Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1908
- Issue
- Heft 27 (10.7.1908)
- Date
- 1908-07-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Sene 8. Die Wahrheit Nr. 27. gefundener Neuwahl den neuen Vorstehern, „Gabbaim“, das Bereinsvermögen zur Verwaltung gegen Quittung zu übergeben. § 6. Am Halbfeste eines jeden Pessach- und Sukkothfestes haben die Vorsteher das Einkommen des Vereines zu berechnen und ein Verzeichnis sämtlicher zahlungsunfähiger, schulpflichtiger Kinder anzusertigen, um es dem Gemeindevorstande und Rabbinate, denen es zusteht, über die Befreiung von der Schulgeldbezahlung zu entscheiden, vorlegen zu können. Der Gemeindevorstand und der Rabbiner müssen ihre diesbezügliche Entscheidung derart treffen, daß einerseits der Einfluß der Gabbaim nicht alieriert und andererseits von jedem armen Manne wenigstens ein Kind von dem Schulgelde befreit werde. § 7. Jeder zahlungsfähige Vater ist verpflichtet, für sein Kiüd, das in den Elementargegenständen unterrichtet wird, halbjährlich 2 fl., für ein Kind, das den Unterricht des Pentateuch genießt, halbjährlich 3 fl., und für ein Kind, das schon im Talmud unterrichtet wird, 4 fl. zu zahlen. Auch die §§ 73 - 78 der „Schai Tekanotk“ enthalten einige das Unterrichtswesen und das Einkommen der Lehrer der unteren Klassen betreffende Maßregeln. Diesen zitfolge mußten sämtliche Lehrer ein gleichmäßiges Einkommen und eine gleiche Schülerzahl haben u. s. w. Die einheimischeit Lehrer durften in ihrem Einkommen durch andere aus fremden Gemeinden übersiedelte Lehrer nicht im entferntesten beeinträchtigt werden u. s. w. Als Hauslehrer, und zwar nur für den Talmudunterricht, durften auch fremde Individuen berufen werden, jedoch mehr als vier Kinder — die auch zwei Gemeindeutitgliedern angehöreu mochten — zu unterrichten, wurde einem solchen Hofmeister nicht erlaubt. Der Orlsräbbiner war verpflichtet, im Vereine der Gabbaim, am Halbfeste eines jeden Pessach- und Sukkothfestes den Lehrplan zu entwerfen und am Freitag einer jeden Woche die Schulkinder zu prüfen. Im Verhinderungsfälle konnte er sich hieriti durch einen Supplenten vertreten lassen u. s. w. Fortsetzung folgt. Verschiedene Unchrichleu. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat den außerordentlichen Professor an der Prager deutschen Universität, Herrn S. S t e i n h e r z, zum ordentlichen Professor an derselben Universität ernannt. Wien. Der Eisenbahnminister hat den Ingenieur Ernst Brod, Sohn des Präsidenten des Vereines zur Hebung der Gewerbe, Herrn S. Brod, zum Ober-Ingenieur der k. k. österr. Staatsbahnen ernannt. Wien. Wir werden um nachstehende Ausnahme ersucht: Der nach einer Mitteilung Ihres geschätzten Blattes vom 12. Juni aus dem Judentum ausgetretene Herr Leopold Popper ist weder mit mir identisch, noch steht derselbe in irgendwelcher Beziehung zu unserer Familie des verstorbenen Oberkantors Albert Popper in Wallachisch - Meseritsch. Höchachtend Leopold Popper, Reisender, Wien II/1. Wien. (B i b e l s ch u l - P r ü fu n g.) Die Bibelschule im YIII. Bezirke, Neudeggergafse 12 (Tempelgebäude), veranstaltete am 30. Juni, l/*5 Uhr, die Jahresprüfung. Als Gäste waren anwesend: Der Rabbiner des Bethauses des YIII. Bezirkes Dr. Bauer, als Vertreter des Kultusvorstandes Amtsleiter Brau n, die Tempelvorsteher Architekt I. Mod ern, H. P o l l a k, I. Steiner. Tempelsekretär M. Rosen b erg und Eltern der Schüler. Der Präses Hermann Beck, der sich für das Gedeihen der Schule lebhaft interessiert, entschuldigte seine Abwesenheit durch seinen Kuraufenthalt. Der Prüfungsstoff war in der I. Abteilung (Schüler der 3. bis 5. Volksschulklaffe): Uebersetzung HI. Buch Moses aus Ackre- MoSj Kdausehim, Emor, B’har, B’chukaussai. In der II. Abteilung (Bürger- und Mittelschüler): Uebersetzung V. Buch Moses aus B-'sü, Schoftim, Ki-sseze, Ki-ssowau. In beiden Abteilungen wurde auch hebräische Grammatik, die zur Erleichterung der Uebersetzung des Hebräischen erforderlich ist, geprüft. Die Prüfung machte durchwegs einen erfreulichen Eindruck, denn sie hat bewiesen, daß der Lehrer der Bibelschnle, Religionslehrer der Kultusgemeinde Abraham Heinr. Sprinzeles, mir freudiger Pflichttreue und pädagogischem Geschick unterrichte und daß die Schüler mit Lust und Liebe lernten und das angestrebte Ziel erreichten. Viele aufrichtige und verdiente Anerkennung fanden der Lehrer und die Schüler in den Ansprachen, die die Herren Braun, Rabbiner Dr. Bauer und Vorsteher Modern nach der Prüfung an die Schüler richteten. Besonderer Dank wurde auch dem Vereins- und Tenipelvorstaude ausgesprochen, der den Unterricht in jeder Weise förderte. Es muß bei diesem Anlässe mit Freude und wiederholt konstatiert werden, daß alle Privat-Bibelschulen sehr gute Erfolge erzielen, dank deni selbstlosen und verständnisvollen Mitwirken der Vereins- Mitglieder und der materiellen Unterstützung und moralischen Förderung durch die Kultusgemeinde. Stockerau. In Anwesenheit des Bezirksrabbiners Herrn Dr. M. Rosenmann aus Floridsdorf und vieler Gäste fand in Stockerau, als dem Sitz der uengegründeten Kultusgemeinde Stockerau-Korneuburg, am 29. v. M. die Religionsprüsung beider Religionsschulen und Festgottesdienst statt. Unter Führung des Religionslehrers Herrn S. Z e l i n k a erschienen dessen Schüler in Begleitung der Eltern und vieler Mitglieder aus Korneubnrg und Umgebung, sowie die Schüler in Stockerau mit ihrem Lehrer Herrn W e r d i s h e i m, der gesamte Vorstand Und alle Mitglieder und Frauen im Festgewande in dem schön dekorierten Tempel. Nach dem vom Kantor Werdish e i ni abgehobenen Gottesdienste, wobei sich der gilt geschulte Chor auszeichnete, hielt Rabbiner Dr. Rosen m a u n eine formvollendete Predigt und sprach dann das Kaisergebet vor offener Bundeslade. Mit Absinguug der Volkshymne endete der erhebende Festgottesdienst. Nach der Prüfung, welche ausgezeichnet ausfiel, da die Schüler alle an sie gestellten Fragen präzis beantworteten, dankte Lehrer Z e l i n k a dem Herrn Rabbiner für die Fürsorge, welche er den beiden Schulen, widmete, und dem Vorstand für die Veranstaltung dieser Festfeier, welche Herr Präses Schneider und Herr Vizepräses S o f e r mit Umsicht und schönem Erfolge leitete. Sodann wurde allen Kindern in den großen Saallokalitäten des Herrn S a l v e n d e r vom Franenvereine eine gute, ausgiebige Jause verabreicht. Lob und Anerkennung gebührt der ivackeren unermüdlichen Präsidentin Frau Helene M u n k für ihre so liebevolle Umsicht und Mühewallung, den mitwirkenden Vorstandsdamen Frau Schneider, S o f e r u. a. und den zahlreichen Spenderinnen aus Stockerau und Korneuburg, welche es ermöglichten, daß man so viele Kinder bewirten nnd erfreuen konnte. Mit einem gemütlichen Beisammensein, wobei in vielen begeisterten Toasten den Veranstaltern, dem Frauenverein und beiden Lehrern der Dank ausgesprochen wurde, schloß diese allen Teilnehmern, jung und alt, in angenehmer Erinnerung bleibende Schulfeier! Znaim. Vor kurzer Zeit fand die feierliche Uebergabe des vom hiesigen israel. Frauenwohltätigkeitsvereines gespendeten Proches und Decke statt. Aus diesem Anlasse hielt Rabbiner Dr. K a h a n eine der Feier entsprechende äußerst wirkungsvolle Ansprache und würdigte das verdienstvolle Wirken des Vereines und der Vorstandsdamen, woraus im Namen der Gemeinde und in Vertretung des Kultusvorstehers Herrn Rudolf W o tz i l k a, der Beirat Herr Johann Much der Vereinsleitung den Dank abstattete. Frau Präsidentin Loise Brüll erwiderte in trefflichen Worten. Die kantorale Funktion versah Kantor Handgriff in würdiger Weise. Die herrlich ausgeführten Geräte sind von der bekannteii Firma Jos. Schlesinger in Wien. Gelvitsch. Am 5. Juli wurde in unserer Gemeinde der langjährige Vorsteher der Chewra-Kadischa, Herr David Spiegel, im 46. Lebensjahre zu Grabe getragen. Der Verblichene, der viele Jahre hindurch auch Mitglied des städtischen Feuerwehrvereines war, genoß allgemeine Beliebtheit, und die Sympathien, deren er sich erfreute, kamen in der geradezu großartigen Teilnahme fast der ganzen Bevölkerung, wie auch der Feuerwehr unserer Stadt au dem Leichenbegängnisse zum Ausdrucke. Am Friedhose rezitierte Herr Kantor A. S ch i m k o w i tz in ergreifender Weise das Hazur tomim, worauf Herr Rabbiner Dr. Keßler einen Nachruf hielt, in welchem er die ausgezeichneten Eigenschaften des Verblichenen schilderte. Hierauf sang der gemischte Chor das und als dann der Leichnam in die kühle Erde gesenkt wurde, glitten mit den Schollen, die dumpf auf den Sarg niederfielen, viele Tränen aufrichtiger Trauer in das Grab hinab. A. 8. Kremsier. Montag, den 29. Juni beehrte der mährische Statthalter Herr Dr. Karl Heinold Freiherr v. Udyns ky, begleitet von allen politischen und städtischen Behörden, unser» Tempel mit seinem Besuche. Am Eingänge begrüßte ihn der Vorsteher Ignaz Knöpselmacher. Im Tempelhofe überreichte ihm die Schülerjn Irene Jokl einen Blumenstrauß und trug ein patriotisches Gedicht vor. An den Pforten des Tempels empfing ihn Rabb. Dr. Frankl-Grün, begleitetete ihn auf seinen Platz und richtete folgende Ansprache an ihn: „Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Ewigen. Wir begrüßen Euch im Gotteshanse. Geschichtlicher, heiliger Boden ist es, den Euere Exzellenz betreten, die Stätte, au welcher fast dritthalb hundert Jahre für das Wohl und Heil der Regenten Oesterreichs gebetet wird. Jeder Vorhang' an dieser Wand vergegenwärtigt ein wichtiges Ereignis aus dem Leben unseres erhabenenMonarchen, des Kaisers Jubeltage. Als in den Mauern unserer Stadt, dem damaligen Sitze des Reichsrates, zuerst der Regierungsantritt des Kaisers verkündet wurde, war es dieses Gotteshaus, aus welchem zuerst Dankgebete zu Gotr emporstiegen, für die den Israeliten verliehene Gleichberechtigung. Aber nicht bloß für unfern Kaiser, sondern auch für dessen Räte, für die Behörden, für die Väter unserer Stadt und Gemeinde, beten wir in diesen Hallen. Wir begrüßen in Euer Exzellenz, den Vertreter Sr. Majestät, den höchsten und ersten Beamten Mährens. Gott segne Ihr Wirken, daß unser engeres Vaterland unter Ihrer gerechten Verwaltung gedeihlich und ersprießlich zur Blüte und Pracht sich entwickle und entfalte, daß die Wohlfahrt seiner Bewohner stets zunehme und seine Bürger brüderlich und friedlich zusammen leben im Geiste des Prophetenwortes: Fürwahr, einen Gott haben wir Alle, ein Gott hat uns erschaffen! Im Sinne unseres erhabenen Monarchen, welcher gleiche väterliche Liebe gegen alle Landeskiuder hegt, mögen auch Euere Excellenz Unfern Glaubensgeuossen Wohlwollen und Gerechtigkeit entgegenbriugen, Amen!" Der Statthalter dankte für die herzerhebeudeu Worte und bat um Auskunft über die Inschrift eines ans der Schwedenzeit stammenden Vorhanges. Er äußerte seine Beftiedigung über den herrlichen Empfang, durch den der Vorsteher und die Räte einen wahrhaften Kidusch-Hascheni bewirkt haben. Den gesanglichen Teil der Feier versah. Oberkantor Reichhart.