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Die Wahrheit · 1908-07-31 · Heft 30 (31.7.1908) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 30 (31.7.1908)
Date
1908-07-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Leite 6. Die Wahrdeü Nr. 30. :4 s i 'S ■Ü: , c r - v i ,« - >. fv >. ' dies das Samecli- und Pe-Spiel. Löm berichtet hierüber folgendes: In der Thora werde'u zwei Arten von Paraschen unterschieden: Offene „Petuchot" und geschlossene „Setumot". Jene werden mit einem Pe diese mit einem Sameck bezeichnet. Zw/i Knaben, die zum Behnfe der Wiederholung eine Qnartäusgabe des 0knme8ok vor sich hatten, benützten dasselbe geradezu als Spielzeug. Der eine nahm das Sameck, der andere das Pe für sich in Anspruch. Nun wurde das Oknme8ck auf einer beliebigen Seite anfgeschlagen und der stipulierte Gewinnst fiel dem zu, dessen Buchstabe mehrmals vorkam. Der eintretende Lehrer fand seine Zöglinge vor ihren Büchern sitzen und er konnte in den meisten Fällen nicht umhin, sie aus Mangel an Beweis freizusprechen. (Die Lebensalter S. 290.) Auster dem Samech- und Pe-Spiel waren nachfolgende zwei nicht uninteressante Spiele üblich. Das eine, bei dem es sich, ähnlich dem „Petuckot“ und „Setnnot“, um mehr oderweniger handelte, wurde von der unteren Klasse arrangiert. Man schlug nämlich ein Ckuraesch (Bibel) oder ein Siddur (Gebetbuch) auf; der Eine wählte sich die rechte, der Andere die linke Leite oder gar die zweite rechte Seite, wer mehr gleichartige Anfangsbuchstaben, resp. Endbuchstaben hatte, der Eine nämlich viermal „Alepk“ als Anfangsbuchstaben, der Andere nur dreimal als Endbuchstaben, der war der Gewinnende. Weit interessanter war aber das andere Spiel, dessen sich nur die obere Klasse bediente, weil es schon bedeutende Kenntnis der hebräischen Sprache erforderte. Es war dies das sogenannte „Plevinen“ (böhmisch: mischen). Zwei Kollegen wechselten nämlich hebräische Worte von nicht mehr als zwei Buchstaben derart, datz der zweite immer sein Wort mit dem Endbuchstaben des ersten beginnen mustte. Sprach z. B. der erste „Ab“, Vater, mußte der zweite „Ben“ oder „Bat“ rc. weiter „plovinen“, was oft, wenn sie ziemlich viel Hebräisch wustten, stundenlang sich hinzog, ehe der andere sich als hebräisch-matt meldete. Besonders mustte der eine wie der andere, um nicht sofort „besiegt" zu werden, aus der Hut sein, ja kein Wort mit „Waw“ am Ende auszusprechen; denn sprach z. B. der eine „Ban“ oder „Ban“, so kam der andere sofort mit seinem „Waw“, „Haken", und der Gegner war gefangen, da es bekanntlich im Hebräischen außer „Waw“, „Haken", kein zweibnchstabiges Wort mit „Waw“ gibt. Auch außerhalb der Schule wurde, besonders von dem noch vor ungefähr 50 Jahren überall üblich gewesenen Spiele mit Nüssen Gebrauch gemacht. So konnte man oft die muntere Jugend, besonders am Halbseste der Pessach- und Sukkottage, wie an jedem Freitag nachmittags „Darges“ und „Becliorot“ mit einem Feuereifer, der einer besseren Sache würdig gewesen wäre, spielen sehen, wobei es nicht selten zu Raufereien und Balgereien kam. „Darges“ hieß das eine Spiel, weil die Nüsse wie Stufen übereiuandergestellt wurden und Dorga im Hebräischen Stufe heißt. „Beckorot“ hingegen hieß das andere Spiel, weil die Nüsse in horizontaler Reihe ausgestellt wurden, in deren Mitte eine große Nuß stand, die den Spielenden als Zielscheibe diente; denn wer dieselbe, die ihrer hervorragenden Größe wegen „Beckor“ genannt wurde, traf, der gewann den ganzen Einsatz. Es gab auch eine dritte Spielart, wo die Nüsse in die Grübchen geschleudert wurden, so daß ein Teil derselben herausfiel. Wenn dieser Teil eine gerade Zahl bildete, so gewann der Spielende den ganzen Einsatz. Diese Spielart nannte man „parschen“, von dem hebräischen „porasch“, absondern.*) Außer den Feier- und Festtagen wurde die Jugend zum fleißigen Lernen streng augehalten, denn sowohl den Eltern als den Lehrern stand das biblische Wort: „Du sollst dich mit dem Studium der Gotteslehre Tag und Nacht beschäftigen", mit feurigen Zügen vor der Seele; sie waren von der Ueberzeugung durchdrungen, daß nur die Thora, die die herrlichsten und erhabensten, das Heil und Wohl der Menschheit fördernden Lehren enthält, es sei, dem das Judentum seine vieltausendjährige Existenz zu verdanken hat. Daher kam es auch, daß in früherer Zeit selbst der untalentierteste jüdische Knabe nicht aller *) Löw meint, es sei böhmischen Ursprungs: proropti. prositi, zu Boden werfen. (Die Lebensalter, ibid.) religiösen Kenntnisse bar war. Bis zum 13. Lebensjahre wurde jeder jüdische Knabe entweder beim Melamed oder beim Conditüons-Backnr unterrichtet. Selbst die minder oder gar nicht begabten Kinder durften, insolange sie nicht das 13. Lebensjahr zurückgelegt hatten, die Schule nicht verlassen. Mit dem 13. Lebenssahr beginnt, wie es inänniglich bekannt ist, die religiöse Großjährigkeit des israelitischen Knaben. Er mußte sich daher zuvörderst in der Schule die für einen jeden Inden im allgemeinen nötige religiöse Kenntnis aneignen und dann für die Konfirmationsfeier. „Bar Mizwa“, vorbereiten. Zum Kouftrmationsseste erhielt der jüdische Knabe von seinen Eltern einen neuen Anzug und von den Verwandten und Bekannten passende Geschenke. Am Sabbath seiner Barnnzwahseier mußte er in der Synagoge den Wochenabschnitt aus Thora, sowie die Haftora vorlesen, und im Elternhause beim Festmahle, wenn er nämlich im Talmud unterrichtet und für die „Jeschiba“, talmudische Hochschule, vorbereitel wurde, eine Rede, „Derascha“, halten. Nach der Barmizwah verließ in der Regel der jüdische Knabe die Schule, wie das „Cheder“. Derjenige, der für die „Jeschiba“ nicht taugte, oder für dieselbe keine Lust hatte, wurde, wenn er nicht zum Schneider- oder Schnsterhandwerke, welche Fächer den jüdischen Knaben allein in den Gemeinden zu wählen offenstauden, griff, in das, wie die alten Väter zu sagen pflegten, „G-alntk“ geführt, indem man ihm den „Pinkel" (Bündel) mit schwerer Hanfleinwand, Manchetten, Zwillich und Kanevas rc. auf den Rücken band, um in des Vaters „Ghai“. Gegend, zu hausieren, oder auch um vorläufig dort „8oohern“ zu gehen. Daß mitunter auch Kinder, welche ziemliche hebräische Kenntnisse besaßen, und daher nachmals, besonders wenn sie keine leeren Taschen hatten, als die maßgebendsten, einflußreichsten, intelligentesten Männer, „Baale batim“, am grünen Tische das große Wort zu führen sich berufen fühlten, zum „Dorfgehen" angehalten wurden, versteht sich von selbst, denn nicht alle Kinder, selbst wenn sie bei „Conditions-Backurim“ gelernt haben, taugten für die Jeschiba. Die nur halbwegs begabten Knaben hingegen wurden für die Je8chiba erzogen. (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Unchrichten. Wien. (Dekorierung.) Vor kurzem wurde Herr Dr. Paul H a m m e r s ch l a g, Direktor des Giro- und Kasseuvereiues, Sohn des sel. Religionsprofessors H a m m erschlag, durch Verleihung des Ordens der Eisernen Krone III. Klasse vom Kaiser ausgezeichnet. Mit dieser Allerhöchsten Auszeichnung wurde der ganze Stand, welchem Herr Direktor Hammerschlag angehört, anerkannt. Dr. H a m m e r s ch l a g ist ein hervorragender Fachmann auf dem Gebiete der Finanzivelt und erfreut sich allgemeiner Hochachtung und Verehrung aller derjenigen, welche ihm kennen, msbesonders wird ihm seitens der Verwaltung des Giro- und Kassenvereines und des zahlreichen Beamtenkörpers die größte Verehrung entgegeugebracht. Auch auf humanitärem Gebiete ist Herr Direktor Hammer schlag seit vielen Jahren segensreich und unermüdlich tätig. Wien. (Kaiser Franz I o s e f s - I n b i l ä u m s - S e e- Hospiz.) Die Zeit des Aufenthaltes der 15 Mädchen im „Kaiser Franz Josefs-Jnbiläums-Seehospiz" in G r a d o naht ihrem Ende. Anfangs August sollen 15 Knaben an die Reihe kommen. Ein Zufall erlaubt es dem Vereine, diesmal noch einen 16. Platz, und zwar nur gegen Entrichtung der Verpflegskosten zu besetzen. Eltern oder Vormünder, die ein Kind diesem Seehospize in Grado anvertrauen wollen, werden gebeten, sich mit dem Vereine (Bureau: H, Türkenstraße 17) ins Einvernehmen zu setzen. Wien. Sonntag, den 25. Juli d. I., fand im Festsaale der k. k. Universität in Wien die feierliche Sponsion des Fräuleins Karola Bader zur magistra pharmaciae statt. Fräulein Bade r, eine Tochter des Oberlehrers Herrn Moriz Bader in Pohrlitz, absolvierte ihre gymnasialen Studien in Brünn, praktizierte sodann durch drei Jahre in einer Apotheke und vollendete ihre Studien an der Wiener Universität. Sie ist der erste weibliche Apotheker Mährens. Wien. „Elise Her z." Für die unter diesem Namen erschienene illustrierte und zunächst für unsere Jugend geschriebene Geschichte der von Frau Elise Herz geb. Edlen v. Lämel vor mehr als einem halben Jahrhundert in Jerusalem gegründeten Lehranstalt wurde dem Verfasser, Herrn Prof. Mor. A n t s ch e r l in Wien, vom k. u, k. österr.-nng. Konsulat in Jerusalem in einer Zuschrift Dank und ehrenvolle Anerkennung dieser Tage übermittelt. Wir wollen hierbei nicht unerwähnt lassen, daß unser k. u. k. Konsul'in Jerusalem zu wiederholten Malen die genannte Anstalt durch seine Besuche auszeichnet und sich von deren trefflichen Erziehungsresultaten zu überzeugen stets Gelegenheit hat. Luhatscholvitz (Mähren). Der hiesige weitbekannte Kurort' nimmt, dank der günstigen Resultate, von Jahr, zu Jahr an Frequenz zu. Die verschiedenen ausgezeichneten Quellen und Bäder bringen den Leidenden

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