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Die Wahrheit · 1908-08-28 · Heft 34 (28.8.1908) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 34 (28.8.1908)
Date
1908-08-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 34. Die Wahrlien Leite 7. würdiger und ehrerbietiger Weise — wie es damals allgemein üblich war — übertrug, diesem Wunsche zu entsprechen. Bemerkt muß werden, daß. obwohl das Studium der profanen Wissenschaslen in den alten Jeschibas verpönt mar, es denn doch schon in den ersten Dezennien des vorigen Jahrhunderts sehr viele Bachurim — nicht nur in Prag und Nikolsburg, sondern aiich in dem finstern Preßburg — gegeben, die, wenn, auch heimlich, nnansgesetzt bestrebt waren, sich auch weltliche, philosophische, historische, pädagogische und philologische Kenntnisse anzneignen. Und diese vielseitig gebildeten Bachurim der alten Jeschiba waren es, die sich um die Hebiing und Förderung der Wissenschaft des Judentums uuverwelkliche Verdienste erworben haben. — Ans den Reihen jener Bachurim aber, denen es teils ihrer schwachen Fähigkeit wegen, teils ihrer Nachlässigkeit und Trägheit halber nicht gelingen konnte, beachtenswerte Fortschritte ans den Jeschibat zu machen, gingen zumeist Schächter, Vorbeter, Talmudlehrer für Kinder und sonstige Gemeinde-Funktionäre hervor. — Es kann aber auch nicht geleugnet werden, daß gar oft selbst die tüchtigsten und würdigsten Bachurim trotz ihres umfangreichen Wissens es weder zu einer reichen Partie, noch zu einer würdigen und einträglichen Stellung gebracht haben, während oft Minderbegabte Kandidaten zn den schönsten und ivichtigsten Aemtern in den Knltusgemeinden gelangten. Hakol toluj bemosol, afillu sefer Thora schebekeckol.*) — Wem das Glück nicht hold sein will, dem ist eben nicht zn helfen. — Nicht unerwähnt darf es bleiben, daß es in der alten Jeschiba auch Korrepetitoren gab, deren Aufgabe es war. diejenigen Bachurim, die noch zn jung oder minderbegabt waren und daher die Vorträge des Rabbi nichr sofort kapieren konnten, jeden Tag für den 'nächsten Vortrag „Scliiur' vorznbereiten und überhaupt den gehörten Vortrag ihnen zn erklären. Einen solchen Korrepetitor, der selbstverständlich für seine Mühe bezahlt wurde, nannte mau „Chasor-Bachur", „Wiederholungs- Student". (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Inchrichle». Mödling. Im Nachtrage zu der in voriger Nummer veröffeutlichteu Notiz über den Festgottesdienst anläßlich des Geburtstages des Kaisers sei noch erwähnt, das; auch die Damen: Stein, Amalie Kaufm a n n, Henriette Kausina n n, Leopoldine Winter st e i n und Fräulein L ö w im gemischten Chore mitwirkten und durch ihre schönen Stimmen den Eindruck des gesanglichen Zusammenklanges hoben. Reichenhall. Dienstag, den 8. September, findet in Bad Reichenhall, Billa Felicitas, die Trauung des Fräuleins Flora Steiner. Tochter des bekannten Schriftstellers Herrn Heinrich (Jork) Steiner, mit Herrn Med. Dr. Alexander' Mnszkat statt. Eger. Aus Anlaß des Geburtstages unseres geliebten Kaisers fand Samstag, den 15. d. M., in unserer Gemeinde ein solenner Festgorresdienst statt. Der Tempel war mit schwarz-gelben Fahnen und Guirlanden reichgeschmückt, nnd nach einem Intervalle von vielen Jahren sanden sich ivieder einmal die Spitzen der Behörden aus diesem Anlasse im Gotteshause ein. Es erschienen: Der Bezirkskommissär v. Stern eck mit Dr. Ritter von der L o g e s von der Bezirkshauvtinannschaft, der Vorstand des Bezirksgerichtes Eger L.G.R. Fischer, das Offizierskorps des 6. Landwehr- und des 73. Infanterie-Regimentes (vertreten durch einen Major nnd mehrere Offiziere), Vertreter des Veteranenvereines rc. Die Festgäste wurden vom Knltusvorsteher Zucker m a n n emvfangen und aus Ehrenplätze geleitet. Der Gottesdienst wurde mit dem Liede „Lehr' mich beten!" von Ad. G r ü n z w e i g eingeleitet, worauf der „Hallelujah" (Ps. 111) von 2 u l z e r und eine Sabbathhymne nach einem französischen Motive von Wilkowitsch folgte. Nach der Festrede des Rabbiners Dr. P r o ß n i tz, die in ein besonderes Gebet für den Kaiser ansklang, stimmte der Chor die Volkshymne an. Die kantoralen Funktionen beim Festgottesdienst wie auch beim weiteren Mussaphgebet versah Oberkantor Wilkowitsch unter Assistenz des Kantors Lederer mit verstärktem Chor und Orgel. Solopartieen sangen Frau Oberkantor Wilkowitsch. Frl. Zuckermann und Fräulein Schleim und boten dabei beachtenswerte Beweise ihrer Gesangsknnst. Der Gottesdienst machte auf alle Anwesenden einen erhebenden Eindruck. *) Der berühmte R. Abraham Jbn Esra, der bekanntlich trotz seiner hohen allgemein bewunderten Gelehrsamkeit sein Lebenlang mit Mangel und Not zn kämpfen hatte, wollte einmal in einer Stadt an die Mnnifizenz des reichsten Mannes, der dort domizilierte, appellieren. Als er am ersten Tage dort vorsprechen wollte, wurde er nicht vorgelassen, denn man bedeutete ihm, der „Herr" sei ansgeritten; nun erschien er^am zweiten Tage im Palaste jenes Krösus, da hieß es wieder, der Herr pflege der Ruhe. Da schrieb der unglückliche Jbn Esra an die Türe folgende Aborte: 2212 b pK?r dis* 221L' cya 2212 nya Austerlitz. Ans Anlaß des Allerhöchsten Geburtsfestes unseres geliebten Kaisers fand im hiesigen Tempel ein Festgottesdienst statt, dem viele Andächtige mit dem Gesamtvorstande beiwohnten. Nach Absingung des „Matowu“ und der üblichen Psalmen trug Herr Kantor Stern bei offener Bundes lade ein für das diesjährige Fest besonders verfaßtes Kaisergebet vor. und hieraus schloß mit der vom Chore gesungenen Bolkshymne die schöne Feier. Troppau. Wie alljährlich, wurde auch Heuer in unserem festlich beleuchteten Tempel der Geburtstag unseres Kaisers durch einen feierlichen Gottesdienst, am 17. d. M., abends */,8 Uhr, begangen. Herr Rabbiner Dr. F r i e d m a n n hielt eine schwungvolle Rede und Herr Oberkantor S i n g e r m a n n versah den gesanglichen Teil der Feier unter Orgel- und Chorbegleitnng. Nach Schluß des Gottesdienstes sprachen die Vertreter der Behörden unserem Kultuspräsidenten, Herrn Dr. S 0 n n e n s ch e i n. die vollste Anerkennung für den schönen und feierlichen Gottesdienst ans. Budapest. Der ungarische Minister des Innern hat seinen Entwurf zu einem neuen Wahlgesetz serüggestellt. Dieses Gesetz enthält unter anderem die Verfügung, daß das Wahlrecht an die Kenntnis des Lesens und Schreibens geknüpft sei und Analphabeten demnach kein Wahlrecht besitzen. Aus diesem Anlasse ließ der Minister Graf A n d r a s s y eine Statistik der in Ungarn lebenden Analphabeten nach Konseisiouen ausarbeiten. Laut dieser Statistik gibt es in Ungarn am wenigsten jüdische Analphabeten, nämlich nur 249.123, das heißt 34 37 Prozent. Die übrigen Konfessionen haben weit mehr anszuweisen. Koritschan. Die hiesige israel. Filialgenleinde har das Geburtsfest Sr. Majestät des Kaisers auf besonders feierliche Weife mit einem Festgottesdienst begangen. Nach wirkniigsoollem Vortrag der einleitenden Gebete durch unseren Herrn Kantor Steiner hielt Herr Rabbiner Dr. R e a ch aus Gaya die Festpredigt, in welcher er in schwungvollen Worten ans das Jubiläum Sr. Majestät des Kaisers bezugiiehmend, dessen Fürsorge für die unter seinem Szepter stehenden Völker rühmend hervorhob und ihn als echt konstitutionellen verrscher pries, der allen seinen Untertanen die gleichen politischen Rechte verliehen harte. Schließlich wurde unter Begleitung der Fabriksfenerwehr-Kapelle, welche Herr Bürgermeister Thonet zur Verfügung stellte, die Volkshymne abgejungen. An der Feierlichkeit, um deren gelungenes Arrangement sich Herr Knltusvorsteher Ludwig K 0 h n besonders bemühte, haben sich nebst den Gemelndemitgliedern auch die Vertretungen der politischen Gemeinde, der Feuerwehr und der Veteranen und viele Damen nnd Herren der hiesigen Elite beteiligt. Paris, lieber die Pariser Resormgemeinde wird der „Allg. Ztg. d. I." von ihrem Pariser Korresvondenteii folgendes berichtet: Wir benutzten den henligen schölten Tag. um beit kürzlich begründeten reformierten Tempel der „Union liberale israelite“ einen Besuch abznstatten. Wir begaben uns nach 10 Uhr morgens nach der roe Copernic(XVI. Arondissement>24. Ein kleiner, schöner und einfach eingerichteter Saal im Eez-de-causse empfängt uns. Gerade um 10l/2 Uhr trat der Rabbiner Dr. Louis-Germaln Levy (früher Rabbiner in Dijon) ein. Ein jugendlicher Mann in den dreißiger Jahren, unbedeckten Hauptes, in den Talith gehüllt, nimmt er seinen Platz vor der Kanzel ein. Wie im Gotteshause der Berliner Resormgemeinde sitzeit die Männer und Franeu zusammen. Es gibt keinen Kantor, aber eine Orgel und ein schöner Chor befinden sich im aitstoßenden Gemach, ohne daß man die Sänger sieht; darnncer waren wundervolle, Herrliche Stimmen von jungen Leuten. Man gibt uns das Gebetbuch der neuen Gemeinde, die Gebete sind in hebräischer Sprache abgefaßt, und mit einer guten französischen Uebersetzung versehen. Der Rabbiner trägt von der Kanzel herab die Gebete in der Ursprache vor, und gibt dann diese im Französischen wieder. Hierauf hielt er eine kurze aber vortreffliche und sehr ansprechende Rede. In allen Synagogen von Paris, ebenfalls in Nizza, bemerkten wir, daß die Leuchter acht Lichter haben, während im reformierten Tempel, wie es überall Usus ist. sich bloß sieben befinden. Der ganze Gottesdienst nebst Predigt dauert bloß 3/4 Stunden, machte aber einen sehr würdigen Eindruck. Bor der Predigt las der Rabbiiter einen Abschnitt aus der Thora in der Originalsprache vor. Der Gottesdienst findet Freitag abend, am Samstag nnd Sonntag statt. Die Feiertage werden bloß einen Tag beobachtet; am Versöhnnngstage finden am Vorabend selbst und danit um 10 Uhr morgens nnd am Schluß um 5 Uhr abends Gottesdienste statt. — Das Komitee der neuen Gemeinde besteht aus elf Personen, worunter vier Damen. Präsident desselben ist: Louis Simon; Vizepräsident: Salvador Levy; Sekretär: Paul Sacerdote; Schatzmeister: Madame Anatole Dreysns. Konstantinopel, 21. August. (M i t t e i l n n g des Deutschen Bureaus der Alliance Israelite Universelle.) Die Regierung hat die Wahl des Professors N a h 0 u m zum Kaimakam Chacham Baschi bestätigt. Feuilleton. Die atte Weöezin. Bon Ernestine Strelisky- Hamburg. (Schluß.) Jetzt gestand sich Stahlberg, es war ein Gefühl stillen Neides gewesen, Bedauern mit sich selber, ob des so gewöhnlichen handwerklichen Großvaters. „Wie wohl dem sein müßte,"

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