteshaus außerordentlich gewonnen und sieht in seiner Einrichtung auch größeren ähnlichen Anlagen nicht zurück. Der Vorstand dieses Bethauses, der alle Wünsche der Berhausbesucher zu berücksichtigen sucht, hat zudem noch den bekannten Kantor, Herrn Schabse Weiß, mit seinem vorzüglich geschulten Chor acquiriert, und so steht zu erwarten, daß das Talmud Thora-Bethaus zu den bevorstehenden hohen Feiertagen sich außerordentlich guten Besuches erfreuen wird. Wien. Sonntag, den 30. August, Uhr nachmittags, sand im Tempel des XL. Bezirkes, Kluckygasse, die Trauung des Frl. Elsa Koh n, der jüngsten Tochter des Tempelvorstehers und Obmaiines des Brigittenauer Unlerstützungsvereiues, Herrn Juwelier Jakob K o h n, mit Herrn Ignatz S a l z m a n n in solenner Weise statt. Trotzdem Herr Kohn sich jeden Prunk verbeten hatte, mar die Estrade zur Bundeslade mit Blattpflanzen und Blumen geschmackvoll dekoriert, und in dem im Lichterglanze erstrahlenden Goltesyaufe sand sich, nebst den Gesamtvorständen des Tempelvereiues und der diversen Vereine des Bezirkes, ein überaus zahlreiches Festpublikum ein. Den Trauungsakt vollzogen Rabbiner Dr. Armin A b e l e s und Obcrkantor Josef B a s s e r mit Chor und Orgelbegleitung in mustergültiger Weise. Nach der Trauung fand im Hause der Brautelteru die Gramlation statt. Deputationen entsandten: Der Tempelverein mit Herrn Herm. E l t b o g e u an der Spitze; der Frauen-Wohltätigkeitsvereni. geführt von der Präsidentin Frau Dr. Emilie W e i ß mit Frau Katharina Kohn als Sprecherin; der Brigittenauer Unterstützungsverein, geführt von Herrn Sigmund F r o m m e r mit Herrn Berchold Kaiser als Sprecher, welcher eine hübsch ansgestattele Adresse überreichte. Ferner waren deputativ erschienen: Der humanitäre Verein „Freundschaftsbund", geführt von Herrn Schlesinger, „Die Brüder", für welche Herr Dr. Moritz K o h n eine schwungvolle Ansprache hielt, und viele Freunde und Verwandte beider Familien. Schriftliche wie telegraphische Glückwünsche waren in großer Zahl eingelaufeu. X. 6)i. Wie». (K in d e r g ä r t n e r i n n e n k u r s.) An der ersten mit dem Oeffentlichkeitsrechte ausgestatteten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen und Kiuderpflegerinnen (gegründet 1868), die mit der israel. Kinderbewahranstalt im 2. Bezirke, Schiffamtsgasse 15, verbunden ist, sindet die Aufnahme von Kandidatinnen in beide Kurse vom 1. bis 18. September d. I. statt. Prag. Die beabsichtigte Gründung eines jüdischen Studentenheimes in Prag entspricht einem allgemeinen jüdischen Bedürfnisse, und es ist zu wünschen, daß das „Heim", von inniger Gottesfutcht und Frömmigkeit erfüllt, seine die Prager Gymnasien und Realschulen besuchenden Kinder zu überzeugten, glaubensstarken Juden erziehen möge. — Die Dozenten Dr. A. M a h l e r und Dr. D. H e r z o g werden im Wintersemester 1908.09 an der Prager deutschen Universität nicht lesen. Oberrabbiuer Dr. E h r e n s e l d weilt zur Erholung fern von Prag und Dr. Aladar Deutsch hielt an seiner Stelle die Erew Rosch-Chodesch. Ellul übliche Erbauuugsrede. — Im Monate August sind u. a. gestorben: Sanitätsrat Dr. I. Hirsch in Teplitz, der sich ob seiner Tüchtigkeit und Menschenfreundlichkeit allseits der größten Hochachtung erfreute. Der Verblichene war Ehrenbürger von Teplitz und Besitzer von mehreren Auszeichnungen. Das Leichenbegängnis sand Donnerstag, den 13. v. M., 3 Uhr nachmittags, unter großer Beteiligung aller Bevölkerungsklasseu statt. Die Rabbiner Dr. K u r r e i n und Dr. Lederer hielten dem hochverdienten Manne ergreifende Nachrufe. — Freitag, den 14. v. M. fand gleichfalls in Teplitz die Beerdigung der Frau Dr. Bloch, einer hochgeachteten Arztensgattin, statt. — In Prag ist Herr Dr. Maximilian M e l n i k gestorben, ein um den Verein zum Schutze entlassener Sträflinge wie um das öffentliche Leben Prags hockverdienter Mann, der uns viel zu früh entrissen wurde. — Am 28. Juli wurde zu Kaadeu Herr Josef Hirsch im Alter von 72 Jahren zu Grabe getragen. Rabbiner Dr. Hirsch- Krumau. ein Sohn des Verblichenen, hielt dem Vater einen Nachruf und sprach die Grabgebete, während Rabbiner Schwarzberg joscliew dsssser und liazur tomim vortrug. Au der Leichenfeier nahm eine große Anzahl von Freunden und Bekannten teil, obgleich behufs Schonung der im Seebad Ahlbeck weilenden Tochter des Verblichenen, die unmöglich ob der großen Entfernung rechtzeitig hätte eintreffen können, von der Mitteilung durch die Zeitungen und Aussendung von Parten Abstand genommen werden mußte. — Rabbiner Dr. Viktor K u r r e i n, ein Sohn des Teplitzer Rabbiners und Predigers Dr. K u r r e i n, wurde als Prediger nach Meran berufen, Rabbiner Dr. Arjeh aus Dobrisch von der Gemeinde Smichow gewählt. Beide sind Zöglinge des Wiener Seminars. — Die Hauptversammlung des isr. Landes-Lehrervereines für Böhmen sindet am 7. September in der Toynbee-Halle, Lange Gasse 41, in Prag statt. Möge die Versammlung gut besucht und für die Förderung der kaum beneidenswerten Lage der jüdischen Lehrer vom großen Erfolge sein! Unmittelbar daran schließen sich die voni Verbände der jüdischen Mittelschulreligiouslehrer veranstalteten Ferialkurse für jüdische Lehrer an. (8.. 9. und 10. September.' Es werden lesen: 1. Rabbiner Sal. K n ö p f e l m a ch e r: Ausgewählte Pentateuch-Kapitel mit älteren Kommentaren. 2. Professor Dr. Kisch: Jüdisches und staatliches Eherecht für die Praxis in Oesterreich. 3. Prof. Dr. Hirsch: Die Religionsdisputatiouen im Mittelalter. 4. Rabbiner M. Freund: Methodik des Religionsunterrichtes. Diese Justitutiou zu einer dauernden auszugestalten und auf die breiteste Basis des praktischen Lebens zu stellen, ist eine Hauptaufgabe aller berufenen Faktoren. Mögen auch in den anderen Hauptstädten solche Ferialkurse eingeführt und durch Unterstützung der Teilnehmer möglichst vielen Gelegenheit geboten werden, ihr für das Leben und.die Praxis nötiges Fachwissen zu mehren. . Er. E. H. Budapest. Im „Egyenlöseg,", Nr. 34, wird über die Altofener Nabbinerwahl des Dr. Funk berichtet. Dieser Bericht wimmelt von Unrichtigkeiten. Sache der Altofener ist es, dieselben bloßzulegen, mir aber seien nur einige Bemerkungen zu dem daselbst girierten "isia enn gestattet: Der „Egyenlöseg" schreibt im Namen des Chasam S o f e r, daß derjenige, der Bestechung genommen, nicht Zeuge sein kann. Dazu braucht man keinen Chasam Sofer, um zu missen, daß Jedermann, der sich vergangen gegen nnv npn fco, welches ein nippe vrv '.fco ist, nny Piaa ist. Im O'N handelt es sich um was anderes. Es fragt sich, wie muß der Zeuge beschaffen sein, dessen Zeugenschaft in der Bestechungsaffaire eines Rabbiners gültig sein soll, gleichviel, ob die Bestechung durch den Rabbiner selbst oder durch seine Verwandten und Gönner erfolgt ist, und da lauten die Worte des Chasam Sofer : iTjrw pp*n ’32B arKi? ß’iira aoy '2 NNL' ibap pp'H ^i’2fcfcat£\ Die zwei berechtigten Zeugen dürfen nicht Mitglieder der betreffenden Gemeinde fein, so sie die Bestechungstat bezeugen. Die Zeugen müssen also einer anderen fremden Gemeinde angehören, da sämtliche Mitglieder der Gemeinde, in welcher die Bestechung tatsächlich geschehen und erwiesen ist, weil in der Angelegenheit interessiert, nny ^iBa sind. Der „Egyenlössg" möge uns ausklären, wo solche Zeugen zu finden wären, die nicht dem Verbände der Gemeinde angehören, keinen Dunst vom hiesigen Gemeindeleben und von den geheimnisvollen Vorkehrungen und Jntriguen der Parteien keine Kenntnis haben. Wie soll die Bestechung erwiesen werden? Ist das möglich? Zur Zeit des B'n dürften andere Zeitverhältuisse und Ortsumstände gewaltet haben; heule aber, wo wir in einem Rechtsstaat!: leben, wo bei weltlichen Gerichten Gesetz und Vernunft die Herrschaft führen, reicht man mit solchen Ideen nicht aus. Außerdem scheint der „Egyenlössg", er möge es entschuldigen, vergessen zu haben, daß man im vorliegenden Falle einen aTl über den Rabbiner aussprechen und in den Fällen, wo zu Zeugenaussagen ein arc aan gegeben ist, man auch avfcfc “p3£b eine Beeidigung vornehmen kann. Eine schöne Idee, welche das Respousum des O'N durchweht, ist die Idee der Neuwahl, welche die Eintracht erheischt. Dem Vernehmen nach hat auch ein hervorragender Gelehrter mit der Berufung auf den B'n, da die beiderseitigen Fälle analog sind, in der Plenarsitzung die Idee der Neuwahl n^np.1 ai^Vp', mim ‘TDm aufs wärmste empfohlen. Dr. Baruch Freund. Marczali. Unser allbeliebter Oberkantor, Herr Salomon Weiß, hat vorige Woche das Fest der silbernen Hochzeit begangen, aus welchem Anlasse das Jubelpaar zahlreiche Gratulationen aus Freundes- und Bekanntenkreisen erhielt. Die Teilnahme der Gemeinde an dem schönen Familienfeste wurde noch durch den Umstand vermehrt, als Oberkantor Weiß gerade jetzt das 20. Jahr seiner hiesigen, allgemein anerkannten Wirksamkeit vollendet hat. Berlin. Aus dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle erhalten wir folgende Mitteilung: Die Alliance Israelite Universelle hat für die in Stambul von der Brandkatastrophe heimgesuchte muselmanische Bevölkerung einen Betrag von 2000 Frks. überwiesen. Berlin. (Erleichterung im russische n A u s w a nderuugs-Berkehr.) Wie dem Deutschen Bureau der Alliance Israelite Universelle mitgeteilt wird, fand am 28. August im Ministerium des Innern eine Konferenz der beteiligten preußischen Behörden und Vertreter der deutschen Schiffahrtsgesellschaften statt, die sich mit der Abänderung der Bestimmungen für den Durchzug russischer Auswanderer durch Deutschland beschäftigte. Es ist beschlossen worden, eine neue Betriebsordnung für die Auswanderer-Kontrollstationen längs der preußischrussischen Grenze zu erlassen, die wesentliche Erleichterungen für die Auswanderer bringt. Unter Anderem soll die zwangsweise Abschließung der Auswanderer in den Kontrollstationen fortfallen. Damit werden Härten beseitigt, über die die russischen Auswanderer bisher geklagt haben. Konstantinopel, 24. August. (Mitteilung des Deutschen Bureaus der Alliance Israelite Universelle.) In vierzehn Tagen findet in Phanaraki ein großer Ball statt, dessen Reinertrag für die Alliance-Schule in Kustundschuk bestimmt ist. Das Patronat dieser Veranstaltung hat Marschall F u a d Pascha, der Sieger von Elena, übernommen, der vor einigen Jahren, weil er sich mit Offenheit als Gegner des damaligen Regimes bekannt hatte, nach Damaskus verbannt worden war. Fuad Pascha, der bei seiner Rückkehr aus der Verbannung mit unbeschreiblichem Jubel von der Bevölkerung der Hauptstadt empfangen worden ist, will nur noch als Privatmann tätig sein und sich gänzlich der Förderung der Bildungsstätten iu der Türkei widmen. Die Uebernahme des Patronats für die zugunsten einer Alliance-Schule zu veranstaltende Festlichkeit ist seine erste Handlung auf diesem Gebiet. Danksagung. Allen Freunden und Bekannten, insbesondere den Deputationen des Tempelvereines unter Führung des hochverehrten Obmannes, Herrn Hermann Elltbogen, der internen Sektion unter Führung des hochverehrten Obmannes, Herrn Dr. Jakob Roth, des Frauenoereiues, unter Führung der hochverehrten Präsidentin. Frau Emilie Weiß, des Vereines „Die Brüder", unter Führung des hochverehrten Herrn Dr. Moritz Kohn, des Vereines „Freundschaftsbund", unter Führung des hochverehrten Herrn Schlesinger und endlich des Unterstützungsvereines, unter der Führung des hochverehrten. Herrn Siegmund Frommer, sage ich hiemit für die mir anläßlich der Vermählung meiner Tochter erwiesenen Sympathiebezeugungen den tiefgefühltesten Dank. Jakob Kohn, Juwelier. Ei S oft iw H bn sä di ük ge z" 3' if) 6t «f rii B to lu H S sp kei le! er ui dc fe G tu er bi in G K se w b< m et w 3l bi se Zr Ol ln dr R gk äS