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Die Wahrheit · 1908-08-14 · Heft 32 (14.8.1908) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 32 (14.8.1908)
Date
1908-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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edle 6. Die Wahrheit Nr. 32. Ich habe noch eine Harmonie mir Vorbehalten, um zum Schluß > dieser Liste eine spezifisch-jüdische gleiche Art bei beiden Doktrinen nachzuweisen. Und das ist der beiden gemeinsame Glaube an die religiöse Sendung des Judentums. Sie glauben auch ferner, daß das Judentum, wie die Juden, ihren Lehr- und Verkündungsbernf nicht von Jahrhunderten mit der Geburt Christi beendet haben, sondern daß er weiter bestanden hat, daß er weiter besteht. Mögen sich auch bei der Ausdeutung und Schlußfolgerung aus dieser Ausgabe oder Sendung Unterschiede ergeben, die Grundtendenz wird dieselbe bleiben. (Fortsetzung folgt.) Zur Geschichte der Indenemanstpatron in Oesterreich 1848—1908. (Fortsetzung.) Ein weiteres Rundschreiben hat folgenden Wortlaut: Was unser vielgeliebter Kaiser beim Antritte seiner Regierung seinen Völkern verheißen, was jede österreichische Brust mit Hoffnungsjubel begrüßte, hat Se. Majestät in den Grundrechten der unterm 4. d. M. verliehenen Verfassung auch nun für uns zur Wahrheit gemacht. Gleiches Recht und gleiche Freiheit werden auch wir fortan teilen, wie wir bis jetzt nur gleiche Pflicht und gleiche Liebe geteilt. Dank der erleuchteten Weisheit unseres geliebten Monarchen, Dank der über Wahn und Vorurteil erhabenen Gerechtigkeit unseres Kaisers, die Scheidewand ist gefallen, die Jahrhunderte lang den Menschen vom Menschen, den Bürger vom Bürger schied, auch der Jude ist jetzt ebenbürtiger Sohn des Vaterlandes. Ein Band der Liebe und des Rechtes umschlingt jetzt alle Genossen des Staates. Mit heißglühendem Dank gegen die allgütig waltende Vorsehung, gegen den erhabenen Monarchen, gegen die erleuchteten Räteder Krone, habt Ihr dieses große, eine jahrhundertlange, tränenreiche Vergangenheit sühnende Ereignis vernommen, habt oder werdet diesen Dank laut in unsern Gotteshäusern aussprechen, ewig werdet Ihr ihn in Euren Herzen bewahren und von Geschlecht zu Geschlecht in Euren Kindern und Enkeln vererben. Eine würdige Benützung der uns gewordenen großen Güter, ein würdiger Gebrauch des uns gewordenen Rechtes, der uns gewordenen Freiheit, ein Gott und Menschen wohlgefälliger, unser und aller wahres Heit fördernder Ausbau unseres ganzen künftigen Geistes- und Talenlebens auf dem neugewonnenen Rechtsnnd Freiheitsbodeu: Das ist der einzige würdige Dank, den die Vorsehung, den der Monarch, den das Vaterland von uns erwartet. Die Aufgabe ist groß, ist umso größer, je hemmender und zerrüttender unsere bisherigen Zustände in unser gattzes Einzel-, Familien-, Gemeinde- und Bürgerleben eingegriffen. Aber je größer diese Aufgabe ist, um so mehr wollen wir sie mit dem ganzen Aufgebot unserer Kräfte, mit aller Umsicht, mit aller Einsicht, mit aller Aufopferung, mit allem entschiedenen heiligen Willen, vor allem mit allem ernsten brüderlichen Zusammenwirken ersaffen, und Gott wird auch die Lösung dieser Aufgabe mit dem Segen des Gelingens segnen. Neue Bahnen des Erwerblebens, der gemeinnützigen Tätigkeit sind uns eröffnet, alte Bahnen eines voit der Not uns aufgedrungenen Erwerbes sind zu verlassen, sind wenigstens auf die Jugend nicht zu vererben — Anstalten wollen geschaffen werden, in denen unsere Jugend zum Ackerbau, zur Arbeit, zum Handwerk, zu jeder nützlichen, von uns bis jetzt nicht gepflegten Tätigkeit herangebildet, Anstalten, durch welche unsere Brüder zur segensreichen Betretung der neu eröffneten Erwerbsbahneu angeleitet und unterstützt, — Anstalten, wodurch ein besonnener und vernünftiger Gebrauch der uits gewordenen Freiheit im Erwerbsleben angebahnt werden könne. Eine Umgestaltung unseres Gemeindelebens ist unabweislich geworden — die Mauern des Judenghettos sind gefallen, ein neues Gemeindegesetz wird das Gemeindewesen im allgemeinen regeln und in jeder bürgerlichen Beziehung des Gemeindelebens wird der Jude in dem allgemeinen Gemeindeverband aufgehen — unsere besonderen religiösen Angelegenheiten, die Pflege unserer Gottesdienst-, Unterrichts- und Wohltätigkeitsanstalten, Stiftungen und Fonde, die Sorge für die Stellung und Wirksamkeit unserer Rabbiuen und Lehrer, werden fortan jedoch noch immer unser besonderes religiöses Gemeindewesen bilden — hier Gott, dort das Vaterland werden die Pulse dieses zweifachen Gemeindelebens sein, beide gleich stark, beide gleich belebt, beide einem Herzen entsprungen, Einem Herzen zuführend, in ungestörter Harmonie, für Gott und' Vaterland unser garizes Leben einigend. Dieses neu gestaltete Leben fordert neue Regel, neue Ordnung, und diese müssen mit weiser Ueberlegung geschaffen werden. Eine neue Blüte unseres geistig religiösen Lebens ist anzustreben. — Die Hindernisse sind gefallen, die die Gründung und den Aufschwung unserer Schulen, dieser Pflanzstätten unseres ganzen geistigen Seins, hemmten, — es fehlten uns Anstalten zur Bildung unserer Lehrer — es fehlten uns Anstalten zur Bildung unserer Rabbiner — es fehlen uns wissenschaftliche Anstalten zur Pflege unserer Religionswissenschaft im allgemeinen und im einzelnen. Die Schulen für die Jugend in den einzelnen Gemeinden bedürfen sehr, teils ganz netter Gründung, teils frischer geistiger Umbildung und Pflege. Nur einzelne, besonders hervortretende Punkte unserer neuen großen Aufgabe sind hier flüchtig angedentet, um daran für jetzt nur das Eine zur Beherzigung anzuknüpfen: Einheit tut vor allem not. Nicht jeder Einzelne für sich, und auch nicht jede einzelne Gemeinde für sich kann dieses große Werk vollenden. Nur, wenn in jeder Gemeinde alle Glieder und in unserem Lande alle Gemeinden in brüderlicher Vereinigung das anzustrebende große Ziel, als ihre gemeinsame große Aufgabe erfassen, nur dann wird es uns gelingen, die uns nottuenden Ordnungen zu schaffen und unter Gottes Beistand unsere große Aufgabe würdig zu lösen. (Folgt Einladung der Vertreter.) H * , , Brüder! Worauf.wir jahrelang gehofft, was wir jahrhundertelang in heißen Gebeten erfleht, es ist geworden, Dank sei es dem gütigen Herzen, Dank der erhabenen Gerechtigkeit unseres Kaisers, wir sind frei, wir sind gleichberechtigt, die Schmach, das Elend jahrhundertlangen Druckes ist getilgt, ist gesühnt! Franz Josef I. hat uns die Freiheit, hat uns das Recht, hat uns die Menschen- und Bürgerwürde wieder gesichert. Franz Joses I., der Name wird mit Flammenzügen für immer in den dankbaren jüdischen Herzen leuchten. Fürst und Vaterland erwarten, daß wir fortan Misere Jugend solchen das Staatswohl fördernden Erwerbstätigkeiten zuwenden, welche uns bis jetzt versperrt gewesen, und das eigene Wohl fällt hier mit dem Wohle des Vaterlandes zusammen. Ackerbau und Handwerk, dem muß unsere Jugend fortan zugewendet werden, dafür laßt 'uns tätig sein und in diesem Sinne ein Denkmal stiften, das würdig sei, den gefeierten Namen F r a u z Josef I. zu verewigen. * * * Als jedoch der Gemeinde von der Behörde nahegelegt wurde, daß man höheren Ortes auf das Erscheinen ihrer Vertreter rechne, um dadurch die allseitige Zufriedenheit mit den herrschenden Zuständen zu bekunden, stellte Hirsch sich an die Spitze einer aus den Vorstehern und Mitgliedern des mährischjüdischen Komitees bestehenden Deputation, in deren Namen er den Kaiser am 28. März 1849 in Olmütz mit folgender Ansprache begrüßte: „Euere Majestät! Als die gütige Vorsehung Euerer Majestät das Szepter über Oesterreichs Völker verliehen, boten Allerhöchstdieselben sogleich beim Antritte Ihrer glorreichen Regierung die Verheißung gleicher Rechte und gleicher Pfltchten als Heil und Segen verkündenden Gruß allen Ihren Völkern. Mit innigstem Dankesgefühl ward dieses Kaiserwort von allen Söhnen des Vaterlandes als heiliges Unterpfand einer auf Gerechtigkeit -und Weisheit zu erbauenden glücklichen Zukunft empfangen. _ Mit welch freudigen Gefühlen müssen aber die jüdischen Söhne des Vaterlandes dieses heilverkündende Wort vernehmen. War dieses Wort ihnen doch Bürge für die endliche Erfüllung

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