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Die Wahrheit · 1908-07-17 · Heft 28 (17.7.1908) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1908
Issue
Heft 28 (17.7.1908)
Date
1908-07-17
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
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Seue 8. Die Wahrheil Nr. 28. Arrstalten, nämlich vom--Anfänge -des .19. Jahrhunderts bis gegen die Dreißigerjahre. - besaßen nicht mehr profanes Wissen <ils ein heuriger Schüler der fünften Volksschulklasse. Die Kenntnis der deutschen Sprachlehre, der Rechtschreibung und des Rechnens in den vier Spezies war alles, was sie an Bildung besaßen. Als Lesebuch wurde das bereits erwähnte Religionsbuch. Lns Zion, das der destruktive Herz Homburg verfaßte, gebraucht. Die „Normatschnle" bestand aus zwei Klassen. Die erste Klasse wurde in der Regel zwei Stunden-vormittags, und die zweite Klasse zwei Stunden nachmittags unterrichtet. Daß daher in diesen Anstalten leine besonders günstigen Resultate erzielt wurden, laßt sich bei dem niedrigen Bildungsgrade der Lehrerleicht denken. Es war überdies dem Lehrer der Normalschnle zumeist darum zu tun, den christlichen Inspektor — gewöhnlich war es der Dechant — bei der jährlichen Prüfung, wobei er sich gewöhnlich mit dem Ortsgeistlichen über die diesjährige E r n t e unterhielt, hinsichtlich der jüdischen Religionslehre (?) zu befriedigen, was ihm umso leichter gelang, als jener seine Diäterl aus der Gemeindekasse bezogen hatte.*) (Fons, folgt.) Verschiedene Uachrichle». Wien. (Approbario u.) Mittels Erlasses des Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 30. Juni d. I. wurde dem vour israel. Religionslehrervereine „Es r a" heransgegebeneu und bereits in zweiter Auflage erschienenen Gebetbuchc „8 i d d u r K ö 1 Jakob, Gebete Israels für den Schulgebrauch", die Approbation zum Gebrauche an allgemeinen Volks- und Bürgerschulen erteilt. Wien-Floridsdorf. Als erfreulichen Beweis für die idealen Zustände am hiesigen Staatsgymnasium sowie für die besondere Wertschätzung, die unserem Herrn Rabbiner Dr. Rosen m a n n sowohl in jüdischen als auch in christlichen Streifen zuteil wird, sei ein Vorfall registriert. der die weiteste Oeffentlichkeit verdient. Heute Früh versammelten sich sowohl die jüdischen als auch die christlichen Abiturienten in der Hoffmeistergafse vor der Wohnung des Rabbiners Dr. Rosen m a n n und brachten demselben eine Ovation in der Form eines Ständchens dar. Es war dies ein Ereignis, das in unserem Bezirke n a ch h a l t e n d e u Eindruck h e r v o r r u f t. Wien-Floridsdorf. Unter Vorsitz des Herrn Rabbiners Dr. Rosen m a n n fand Sonntag die öffentliche Prüfung in der von ihm ins Leben gerufenen Fortbildungsschule für Mittelschüler start, ebenso in der Mädchenfortbildungsschule, sowie in der Talmud-Thorafchule für Volks- und Bürgerschüler. Die beiden Herren: Amtsleiter und Religionslehrer I. L ö w und Kantor und Religionslehrer I. E i b e n s ch ü tz führten ihre Schüler und Schülerinnen vor, die glänzende Leistungen aufwiesen. Besonders überraschend wirkte der Tertianer Wilhelm Rose nb a u m, der mit vielem Verständnis einen bedeutenden Abschnitt des Deborahliedes auswendig vortrug. Die zahlreich Anwesenden, unter welchen zu bemerken waren die Herren: Vorsteher Emanuel G r ü n w a l d, Obmaunstellvertreter Moriz Schwarz, Obmann der Talmud-Thora Max N e u m a n u, Mitglieder des Tempelvorstandes S. C z u c z k a, Emil Fanto, Oberlehrer Löw, Karl Sinai, sowie die Damen: Bize-Präsidentin des Frauenvereines Frau Rabbiner Dr. Rose n m a n n, Frau Dr. R u ß. Frau Dr. Knecht, spendeten reichen Beifall. In der Verteilung der vom Wiener Kultusvorstande. zur Verfügung gestellten Prämien, sowie in der Danksagung einer Schülerin für die warme Fürsorge des Herrn Rabbiners um die religiöse Erziehung der Jugend fand die schöne Feier ihre Krönung. J. E. Saaz. Dienstag, den 14. d. M., 1 Uhr mittags, fand im hiesigen Tempel die Trauung des Herrn Oberkantor S. G e i r i n g e r aus Gablonz mit Fräulein Hedwig S a in e l statt. Trebitsch. Während des knappen Aufenthaltes des neuernannteu Statthalters von Mähren, des Herrn Baron H e i n o l d, in nnserec Stadt, waren für den Besuch der Synagoge nur 20 Minuten zugemeffen. Trotz-- dem gelang es, mit Hilfe unseres allverehrten trefflichen Rabbiners Dr. I. S t ö tz l e r und unseres tüchtigen Oberkantors M. Fuchs, eine erhebende Feier zustande zu bringen. Der Herr Statthalter nahm zunächst auf dem Gemeindehause der politischen Jsraelitengemeinde die Vorstellung des Gemeinderates und der erschienenen Deputationen entgegen und begab sich sodann durch ein Spalier der Schuljugend und verschiedener Vereine zur Synagoge, die geschmackvolles Festgewand angelegt hatte. Vor dem Eingänge begrüßte Präses Josef T a u s s i g den Herrn Statthalter und stellte ihm die Ausschußmitglieder vor. Im Tempel wurde der Herr Statthalter vom Rabbiner Dr. Stößler und Oberkantor M. Fuchs empfangen und zu seinem Sitze geführt, während der Tempelchor das Lorueü habo »ertrug. Nach dem Abfingen des Ma towu durch Ober¬ *) Gegen die Vierzigerjahre war es mit der deutschen Schule in Böhmen und Mähren besser bestellt, indem schon gewöhnlich tüchtigere Lehrer für den Gesamtunterricht der hebräischen und deutschen Gegenstände akquiriert wurden, die in beiden Beziehungen zu entsprechen bemüht waren. Diese Lehrer haben nicht bloß dem deutschen, sondern auch dem hebräischen Unterrichte Zeit und Kraft mit Lust und Liebe gewidmet. Es gelang ihnen daher in der Tat, den Rabbiner und Gemeindevorstand bei den alljährlich stattgefundenen Prüfungen zu befriedigen. kantor M. Fuchs unter Chorassistenz hielt Rabbiner Dr. S t ö ß l e r die in jeder Beziehung großartige Begrüßungsrede. Mit einem trefflicb gewählten Gleichnis aus unserer Geschichte hieß er den Herrn Statthalter herzlich willkommen und skizzierte sodann mit hinreißendem Schwünge die Stellung der Juden in Oesterreich, ihre Pflichten und Leistungen, wie ihre angeblichen und tatsächlichen Rechte. .„Wir Juden," so führte der. hochbegabte Redner aus, „haben keine besonderen Wünsche, unsere Religion gebietet uns, in jedermann nur den Menschen zu sehen und immer und überall zum Wohle und zum Fortschritte der Menschheit zu wirken. Das ist auch unser ehrliches Streben in unserem Vaterlande, für das wir jederzeit willig die größten Opfer brachten, für das wir uns selbst zu opfern jederzeit bereit sind. Wir Juden haben keine besonderen Wünsche. Wir sind glücklich und zufrieden, wenn man uns den anderen Staatsbürgern gleich erachtet, wenn man unsere ehrliche Arbeit glaubt und sie anerkennt. Ein Zeichen dieser Anerkennung ist uns der hohe Besuch und darum steigert sich unser Jubel und unsere Begeisterung, die die Hnldignng verstärkt, die unseren erhabenen Monarchen heuer besonders nmbraust. Mögen alle Völker unsere Absicht teilen und ihre nationalen Vorzüge, trotz ihrer nationalen und religiösen Gegensätze, dem gemeinsamen Wohle weihen." Nach der Rede rezitierte Oberkantor M. Fuchs mir seinen prächtigen Stimmitteln einen Psalm, worauf Rabbiner Dr. S t ö ß l e r vor geöffneter Buudeslade ein ergreifendes Gebet für Kaiser und Reich verrichtete. Mit der Volkshymne schloß die überaus wirkungsvolle Feier, die den anwesenden staatlichen und städtischen Funktionären und sämtlichen Fesigästen im Gedächtnisse bleiben wird. Der Herr Statthalter wurde vom Rabbiner Dr. Stößler bis zum Tempelansgange begleitet, verabschiedete sich sehr herzlich und sagte: „Ich danke Ihnen. E h r w ü r d e n, vielmals f ü r I h r e h e r r l i ch vollendete, p a r r i o t i s ch e R e d e." Die unerreichte, kernige und freimütige Rede unseres ausgezeichneten Rabbiners, die er mit der ihm eigenen unvergleichlichen Meisterschaft vortrug, erregte in der ganzen Stadt berechtigtes Aufsehen und ivnrde in den hiesigen deutschen wie tschechischen Blättern vielfach besprochen. Rabbiner Dr. Stößler erhielt noch nachträglich durch die k. k. Bezirkshauptmaunschaft schriftliche den Dank und die Anerkennung des Herrn Statthalters. — Sonntag, den 12.Juli, fand hier die M ä d ch e n k o n f i r m a t i o n statt. Nach dem Mincha-Gottesdienste verrichtete Rabbiner Dr. Stößler vor offener Bundeslade ein weihevolles Gebet und hielt dann an die Konfirmandinnen ein feurige Ansprache, in der er sie aufforderte, ihrem Gelöbnisse treu zu bleiben, und in besonders wirksamer Weise das Charakterlose und Erniedrigende des Glaubenswechsels anseinandersetzte. Nun wurde die Prüfung abgehalten. Die Schülerinnen gaben ihre Antworten in präziser Weise. Nachdem die Schülerin Olga T r i e s ch e r im Namen aller das Glaubensbekenntnis gesprochen, überreichte der Rabbiner in passenden Schlußworten den Konfirmandinnen die von der Kultusgemeinde gewidmeten Gebetbücher. Die Feier hat nicht nur auf die Konfirmandinnen, sondern auch aus das überaus zahlreiche Publikum erhebend und erbauend gewirkt. Szenicz. Am 12. Juli fand im Hanse unseres allverehrten Herrn Rabbiners Dr. M a r m o r st e i n die Verlobung seiner ältesten Tochter Etelka mit Herrn Sandor Klein, Kaufmann aus Wien, statt. Dieses Familienfest gestaltete sich zu einer erhebenden Feier. Herr Kultuspräses Hermann Deutsch lud die Repräsentanz der Gemeinde, daß sie korporativ erscheine und dieses Familienfest zu einer Gemeindefestlichkeit mache. Rabbiner Mar in o r st ei n eröffnete die Feier mit gewohnter, weihevoller Ansprache, welche der Feier eine erhebende Signatur verlieh. Auch der Bräutigam bewährte sich als vorzüglicher Redner, denn sein Vortrag machte auf die Anwesenden einen gefälligen Eindruck. Erhebend wirkte die Rede des als Gast hier weilenden Oberrabbiners Dr. Levin aus Nikolsbnrg, der in schönen, begeisternden Worten des in diesem Jahre verstorbenen Oberhauptes der Familie, Herrn Oberrabbiner Mayer Rosenfel d - Miskolcz, gedachte. Berlin. Aus dem Deutschen Bureau der Alliance Jsraslite Universelle erhalten wir folgende Mitteilung: Die Alliance Jsraölite Universelle hat für die Fenerbeschädigten in Wolkowiek (Gouvernement Grodno) eine Unterstützung von 2000 Francs bewilligt, ’ Hamburg. (H a IN b u r g - A IN e r i k a - L i n i e.) Die nächsten Abfahrten von Post- und Passagierdampfern finden statt: Nach N e wy or k: Die Postdampfer: Patricia 18./7., Amerika 23./7., Pretoria 25./7., Blücher 30./7., Graf Waldersee 1./8., Kaiserin Auguste Viktoria 6./8., President Lincoln 8-/8. Nach Boston: Postdampfer Belgravia 24./7.. Nach Baltimore: Postdampfer Belgravia 24. jl. Nach Philadelphia: Postdampfer Pisa 24./7. Nach Q u e b e k-M o n t r e a l: Postdampfer Nordamexika 20./7., 25./7. Nach W e st i n d i e n : Die Postdampfer: Sardinia 22./7., Constantia 24./7. Notiz. „Atlas", Lebens-, Militärdienst-und Rentenversicherungs- Aktiengesellschaft, Wien, I., Franz Josefs-Kai 1 (Atlas-Hof). In der achten Generalversammlung wurde der Jahresbericht per 1907 vorgelegt. Aus demselben geht hervor, daß 6233 Anträge über K 15,882.131 eingereicht wurden, 5176 Polizzen über K 12,210.325 zur Ausstellung gelangten. Die Prämieneingänge stellten sich auf K 1,115.104 42, die Prämienreserve und Prämienüberträge aus K 4,466.335 87- Die Sterblichkeitsverhältnisse sind durchaus günstige gewesen. Aus dem Betriebsüberschuß per K 11.440 26 werden K 6000 dem Dividendenfonds der Versicherten zugewiesen, welcher sich nunmehr auf X 77..Ö14,05 stellt. Der Rest wird auf neue Rechnung vorgetragen. Das kooptierte Verwaltungsmitglied Herr Eugen Mai, Rentier in München, wurde in seiner Funktion bestätigt.

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