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Die Wahrheit · 1908-07-24 · Heft 29 (24.7.1908) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 29 (24.7.1908)
Date
1908-07-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 29. Die Wahrheit Leite 7, P r o p a g a u d a. Behufs Zuführung neuer Mitglieder! wurde in Lemberg die Einsetzung eines Agitationskomitees ver-! .anlaßt, dem es bereits gelungen ist, eine große Anzahl Mit- - glieder neu anzuwerben. Es ist zu hoffen, daß auch in Krakau j eine derartige Agitation entfaltet werden wird, und es wäre; überhaupt zu wünschen, daß unsere Ortsgruppen einen ernst-! liehen Versuch unternehmen, die mit jedem Jahr naturgemäß! abnehmende Mitgliederzahl zu erhöhen. In Tarnow ist die! Bildung einer Ortsgruppe im Zuge, in anderen Orten Galiziens, > wo eine Ortsgruppe nicht errichtet werden kann, wird ver-; sucht, einzelne Mitglieder zum Beitritte zu unserem Vereine zu! gewinnen. i Hilfsverein der Deutsche« Inden. Vom Hilfsverein der D e u t s ch e n I u d e n wird uns folgendes mitgeteilt: Hochgeehrte Redaktion! ' Den falschen Ausstreuungen gegenüber, die seit längerer? Zeit im In- und Auslände über die Tätigkeit des Hilssvereins! der Deutschen Juden und neuerdings besonders geflissentlich j verbreitet werden, sehe ich mich veranlaßt, das Nachstehende in- ' bezug ans unsere Hilfsaktion für die Auswanderer vor der! Oeffentlichkeit klarzuftelleu.! Auf Veranlassung des Hilfsvereins der Deutschen Juden I fand, wie bekannt, eine Konferenz am 4. und 5. Dezember 1904 j in Frankfurt a. M. statt. Auf dieser Konferenz wurde beschlossen : i „daß die einzelnen Länder Vorsorge treffen, damit j die osteuropäische Auswanderung von Land zu Land überj wacht werde;"! „daß ein .internationales Zentralbnrean für die jüdischen! Auswanderer aus dem östlichen Europa^ gebildet werde."! Der Hilfsverein der Deutschen Juden hat darauf gemeinschaft-! lich mit der Großloge für Deutschland in Gemäßheit der Frankj furter Beschlüsse, die Arbeit in Deutschland weiter ausgedehnt, j der er sich auch bereits vor der Konferenz mit großen Opfern ' und Geldmitteln unterzogen hatte. Es war eine zwiefache Aufj gäbe zu erfüllen; als Landesorganisation für Deutschland hatten! wir zu fungieren, und es mußte von uns zugleich ein interi nationales Zentralbureau für die jüdischen Auswanderungs- ' angelegenheiten in Berlin, angegliedert an den Hilfsverein, ins; Leben gerufen werden. ” i Das war im Jahre 1904/05. JmJahre 1906 schlossen sich darauf die J.C.A. und die Alliance in Paris den Arbeiten unseres Zentralburearts für jüdische Aus-? wändernngsangelegenheiten in dankenswerter Weise an und ge-; währten uns für einen b e st i m m t e n Teil der Auswanderung 1 ihre Beihilfe, und zwar die J.C.A. mit 75 Prozent und die! Alliance mit 10 Prozent.! Es muß hervorgehoben werden, daß diese Subventionen j für die von uns ins Leben gerufene Organisation als solche nicht verwendet werden durften und nicht verwendet wurden, daß alle Lasten für unsere Komitees an der Grenze, in den Hafenstädten und im Innern Deutschlands für die von uns gegründeten Herbergen, Verpflegungsstationen und Krankeu-Anstalten, sowie auch die Ausgaben für einen beträchtlichen näher abgegrenzten Teil der Auswanderung selbst nach wie vor vom Hilfsverein getragen worden sind. Um ein Bild zu geben von den Summen, die trotz der dankbar auzuerkennenden Subventionen der Hilfsverein aus eigener Kraft für die Auswanderung aufgebracht hat und noch aufbringen muß, sei auf die nachstehenden Zahlen verwiesen, die übrigens auch in unseren Jahresberichten klar und deutlich angegeben sind. Für die Auswanderung verausgabte das Zentralbureau für jüdische Ausdavon »cr A mtr Wanderungsangelegenheiten Hilfsverein einiance '-1.1904/5 rund 310.000 Mk. 310.000 Mk. keinZuschuß' keinZuschuß „ „ 1906 „ 453.256 „ 253.402 „ 176.342 Mk. 23.512 Mk. „ „ 1907 „ 400.000 „ 221.932 „ 157.119 20.949 „ „ „ 1908 bisher „100.000 „ 83.386 „ 14.288 „ 8.326 „ Seit Ende 1904, also seitdem die große Auswanderungsbewegnng einsetzte, bis heute, sind durch uns für die Auswanderung 1.213.256 Mark ansgegeben worden. Davon entfielen: auf die J.C.A. 347.749 Mk. „ „ Alliance. 46.787 „ „ den Hilfsverein. 868.720 , Laut Schreiben der Deritschen Konferellzgeiellschaft vom 25. Juni 1908 erreichte alsdann die Mitarbeit der Alliance an diesen Aufgaben am 1. April d. I. überhaupt ihre Endschaft. Die Zahlen werden genügen, um die Oeffentlichkeit über unsere Tätigkeit auf dem Gebiete des Anslvanderungswesens zu unterrichten und sie in den Stand zu setzen, alle falschen Ausstreuungen auf diesem Gebiete wie auch auf anderen Gebieten, als das zu nehmen, was sie sind. Ich bedauere, die Oeffentlichkeit mit diesen Darlegungen befassen zu müssen; aber sie ftub eine Notwendigkeit, nachdem von den verschiedensten Seiten Anfragen wegen Klarstellnng an mich gelangt sind. In größter Hochachtung Dr. N a t h a n, Geschäftsführer des Hilfsvereines der Deutschen Juden. Verschiedene Nachrichten. Wien. Samstag, den 25. Juli, Predigt an Stadtrempel. Baden. Letzten Dienstag wurde hier unter Teilnahme der gesamten Bevölkerung, soweit sie nicht zu den Muckern, Finsterlingen und Volksverhetzern gehört, der Edelsten und Besten Einer, Pros. Dr. Franz Süß, zu Grabe getragen. Der Verblichene, von seltener Menschenliebe und Herzensgüre durchdrungen, strebte immer darnach, das Gebot: „Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst!" zur vollsten Wahrheir zu machen, und diese Devise mußte ihn natürlich an die Seite jener, heute leider wenigen und seltenen Christen führen, die ossen und mit aller Entschiedenheit gegen den Antisemitismus austraten. Das von ihm hinrerlassene Testament zeigt in vielen Verfügungen die Größe und Abgeklärtheit seines Charakters. Wie aufrichtig Professor S ü ß. der als Katholik geboren und gestorben ist, jedoch jeden Koiisessionaiismns abgestrersc hat für vollste religiöse Gleichberechtigung einlrat, das geht deutlich aus den nachstehenden Bestimmungen seines Testamentes hervor. Nebst seinen Verwandten testierte er: Für die armen Schüler ohne U n t e r s ch i e d des Volksst a m ni e s und G l a u b e n s b e k e n n t n i s s e s, auch für die Konfessionslosen, des Landskrvner Gymnasiums, beziv. für den dortigen Studeiltenunterstütznngsverein, sofern ein solcher für das Gymnasium besteht und zwischen den Schülern in v o l k l i ch e r und glaubenss ä ch l i ch e r H i n s i ch t keinen ll n r e r s ch i e d m a ch t, 600 K. Für die armen Schüler des St. Pöltner Gymnasiums in derselben Weile wie in Landskron 400 4L Für die armen Schüler des Badener Gymnasinms in derselben Weise wie in Landskron 400 4L Für die sogenannte Kalchersche Knabenanstalt in St. Pölten, unter der Voraussetzung, daß sie Knaben ohne Rücksicht aus Bolksftamin und Glaubensbekenntnis, auch konfessionslose, anfnimmt, 500 K. Für den Deutschen Schnlverein in Wien, w e n n e r n o ch ans n i ch t a n r i s e m i t i s ch e m B o d e n steht, das heißt Deutschen mosaischen Glaubens (deutschen Juden > beu Beitritt gestattet, 600 4L Für die armen Sludeiiten der Wiener Universität unter gleicher Bedingung wie beim Landskrvner Gymnasium 500 4L Für die armen Studenten an der Prager deutschen Universität wie bei Landskron 500 4L. Für die Armen der Stadt Landskron ohne Unterschied des G l a n bc n s b e k e n n t n i s s e s. einschließlich der Konsessionslosen 600 4L Der jüdisch-israelitischen Kulrusgemeinde in Baden und der protestantischevangelischen Pfarrgemeinde in Baden je 400 X. Das Bestehen d i e s e r G e m e i n d e n h a l t e i ch s ü r s ö r d e r n s w e r r i m I n t eres s e d e r A n f k l ä r u n g und des Freisinnes; d e n n. w e n n! sich neben denk katholi scheu Gotteshaus e eui j ü d i s ch e s; und protestantisches erhebt, so wird der Katholik j (und ebenso der Protestant und Jude) am ehesten zum j Denken im allgemeinen und z u m U e b e r p r ü s e n s e i n e r > Glaubenslehren im besonderen angeregt unddadurch! vor Stolz und Eigendünkel bewahrt.! An die Errichtung einer seinen Namen führenden Armenstiftung! knüpfte er folgende Bemerkungen:! Heute ist ein so herrlicher Maitag, wie es seit Jahren keinen ge-! geben hat; tiefblauer, wolkenloser Himmel, warmer Frühlingssonnenschein; j ein milder Lnslhauch bewegt saust die jungen Blätter und die schillernden j Blüten. Ich bin in vergnügter, lebensfroher Stimmung; um an diesem! schönen Tage ein gutes Werk zu tun, vermache ich letztwillig der Stadt Baden für in Baden wohnende Arme ohne Unterschied des Geschlechtes, j der Zuständigkeit, des Glanbensbekenntnifses (auch Konfessionslose zählen i mit) und des Bolksstammes 6000 4L Die zu beteilenden Armen bestimmt . im Lause des Monates April des 1., 2. und 3. Jahres nach Errichtung der Stiftung der Bürgermeister von Baden nach Anhörung des Gemeinde- Vorstandes. im 4. Jahre der Rabbiner der Badener Israel. Kultusgemeinde nach Anhörung der Vorsteher dieser Gemeinde und seiner Beiräte, und im

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