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Die Wahrheit · 1908-07-24 · Heft 29 (24.7.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 29 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seile 8. Die Wahrheil _Nr. 29. 5. Jahre der Pfarrer der Badener evangelischen Pfarrgemeinde nach Anhörung des Pfarrpresbyteriiiflis. Dann beginnt die Reihenfolge von vorne, also im 6., 7. und 8. Jahre wieder der Bürgermeister, im 9. Jahre der Rabbiner n. sw. Falls die Stadt Baden aus irgend einem Grunde dieses Vermächtnis nicht annimmt, so fällt dasselbe der hiesigen israel. Kultusgemeinde zu; diese hat diese Armeustistuug zu verwalten und ihr Rabbiner hat mit dem Pfarrer der hiesigen evangelischen Gemeinde— jährlich abwechselnd — nach den oben angeführten Gesichtspunkten in der angegebenen Weise die zu beteilenden Armen namhaft zu machen. Falls die israelitische Kultusgemeinde dieses Legat nicht annimmt, fällt es der evangelischen Pfarrgemernde zu, falls auch diese es nicht anninlmt, der Stadt Landskron in Böhmen für deren Armen; weil dort dermalen meines Wissens eine israelitische oder evangelische Gemeinde nicht besteht, so hat der Bürgermeister von Landskron Jahr für Jahr nach den obenangeführten Gesichtspunkten in der angegebenen Weise die zu beteilenden Stadtarmen zu bestimmen; falls aber im Lause der Zeit in Landskron eine israelitische oder evangelische Gemeinde entsteht, so erhält sie dasselbe Recht, wie es der israelitischen und evangelischen Gemeinde zu Baden vom Erblasser zugedacht ist. Wenn schließlich auch die wtadt Landskron dieses Vermächtnis nicht annimmt, so fällt der Betrag von 6000 X den gesetzlichen Erben zu. Luhatschowitz. Sonntag, am Sterbetage Herzls, fand im Anschlnsie an das Mmchagebet, welches Herr Kantor Kriner aus Freistadt vortrug, eine Gedächtnisfeier für Herzl statt. Eröffnet wurde diese mit einem von Kantor Grip aus Aussig vorgetragenen Psalm. Hieraus hielt Herr Dr. Frankl-Grün die Denkrede, in der er anknüpsend an den Text aus dem Wochenabschnitt: „Wir wollen gerüstet voranziehen", die Verdienste Herzls um den Gottesdienst hervorhob, indem seit seinem Auftreten jene Bewegung, welche die hebräische Sprache aus dem Gottesdienste bannen und die auf Zion sich beziehenden Stellen ausschalren wollte, ganz zurückgedrängt wurde. Die Rede machte ans die fast vollzählig erschienenen Kurgäste einen riefen Eindruck. Mit dem El-mole Rachmim schloß die erhebende Feier. Karlstadt Kroatien). Samstag, Parschat-Korach, leistete Herr Dr. B. Schick, Rabbiner in Karlstadt, folgende Heldentat. Der II. Kantor, Herr Isidor Groß, veranstaltete an diesem Tage seinem Sohne eine Barmizway-Feier; er hatte mit dem Herrn Rabbiner die Veranstaltung verabredet, harte ihn auch schriftlich eingeladen, allein, weil sich Herr Groß nicht persönlich zu Sr. Ehr würden bemühte, fand es dieser für gut, dem Kinde, seinem Schüler, den Segen, den er allen Konsirmanden erteilt, vorzuenthallen. Selbstverständlich begleitete Herrn Dr. Schick die Entrüstung der ganzen Gemeinde, als er die Synagoge verließ. Der Vorstand des Verbandes der Kantoren Kroatien-Slavonieus hat Herrn Dr. Schick für dieses Benehmen seine Mißbilligung ausgesprochen und diese Kundgebung dem Knltusvorstand in Karlstadt mitgeteilt. Die alle Rebezin. Bon Ernestine Strelisky-Hamburg. (Fortsetzung.) „Gemachte Partien" haßte er. Im Gegenteil, er sollte von der schönen Mirjam, als von der Gloriale ihres Jichus beschieneli, als einer ihm unerreichbaren Märchenprinzessin sprechen hören. Dann würde sich seine Phantasie erst recht mit ihr beschäftigen und das Geschick hoffentlich gnädig walten. Stahlberg kannte Mirjam vom Sehen. Schön war sie, und Schönheit war in solchen Fällen noch nie ein Hemmnis gewesen. Einen Augenblick schwankte Stahlberg. Sollte er seine Gedanken gleich schon in Worte umsetzen, der Absicht, die ihm vorschwebte, Gestalt geben? Umwege, langes Hinansschieben dessen, was er einmal erfaßte, war indes seine Sache nicht. Während ihm das alles blitzartig durch den Kopf schoß, ja noch ehe die Gedanken zu Ende gedacht waren, war ihm auch schon die Frage entschlüpft: „Kennen Sie meinen Josef?" Die Rebezin hatte im Nu begriffen, war sich der Tragweite der Frage augenblicklich bewußt geworden. Allein, sie war nur frappierte Nichts von Freude, ilvch ein der Freude verwandtes Gefühl regte sich in ihrem Herzen. Ja, viel eher etwas wie Schreck, wie eine Art Erstarrnng ging es über sie hin. Und eine schwüle Pause entstand. Dann kam es langsam von ihren Lippen: „Seit zwei Jahren habe ich Ihren Sohn nicht gesehen." Eine Antwort, die ebensogut hätte unterbleiben können, die nichts besagte, sie wußte es ganz gut. Doch Stahlberg fiel es nicht weiter auf. „Ganz richtig," meinte er, „zwei Jahre sinds auch gerade her, seitdem ich Joses vor seiner Abreise nach Wien zum Rav schickte, um Abschied zu nehmen." Die Rebezin hatte zwar manchmal im stillen, nicht ohne ein gewisses Gefühl der Genugtuung der Abschiedsvisite des jungen Stahlberg als einer Ehrung für den Rav gedacht, doch jetzt erschien ihr merkwürdigerweise diese Ehrung recht, gering. Biel weniger noch dachte sie daran, welch guten Eindruck der junge Mann ebenso in seiner äußeren Erscheinung als in seiner bescheidenen klugen Art damals gemacht hatte. „Ja, so lange betätigt sich mein Joses bei einem meiner Geschäftsfreunde in Wien," sprach Stahlberg inzwischen weiter, „und ungefähr ein Jahr noch soll er dort bleiben, dann muß er wieder hier sein. Vorderhand kann ich zwar nicht mit Bestimmtheit sagen, ob ich ihn auch hier behalte, oder ihm eine Filiale in Z. einrichten werde. Das hängt von vielerlei ab, was das nächste Jahr bringen wird. Sollte er sich entschließen können, auf dem Lande zu leben und zur Landwirtschaft die rechte Lust haben, würde mir damit ein schöner Wunsch erfüllt. Ich hätte ihn in meiner nächsten Nähe, könnte mich nach Gefallen nach ihm umsehen und er blieb dann auch gleichzeitig in Fühlung mit den hiesigeil Geschäften, ohne sich in die Leitung hineinmischen zu brauchen. Sie wissen gewiß auch — denn was wäre bei uns ein Geheimnis — daß das große Sazasche Gut im nächsten Jahre, wenn die Pachtverträge abgelansen sind, verkauft werden soll. Ich würde es unter günstigen Bedingungen erstehen können. Die Erben wollen nämlich am liebsten gegen bar verkaufen, wahrscheinlich, um den Kanfschilling desto rascher in Pltris verjubeln zu können." Stahlberg zuckte die Achseln während er halb geringschätzend, halb mitleidig hiuzusetzte: „Kaufte ich nicht, würden die Verschwender weniger gute Auswege finden und das schöne Erbe doch verzetteln," und nach einem Blick zur Rebezin meinte er fortfahrend: „Auf diese jungen Menschen trifft auch zu, was Sie. Rebezin, vorhin sagten, wenn nicht von Haus ans vorgearbeitet, wenn nicht sozusagen den Kindern die Direktive zu nützlicher Betätigung gegeben worden ist, ists mit dem Hinansschicken erst recht verfehlt. Vom Strom der Welt draußen erfaßt, ohne inneren Halt, zerschellen diese Existenzen." „Ich muß gestehen, für mich schließt die Erwerbung des Sazaschen Gutes auch etwas wie einen wunden Punkt in sich ein, worüber ich auch erst hinwegkommeu muß, trotz aller Vernunftsgründe, die dagegen sprechen mögen. Ich weiß nämlich, daß unsereinem dafür, daß diese jungen Leute den ihnen redlich ansgezahlten Kaufpreis draußen wie Spreu verstreuen und schmählich zngrnndegehen, die ebenso widersinnige als grundlose Anschuldigung erwächst, man hätte ihnen das schöne Erbe nur so aus der Tasche gestohlen. Mau sollte diese Kinder arbeiten lehren, sie lehren, nach dem Rechten zu sehen, und sie werden es verstehen, ihr Erbe zu behalten und es sicherlich auch weiter vererben können." Stahlberg blickte der Rebezin ins Gesicht, doch antwortete sie darauf nicht. Nur ihr Blick begegnete dem [einigen wie im stummen Einverständnis. Stahlberg aber war es, als müsse er nun auch dem, was ihn im Innersten mit einem gewissen Stolz erfüllte, noch Nachdruck geben und er setzte hinzu: „Ich glaube, Rebezin, ich habe bei meinen Kindern auch vorgearbeilet, wie Sie es bei den ihrigen getan Huben." Ein leises Beben in seiner Stimme verriet seine innere Bewegtheit, als er dann noch sagte: „Ich hoffe, die Zukunft wirds beweisen und, so Gott will, auch Ihnen beweisen." Für die Dauer einer Sekunde wars der Rebezin durch den Kopf gegangen, Stahlberg wollte ihr einen Einblick in seine Verhältnisse gewähren. „Doch nein!" sagte sie sich gleich darauf in ihren Gedanken, hatte fies doch beinahe mit untrüglicher Gewißheit heransgefühlt, daß er viel eher wie der Freund zum Freunde gesprochen, auf dessen Verschwiegenheit man baut, ohne jede Absicht, ohne protzen zu wollen. Und — wie glänzend waren diese Verhältnisse! Welch enormer Reichtum gehörte dazu, das große Gut bar bezahlen zu künnen! Nein, so hoch eingeschätzt wurde Stahlberg von keinem in der Stadt. Am allerwenigsten hatte sie solch großen Reichtum bei ihm vorausgesetzt. Und dennoch — sie war sich dessen bewußt — es jubelte nichts in ihr, nein, sie griff nicht mit beiden Händen nach diesem Reichtum für ihr Kind!- Fortsetzung folgt. ■£ii

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