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Die Wahrheit · 1908-07-31 · Heft 30 (31.7.1908) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 30 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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ihr. BO Die Wahrheit Lette 7. die gesuchte Heilung. Als Kurarzt wirkt hier unter anderen Herr Dr. Frankl. Der verdienstvolle Direktor setzt seine ganze Kraft ein, um allen Gästen, ohne Unterschied der Nationalirät und Konfession, entgegenzukommen; so besteht auch ein hübsch eingerichtetes Israel. Bethans und eine mit vielem Komfort ausgestattete streng rituelle Restauration des Herrn S m e r a n a. Brünn. lA u s z e i ch n u u g. Der Oberkantor Josef Heller in Brünn bat znr Feier des Allerhöchsten 60 jährigen Regierungs-Jubiläums Sr. k. ii. k. apostolischen Majestär eine „Kais e r-J u b i 1 ä it nt s - Hy nt n e, deren Text den mährischen Landesrabbiner Dr. B. Placzek zum Berfasser har, komponiert, und Sr. Majestät mit der Bitte um Annahme dieser Widmung überreicht. Laur Erlasses des k. u. k. Oberstkümmereramtes vom 14. Juli 1908, Z. 2006 und des Erlasses des k. k. mährischen Statthalterei-Präsidinms vom 18. Juli 1908, Z. 6313, wurde unter Erteilung der Zustimmung, das; das überreichte Musikstück den offiziellen Titel „Kaiser-Jubiläums-Vyiniie" führen darf, dem Komponisten für diese Vorlage der Allerhöchste Dank mit dem Beifügen bekanntgegebeu, das; die Einverleibung der „Kaiser-Jnbiläums-Hymne" in die k. u. k. Fainilienfideikommist-Bibliothek verfügt worden ist. Lemberg. In den galftischen Badeorten Jwomez, Szczaivnica re. besteht das Gros der Kurgäste ans Inden. Die Kurverwaltung, die sonnt von Juden lebt, läßt aber keine Gelegenheit vergehen, ohne diese zu schikanieren. Jüdischen Kurgästen wird die freie Benützung der Parkanlagen erschwert. trotzdem sie von der Kurtaxe nie befreit werden. Indischen Aerzren werden keine Wohnungen vermietet, während für die christlichen die schönsten Wohnungen im Knrhanse reserviert sind. Man lockc ans jede mögliche Weise die Inden heran, und hat man sie dort, werden sie in alleic Beziehungen geächtet und brutalisiert. Der edle Schachtitz in Galizien weiß, ivie man auch ohne die R e s v l u t i o n S ch m i d die Juden drangsalieren kann. Das sollten die p o l n i s ch e n P a t r i o r e n j ü d l s ch e n Glaubens, die ob der Stimmung der Polen gegen den christlichsozialen Antrag in frenetischen Jubel ansbrechen, sich ins Sraniinbnch schreiben. Prcstburg Der Aurisemitismns zeitigt auch vier sonderbare Blüten. In einem Nentrner Blatte har der katholische Pfarrer Johann Kassala, unter dem Titel „Wirtschaftliche Trennung" einen Artikel geschrieben, in welchem er nachznweisen suchte, wie notwendig es wäre, eine Absonderung der Inden auf wirtschaftlichem Gebiete herbeiznfnhren. Der antisemitische Pfarrer bediente sich in diesem Aufsätze der gehässigsten Ausdrücke über Juden und Judenruin, so das; die Staatsanwaltschaft sich veranlaßt sah, gegen ihn die Anklage wegen Aufreizung gegen eine vom Staate anerkannte Religion zu erheben. In der vor einigen Tagen in Preßburg deswegen durchgeführteu Schlußverhandlung erklärten nun die Geschworneu den Pfarrer Kassala für n i ch t i ch u! d i g, worauf ihn der Gerichtshof freisprechen mußte. Budapest. Der Rabbiner der Pester Gemeinde Dr. Simon Hevefi, richtet im „E g y e n l ö s e g" an die Jndenichaft Ungarns einen 'Ausruf zur Gründung eines „U n g a r i s ch - j ü d i s ch e n K n l t u s v e r e i n e s". Der zu gründende Verein soll im großen Ganzen ähnliche Ziele wie die „Israelitische Allianz" zu Wien haben, will aber un Gegensätze zu dieser Organisation auch innerpolitische Ziele ins Auge fassen. Er will den durch die Landesgesetze gewährleisteten Rechten der Juden Ungarns Geltung verschaffen, dieselben verteidigen, innere Mängel beheben und die durch die Zeitverhältnisse verursachten Schäden sanieren. München. Bei den Verhandlungen im F i n anzansschuß der bayrischen Kammer hat der .Kultusminister erklärt, daß der Staat für Zwecke des Religionsunrerrichrs nichts geben könne. Auf größere Zuwendung des Staates ist von der jüdischen Lehrerschaft gerechnet worden, um die Notlage, besonders der Religionslehrer, beseitigen zu können. Bisher waren — nach der Denkschrift der bäurisch jüdischen Lehrer — 14.000 Mark für Zwecke des israelitischen Kultus in den Etat eingestellt, für den katholischen Kultus 5,270.550, für den protestantischen 2,753.783. Das ergibt auf den Kopf der katholischen Bevölkerung 1,15, der protestantischen 1,50 Mark, der i ü bi s ch eit 251/* P f e n n i g e. Berlin. Vom 6.—12. August findet hier der Internationale Kongreß für historische Wissenschaften statt. Nach dem uns zugesandten Programm werden unter anderem folgeiide Vortrüge von besonderem Interesse sein : E. Sellin- Wien: „Die Ergebnisse der Ausgrabungen in Palästina für die vorisraelitische Geschichte des Landes"; N. Gunkel- Gießen: „Aegnptische Parallelen zum Alten Testament". T. W i t t o n D a v i e s - Bangor : „Judaism and Jewish institutions in tlie Centimes immediately iollowing the exile”, I. S ch i ck- München: „Orientalische Züge in der Hamlet-Sage", M. I a st r o w- Philadelphia: „Historical references in the Omentexts ot Babylonia and Assyria“, I. Ilb erg - Leipzig : „Die Erforschung der antiken Medizin", G. von B e l o w - Freiburg : „Die Organisation des deutschen Handels im Mittelalter", H. W i n k l e r - Berlin: „Ueber die Ausgrabungen von Boghazköi", G. W i e d e m a n n - Erlangen: „Die Verdienste der Araber auf dem Gebiete der Naturwissenschaften". Luxemburg. Herr Oberkantor Alexander Fuchs hat Hierselbst einen T i e r s ch u tz v e r e i n gegründet, der sich bereits über das ganze Land verzweigt hat. Der Staat har dem jungen Verein einen Zuschuß geleistet und die Grvßherzogin-Statthalterin Maria Anna von Luxemburg hat demselben ihr wärmstes Interesse an seinen Bestrebungen bekunden lassen und das Protektorat über den Verein übernommen. Sofia. Bei den jüngst startgehabten Gemeinderatswahlen wurden in mehreren Städten auch jüdische Abgeordnete gewählt. Die gegenwärtige demokratische Regierung macht kein Hehl daraus, daß sie ernstlich gesonnen ist, die Gleichberechtigung der Juden' aufrecht zu erhalten. Als z. B. jüngst ui Rustschuk eine neue Zeitung erschien, die mehr ans Sensationsbedürfnis. beitit einer politischen Tendenz zuliebe, von Anfang an sich in den wüstesten antlseiuirischeli Anrempeleien erging, »die Bevölkerung zum Boykott der Juden aufreizte u. s. w., wurde sie von der Regierung ernstlich verwarnt und hat ihr Erscheinen eingestellt. Auch das Herrscherhaus stellt sich den Juden sehr freundlich gegenüber. London. In der letzten Sitzung der Anglo Jewish Association berichtete der Präsident, Herr Claude Monrefiore, über die von zwei verschiedenen Seiten ansgegangene Anregung auf Zusammenschluß der großen jüdischen Wohlthätigkeirs-Organisarionen. Eines der beiden Projekte, das in Konferenzen zu Berlin und New-Iork behandelt worden ist, gipfelte in dem Vorschlag, eine ständige dauernde Verbindung unter den verschiedenen Gesellschaften herzustellen. Die Leiter der Jewish Coloni-, zation Association und der Alliance Israelite Universelle hatten wie bereits früher, dem Vorickilage widersprochen und hierdurch seine Ausführung unmöglich gemacht. Auf Anregung des Herrn Jakob H. Schiff, New-4)ork, sei man der Idee in anderer Form nähergerrelen. Es soll in jedem Lande eine der großen Organisaciouen als Zentralstelle bezeichnet werden, deren Aufgabe es wäre, im Falle des Bedürfnisses die anderen Körperschaften zu speziellen Konferenzen zusammeiiznrufen. Die Herren Justizräte Dr. Lach in a n n, Berlin, und Dr. B l a u, Frankfurt a. M., Mitglieder des Verwalrnngsrates der 1. C. A., und der „H.lfsverein der Deutschen Juden" hätten diesem Projekte bereits ziigestimmt. Auf den Antrag des Vorsitzenden, den nisbesondere Chachum Dr. G a st e r lebhaft unterstützte, wurde beschlossen, von weiteren .Kommissions-Beratungen avzniehen und dem Vorschlag Jakob Sdiisss beizurrelen. Es soll der Wunsch ausgesprochen iverden, das; für England itiriir die Anglo Jeivish Association, sondern das „Conjoint Comitee", das ans Vertretern des Board ot' Deputies ot' the British Jews unb der Anglo Jewish Association zniaminengesetzr ist, als Ceulraistelle betrachtet werden möge. Hoffenrlich wird das Projekt in dreier Form andi die Billigung der I. 0. A. und der Alliance Israelite erlangen und sinne Verwirklichung finden. Bekanntlich ist ein gleiches Projekt bereits vor vier Jahren ans Anregung des Hilfsvereines der Denrichen Inden" in einer Delegierren-Beriammlung zu Berlin und dann vor drei Jahren von der Brüsseler Kouferenz beschlossen, aber von den beiden Pariser Organisationen abgelehnt worden. New Aork. Die jüdische Einwallderung über den Hafen von Ellis Island ist in der Zeit vom 1. bis zunr 15. Mai ans die überraschend niedrige Zahl von 370 znrückgegangen. Davon blieben 265 in New-Pork. In den ersten vier Monaten dieses Jahres betrug die Geiamteinwandernug nur 86.014, gegen 317.213 in der gleichen Periode des Vorjahres. Die alle Ileöezin. Bon Ernestine Strclisky-Hamburg. (Fortsetzung.) Die Rebezin schwieg, schwieg, offenbar mit allerlei Gedanken beschäftigt, noch immer still vor sich hinsinnend, nachdem Stahlberg längst zil sprechen ausgehört hatte. Doch verriet er durch keine Miene, wie sonderbar und nicht gerade angenehm er dieses Schweigeil empfand. Zwar direkt — einen Antrag halte er ja nicht gestellt gehabt, und dieser Gedanke batte etwas Berilhigendes für ihn — dennoch erheischte das Gesagte auch irgend eine Erwiderung ihrerseits. Und Stahlberg wartete scheinbar ruhig bis sie sprechen werde. Nur erschien ihm jetzt das Gesicht der Rebezin um vieles bleicher geworden, als es vorhin gewesen. Da sagte sie auf einmal ganz unvermittelt: „Verzeihen Sie, Herr Stahlberg — wer? was? — war Ihr Vater? — Ihr Großvater?" — — Stahlberg überkam eine Empfindung, als griffe man ihn an den Hals, derart erstickend, würgend, war das in ihm aufsteigeude Zorngesühl. Er hatte sich preisgegeben — für seinen braven, tüchtigen Jungen — wenn auch nicht gerade mit klaren Worten — doch hatte sie ihn nur allzu gut verstanden — um ihre Bertelprinzessin geworben und sie sagte nickt gleich und freudig ja. Auch sie fragte erst wie Reb Schmu! wes Standes er sei? Auch sie dachte vor allem andern zuerst an seinen Jichns. Daß auch sie nicht anders war, als diese Leute alle hier, daß er in ihr sich getäuscht haben konnte, trotz all seiner Weltklugheit, seiner Menschenkenntnis, aus die er sich etwas einbildete — das würde er sich nie vergeben. Aber io rasch ihm diese Gedanken durchs Hirn jagten, verflüchtigte sich gleichzeitig auch sein Zorn und es gelang ihm, über seinen inneren und äußeren Menschen die Herrschaft zurückzugewinnen. Es umspielte sogar etwas wie ein Lächeln seine Lippen, und innerlich sagte er sich: „Sie hat nicht unrecht, Adel verpflichtet, sie möchte ihren Schild b,lank erhalten, er ist ihr einziges Gut, warum ihr also deshalb grollen?" Ja. er gestand sich, es war ihr gelungen, ihm dadurch zu imponieren. wmx-:

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